FURIOS verachtet: Festivalposer | FURIOS Online
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FURIOS verachtet: Festivalposer

Eigentlich wollte Felix Lorber nur eine entspannte Woche auf einem Rockfestival verbringen. Doch die omnipräsenten Edel-Camper*innen und Instagram-Selbstdarsteller*innen ließen ihn nicht zur Ruhe kommen.

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So schön dreckig kann ein Festival sein. Foto: Wikimedia Commons, Omasz (CC BY 3.0)

Ein Festival mit Rock und Punk, eine Menge verrückter Menschen, die es über fünf Tage mit Sack und Pack auf drei Quadratmetern unter einer Plane aushalten. Eine ausgelassene Auszeit fernab großstädtischer Eitelkeiten – dachte ich zumindest. Kaum erwacht aus einer vollends verregneten Nacht, erblicke ich neben uns ein neuwertiges Zelt. Es wäre vermessen, es als trocken zu bezeichnen, doch sein Nässegrad ähnelt dem der meisten anderen auf diesem trüben Platz nicht mal annähernd. Bestens aufgelegt, mit robuster Regenhose und knalligem Poncho, erklärt uns der dazugehörige Herr Zeltnachbar, man hätte schon in der Frühe ein neues kaufen müssen. Der Pavillon, der dieses nun von oben schützt – ebenfalls neu – kam eben gleich mit dazu. Perlend laufen die Tropfen am Gewebe dieses Ungeheuers hinunter. Zur Beruhigung öffne ich ein Bier.

Bier gegen den Frust

Je länger sich ein Aufenthalt in diesem selbstgewählten Chaos namens Festival zieht, desto weniger stört die handwarme Temperatur des zu konsumierenden Hopfensaftes. Über diese einfache Rechnung setzen sich unsere Platzgenossen jedoch hinweg, was an der nervenaufreibend tuckernden High-End-Luxus-Kühlbox liegen muss, die von nun an den Soundtrack zum Aufstehen liefert. Der Anblick des Frühstücks gibt mir den Rest: Frisch gebrühter Kaffee, gebratenes und gerührtes Ei, warme Brötchen und eine derart breite Obstauswahl, wie sie sonst nur an opulenten Hotelbuffets zu finden ist, zwingen mich dazu, den Alkoholkonsum zu erhöhen. Casper ruft mir aus dem Bluetooth-Lautsprecher „Keine Angst“ entgegen, doch wie diese Morgenhelden um mich herum in ihren glänzenden Gummistiefeln und Regenhosen durch das Schlammfeld waten, lässt mich an meiner Generation zweifeln.

WLAN für die Zeltplatzbourgeoisie

Etwas Erholung verspricht naturgemäß der Weg zur Bühne. Endlich Massen an alkoholisierten, verschmutzten Menschen, denen mit der richtigen Musik eigentlich alles egal ist. Doch es folgt der nächste Schock. Nach einigen Metern springt es mir ins Auge: Große, glänzend polierte Holzwürfel, nirgends ein Anzeichen für Nässe. Das müssen Hütten sein, eher Lodges. Für ein saftiges Sümmchen hockt der dekadente Haufen inmitten schlammigen Zeltplatzes im Trockenen. Ich muss an mich halten, als ich die geschmackvollen Schiefertafeln anstarre: „WLAN und Rezeption durchgängig vorhanden“ und „Massagen gegen Aufpreis“. Es juckt ziemlich in den Fingern, dieser Rezeption noch ein paar weitere kleine Messages auf ihre Boards zu pinseln, doch ich beherrsche mich.

Endlich angekommen, erblicke ich sie dann in voller Pracht: Mit einem Smartphone bewaffnet, posieren die Festivalhipster vor der Bühne. Das Foto vielleicht lieber gegen das Licht? Nein, besser mit einem Cocktail. Oder doch Zigarette? Während ich schon jetzt die Hashtags #besttimeofmylife und #festivalvibes erahnen kann, reifen in mir Vernichtungsfantasien für die #Fashion-#Thoughts-#Lifetime-Blogs, deren Content hier vor mir entsteht.

Nur schöne Menschen

Die Musik erlöst mich von den trübseligen Gedanken. Doch auch im leichten Dahinplätschern überreizen die bunten Beauty-Regenponchos meine Augen. Als einer der Musiker immer noch „nur schöne Menschen“ vor der Bühne sieht, kommen mir die Tränen.  Diesmal errettet mich das Wetter, denn als es endlich vom Himmel schüttet, wird es so düster, nass und hässlich, dass die Bühne endlich frei wird von den Schönheiten. Nach ein paar Minuten bin auch ich klitschnass. Ich eile zurück zu unserem durchweichten Zelt und als mir der Schlamm die Beine hochspritzt, grüble ich einen Moment zu lang – wie teuer waren eigentlich diese Hütten?

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