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Die Sprache der Populisten dekonstruieren

Bei einer Podiumsdiskussion wird über die besonderen Möglichkeiten von Kulturschaffenden gesprochen, Gesellschaftsprobleme anzugehen. Viel diskutiert wird dabei allerdings nicht, findet Lukas Burger.

Welche politische Verantwortung haben Autoren wirklich? Foto: John-Mark Kuznietsov

Welche politische Verantwortung haben Autoren wirklich? Foto: John-Mark Kuznietsov

Auch wenn man manchmal immer noch hofft bald aus einem surrealem Traum zu erwachen, ist es traurige Realität: Donald Trump hat es mit rassistischen Parolen ins Weiße Haus geschafft und ist mit seinem Erfolg kein Einzelfall. Auch in Frankreich und Deutschland drohen in diesem Jahr Parteien mit rechten Gesinnungen in die Parlamente einzuziehen. Die Frage, wie man mit der besorgniserregenden Ausbreitung und Etablierung von solchem Gedankengut umgehen kann, ist eine, die sich immer wieder stellt.

Ein Vergleich mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus

Im Institut Francaise haben sich am 02. Februar die vier SchriftstellerInnen Sherko Fatah und Christoph Hein aus Deutschland, sowie Leslie Kaplan und Lydie Salvayre aus Frankreich zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Engagement Heute“ getroffen, um zu erörtern, worin die Möglichkeiten von Autoren liegen, dem aktuellen Rechtsruck zu begegnen. Angeregt wurde die Veranstaltung von der französischen Schriftstellerin Cécile Wajsbrot und der französischen Organisation Maison des écrivains et de la littérature.

Langfristiges Ziel ist ein internationaler Schriftstellerkongress in mehreren Etappen, der an den Kongress zur Verteidigung der Kultur gegen den Faschismus aus dem Jahr 1935 erinnern soll. Indem sie sich ein solches Vorbild nimmt, vergleicht die Veranstaltung die heutige politische Lage mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus. Zu Beginn der Podiumsdiskussion hält die FU-Dozentin Prof. Dr. Susanne Zepp einen kurzen Vortrag über den Kongress von 1935. Die Reden konzentrierten sich damals vor allem auf die Spannung zwischen politischem Engagement und künstlerischer Unabhängigkeit und bildeten ein breites Meinungsspektrum ab.

Mehr Monologe, als wirkliche Debatten

So wichtig das Thema und so löblich die Absichten auch sind, passiert am Ende leider, was bei Podiumsdiskussionen zu befürchten ist: Nachdem alle Teilnehmenden aufwendig vorgestellt wurden, dominieren von den anderen Diskutierenden lächelnd abgenickte Monologe das Gespräch. Nur Streckenweise gelingt es, dass ein Aspekt der Diskussion von mehreren AutorInnen beleuchtet und kommentiert wird. Der Rückbezug von Lydie Salvayre auf Sherko Fatahs Behauptung, als Autor müsse man vor allem die Sprache und Begriffe der Rechtspopulisten dekonstruieren, ist eine regelrechte Ausnahme.

Denn engagiert ist vor allem die Moderatorin. Ihre Beteiligung geht dabei jedoch so weit, dass der Schluss naheliegt, sie hätte an der Diskussion lieber als Teilnehmerin partizipiert. So stellt sie mehrere Suggestivfragen und hält auch sonst nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg. Die AutorInnen auf der Bühne lassen sie dabei regelmäßig ins Leere laufen, indem sie auf animierend gestellte Fragen eher ernüchternde Antworten geben. Im Verlauf der Diskussion resigniert sie schließlich sichtlich.

Dennoch weigert sie sich tapfer, die Aussage Christoph Heins, als einzelner Schriftsteller sei man eher machtlos gegen die meisten gesellschaftlichen Prozesse, als Schlusswort zu akzeptieren. Schließlich rettet sie eine Wortmeldung aus dem Publikum, die die Veranstaltung an sich schon als gelungene Maßnahme betrachtet und besonders die hohe Zahl der anwesenden Studierenden hervorhebt. Das Problem an dieser Lesart wurde leider zuvor schon diskutiert. Wer solche Veranstaltungen besucht, war schon zuvor eher keine Gefahr für Kultur und Demokratie. Ob diese aber wirklich einen Einfluss auf das politische Geschehen haben, darf bezweifelt werden.

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