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Endlich denkt mal wieder einer

An der FU gibt es viele literarische Talente: Nach Ramona Raabes Debüt hat nun auch Janko Marklein seinen ersten Roman veröffentlicht. Ein Gespräch mit Josta van Bockxmeer

Hat gerade seinen ersten Roman veröffentlicht: Janko Marklein. Foto: privat

Hat gerade seinen ersten Roman veröffentlicht: Janko Marklein. Foto: privat

Auf den ersten Blick ist Janko Marklein ein typischer Student. Er öffnet die Tür seiner WG in Mitte, die er mit fünf anderen teilt. Er wirkt nüchtern und bestimmt, ist unauffällig angezogen. In seinem hellen und einfach eingerichteten Zimmer verrät nur ein Detail, dass Janko neben seinem Philosophiestudium noch ein anderes Leben führt: Auf einem Regalbrett stehen einige Exemplare von „Florian Berg ist sterblich”, seinem ersten Roman, im August im Aufbau-Verlag erschienen. Ob es ihn freue, nach dreieinhalb Jahren Arbeit endlich das eigene Buch in den Händen zu halten? „Ein echtes Buch zu haben, in einem echten Laden, das ist schon nett“, sagt Janko mit dem für ihn typischen Understatement, das gleichzeitig verrät, wie glücklich er ist.

Begonnen hat er mit dem Roman 2010, nachdem er den Literaturwettbewerb „Open Mike“ gewonnen hatte. Nach dem Finale kam eine Agentur auf den damals 23-jährigen zu. Inzwischen studiert Janko Philosophie im Master an der FU. Neben seinem Studium hat er sich immer wieder Zeit genommen – zum Schreiben, Löschen und erneut Schreiben. Sein Agent habe ihn dabei unterstützt: „Wenn man unsicher ist und denkt, das wird nie fertig, weiß er, wie man damit umgeht“, so Janko.

Das Ergebnis ist ein Buch, in dem jedes Wort an der richtigen Stelle steht. „Florian Berg ist sterblich” handelt von Florian Berg, der in der norddeutschen Provinz aufwächst und später zum Philosophiestudium nach Leipzig zieht. Dort verliebt er sich in seine Tutorin Anna Kuszlak, der er sogar nach Chile folgt. Der Roman enthält viele autobiographische Elemente, denn auch Janko kommt aus Norddeutschland und hat während seines Studiums am Literaturinstitut in Leipzip ein Jahr in Chile verbracht. Das Entscheidende an dem Roman sind jedoch nicht die Parallelen zu Jankos Leben, sondern die Eigenschaften seiner Hauptfigur, die er ins Extreme getrieben hat und zum tragenden Konflikt des Romans werden lässt.

Bescheidener Ironiker

Denn Florian Berg führt einen inneren Kampf. Er hat keinen Zugang zu seinen eigenen Gefühlen und weiß auch nicht, wie er sie ausdrücken soll. „Mich interessieren Figuren, die ein kaputtes Verhältnis zur eigenen Emotionalität haben“, sagt Janko. Das führt zu Szenen, die gleichzeitig komisch und unangenehm sind. So überlegt Florian zuerst, ob er wohl schulfrei bekommt, als  ein Freund von ihm vor den Zug springt. Stilsicher lässt Janko immer genau die Stelle aus, an der die Gefühle stehen sollen.

Die Ironie im Roman hat für Janko einen politischen Grund: Er habe nicht kommentarlos noch ein Buch über das Aufwachsen eines weißen, westlichen Jugendlichen schreiben wollen. „Ich kann eigentlich nicht so richtig aufrichtig über studentischen Liebeskummer schreiben, weil das nicht die größte Beachtung in der Gegenwartsliteratur verdient.“ Trotzdem setze er sich mit diesen und ähnlichen Themen auseinander: „Wenn ich so etwas sage, funktioniert es nur über eine ironische Perspektive, alles andere wäre vermessen.“

Philosophische Einflüsse

Janko spricht ruhig und unterbricht sich beim Erklären seiner Entscheidungen für das Buch mehrmals. Sein Philosophiestudium beeinflusse sein Schreiben ihm zufolge kaum. Doch seine Überlegungen zur Ironie deuten auf eine Lust am Denken hin. Außerdem ist der Titel des Romans eine Abwandlung des Satzes „Sokrates ist sterblich“, einer berühmten Schlussfolgerung aus der Logik. Der Roman scheint aussagen zu wollen, dass Florian Berg einer von vielen sterblichen Menschen ist, und seine Probleme nicht allzu ernst genommen werden sollen. Der Preis dafür ist aber, dass er für den Leser nur schwer greifbar bleibt.

Das Dilemma, über Persönliches zu schreiben, ohne dabei überheblich zu sein, ist noch nicht aufgelöst. Derzeit arbeitet Janko an seinem nächsten Roman, der weniger ironisch werden soll. „Ich bin sehr glücklich damit, wie der Roman geworden ist, aber ich dürste auch danach, eine andere Erzählperspektive zu haben“, sagt er. Um die Geschichte einer Freundschaft soll es gehen, vielmehr könne er dazu noch nicht sagen. Die Erwartungen dürfen hoch sein, denn eines hat Janko mit seinem Debüt bewiesen: Schreiben kann er.

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