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Berlin, oder was?

Die Situation für Studierende auf dem Wohnungsmarkt ist angespannter denn je. Berlin muss jetzt Fakten schaffen, sonst droht ein Prestigeverlust, findet Felix Lorber.

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Theoretisch ist es für Studierende heutzutage wirklich einfach, eine Bleibe zu finden. Neben den guten alten schwarzen Brettern stehen ihnen bei der Wohnungssuche seit einigen Jahren diverse Onlineportale wie wg-gesucht.de und die sozialen Netzwerke zur Seite. Doch in Anbetracht des gewaltigen Andrangs auf dem Wohnungsmarkt, hilft auch das Internet oft nur wenig, um die persönliche Wohnungsnot zu bekämpfen.

In einem Akt der Verzweiflung veröffentlichte die LandesAstenKonferenz Berlin (LAK) gemeinsam mit dem Verwaltungsrat des Studierendenwerkes in der vergangenen Woche eine Pressemitteilung, in der der Senat dazu aufgefordert wird, Notunterkünfte für Studierende einzurichten –  ein Weck- und Hilferuf gleichermaßen!

Ein alter Hut

Denn sozialer Wohnraum ist nach wie vor rar. Bis 2020 sollen 5.000 neue Wohnheimplätze „zu sozial verträglichen Mieten“ gebaut werden- ein Witz gemessen an 180.000 immatrikulierten Studierenden im Wintersemester 2016/17.

Während das Studierendenwerk in Ermangelung von Notunterkünften als Übergangslösung auch immer wieder auf günstige Hostels verweisen muss, wirbt der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Steffen Krach, auch für eine Ansiedlung in den Randbezirken Berlins: „Es muss nicht immer Mitte sein, Kreuzberg, Friedrichshain, Schöneberg, sondern wir müssen natürlich auch gucken, dass es in den Randbezirken Wohnungen gibt, wo dann auch Studierende leben.“

Zwischen den Forderungen nach Erhöhung des Wohngeldzuschusses, einer effektiveren Mietpreisbremse oder dem Ausbau von öffentlich gefördertem sozialen Wohnraum für Studierende, wirkt dies wie ein alter Hut – die Gentrifizierung krallt sich den studentischen Wohnraum!

In Zeiten, in denen immer mehr Menschen für ihren Job pendeln, mag es manchen wie übertriebenes Wehklagen erscheinen – doch ist es nicht auch genau das, was das Leben für Studierende in Berlin ausmacht? Die ungezwungene Lebendigkeit der Kieze mit ihren alternativen Bars und Clubs und das Leben unter Gleichgesinnten?

Berlin, oder gar nichts?

Doch es ist nicht allein der fehlende Wille „nach draußen“ zu ziehen. Wer täglich über eine Stunde zur Uni fährt, hat viel Zeit darüber nachzudenken, ob es sich überhaupt noch lohnt in Berlin zu studieren oder ob eine andere Stadt es nicht auch tut. Es ist immer mehr eine Frage des Geldes und damit häufig eine Frage des Vermögens und der Zahlungsbereitschaft der eigenen Eltern. Diese Ungerechtigkeit verstärkt und betont die ungleichen Ausbildungschancen innerhalb Deutschlands abermals.

Wie soll es also weitergehen? Die Stadt Berlin und in erster Linie ihre Politiker müssen sich endlich entscheiden. Bleibt Berlin eine Stadt für alle, behält es seinen trotz zunehmender Schrammen einzigartigen Ruf? Oder wird es doch zur nächsten abgehobenen Weltmetropole, in der bezahlbare Wohnungen im Stadtzentrum der ausgeträumten Vergangenheit angehören? Basiskulturelle Projekte, Kiezmentalität, Solidarität und eine gesellschaftliche Vorbildfunktion, die zeigt, dass hier eben doch so manches anders laufen kann als im Rest der Republik, dürften dann Geschichte sein. Berlin, oder was?

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