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Lachen ist politisch

Satire ist nicht nur witzig, sondern auch kontrovers. Einen vergleichenden Einblick in die Satire aus deutscher und französischer Sicht bietet nun eine Ringvorlesung an der FU. Von Friederike Vierck

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Dr. Leyla Dakhli bei ihrer Vorlesung zu Satire in der arabischen Welt. Foto: Friederike Vierck

Spätestens mit dem Prozess gegen Satiriker Jan Böhmermann im letzten Jahr, stellte sich auch in Deutschland die Frage danach, was Satire eigentlich darf. Die interdisziplinäre Vorlesungsreihe „Funktionsweisen von Satire aus deutscher und französischer Perspektive“ stellt sich dieser und vielen weiteren Fragen. Internationale Wissenschaftler*innen verschiedener Fachbereiche und weitere Gäste, zum Beispiel vom Radio, beleuchten Satire aus historischer und rechtlicher Perspektive, verlieren dabei aber nie die Aktualität des Themas aus den Augen.

Anlass für die Vorlesungsreihe war die Wiedereröffnung des Frankreichzentrums an der FU dieses Sommersemester. Das Zentrum wird von den Fachbereichen Philosophie und Geisteswissenschaften sowie Geschichts- und Kulturwissenschaften getragen. Die Romanistin Ulrike Schneider und der Historiker Uwe Puschner haben die Leitung übernommen und auch die Vorlesungsreihe zusammen konzipiert. Der Fokus liegt dabei sowohl auf aktuellen Ereignissen als auch auf der Satire als langjährigen Forschungsgegenstand der Literaturwissenschaft. In einigen Vorlesungen ging es zum Beispiel um Karikaturen während der Französischen Revolution, Meinungsfreiheit in den deutschen und französischen Medien sowie die völkische Bewegung in Satire und Karikatur.

Was darf Satire?

Obwohl eines der Ziele der Veranstaltungsreihe ist, Satire auch historisch zu beleuchten, wird die Gegenwart in der Vorlesung nicht außer acht gelassen. Leyla Dakhli vom Forschungszentrum Marc Bloch in Berlin, stellte während ihres Vortrags zu Satire in der arabischen Welt plakativ die Frage, die sich wohl viele mittlerweile stellen: „Können Araber überhaupt noch lachen und worüber?“. Inmitten von Kriegen, Konflikten und bedrohlichen Ideologien, scheine einem das Lachen schließlich schnell zu vergehen.

Dennoch versteht Dakhli die Satire nicht nur als Spaß, sondern auch als Mittel des politischen Widerstands. Sie zeigt auf, wie risikoreich, aber auch erfolgreich, solch eine Gegenwehr sein kann. So beschäftigt sie sich unter anderem mit der Politisierung von Dörfern. Die Bewohner*innen der syrischen Kleinstadt Kafranbel, beispielsweise, begannen sich zu organisieren und schafften es, mit satirischen Videos und Bildern, die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf sich zu ziehen. Dies machte sie zwar zur Zielscheibe für politische Gegner, aber auch zu einem erfolgreichen Beispiel für satirischen Widerstand im arabischen Raum.

Die Menschen erreichen

Gerade das kann aber auch der Zweck von Satire sein, meint Organisator Puschner. Er selbst sagt über die Funktion von Satire, dass durch die verschiedenen Formen, wie kurze Texte, Gedichte und Karikaturen, politische und gesellschaftliche Kritik eine Vielzahl von Menschen erreichen kann. Das Lachen über die Satire, welches einem manchmal im Halse stecken bleiben mag, kann durchaus zur Erkenntnis führen. „Satire kann aufzeigen, was hinter einer Krise steckt. Sie kann uns helfen, die Gegenwart und auch vergangene Gegenwarten zu verstehen”, ergänzt Puschner. Damit zeigt die Vorlesungsreihe, wie politisch auch das Lachen sein kann.

Die Ringvorlesung „Funktionsweisen von Satire aus deutscher und französischer Perspektive“ findet jeden Mittwoch von 18:15-19:45 im Hörsaal 2 der Rost- und Silberlaube statt. Mehr Infos hier.

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