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Für wie blöd haltet ihr uns eigentlich?

Von ze.tt über jetzt bis bento – es gibt immer mehr Medienseiten, die sich an Studierende richten. Leider unterschreiten sie bei weitem das Niveau ihrer Zielgruppe, findet Lukas Burger.

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Der Drang, Waren immer für bestimmte Zielgruppe zuzuschneiden, hat schon einiges an Schwachsinnigkeiten hervorgebracht: Es gibt Erfrischungsgetränke speziell für Jungen oder für Mädchen, es gibt Axe-Deodorants für junge Männer, die sich mit ihrer Beschränktheit profilieren möchten, und seit ungefähr zwei Jahren gibt es im Internet-Nachrichtenseiten extra für Studierende. Doch obwohl diese von großen, renommierten Zeitungen ins Leben gerufen wurden, wird das geistige Niveau Studierender dort maßlos unterschätzt.

Wer studiert, kämpft ständig mit Hormonen, Zahnspangen und dem eigenen Körpergeruch – so scheinen die Verantwortlichen bei bento, ze.tt und jetzt jedenfalls über diejenigen zu denken, die ihre Portale besuchen sollen. Dort werden Studierende derart methodisch mit pubertierenden Teenagern verwechselt, dass man Absicht dahinter vermuten muss.

Muss es wirklich so seicht sein?

Auf Zeit Campus steht ein Artikel ganz oben, der die 26 mutigsten Fragen für das erste Date verspricht, auf ze.tt wird von einer Überschrift empfohlen, sich endlich so zu zeigen, wie man ist und bento kommt mit der Weisheit daher, dass es sich bei Geduld um eine Tugend handelt. Woher kommt die absurde Idee, Studierende interessierten sich bevorzugt für Artikel, die auf Kalendersprüchen zu beruhen scheinen?

Natürlich sind Zwischenmenschliches und Selbstfindung auch in der Postadoleszenz noch relevante Themen, aber muss es wirklich so seicht sein? Braucht es pathostriefende Überschriften wie „Queere Lovestorys, die dir die Tränen in die Augen treiben“? Muss ein Artikel jungen Leuten wirklich noch einmal erklären, dass sich ein muslimischer Glauben und Spaß am Sex für eine Frau nicht zwangsläufig ausschließen? Mitunter könnte man glauben, diese Websites seien das Ergebnis eines One-Night-Stands von Vanity Fair und Focus.

Wer studiert, versteht mehr als Jugendsprache

Thematisch interessantere Beiträge werden verjugendsprachlicht und verfügen über ein Niveau, das einen glauben lässt, man hätte sich für die Option „einfache Sprache“ entschieden. Dabei handelt es sich beim Erschließen komplexerer Texte doch um eine Schlüsselkompetenz, deren Erwerb Ziel fast jeden Studiengangs ist; zumindest, wenn man den Beschreibungstexten auf den Homepages der Universitäten folgt.

Und genau da sollten bento und Konsorten ansetzen, indem sie Studierende als eine Gruppe begreifen, die keine Angst vor Wissen und Komplexität hat und deswegen nicht mit einfachen Antworten abgespeist werden muss. Eine Zielgruppe, die man fordern kann und für die man mehr sein könnte, als das Guilty Pleasure, das angeklickt wird, wenn im Berliner Fenster grade mal nix Spannendes steht.

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