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Nach der Schule werde ich Chefin

Der diesjährige Girls‘ Day an der FU weckte wieder das Interesse zahlreicher junger Schülerinnen in verschiedenen naturwissenschaftlichen und technischen Fachbereichen. Von Hannah Lichtenthäler

Die Mädchen dokumentieren fleißig ihr Erlebnis im Chemie-Labor. Foto: Hannah Lichtenthäler

Männer werden Bauingenieur, Frauen Kindergärtnerin. Noch immer werden bestimmte Berufsfelder als typisch „männlich“ oder „weiblich“ verstanden. Obwohl die Tendenzen langsam aber sicher steigen, sind Frauen in vielen Berufen zu wenig vertreten. An Hochschulen betrifft das vor allem die sogenannten MINT Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Seit 2001 findet jährlich der Girls‘ Day statt – eine Initiative, um Mädchen schon früh für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern.

Auch die FU öffnete vergangenen Donnerstag wieder die Türen für Schülerinnen ab der fünften Klasse. Zahlreiche Workshops aus den Fachbereichen Biologie/Chemie/Pharmazie, Physik, Mathematik/Informatik, Rechtswissenschaft, und anderen standen zur Auswahl. Auch auf die starke Diskrepanz in Berufen mit sehr geringer Frauenquote in Führungspositionen wurde aufmerksam gemacht. Das breite Angebot der Workshops reichte dabei von der „Honiganalyse“ über „DNA zum Anfassen“, bis hin zu „Nach der Schule werde ich Chefin“.

Wir haben gerade gesponnen

Bei einem Besuch im Fachbereich Chemie beim Workshop „Sag mal, spinnst du?“ rufen die Teilnehmerinnen voller Begeisterung: „Wir haben gerade gesponnen!“ Mit einer grünen Lösung haben die Mädchen Spinnenweben erzeugt. Die Dozentin Öznur Delikaya erklärt: „Elektrospinnen ist eine spezielle Technik zur Herstellung von Geweben, genau genommen polymeren Nanofasern“. Daraus können später Batterien entstehen.

Die fünf Teilnehmerinnen hatten bisher kaum oder keine Berührung mit dem Fach Chemie. Die elfjährige Yvonne erzählt: „Früher dachte ich immer, Chemie sei etwas mit Explodieren, aber dass es so viel Spaß im Labor machen würde, habe ich nicht gedacht“. Spaß macht es im Labor definitiv. Zwischendurch präsentieren Mädchen mit einer Laufstegeinlage ihr neues Chemikerinnen-Outfit. Ob sie sich später für eine Karriere in den Naturwissenschaften entscheiden, oder doch für die Modelkarriere, wird sich erst mit den Jahren zeigen. Die ersten Berührungen mit Chemie, und vor allem einem weiblichen Vorbild, ermutigen sie in jedem Fall, sich die Zukunft in allen Bereichen offen zu halten – egal, ob sie als typisch männlich gelten oder nicht.

Es war bestimmt Mr. X

Ein Stockwerk höher zerbrechen sich vier Teilnehmerinnen in einem kleinen und fensterlosen Raum den Kopf, wer der Täter oder die Täterin sei. „Wir lösen einen Kriminalfall – wer hat es getan?“ ist der Workshop, in dem Haarproben im Labor untersucht werden, um herauszufinden, wem das Haar vom Tatort gehört. Ist Mr. X der Täter? Am Ende kommen sie natürlich zum richtigen Ergebnis, sonst würde es ja nicht so viel Spaß machen, Detektivin zu spielen. Eva ist zwölf und hat den Workshop gewählt, da ein Kriminalfall doch „cool“ klinge.

Naturwissenschaft sowie Führungspositionen sind nicht nur Männersache. Auf dem Arbeitsmarkt muss sich noch einiges ändern, und vor allem müssen Machtstrukturen aufgebrochen werden. Die Frauenquote von 30% in börsennotierten Unternehmen ist ein kleiner, noch immer unfairer, Versuch dies zu ändern. Deshalb ist der Girls‘ Day eine wichtige Initiative in der geschlechterpolitischen Arbeit. Das Fazit der Mädchen ist auf jeden Fall eindeutig: Allen hat der Probetag an der Uni sehr viel Spaß gemacht. Studieren wollen die Teilnehmerinnen natürlich alle, da sind sie sich einig. Ob es Chemie sein wird, wissen sie allerdings noch nicht.

Ein Kommentar

  • Girls Days sind wichtige Tage, das ist in dem Beitrag gut dargestellt! Damit sich die Berufe mit Frauen und Männern die Waage halten, bedarf es weiterer Girls-und auch Boys Days. Natütlich immer auch mit einer guten Berichterstattung wie hier.

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