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„Bonsai ist brutal“

Alles andere als hölzern: Die Hobby-Gartenkünstler des Bonsaiclub Berlin haben bei ihrer fünften großen Ausstellung spannende Einblicke in die aufregende Welt der Wuchsbegrenzung geboten. Von Vic Schulte

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Zahlreiche Bonsaiexemplare konnte man bei der Ausstellung bewundern. Foto: Vic Schulte

Mehr als 130 Bonsaibäume der verschiedensten Größen gibt es bei der Ausstellung im Botanischen Garten zu bestaunen. Bei fachkundigen Gestaltungsvorführungen kann man die Bonsaikultur live und hautnah erleben. Es besteht außerdem die Möglichkeit, eigene Bäume mitzubringen, um sich von den Expertinnen und Experten beraten zu lassen.

Zwei rosa Daumen für 100 Bäume

Bei einer Führung durch die Ausstellung erklärt Ingo Lenz den Besucherinnen und Besuchern sowohl die Techniken der Bonsaibaumpflege als auch die dahinterliegende Philosophie und Bedeutung: Die Arrangements spiegeln die Landschaften wider, in denen die ausgewachsenen Gegenstücke der Bonsais beheimatet sind. Die Pflanzen werden durch Steine und Figuren ergänzt. Um den optischen Gesamteindruck zu perfektionieren, werden die Bäume außerdem ordentlich in Schale geworfen. Ingo Lenz findet, dass eine Bonsaischale auch ruhig kostspielig sein darf: „Andere geben viel Geld für Kleider oder Schuhe aus.“

Seit zehn Jahren ist er Bonsai-Enthusiast. Zu diesem ungewöhnlichen Hobby fand er durch generelles Interesse an japanischen Gärten und japanischer Kunst. Als passionierter Bonsaianer ist er natürlich Mitglied im Bonsaiclub Berlin, wo sich einmal im Monat bonsaibegeisterte Baumbesitzer zum Besprechen ihrer Bäume und zum Austauschen von Tipps treffen. Hauptberufliche Gärtner gebe es bei ihnen aber keine, verrät Ingo. Er behauptet außerdem, selbst nicht mal einen grünen Daumen zu haben – sie seien eher rosa, scherzt er. Mit seinen rosa Daumen kümmert sich Ingo Lenz derzeit um etwa 100 Bäume. Der Zeitaufwand hängt dabei von der Jahreszeit ab: Im Frühjahr müssen die Bäume eingedrahtet und umgetopft werden, im Sommer muss die fachgerechte Bewässerung sichergestellt werden, im Herbst bedürfen die Nadelbäume intensiverer Pflege. Einige von seinen eigenen Bäumen sind Teil der Ausstellung.

Vom Jungbaum zum Bonsai

Dass der Bonsaiclub seine Exemplare im Botanischen Garten ausstellen kann, sei ein großer Vorteil: Nur ein Drittel des Publikums bestehe aus Bonsaianern, der Rest aus Laufpublikum. Diese Gäste könne man durch die Ausstellung an das Thema Bonsai heranführen, so Ingo Lenz.

Die Gartenkunst Bonsai stammt zwar aus Japan, ist aber prinzipiell mit jedem Baum möglich. Für den Anfang empfiehlt Ingo daher gewöhnliche europäische Bäume: „Es muss nicht immer teuer sein.“ Um einen jungen Baum zum Bonsai zu machen, müssen seine Blätter drastisch ausgelichtet und Baum und Wurzeln rigoros beschnitten werden. Anschließend wird der Bonsai mit Draht gezwungen, in die gewünschte Form zu wachsen. „Bonsai ist brutal“, erklärt Ingo Lenz bei seiner Führung. Nichts für Warmduscher also – doch die Gäste lassen sich nicht abschrecken. Nach der Führung stellen sie Ingo noch Fragen und lassen sich Tipps für ihre eigenen Bäume geben. Ein Besucher, der offensichtlich selbst begeisterter Bonsaibaumzüchter ist, zeigt sich zuversichtlich: Er habe vor kurzem eine Japanerin geheiratet. Nun könne nichts mehr schiefgehen.

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