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Mehr als Null und Eins

Mit einem Studiengang nur für Frauen versuchen Hochschulen mehr Diversität in die IT-Branche zu bringen. Dies ist aber nur ein erster Schritt. Denn Codes sind binär ­­­­– Menschen vielfältig. Von Hannah Lichtenthäler

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Illustration: die greta

Programmieren ist Männersache? Von wegen. Die erste Programmiererin war eine Frau: Die Britin Ada Lovelace schrieb bereits im Jahr 1843 den allerersten computerrelevanten Al­gorithmus. Trotzdem ist die IT-Branche heute eine ziemliche Männerdomäne. In Deutschland sind laut Digitalverband Bit­kom gerade mal 15 Prozent aller Fachkräfte in IT-Unterneh­men weiblich. Geschlechterstereotype stehen der Wirtschaft im Weg, die mehr Arbeitskräfte im IT-Bereich braucht. „Die Homogenität der Branche ist ein Problem, das Frauen oft abschreckt“, erklärt Susanne Diehr, Referentin des Gun­da-Werner-Instituts (GWI) für Feminismus und Geschlechter­demokratie. Um das zu ändern, gibt es Förderprogramme, wie zum Beispiel IT-nahe Studiengänge speziell für Frauen.

An der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) können Frauen seit 2009 ganz unter sich studieren. „Informatik und Wirtschaft“ heißt der Bachelorstudiengang, der 40 Frauen pro Jahr einen Studienplatz bietet. Der Informatikanteil beträgt etwa 70 Prozent und unterscheidet sich inhaltlich nicht von den gemischten Studiengängen. „Bei dem ganzen technischen Fachjargon ist es wichtig, dass Fragen gestellt werden. Wir wollen das Vorurteil abbauen, dass man Vorkenntnisse braucht, um IT zu studieren.“, erklärt Juliane Siegeris, Professorin für Softwaretechnik an der HTW. Denn die haben auch männli­che Studierende nur in den seltensten Fällen. Das ist auch der Studentin Mara besonders wichtig. „Fast alle fangen bei null an. Niemand hat Hemmungen, Fragen auch drei Mal zu stellen.”

So wie Mara, die bereits einen Bachelor in Politikwissenschaft erworben hat, haben auch viele ihrer Kommilitoninnen be­reits ein Studium oder eine Ausbildung abgeschlossen. Da so Frauen unterschiedlichen Alters vertreten sind, würden auch ganz bewusst Mütter zum Studium ermutigt. Deshalb finden die Lehrveranstaltungen nur zwischen 9 und 16 Uhr statt. Die Diversität im Studiengang sei sehr hoch, meint Siegeris. Eine Tatsache, an der auch Unternehmen Interesse gefunden haben. Große Firmen wollen Kooperationsverträge und Netzwerke mit dem Frauenstudiengang aufbauen. Diehr erklärt: „Die Wirtschaft hat verstanden, dass sie kein Talent vergeuden darf.” Sie verweist aber auf das starke ökonomische Interesse und bet­ont, dass der Studiengang nicht nur ein emanzipatorisches Pro­jekt sei. Inwieweit durch solche Verträge die wissenschaftliche Unabhängigkeit beeinträchtigt wird, bleibt jedoch fraglich.

Susanne Diehr findet den Ansatz von Frauenstudiengängen prinzipiell gut, bemängelt aber, dass er nicht weit genug führe. Um grundsätzlich mehr Diversität in die Branche zu bringen, müsse der Mainstream verändert werden, der immer noch männlich und weiß ist. Sie plädiert: „IT for Unicorns ­­­­– statt nur für Frauen.“ Damit bezieht sie sich auf das Karriere-Netzwerk „Unicorns in Tech“ aus Berlin, eine IT-Netzwerk-Community für LGBTI und heterosexuelle Verbündete. So sei der Studiengang zwar ein Wegbereiter, aber nur ein kleiner Schritt, betont Diehr. „Stattdessen brauchen wir insgesamt mehr Empower­ment und Vielfalt.“

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