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Ewige Ehemalige: Anwalt der Daten

Er ist ein Hipster der besonderen Art: Hans Peter Bull schützte schon Daten, bevor es das Internet gab. Seinen Weg zum obersten Datenhüter schlug er bereits als Jura-Student an der FU ein. Von Corinna Schlun

Bull lernte an der FU das politische Leben kennen. Foto: Privat

Bull lernte an der FU das politische Leben kennen. Foto: Privat

Datenschutz, das klingt nach dem Widerstand gegen Facebook, Google und die Vorratsdatenspeicherung. Also eher nach heute als nach gestern. Doch auch schon vor dem Internet kämpften Menschen um ihre informationelle Selbstbestimmung. Allen voran: Hans Peter Bull. Von 1978 an schaute er den Bundesbehörden in Sachen Datenschutz auf die Finger.

Eine Arbeit, die er sich lange nicht vorstellen konnte. Denn Bulls ursprünglicher Berufswunsch war Journalist. Seinem Vater zu Liebe entschied er sich dann doch für ein Jura-Studium. Diese Entscheidung hat der emeritierte Professor für Öffentliches Recht und Datenschutz dann doch nie bereut.

Nach ein paar Semestern in Marburg und Hamburg zog es ihn zum Wintersemester 1958 in die Hauptstadt. West-Berlin und die FU waren für Bull Sehnsuchtsorte. „Nach meinem eher gemütlichen Studium wollte ich diese faszinierende Stadt kennenlernen, in der die deutsche Geschichte an jeder Ecke sichtbar war und wo sich die großen politischen Blöcke berührten“, erzählt der heute 79-Jährige. Seine Ausführungen wirken kühl und kontrolliert, fast penibel. Man hört den Juristen in ihm.

Die Auseinandersetzung zwischen den Blöcken war im Berlin des Kalten Krieges ständig spürbar. Hier wurden die Spannungen zwischen Ost und West für Bull greif bar: „Mir wurden die Augen geöffnet für die politische und geistige Situation in der Welt.“

Das ließ ihn auch seine Prioritäten im Studium anders setzen. Die Vorträge von Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem Bundestagsabgeordneten Walter Scheel an der FU, das Studentenkabarett und der Jugend-Film-Club fand er damals interessanter als das Pflichtprogramm des Jurastudiums. Beim bloßen Zuhören blieb es aber nicht: „Wir Studenten diskutierten intensiv über die Konfrontation der Blöcke. Anfang Januar 1959 fand an der FU ein Studentenkongress gegen Atomrüstung statt – wir wollten auch für die großen politischen Fragen Lösungen finden“, erinnert sich Bull.

Und so spielte die Politik auch in seinem späteren Leben eine wichtige Rolle. Schon früh während seines Studiums fand er großes Interesse an Datenschutz. „Das Verhältnis von Recht und Technik interessierte mich schon während meines Studiums und war dann Gegenstand meiner Dissertation.“ Mehr als ein Jahrzehnt später fragte die damalige Bundesregierung, ob er erster Datenschutzbeauftragter Deutschlands werden möchte. Bull sagte Ja und unterbrach dafür sogar seine Professur an der Universität Hamburg.

Als Bundesbeauftragter gab er Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen des Bundestags ab. „Schon damals wurde zum Beispiel viel über das Einwohnermeldewesen und die Nutzung von Kundendaten zu gezielter Werbung diskutiert. Die Erwartungen an den Datenschutz waren von Anfang an enorm“, sagt Bull.

Mit fortschreitender Digitalisierung ist die Brisanz dieses Themas noch gestiegen. Die derzeitigen Entwicklungen sieht Bull deswegen mit Sorge. „Der NSA-Skandal ist ein Skandal, weil er zeigt, dass die Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten die Grundrechte von Nicht-Amerikanern geringschätzen.“ Das wahllose Abschöpfen von Daten sei nach unseren Maßstäben verfassungswidrig. „Ich sehe aber schwarz, ob es gelingen wird, eine Änderung herbeizuführen.“

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