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„Ich will den Leuten Mut machen”

Nach der Katastrophe von Fukushima gingen Tausende Japaner auf die Straße. Sie forderten das Ende der Atomkraft – doch die Regierung ignorierte ihre Proteste. Eiji Oguma drehte mitten unter den Demonstranten eine Doku über die Unruhen. Nun lehrt er als Gastprofessor am Ostasien-Institut der FU und sprach mit uns über die Folgen des Super-GAU.

 Eiji Oguma drehte einen Dokumentarfilm über die Atombewegung in Japan nach Fukushima.

Eiji Oguma drehte einen Dokumentarfilm über die Atombewegung in Japan nach Fukushima.

FURIOS: Herr Oguma, Ihr Film handelt im Grunde vom Versagen der japanischen Medien: Die Anti-Atom-Bewegung wurde ignoriert. Wie erklären Sie sich das?

Eiji Oguma: Ich denke, das liegt an der konservativen Struktur der Medien. Diese sammeln all ihre Informationen von etablierten Organisationen wie Parteien oder Gewerkschaften. Zudem erreichen sie heutzutage nur noch einen kleinen Teil der Bevölkerung, hauptsächlich die Älteren. Die urbane junge Generation ist vom System und den Massenmedien entfremdet und verlässt sich stattdessen auf das Internet als Informationsquelle.

Haben Sie sich daher entschieden, einen Film zu machen und kein Buch?

Tatsächlich habe ich sowohl eine Abhandlung als auch ein Buch über die Bewegung veröffentlicht. Ich sah es schlichtweg als meine Verpflichtung als Historiker, die Geschehnisse festzuhalten. Die Menschen brauchen Geschichte. Sie sollte als Grundlage für die Planung der Zukunft dienen. Es ist eine andere Art, Geschichte zu bewahren und die Gesellschaft zu beschreiben. Bücher sind analytischer und eher für die ältere Generation, während der Film jüngere Menschen anspricht, die sensibler für Bilder und Sound sind. Es ist ein anderes Erlebnis.

Der Film endet, als sich die Regierung dazu entschied, alle Nuklearreaktoren bis 2030 abzuschalten. Wie ist die Situation heute?

Die jetzige Regierung, die konsevative Partei LDP, hat die Entscheidung der vorherigen Regierungspartei DPJ wieder rückgängig gemacht. Durch das japanische Wahlsystem gewinnt die LDP 30 Prozent Stimmen von den etablierten Organisationen, der Rest fühlt sich von politischer Teilhabe ausgeschlossen. Diese Frustration führt zu weiter sinkenden Beteiligungszahlen – ein globaler Trend.

Was kann dagegen unternommen werden?

Genau das ist das Ziel meines Films: Ich will den Leuten damit Mut machen. Teile der japanischen Bevölkerung haben ihr Vertrauen in die Gesellschaft verloren, sogar in die Macht ihrer Stimme. Sie müssen sich erheben und sehen, wozu sie imstande sind.

Können Sie mit all dieser Frustration und politischen Enttäuschung optimistisch an Japans Zukunft denken?

Ich lebe in Japan und habe eine zehn Jahre alte Tochter. Ich darf nicht pessimistisch sein. Deswegen habe ich einen so optimistischen Film gedreht.

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