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Was Forscher fühlen

Gefühl und Objektivität – gehört das zusammen? Ein FU-Team aus Psychologen, Ethnologen und Literaturwissenschaftlern untersucht die Emotionen, die Forscher während ihrer Arbeit erleben. Von Petya Zyumbileva

 

Freude, Neugier, Zorn oder gar Angst? Viele Wissenschaftler blenden ihre eigenen Emotionen beim Forschungsprozess aus. Illustration: Faustina Kork

Freude, Neugier, Zorn oder gar Angst? Viele Wissenschaftler blenden ihre eigenen Emotionen beim Forschungsprozess aus. Illu: Faustina Kork

Begeisterung. Enttäuschung. Zufriedenheit. Stress. Die Palette an Emotionen, die zu unserem Alltag gehören, ist breit. Unser Handeln wird oft von ihnen bestimmt. Doch was bedeuten diese Emotionen – auch Affekte genannt – für die Forschung, die den Anspruch hat, objektiv und empirisch zu sein?

Das Projekt „Die Affekte der Forscher“ will dieser Frage auf den Grund gehen. Dafür haben sich Sozial und Kulturanthropologen, Primatologen und Literaturwissenschaftler zusammengefunden. Seit 2013 untersucht das Forscherteam die Emotionen, die bei Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen während der Feldforschung entstehen.

Um Vergleichbarkeit herzustellen, werden nur Forschungsprojekte in Indonesien untersucht. Dafür beobachten die Forscher unter anderem die Forschungsbedingungen und Arbeitsweisen von Primatologen, die im Orangutan Care Center auf der Insel Borneo arbeiten. Dort werden eigentlich verletzte und kranke Orang-Utans behandelt. Die Forscher gehen davon aus, dass die Arbeit mit den Tieren ihre Kollegen auch emotional berührt und dadurch womöglich auch ihre Forschung beeinflusst.

Auch in anderen Disziplinen führen teilnehmende Forscher für das Projekt Emotionstagebücher. In diesen notieren sie ihre Affekte während der Arbeit. Projektleiter und Ethnologe Dr. Thomas Stodulka wertet diese aus und führt zusätzlich Interviews mit den Forschern. Feldforschung beruht oft vollkommen auf Begegnungen mit Menschen, auf interaktivem Austausch. Und der ruft Emotionen hervor.

Doch viele Wissenschaftler blenden ihre eigenen Affekte aus. „Emotionen kann man aber nicht wegleugnen“, so Stodulka. Auch seine eigene Arbeit ist oft von emotionalen Begegnungen geprägt: Er beschäftigt sich mit Kindern und Jugendlichen, die auf der Straße leben. Dass dabei auch persönliche Bindungen entstehen, liegt auf der Hand. Zahlreiche Schicksale berührten ihn: „Viele neu gewonnene Freunde habe ich im Laufe der Zeit sterben sehen.“

Aber auch positive Emotionen gehören zum Forschungsalltag – etwa wenn man im Gespräch Zugang zu seinem Forschungsobjekt findet. Die neuesten Ergebnisse des Projekts deuten darauf hin, dass es in der Feldforschung einen Zyklus aus positiven und negativen Affekten gibt. Aber Stodulka warnt auch davor, diese als störenden Faktor abzutun: „Emotionales Wissen ist wertvoll. Wir wollen verhindern, dass es verloren geht.“ Stattdessen müssen sie reflektiert und in den Forschungsprozess einbezogen werden.

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