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FU besetzt: „Allgemeine Unzufriedenheit“

Studenten haben am ersten Tag des Semesters einen Hörsaal an der FU besetzt. Sie verstehen sich im Gegensatz zu den HU-Besetzern aber nicht als Protestbewegung. Von Marius Mestermann.

Der Hörsaal befindet sich im Inneren des FU- Hauptgebäudes. Der besetzte Hörsaal befindet sich im Inneren des FU-Hauptgebäudes. (Foto: Marius Mestermann)

Die Aktion war am Montagabend kurzfristig über soziale Medien und interne Verteiler studentischer Gruppen angekündigt worden. Rund 20 Studenten trafen sich am Dienstagmittag vor der Mensa in der Silberlaube und bereiteten einige Transparente vor, bevor sie in den großen Hörsaal 1A am Theaterhof weiterzogen. Dort schlugen sie ihr Lager für die Besetzung auf – gleich am ersten Tag des Sommersemesters.

Auf einem Flugblatt erläutern die Aktivisten ihre noch recht vagen Beweggründe: Die Universität sei ihr Lern- und Lebensraum, biete aber zu wenige Möglichkeiten zur Mitbestimmung und nicht genug Freiräume. Also wollen sich die Studenten diese Räume selbst beschaffen. Vorbild ist die sechswöchige Besetzung des Instituts für Sozialwissenschaften (ISW) der HU, die als „Gegenentwurf zur klassischen Top-Down-Universität“ beschrieben wird.

„Konkurrenz und Misstrauen“ in der Wissenschaft

Anders als bei der Besetzung des ISW, die mit dem Slogan „Holm bleibt“ auch über Berlin hinaus Aufsehen erregte, fehlt den Besetzern der FU noch ein konkretes Ziel. Wichtigster und aktuellster Kritikpunkt ist jedoch die Aushandlung der neuen Hochschulverträge für 2018 bis 2022. Nur acht Wochen brauchten Senat und Hochschulrektoren, um sich unter anderem auf eine Steigerung des Etats für die elf Berliner Hochschulen um 3,5 Prozent zu einigen.

Beim Entscheidungsprozess hätten die Verantwortlichen jedoch zum wiederholten Mal auf eine Abstimmung mit Studenten und Gewerkschaften verzichtet, kritisiert ein FU-Student im Gespräch mit FURIOS*. Zudem gebe es an den Unis eine zu große Leistungsorientierung, die Wissenschaft werde so von Konkurrenz und Misstrauen geprägt und sei nicht mehr solidarisch und kritisch.

Das Flugblatt der Besetzer im Hörsaal 1A.Das Flugblatt der Besetzer im Hörsaal 1A. (Foto: Marius Mestermann)

In einer Pressemitteilung vom Dienstagnachmittag sprachen die Organisatoren davon, sich „dem alltäglichen Leistungszwang in der Lernfabrik ‚Universität’“ widersetzen zu wollen. Man eigne sich Freiraum an, um sich zu organisieren. Eine nicht weiter benannte Person wird mit den Worten zitiert: „Wir begreifen uns als offensive Initiative und nicht als Reaktion auf ein einzelnes Ereignis. Allgemeine Unzufriedenheit ist jederzeit präsent.“

Erlaubnis, Debatte, Räumung: Wie reagiert die FU?

FU-Kanzlerin Andrea Bör kam nach Informationen von FURIOS gemeinsam mit anderen Verantwortlichen der Universität am Nachmittag in den Hörsaal, um mit den Besetzern zu sprechen.  Der anwesende Fotojournalist Jan Scheunert twitterte, Bör habe den Studenten ein Nutzungsrecht bis 21 Uhr eingeräumt, bevor man die Aktion rechtlich als Besetzung bewerte. Ein offizielles Statement der FU –  auch bezüglich möglicher Konsequenzen – blieb aus. Der Asta unterstützte die Besetzung auf Twitter und rief zum Mitmachen auf. Ein Vortrag zur Studentenbewegung 1966-68 fand trotz Besetzung in Hörsaal 1A statt.

Am Dienstagabend luden die Aktivisten* zu einer „Vollversammlung“ ein. Nach ergebnisloser Diskussion über die Gefahr einer möglichen Räumung des besetzten Hörsaals einigten sich rund 50 Teilnehmer auf das Hauptziel „Freiraum“, wollten sich jedoch nicht als Protestbewegung verstanden wissen: „Das ist das erste Mal, dass es keine Protestaktion, sondern etwas Offensives, Gestaltendes ist“. In den kommenden Tagen will man konkretere Forderungen ausarbeiten und mehr Studenten einbeziehen.

Update: In der Nacht auf Mittwoch haben sich die Besetzer nach eigenen Angaben aus dem Hörsaal zurückgezogen. Grund war wohl die Anwesenheit mehrerer Einsatzwagen der Polizei vor Ort. Die Besetzer wollen jedoch offenbar nicht aufgeben und schreiben:

* Die Organisatoren und Teilnehmer der Versammlung sowie die Gesprächspartner von FURIOS wollten namentlich nicht genannt werden. 

 

 

 

 

 

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