Mit Kinderwagen auf den Campus | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Mit Kinderwagen auf den Campus

Weil Elternglück und Studienabschluss sich nicht widersprechen sollen, stellt die FU jungen Eltern viele Erleichterungen zur Verfügung. Diese reichen aber nicht aus, findet Sarah Ashrafian.

 

montagskommentar_edited

Deutschland im Babysegen: Ende letzten Jahres ergab eine Studie, dass Frauen hierzulande so viele Kinder bekommen wie seit 1990 nicht mehr. Studierende bleiben unter den Müttern aber wohl eher eine Minderheit. Schließlich steigt das durschnittliche Alter, in dem Frauen in Deutschland das erste Kind bekommen, während das Durschschnittalter beim Studienabschluss sinkt. Auch für jene, die ein Kind haben wollen, scheint die Studienzeit dafür nicht infrage zu kommen. Dabei bemüht sich die FU seit Langem darum, jungen Eltern das Studium zu erleichtern.

Ein Kind soll kein Nachteil sein

Rechtsberatungen, Unterstützung bei der Wohnungssuche und zusätzliche Sozialleistungen – auf all diese Leistungen haben Studierende Anspruch, die sich während ihres Studiums dazu entscheiden, ein Kind zu bekommen. Viele dieser Hilfen werden sogar direkt vom Studentenwerk angeboten. Und auch die Universität selbst hat Institutionen errichtet sowie Vereinbarungen getroffen, die Eltern das Studium erleichtern. Dazu gehört unter anderem die FU-Kindertagesstätte. In der campuseigenen Kita können die Kinder den ganzen Tag betreut werden. Zwischen 7:30 Uhr am Morgen bis 18:30 kümmern sich die Erzieher um die Kleinen, während die Eltern Seminare und Vorlesungen besuchen können. Bei der Platzvergabe werden Angehörige von Studenten der FU bevorzugt.

Auch im Studium selbst hat die FU für Erleichterungen gesorgt. Für Eltern von Kindern unter drei Jahren gilt die Obergrenze für Urlaubssemester nicht – eigentlich dürfen sich Studenten höchstens in zwei aufeinanderfolgenden Semestern beurlauben lassen. Und auch die Anwesenheitspflicht bei ihnen wird nicht so eng gesehen: Die Studenten können mit dem Dozenten vereinbaren, gewisse Ersatzleistungen zu erbringen. Außerdem müssen laut den Frauenförderrichtlinien der FU Parallelveranstaltungen angeboten werden, So haben Eltern die Chance, eine Veranstaltung trotz Zeitmangel zu besuchen. Zudem werden sie bei der Zuteilung von Plätzen für Seminare mit Platzbeschränkungen bevorzugt.

Die Erleichterungen reichen nicht

Diese Bemühungen sind lobenswert. Und doch reichen sie nicht aus. Beispielsweise leben in Berlin derzeit rund 11.000 Studenten, die je mindestens ein Kind haben. Die Kita der FU hat aber nur 180 Plätze. Selbst wenn auf jede Hochschule in Berlin eine Kindertagesstätte mit solcher Platzzahl käme, würden die freien Plätze bei Weitem nicht reichen. Eine Garantie auf einen unieigenen Kita-Platz haben studierende Eltern also keineswegs.

Auch Urlaubssemester bringen Schwierigkeiten mit sich: Der Bafög-Anspruch ist während dieser Zeit nicht gegeben und das eigene Kindergeld fällt ebenfalls weg. Falls die Eltern außerdem einen Studentenjob haben, können sie in diesem während des Urlaubssemesters nicht weiter arbeiten. Sie sind nun voll versicherungspflichtig und die Option eines Studentenjobs fällt damit weg.

Zudem ist auch die gelockerte Anwesenheitspflicht nicht ganz so entlastend. Eltern müssen nämlich insgesamt immer noch bei mindestens 75 Prozent der Veranstaltungen anwesend sein. Das sind nur 5 Prozent weniger als bei allen anderen Studenten. Rein rechnerisch dürfen sie damit nicht einmal eine Sitzung mehr fehlen als ihre kinderlosen Kommilitonen.

Die Ansätze, Studenten mit Kindern zu helfen, sind also da. Doch damit Studierende die Zeit an der Uni häufiger als Zeit für Kinder in Betracht ziehen, müssen sie noch stark ausgebaut werden. Nur dann wäre garantiert, dass die Entscheidung für Nachwuchs kein Nachteil für das Studium bedeutet.

Ein Kommentar

  • Leider beginnt das schon in der Schwangerschaft: keine Sonderregelungen bei der Anwesenheitspflicht und Kurswahl, vom Verständnis für (werdende) Väter ganz zu Schweigen. Im Unialltag fehlt es an praktischen Dingen wie Kühlschränken zum Kühlen von Muttermilch, elektrischen Milchpumpen, Stillräumen, … Andere Unis sind schon viel weiter, Kurzzeitbetreuung, Co-Working Spaces, o.ä. sucht man an der FU vergeblich!

Kommentar verfassen

Solidarischer Krieg

Was haben Bundesregierung, Bundeswehr und ein UN-Mandat gemeinsam? Nichts, zumindest wenn es um den Militäreinsatz in Syrien geht. Über dessen Bedeutung sprach Ronny Ebel mit Maria Krisinger, die sich einem offenen Protestbriefes anschloss.  » weiterlesen