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Die unendliche Geschichte der Migration

Bauern mit Migrationshintergrund und historische Vergleiche, die zu politischen Zwecken genutzt werden – darüber wird zurzeit in einer Ringvorlesung diskutiert. Rebecca Stegmann liefert eine Vorschau.

Wanderungsbewegungen hat es zu jedem Zeitpunkt der Geschichte gegeben. Bild: Carl Wilhelm Hübner

Migration hat es zu jedem Zeitpunkt der Geschichte gegeben. Bild: Carl Wilhelm Hübner

Einwanderung und Integration –  nur heute viel diskutierte Themen? Eine Ringvorlesung an der FU will zeigen, dass es in der Menschheitsgeschichte schon immer Bevölkerungsbewegungen gab. Unter dem Titel „Migration. Wanderungsbewegungen vom Altertum bis in die Gegenwart“ werden Migrationsbewegungen aus historischer Perspektive beleuchtet. Hier verraten drei FU-Professoren, was Zuhörer bei ihren Vorträgen erwartet:

Migranten bringen Sesshaftigkeit

Archäologe Wolfram Schier wird in seinem Vortrag am 25. Mai von „Bauern mit Migrationshintergrund“ sprechen. Der Titel bezieht sich auf die bäuerliche Lebensweise, die Migranten in der Jungsteinzeit zu den bis dahin nomadisch lebenden Europäern brachten. Menschen aus den Gebieten des heutigen Nahen Ostens migrierten ab etwa 6500 vor Christus nach Europa – das belegen genetische und archäologische Untersuchungen.

„Die Verbreitung der bäuerlichen Lebensweise verlief vom Westen der heutigen Türkei über die Ägäis nach Griechenland und über die Landverbindung beim heutigen Istanbul nach Bulgarien,“ erklärt Schier. So wurden schließlich auch die mitteleuropäischen Jäger und Sammler zu sesshaften Ackerbauern. Schier betont, dass die derzeitige Bevölkerungsbewegung kein unbekanntes Phänomen sei, denn:  „Aus kulturgeschichtlicher Perspektive sind Migrationen fester Bestandteil der Geschichte Europas.“

Ideologisch gefärbte Interpretationen

Damit, wie Historiker über Migrationen als Bestandteil der Geschichte schrieben, befasst sich Felix Wiedemann in seinem Vortrag „Rückwärtsgewandte Prophezeiungen. Wie Historiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts Migrationsgeschichte erzählten “ am 20. Juli.

Im 19. Jahrhundert sei viel über vergangene Wanderungsbewegungen nachgedacht worden. Angetrieben wurde die Debatte damals unter anderem durch die Einwanderung von vor Pogromen fliehenden Juden und Arbeitssuchenden aus dem Osten. „Wie Historiker die antiken Kulturen sahen, war immer ein Spiegel der Gegenwart“, so Wiedemann.

Unter anderem am Beispiel der Geschichtsschreibung über Babylon will Wiedemann verdeutlichen, dass die Interpretation historischer Fakten je nach ideologischer Ausrichtung sehr unterschiedlich ausfiel. Die multikulturelle Zusammensetzung der altertümlichen Stadt sei von einigen Historikern damals genutzt worden, um zu betonen, dass Babylon aufgrund seiner Vielfalt zugrunde gegangen sei. Doch es gab auch andere Deutungen: „Britische Historiker zum Beispiel aber verglichen das erfolgreiche Kulturzentrum Babylon mit dem London ihrer Gegenwart – beide schienen gleichermaßen kulturell gemischt.“

Skepsis bei historischen Vergleichen

Auch der Vortrag „Kann die spätantike ‚Völkerwanderung‘ etwas zum besseren Verständnis unserer Gegenwart beitragen?“ von Stefan Esders am 13. Juli soll von historischen Analogien handeln – allerdings mit einem aktuellen Schwerpunkt: Ist die Bezeichnung „Völkerwanderung“ für die derzeitige Situation passend?

Die spätantike Völkerwanderung begann um 375 nach Christus, als die Hunnen aus Asien nach Europa kamen und auf ihrem Weg germanische Völker wie die Westgoten vor sich hertrieben. Die wiederum eroberten 410 nach Christus Rom. „In der Forschung werden allerdings noch viele andere Gründe für den Untergang des Weströmischen Reiches genannt“, sagt Esders.

Wenn heute der Zuzug der Geflüchteten als Völkerwanderung bezeichnet werde, sei implizit gemeint, dass die Geflüchteten zum Untergang der Europäischen Union führen würden. Unbewaffnete Geflüchtete werden als Eroberer dargestellt, die die Herrschaft an sich reißen wollen. „Rechtspopulisten und auch einige Fachwissenschaftler instrumentalisieren den Untergang des Römischen Reiches,“ so Esders.

Diese und weitere Themen zur Migrationsgeschichte präsentiert die Ringvorlesung noch bis zum 20. Juli 2016. Die Vorlesungen finden immer mittwochs von 18.15 bis 20 Uhr im Hörsaal 1a in der Rost- und Silberlaube statt.

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