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„Jugendliche ohne Migrationshintergrund“

Die „Identitäre Bewegung“ gibt sich gerne als hippe Jugendbewegung. Für die Demo am vergangenen Wochenende wollte sie auch Studierende der FU mobilisieren. Cana Durmusoglu war als Beobachterin dabei.

/ Foto: Cana Durmusoglu

So zahlreich und jung sind die Teilnehmenden der Identitären Bewegung eher nicht. Foto: Cana Durmusoglu

Wochenlang warben Mitglieder der „Identitären Bewegung“ für ihre Demonstration, auch an der FU waren zahlreiche Plakate zu sehen. Am vergangenen Wochenende setzten schließlich etwa 600 Anhänger*innen der „Identitären Bewegung“ ihre Ankündigung in die Tat um und demonstrierten in Berlin-Gesundbrunnen für „ein Europa der Völker und Kulturen, sichere Grenzen“ und gegen „Multikulti.“ Aber die Demonstration nahmen auch etwa 1400 Gegendemonstrant*innen des „Berliner Bündnis Gegen Rechts“ zum Anlass, um ihren Widerstand auszudrücken. Bereits nach einem Kilometer stoppten sie den Demonstrationszug.

Wirklich jung ist die „Identitäre Bewegung“ dann doch nicht

Sieht man sich unter den Demonstrationsteilnehmer*innen der „Identitären Bewegung“ um, trifft man relativ wenige der jungen Demonstrierenden, um die im Vorfeld so aggressiv geworben worden war. Stattdessen finden sich viele Männer um die vierzig, einige Demonstrant*innen dürften sicher auch schon im Rentenalter sein. Wenn diese lautstark skandieren „Wir sind die Jugend ohne Migrationshintergrund – vergessen, aber nicht wehrlos!“, scheint das nicht nur merkwürdig, sondern widerspricht auch dem Image, das sich die „Identitäre Bewegung“ geben will.

Denn vorallem im Internet präsentiert sie sich gerne als „attraktive und offene Jugendbewegung.“ Die Organisator*innen selbst sind alle Mitte zwanzig. Die Männer tragen Hemd und Anzugshose. Im Vorfeld der Demonstration hatten sie die Teilnehmer*innen zu „einem gepflegtes Erscheinungsbild“ und „friedlichem“ Verhalten aufgefordert.

Fragt man die anwesenden Jugendlichen, warum sie mitmachen, wollen die meisten keine Antwort geben. Ein etwas gesprächigerer Identitärer Mitte zwanzig erklärt, dass er „erstmal nichts gegen Ausländer und kulturellen Austausch“ habe, es aber mittlerweile einfach zu viel sei. Ein anderer Demonstrant springt ihm bei: „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge veröffentlicht schon gar keine Zahlen mehr, wie viele Menschen jährlich nach Deutschland kommen.“ (Tatsächlich sind die aktuellen Zahlen aber hier zu finden.)

Er sei kein Nazi, aber „man findet kaum mehr einen Deutschen“

Außerdem ärgern sie sich über die Gegendemonstrant*innen, die zur Blockade aufgerufen hatten. „Eigentlich haben wir doch den gleichen Gegner: Die da oben, die uns kleinen Leute ausbeuten“, argumentiert ein junger Mann. Angeblich sei er absolut gegen Gewalt und freue sich über jede Gelegenheit zur friedlichen Diskussion. Aber er wolle auch offen zu seiner Meinung stehen können. Auf Nachfrage spezifiziert er nicht näher, wie er das meint. Immer wieder betont er dafür, dass er kein Nazi sei, aber „wenn man sich hier mal in den Straßen umsieht, findet man kaum mehr einen Deutschen.“ Tatsächlich ist der Ausländer*innenanteil mit 37,8% im Bezirk Gesundbrunnen vergleichsweise hoch, eine Mehrheit bilden sie aber bei weitem nicht.

Das bringt die Demonstrant*innen jedoch nicht von ihrer Überzeugung ab: Die meisten Menschen hätten die gleiche Meinung wie sie, würden sich aber nicht trauen, öffentlich dazu zu stehen. An diesem Wochenende fanden sich für die Bestätigung dieser These keinerlei Anzeichen. Obwohl sie europaweit geworben hatten, kamen nicht einmal die angemeldeten 1000 Demonstrant*innen der „Identitären Bewegung“. Auch an der FU scheint die offensive Werbung der Identitären um junge Menschen auf abweisende Ohren gestoßen zu sein, oder vielmehr dazu beigetragen haben, die deutlich größere Anzahl der Gegendemonstrant*innen zu mobilisieren.

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