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Ungelöste Probleme – 50 Jahre danach

50 Jahre ist es her, dass Studierende im Nachkriegsdeutschland gegen starre Strukturen und für eine gerechtere Gesellschaft auf die Straße gingen. Die 68er Bewegung wird nun in einer Ringvorlesung reflektiert. Von Karolin Tockhorn

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Die Ringvorlesung war gut besucht. Foto: Karolin Tockhorn

Die späten 60er Jahre assoziieren viele mit einer Zeit des Umbruchs. Eine Zeit, in welcher in Westdeutschland Raum für neue Ideen, alternative Lebensformen und vor allem für Kritik an einem kapitalistisch geprägten Weltsystem geschaffen wurde. In der Ringvorlesungsreihe „Studentenbewegung – 50 Jahre danach“, die vom damaligen FU Asta-Vorsitzenden Knut Nevermann konzipiert wurde, sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die Motive der Studentenbewegung und darüber, was von der damals geübten Kritik noch heute relevant ist.

Zweifel am System

„Kapitalismuskritik, Konsumgesellschaft, Klassenanalyse, Bewusstseinsindustrie“, unter diesem Namen lief der von der HWR-Professorin Birgit Mahnkopf vorgetragene Beitrag der Ringvorlesung. Als Studentin war man im Hörsaal in der Minderheit, da die meisten Zuhörenden selbst Zeitzeugen der Studentenbewegung zu sein schienen – eine gute Grundlage für eine anregende Diskussion. Wie der Name versprach, lieferte Mahnkopf in ihrer Vorlesung einen kritischen Einblick in die damals wachwerdenden Zweifel am Kapitalismus und der Industriegesellschaft.

Nach der Bildung der großen Koalition im Jahre 1966 und den damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die parlamentarische Demokratie sei es mehr und mehr zur Politisierung deutscher Studierender gekommen. Sie entwickelten Interessen, die über die Substanz ihres Studienfaches hinausgingen. Durch weltpolitische Ereignisse wie dem Vietnamkrieg und dem grausamen Einwirken der USA in diesen, sei erstmals die Dritte Welt in das Bewusstsein der Deutschen Öffentlichkeit gerufen worden. Vietnam symbolisierte, so Mahnkopf, „das Manifest eines Weltsystems, das durch den amerikanischen Kapitalismus geprägt war“.

Arbeiterschaft im Fokus

Studierende begannen sich zu organisieren und Raum zur Weiterbildung zu schaffen. An theoretischen Texten wie dem von Paul Sweezy und Paul Baran verfasstem „Monopoly Capital“ aber auch an Schriften von Marx hätten sie zunehmend die zerstörerische Natur des Kapitalismus erkannt. Die jungen Akademiker, so Mahnkopf, begeisterten sich für Ideen der Umverteilung und der Auflösung der Klassengesellschaft. Dadurch sei auch die Klasse der „Arbeiterschaft“ mehr und mehr in den Fokus ihres Interesses gerückt. Die Professorin legte außerdem dar, wie es in den späten 60ern und frühen 70er Jahren  zu einer regelrechten Volksbildungswelle kam. Hierbei stand exemplarisches Lernen im Vordergrund, man beschäftigte sich mit der Sozialen Frage, um die Schicht der Arbeiter besser zu verstehen und sich mit ihr zu solidarisieren.

Was bleibt heute?

Die von den Studierenden ins Bewusstsein gerufenen Themen seien auch heute aktuell. Mahnkopf betonte, dass wir nach wie vor in einer von Kapitalismus geprägten Gesellschaft leben, sich aber  kaum noch jemand für die Interessen der Arbeiterschaft interessiere. Die Professorin führte diesen Umstand auf die neoliberale Idee zurück, dass jeder für sich selbst verantwortlich sei, wodurch im Umkehrschluss die eigenen Interessen im Vordergrund stünden. Dabei sei es höchste Zeit, den Blick wieder zu erweitern. Der Ressourcenverbrauch der 70er Jahre sei heute in Deutschland ein erstrebenswertes Reduktionsziel, Gewerkschaften seien geschwächt und Arbeiterinnen und Arbeiter kaum noch politisch organisiert. Damit seien die Voraussetzung rechte Weltanschauungen zu instrumentalisieren geschaffen. Es sei an der Zeit, die Dinge wieder in Frage zu stellen denn, so Mahnkopf: „Entweder gibt es eine Alternative zum Kapitalismus oder es gibt keine Zukunft für die Menschheit“.

 

Die Ringvorlesung „Studentenbewegung – 50 Jahre danach“ findet jeden Dienstag von 16:15-17:45 im Hörsaal A in der Rostlaube statt. Der Eintritt ist frei.

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