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Laborratten geht’s besser als Ihrem Hund

Veterinärmedizinerin Christa Thöne-Reineke ist Tierschutzbeauftragte an der FU, arbeitet aber mit Versuchstieren. Kontrovers? Was Tierschutz für sie bedeutet, hat sie Eva Famulla erzählt.

Die Tierschutzbeauftragte Thöne-Reineke möchte das Leben von Versuchstieren verbessern. Foto: Eva Famulla

Die Tierschutzbeauftragte Thöne-Reineke möchte das Leben von Versuchstieren verbessern. Foto: Eva Famulla

Eine Giraffe im Zoo, ein Mops im Hundepullover und eine Ratte im Versuchslabor. Bei welcher Szene wird der Ruf nach Tierschutz am ehesten laut? Richtig, höchstwahrscheinlich beim Versuchstiernager. Dass Tierschutz und Haltung von Versuchstieren jedoch viel besser zusammenpassen, als man denkt, zeigt FU-Professorin Christa Thöne-Reineke. Sie setzt sich für das Wohlergehen von Labortieren ein.

Als die FU Ende 2014 das Institut für Tierschutz, Tierverhalten und Versuchstierkunde gründete, wurde die Veterinärmedizinerin als Leiterin berufen. Sie erfüllt an der Uni außerdem die Funktion der Tierschutzbeauftragten und ist in der Lehre tätig. Erst diesen Oktober erhielt die 50-Jährige einen Forschungspreis vom Land Berlin – ausgezeichnet wurde ihr Konzept für eine Ringvorlesung, die im Sommersemester 2016 stattfinden soll. Die Veranstaltung wird alternative Forschungsmethoden vorstellen, die Tierversuche langfristig reduzieren, ersetzen und verbessern können. Bekannt auch als 3R-Forschung: reduce, replace, refine.

Tierwohl geht vor

Thöne-Reineke wuchs auf dem Land auf. Ihre Eltern hatten einen großen Hof mit Schweinen und Kühen. Die Tiere hätten immer im Mittelpunkt gestanden. „Weihnachten hatten alle schon Bescherung, aber bei uns wurde noch gemolken“, erzählt sie schmunzelnd. Schon früh entschied sich Thöne-Reineke, Tierärztin zu werden. Sie erhielt einen Studienplatz in Berlin. Dass sie einmal mit Versuchstieren arbeiten würde, konnte sie sich damals noch nicht ausmalen: „Ich wollte Fachtierärztin  für Rinder werden. Ich habe gedacht, ich fahre von Hof zu Hof und behandele die Tiere.“ Doch ihre Promotion wies sie in eine andere Richtung. Sie begann, Versuchstiere zu betreuen, habilitierte und war unter anderem an der Charité tätig. Dann bewarb sie sich bei der FU, die sie unter deutschen Universitäten  für die Vorreiterin im Thema Alternativmethoden und Refinement hält.

Die  Veterinärmedizinerin glaubt nicht, dass in absehbarer Zeit ganz auf Versuchstiere verzichtet werden kann, wenn man nicht dem Fortschritt abschwören will. Und genau deswegen habe sie sich für die Versuchstierforschung entschieden: „Es ist wichtig, dass in diesem Bereich Menschen arbeiten, die sich mit den Tieren auskennen und denen etwas an ihnen liegt.“ Es gehe primär um das Wohl der Versuchsnager. Dafür forscht auch ihr Institut: Ziel ist es, die 3R-Forschung voranzutreiben und den Studierenden nahe zu bringen.

Verschiedene Messlatten für den Tierschutz

Was die Tierärztin am meisten stört, ist die Ungerechtigkeit, mit dem das Thema in der Öffentlichkeit behandelt wird: „Der Forscher ist immer der böse Tierquäler.“ Doch gerade im privaten Bereich gebe es fast keine Regelungen: „Rassetiere sind Qualzuchten und der Rassestandard ist eine Summe von Erkrankungen.“ Thöne-Reineke wünscht sich in diesem Bereich genauso strenge Vorschriften wie in der Versuchstierkunde: Zucht- und Haltungsgenehmigungen und einen Sachkundenachweis.

„Wir müssen das Bewusstsein schärfen. Tierschutz sollte auch im Lehrplan von Schulen stehen.“ Gerade im privaten Bereich leide das Tierwohl unter den Bedürfnissen der Menschen Bei Thöne-Reineke Zuhause gibt es zurzeit keine Haustiere. „Im Moment sehe ich nicht, dass wir dem Tier gerecht werden können“, erklärt sie. Wer ein Tier kaufe, der habe auch Verantwortung. Und mit einem Vollzeitjob sei das nicht vereinbar.

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