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Was nun, Eure Exzellenz?

Spitzenforschung, internationales Ansehen und sogar ein guter Einfluss auf die Lehre – die Exzellenzinitiative hat hohe Erwartungen geweckt. Und enttäuscht. Von Alexandra Brzozowski

Illustration: Zoe Schütte

Illustration: Zoe Schütte

Die Exzellenzinitiative – von Politik und Wissenschaft hoch gelobt, von Studierenden meist eher kritisch beäugt. Seit das Förderprogramm für universitäre Forschung 2005 von Bund und Ländern ins Leben gerufen wurde, polarisiert es die Gemüter. Vor allem die Hoffnung, dass die Qualität der Forschung auf die Lehre abfärbt, wurde herb enttäuscht

Nun neigt sich die aktuelle Förderphase ihrem Ende zu, sie läuft im Herbst 2017 aus. Die Verhandlungen über die Nächste laufen derzeit an. Auch die Freie Universität will sich erneut um Gelder aus dem Fördertopf der Exzellenzinitiative bewerben – und ist zum Erfolg verurteilt: Sollten die Mittel ausfallen, könnte dies ein großes Loch in den Uni-Haushalt reißen.

An der FU gilt der Exzellenz-Begriff unter den meisten Studierenden als Unwort. Hier, wo der Revolutionsgedanke der 1968er-Bewegung und der Bildungsproteste noch nachklingt, stößt die Exzellenzinitiative auf besonderes Misstrauen. Ein Dorn im Auge vieler Studierendenvertreter ist, dass viele Entscheidungen mit möglichen Auswirkungen auf die Studienbedingungen im politischen Hinterzimmer getroffen werden. Dabei könnte die Exzellenzinitiative so einiges an der Uni verbessern. Bis zum Jahr 2017 werden die Universitäten knapp 4,6 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln aus dem Programm erhalten haben. Nach Jahren der chronischen Unterfinanzierung bestand die Hoffnung, dass sich so die Finanzsituation der im Wettbewerb siegreichen Hochschulen verbessert. Finanziert wird das Großprojekt zu drei Vierteln vom Bund und zu einem Viertel von den Ländern.

Aber die Verteilung der Exzellenzmittel ist kompliziert. Insgesamt sind drei Förderlinien vorgesehen: Zum einen fließt das Geld in 45 Promotionsprogramme. In der zweiten Linie werden sogenannte Exzellenzcluster – fachübergreifende Forschungsverbunde verschiedener Wissenschaftsdisziplinen gefördert. In der dritten und prestigeträchtigsten Förderlinie unterstützt das Programm elf „Zukunftskonzepte“ der Universitäten. Das sind Pläne, die die Universität erstellt, um Forschung auf hohem Niveau zu fördern. Nur, wer hier erfolgreich ist, darf das Siegel „exzellent” tragen. Voraussetzung dafür sind aber mindestens ein Cluster und eine Graduiertenschule.

Die FU bewarb sich bisher jedes Mal erfolgreich um Mittel: drei Exzellenzcluster und sieben Graduiertenschulen mit Beteiligung der FU werden gefördert, ihr Zukunftskonzept verschaffte ihr das Siegel der „Exzellenzuniversität“. „Die Freie Universität, aber auch die anderen im Wettbewerb ausgezeichneten Hochschulen werden international deutlich stärker als bisher wahrgenommen“, hob FU-Präsident Peter-André Alt hervor. Das erhebliche Aufgebot an Finanzmitteln zeige seine Wirkung.

Doch die positive Grundstimmung trügt: Es geht zuvorderst um die Exzellenz der Forschung. Qualität und Förderung universitärer Lehre spielen in diesem Verfahren keine Rolle. Befürworter werben zwar damit, dass auch die Studierenden profitieren, weil sich exzellente Forschung auch auf die Qualität der Lehrinhalte auswirke. Doch prekäre Verhältnisse in der Lehre sprechen eine andere Sprache: Die Hörsäle bleiben überfüllt, die Betreuung vieler Studierenden ist weiterhin unzureichend und viele Spitzenforscher werden von ihrer Lehrverpflichtung entbunden.

Was die Zukunftskonzepte der vergangenen Förderphase angeht, kommt auch das „Centrum für Hochschulentwicklung“ (CHE) zu einem ernüchternden Ergebnis. „Es kann weder von einer generellen Verschlechterung in der Lehre, beziehungsweise bei den Studienbedingungen, noch von einer positiven Beeinflussung durch die Exzellenzinitiative aus Sicht der Studierenden gesprochen werden.“

Dass zum Wettbewerb zwischen den Hochschulen auch Verlierer gehören, ist unvermeidbar. Die Förderung von Glanzprojekten führte zu bundesweiten Ungleichheiten zwischen den chronisch unterfinanzierten Hochschulen. Viele Unis außerhalb der Ballungszentren klagen, dass sie kaum mehr die notwendige Ausstattung hätten. An allen Enden müsse dort gespart werden, was letztendlich auch wieder an den Studierenden hängen bliebe.

Zwar hat die FU das Glück, noch von den Geldern zu zehren. Aber niemand weiß, ob das nach dem Ende der derzeitigen Förderrunde so bleiben wird. Das Präsidium gibt sich trotzdem betont optimistisch. Man kenne seine Stärken und werde im Einklang damit einen neuen Bewerbungsantrag stellen, verkündete FU-Präsident Alt im Akademischen Senat (AS). Bereits jetzt prognostiziert der Haushaltsplan der FU rote Zahlen, sollten die Gelder ausbleiben. Im AS wurde bei der Haushaltsdebatte Ende letzten Jahres eben diese Sorge geäußert: Man kämpfe zunehmend mit Engpässen bei der Finanzierung.

Eine Niederlage bei der Bewerbung würde bedeuten, dass man umstrukturieren müsse. Zumindest, wenn man das Niveau der Forschung halten möchte. Die Folgen für die Lehre wären dann nicht absehbar. Notfalls müsste man ernsthaft über Einsparungen nachdenken. Schlimmstenfalls könnte die Lehre an ganzen Fachbereiche betroffen sein.

In Zeiten, in denen die Studierenzahl ein Rekordhoch erreicht, darf Exzellenz nicht nur an Forschung ausgemacht werden. Denn bevor es Wissenschaftler und Forscher geben kann, müssen Studierende gut ausgebildet und herangeführt werden. Die Exzellenzinitiative hat die Forschung an der FU nach vorne gebracht. Sollte sie bleiben, wäre es nun an der Zeit, in die Breite zu gehen: Exzellenz sollte auch in den Seminarräumen spürbar sein.

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