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„In der jüngeren Generation nimmt kaum noch jemand ein Buch in die Hand.“

Seit 17 Jahren gibt es das internationale Literaturfestival in Berlin. Sein Gründer, Ulrich Schreiber, erzählt, warum die Vielfalt Berlins genau das Richtige für sein Festival ist. Von Corinna Cerruti.

Literaturfestival

Ein voller Saal aber nur eine Stimme. Foto: Ali Ghandtschi

Ausgerechnet in Erlangen fand Ulrich Schreiber seine Inspiration. 1998 schlenderte er dort über das Poetenfest und genoss die Atmosphäre inmitten von Literat*innen und Besucher*innen. Er beschloss, etwas ähnliches in Berlin zu schaffen. 2001 gründete er das internationale Literaturfestival. Es sollte nicht lang dauern, bis sich dieses als Pflichttermin unter Literaturliebhaber*innen etablierte. Seitdem kommen Autor*innen aus aller Welt einmal im Jahr zusammen, um ihre Geschichten zu präsentieren, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam literarische Vielfalt zu zelebrieren.

Schreiber, der aus Solingen stammt, schlug zuerst einen Weg ein, der mit Literatur wenig am Hut hat: Er wurde Bauingenieur. Doch schon bald hatte er Lust, etwas anderes auszuprobieren. Er begann, an der FU Philosophie, Soziologie, Politikwissenschaften und Russisch zu studieren. Nach seinem Erlangener Aha-Moment dauerte es zwei Jahre, bis Schreiber genug Fördermittel gesammelt hatte, um die erste Veranstaltung zu organisieren. Zu seiner Freude verlief diese mit 600 Besucher*innen sehr erfolgreich. Als sich im zweiten Jahr die Besucherzahl mehr als verdoppelten, wurde klar, dass die Veranstaltung nicht mehr wegzudenken war. Nun jährt sie sich schon zum 17. Mal in Berlin. Schreiber hält die Stadt für den perfekten Standort: „Die Offenheit und die breitgefächerte Kultur Berlins ermöglicht Menschen aus Afrika, Asien oder Lateinamerika, sich hier wohlzufühlen.“ Auch diese Internationalität will das Fest in seinen Lesungen, Vorträgen und Workshops widerspiegeln.

Als Leiter gehört es zu Schreibers Aufgaben, Autor*innen aller Kontinente auszuwählen und für sein Festival zu gewinnen. Um diese Vielfalt zu garantieren, reist er auch mal quer über den Globus, erkundet andere Festivals und trifft Schriftsteller*innen aus Australien, Pakistan oder den USA. Das Wichtigste sei es, sowohl gute Prosa-Autor*innen als auch Lyriker*innen einzuladen. „Ich lade besonders gerne Menschen ein, die neugierig auf literarisches Neuland und andere Autor*innen sind“, erklärt er. Wenn solche Gäste auf ein waches und interessiertes Publikum treffen, in einem Workshop diskutieren oder bei einer Lesung gespannt zuhören, entstehe eine ganz besondere Atmosphäre. Diese zu erleben und manchmal auch mitzugestalten, bereitet Schreiber die meiste Freude.

Neben dem interkulturellen Austausch legt er außerdem viel Wert auf ein starkes Kinder- und Jugendprogramm. In der modernen Welt werde das Leben der Menschen insbesondere durch das Internet und die sozialen Medien bestimmt. „In der jüngeren Generation nimmt kaum noch jemand ein Buch in die Hand”, empört sich Schreiber. Umso wichtiger sei es heute, Kinder und Jugendliche für Literatur zu begeistern. Debattierwettbewerbe, Theaterinszenierungen von literarischen Werken, Kreativworkshops, Seminare zum Thema Sexualität und Ausstellungen sollen während des Festivals die smartphone-verliebte Jugend wieder für Literatur begeistern. Kinder und Jugendliche können außerdem eigene Werke präsentieren und mit den professionellen Autor*innen in direkten Kontakt treten. Berliner Schulen werden ebenfalls dazu ermutigt, eigene Veranstaltungen zu organisieren. So könnte sich Schreiber ein Publikum für die nächsten 17 Jahre Literaturfestival sichern.

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