Furios suchtet: Auf Entzug | FURIOS Online
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Furios suchtet: Auf Entzug

Bei Sucht geht es immer um Crack, Meth oder Heroin? Selbst im legalen Bereich kann man viele Substanzen suchten. Eva Famulla schwebt vor allem eines vor Augen: eine Riesen-Schoko-Sahne-Torte.  

Genau so o eine Torte schwebt unserer Autorin vor Augen. Foto: Flickr

Genau so eine Torte schwebt unserer Autorin vor Augen. Foto: Flickr

Ich habe zugegeben eine ziemliche Obsession mit Schokolade. Halbe Sachen gibt es nicht: Eine Tafel kaufen, heißt auch eine Tafel vernichten. Wenn ich versuche keine Schokolade zu essen, finde ich ziemlich schnell andere Ersatzsubstanzen, die genug Zucker enthalten, um meine Stimmung oben zu halten. Besonders anfällig bin ich in Prüfungsphasen. Andere bekommen in der Zeit einen Putzfimmel, ich eben Fressattacken. Ich will wissen, wie sehr mich meine Zucker-Sucht schon im Griff hat und beschließe einen Selbstversuch zu wagen. Einen Tag lang keine Schokolade und kein Schokoladen-Ersatz ist das Ziel.

9 Uhr morgens, ich quäle mich aus dem Bett. Als ich gerade zur Knusper-Müsli-Packung greifen will, fällt mir ein: Kein Zucker heute. Was für eine blöde Idee. Ich bin ein wahnsinniger Müsli-Junkie. Aber gut, Knäckebrot und Honig sind auch lecker. „Haha! Denkste!“, lacht eine hämische Stimme im Hinterkopf. Na gut, dann gibt’s eben eine Scheibe Gouda. Mit zwei mickrigen Scheiben Knäckebrot im Bauch und schlechter Laune, setzte ich mich aufs Rad und fahre zur Uni.

Der Feind lauert überall

13 Uhr, Mittagszeit. Ich freue mich: Das sollte einfach sein. Reis mit Gemüse und Hühnchen. Kein Problem! An der Kasse fällt mein Blick auf Mars, Bounty und co. Der Feind ist überall. In der Mensa schaue ich mich verstohlen um. Neben mir isst ein Mädchen Schokopudding und zwei Tische weiter sehe ich eine offene Kekspackung auf dem Tisch. Ich stehle mich leise aus der Mensa und unterdrücke meine Wehmut.

16 Uhr nachmittags. Es fällt mir langsam wirklich schwer, nicht an Zucker zu denken – ich überlege mir Alternativen. Milchkaffee, ein Apfel, Kaugummi? In der Caféteria erzähle ich einem Freund von meinem Selbstversuch. Er sieht das Ganze in wenig strenger und fängt an aufzuzählen, wo überall sonst noch Zucker drin ist: in Brot, in vielen Käsesorten, von Milch und Obst ganz zu schweigen. Ich werde sauer und sage ihm, er solle das doch lieber für sich behalten.

Leichter gesagt, als getan

20 Uhr abends. Ich habe einen Mordshunger. Und ich bin langsam paranoid. Zugesetzter Zucker in Brot und in Käse – wo bitte ist denn kein Zucker drin? Dabei will ich doch eigentlich nur was essen. Frustriert koche ich schließlich Reis und mache mir einen Salat. Die Honig-Senf-Soße muss wegfallen, stattdessen gibt es Zitrone und Olivenöl.

22 Uhr. Ich sitze mit meiner Mitbewohnerin auf der Couch und schaue „Die Anstalt“. Ich erzähle ihr von meinem Tagesprojekt und jammere, wie dämlich das ist. Nina schenkt mir ein mitleidiges Lächeln. Sie verschwindet in ihr Zimmer und kommt mit einer Monstertafel „Milka Kuhflecken“ wieder. Nach einer halben Stunde ist mir so schlecht wie schon lange nicht mehr. „Das nenne ich mal einen gescheiterten Entzug!“, lacht Nina. „Ach halt doch die Klappe“, grummele ich. „Die Glückshormone waren es wert.“

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