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„Geschichte hält sich nicht an Grenzen“

Die Globalgeschichte boomt. Master-Studierende der FU haben nun eine eigene Fachzeitschrift gegründet. Welchen Beitrag sie zum jungen Forschungsfeld leisten wollen, erzählten zwei von ihnen Cecilia T. Fernandez.

Global Histories Zeitschrift

Marius und Alexandra von der Fachzeitschrift „Global Histories“. Foto: Cecilia T. Fernandez

Marius Oesterheld (27) und Alexandra Holmes (26) studieren im Master Globalgeschichte. Zusammen mit einigen ihrer Kommilitonen gründeten sie vergangenes Jahr die „Global Histories“, eine digitale Fachzeitschrift für Studierende. Ihre erste Ausgabe ist in diesem Semester erschienen.

FURIOS: Ihr studiert beide Globalgeschichte. Das klingt erstmal nach einem sehr weiten Forschungsfeld – geht es dabei um die Geschichte der gesamten Welt oder was genau kann man sich darunter vorstellen?

Alexandra: Eine präzise Definition der Globalgeschichte gibt es noch nicht. Das Feld ist relativ jung und dadurch noch formbar. Viele sehr unterschiedliche Forschungsprojekte laufen unter dem Label. Darum, die Geschichte der ganzen Welt zu erforschen, geht es dabei aber nicht.

Sondern?

Alexandra: Es geht im Wesentlichen darum, Geschichte losgelöst von den Grenzen des Nationalstaats zu denken. In der Geschichtswissenschaft geht es immer noch oft um die Geschichte von Nationalstaaten, also die Geschichte Frankreichs oder Deutschlands. Aber der Staat ist eine historische gewachsene Einheit, die man nicht einfach als gegeben hinnehmen muss.

Marius Oesterheld: Historische Entwicklungen halten sich nicht an Ländergrenzen – sie übersteigen und unterwandern sie. Das verfolgen Globalhistoriker.

In dieses junge Feld habt ihr nun eine digitale Fachzeitschrift eingeführt, die „Global Histories“. Warum?

Marius: Weil uns ein solches Angebot fehlte. Für Studierende ist es fast unmöglich, in Fachzeitschriften veröffentlich zu werden. Das ist nicht nur schade um die Arbeiten, es mindert auch die Chancen auf eine Doktorstelle und macht es schwieriger, sich zu vernetzen. „Global Histories“ soll es Studierenden ermöglichen, noch vor dem Doktor Beiträge zur Forschung zu leisten, aber auch einfach Informationen zu Veranstaltungen und Projekten in unserem Feld abzurufen.

Alexandra: Ganz konkret kam uns die Idee nach der „Global History Student Conference“ im vergangenen Jahr. Bei dieser Konferenz hatten junge Nachwuchshistoriker aus aller Welt an der FU zusammengefunden. Die Beiträge waren sehr spannend und die Rückmeldung war durchweg positiv – da dachten wir: „Irgendwie müssen wir das festhalten.“ Deshalb ist diese Ausgabe auch der Konferenz gewidmet.

Nach welchen Kriterien habt ihr die Artikel ausgewählt?

Alexandra: Weil im Zentrum der ersten Ausgabe die Konferenz stehen sollte, sind die Artikel eine Auswahl der Redebeiträge. Wichtig war uns, dass alle Autoren zugleich Studierende sind. Aber es gab auch ganz praktische Überlegungen: Wer sagt uns zu? Wer schickt dann auch rechtzeitig seinen Artikel?

Thematische Kriterien gab es also keine?

Marius: Na gut, schon – im weitesten Sinne sollen die Artikel mit Globalgeschichte zu tun haben, sie erweitern oder auch herausfordern. Was aber nicht heißt, dass jeder Autor sich selbst als Globalhistoriker verstehen muss. Und wir suchen insbesondere Fallstudien, die ihre eigene Forschung präsentieren und nicht nur Sekundärliteratur wiederkauen. Das ist auch für unsere Leser spannender.

Gab es in der Produktion der ersten Ausgabe einen Moment, an dem ihr dachtet, alles geht schief?

Alexandra: Es gab so viele! Nein, im Ernst: Wir waren ein super Team und haben toll zusammengearbeitet. Trotzdem gab es natürlich auch brenzlige Momente. Ganz hektisch wurde es am Veröffentlichungstag – das Hochladen der PDF stellte uns vor ungeahnte Schwierigkeiten.

Marius: Es war fast witzig: Du, Alexandra, hattest am Vortag noch darüber gescherzt, dass wahrscheinlich alles klappen würde, außer der Veröffentlichung. Und dann war diese eigentlich banale Aufgabe tatsächlich so schwierig.

Alexandra: Stimmt, aber am Ende haben wir auch das geschafft! Und wir haben sehr positive Rückmeldungen von Studierenden und Dozenten ganz unterschiedlicher Institute bekommen. Wir freuen uns schon sehr auf die nächste Ausgabe.

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