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Der Autor lebt

Lässt sich lernen, wie Literatur funktioniert? Wer die Theorie beherrscht, dürfte mit der Praxis weniger Probleme haben. Der Autor Volker Kaminski hat den Sprung vom Literaturwisschenschaftler zum Literaten geschafft. Jedoch weiß er selbst: Eine verkopfte Herangehensweise kann der Kunst schaden. Von Lukas Burger

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Gottfried Benn und Alfred Döblin waren ihr Leben lang Ärzte, Franz Kafka arbeitete für Versicherungen und Johann Wolfgang von Goethe war nicht nur Anwalt, sondern auch in verschiedenen Ministerämtern tätig. Viele Schriftsteller beschäftigten sich beruflich mit Dingen, die mit ihrer Leidenschaft nichts zu tun hatten. Der Autor Volker Kaminski, der diese Beispiele natürlich kennt, wollte seine Energie aber nur auf das Schreiben verwenden. Von 1983 bis 1990 studierte er deshalb an der FU Germanistik und Philosophie. Heute schreibt Kaminski nicht nur literarisch. Er produziert auch Glossen und Kritiken für die Berliner Zeitung, unterrichtet kreatives Schreiben und muss sich, wie jeder heutzutage, auch noch selbst vermarkten.

Wann er sich das erste Mal als Autor vorgestellt hat, weiß Kaminski nicht mehr. Als im Jahr 1988 seine erste Erzählung im Radio gelesen wurde, jedenfalls noch nicht. Doch das änderte sich bald darauf. „Wenn man sein Manuskript an Verlage sendet und sich bei Lektoren vorstellt, ist man kein Hobbyautor mehr“, konstatiert Kaminski heute. 1994 veröffentlichte er seine erste Novelle „Die letzte Prüfung“ im Wagenbach Verlag.

Wenn er von seinen bisherigen Erfolgen erzählt, wirkt das nicht wie Angeberei, sondern vielmehr wie der  Wunsch, seine berufliche Laufbahn und den damit verbunden Aufwand zu rechtfertigen.  Aufwand, den er betreibt, um von seiner Leidenschaft leben zu können.

Parallelen zu Kaminskis Laufbahn finden sich auch in seinem Buch „Söhne Niemands“, das er 2000 veröffentlichte. Es verhandelt die Selbstzweifel eines Germanistikstudenten im fortgeschrittenen Semester. Auf die Frage, was ihn selbst zu diesem Studium bewogen hat, weiß der Autor sofort eine Antwort: „Ich habe Germanistik vor allem aus Leidenschaft studiert, nicht mit einem festen Berufswunsch.” Diese Entscheidung habe er nie bereut. Sich nur mit Literatur beschäftigen zu können, habe ihm für sein eigenes Schreiben wahnsinnig geholfen. „Durch mein Studium konnte ich die Methoden und Verfahren vieler wichtiger Texte studieren und so eine eigene Technik entwickeln.”

Doch ein Germanistikstudium kann für einen werdenden Autor auch gefährlich sein: Sich ständig mit den Größen der Weltliteratur zu vergleichen, kann sich sich stark auf den Glauben an das eigene Schreibtalent auswirken. „Ich wusste nicht, was ich noch schreiben sollte. Die Unbefangenheit des Erzählens war weg.” Volker Kaminski hatte eine handfeste Schreibkrise, die nicht nur durch die Literatur selbst, sondern auch durch die Auseinandersetzung mit Literatur als Wissenschaft ausgelöst wurde. „Es gab während meines Studiums eine Zeit, in der sich alles so theoretisch angefühlt hat, dass ich Schwierigkeiten hatte, einfach naiv  loszuschreiben.”
Das Studium selbst bot Kaminski aber auch den Ausweg aus dieser Krise. Ein Seminar über Heinrich von Kleist, über den er später auch seine Magisterarbeit schrieb, gab ihm die Lust am Schreiben wieder. „Mein Dozent hat über Kleists Dramen gesagt, es ist ja nur Papier. Man hat die völlige Freiheit alles zu erzählen und es kommt nur auf die Worte an, mit denen man erzählt.  Das hat mir meine Leichtigkeit wiedergegeben.“ Eine Zeit lang versuchte Kaminski dann erfolglos, Kleists Stil zu kopieren –  bis er seinen eigenen fand. „Dafür war es wichtig, mit meinem Schreiben an die Öffentlichkeit zu gehen. Wenn man immer nur im stillen Kämmerlein werkelt, läuft man Gefahr betriebsblind zu werden. Kritik zu erhalten und sich zu überlegen, wo sie zutrifft und wo nicht, ist unglaublich wichtig für den eigenen Stil.”

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