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”Tarifvertrag, jetzt!”

Erneut demonstrierten mehrere hundert studentische Beschäftigte und ihre Unterstützer*innen für einen neuen Tarifvertrag und bessere Löhne. Eindrücke von Felix Lorber.

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Rot dominiert: Der Demonstrationszug auf der abgesperrten Budapesterstraße. Foto: Felix Lorber

Die Warnstreiks der studentischen Beschäftigten haben sich ausgeweitet. Drei Tage lang wurden die Berliner Universitäten in dieser Woche bestreikt. Den Abschluss der Streikaktionen bildete eine zentrale Demonstration am Donnerstagnachmittag, die vom Olof-Palme-Platz bis zum Ernst-Reuter-Platz führte. Dort folgte eine Abschlusskundgebung.

Schon von weitem waren die Demonstrierenden zu hören. „Tarifvertrag, Tarifvertrag – jetzt, jetzt, jetzt!“, schallte es immer wieder durch den Demonstrationszug, der sich über die gesperrte Budapesterstraße und Hardenbergstraße Richtung TU bewegte. Neben Teilnehmer*innen der Kampagne TVStud, sowie der Gewerkschaften GEW und Verdi, waren auch Mitglieder der Partei Die Linke oder der Radikalen Linken Berlin auf der Straße. Veranstalter*innen schätzten die Teilnehmerzahlen auf 800 bis 1000. Polizist*innen vor Ort gaben gegenüber FURIOS ersten Einschätzungen nach etwa 600 Menschen an.

Vernetzung an der FU

Die Streikbereitschaft unter den Beschäftigten scheint weiterhin ungebrochen, wie auch Uwe Oehm für die GEW bestätigte: „Ich bin zufrieden mit den bisherigen Aktionen. Und ich bin motiviert, weiterzumachen.“ Vor allem die steigende Solidarisierung anderer Statusgruppen an den Universitäten ließe Optimismus zu. „Dieser Streik ist basisdemokratisch, alle haben die Möglichkeit sich einzubringen. Das haben die letzten Tage gezeigt.“

An der FU wurde im Rahmen einer studentischen Vollversammlung am 24. Januar der Schulterschluss mit den von den Streikauswirkungen betroffenen Studierenden versucht. Am gleichen Tag richtete die FU-Streikversammlung außerdem Workshops ein, die Raum für Diskussionen und Selbstorganisierung bieten sollten.

Gerade die Verknüpfung mit anderen von Prekarisierung betroffenen Beschäftigten, auch außerhalb der Universität, gäbe Kraft, so Oehm. So waren ebenfalls lange Zeit streikende Mitarbeiter*innen des Botanischen Gartens zu Besuch in der FU-Streikversammlung. Diese selbst hatte in der Woche mit einer Delegation eine Streikkundgebung der IG Metall besucht. Deren Mitarbeiter streiken aktuell für eine Arbeitszeitverkürzung.

 

Fotos: Felix Lorber

 

Wissenschaft soll sich lohnen

Auf den zahlreichen Kundgebungsstops der Demonstrierenden betonten Sprecher*innen immer wieder, dass der Arbeitskampf für alle geführt werde. „Wenn unsere Löhne steigen, dann wird das auch für die anderen Beschäftigungsgruppen einen Effekt haben“, so Alexander Niessen von der GEW. Wissenschaft muss sich lohnen, so der verbreitete Tenor. 10,98 Euro seien 2001, als der Tarifvertrag der studentischen Beschäftigten geschlossen wurde, „richtig viel Geld“ gewesen, wie eine Sprecherin aus der Universität der Künste (UdK) hervorhob. Die Lebenskosten in den vergangenen 17 Jahren seien jedoch gestiegen und heute in keinem Verhältnis mehr zum immer noch aktuellen Stundenlohn des gekündigten Tarifvertrages.

Dies schlage sich auch auf die Lehrbedingungen nieder. An der TU sei es besonders akut, erklärt die Beschäftigte Miriam: „Es gibt zu wenige Tutorien. Im Moment kommt eine Bewerbung auf zwei Tutor*innenplätze.“ Dies hätte auch Folgen für die Prüfungsvorbereitung. „Gerade für die Prüfungen sind die Tutorien eminent wichtig. Das hat auch der TU-Präsident erkannt.“ Die TU hat als bisher einzige Universität die Stundenlöhne ab 2018 auf 12,50 Euro erhöht.

Auch in der kommenden Woche soll es neue Streiktage geben. Dafür hatte sich unter anderem die FU-Vollversammlung ausgesprochen. Wann diese stattfinden, ist noch unklar, genauso wie die weiteren Entwicklungen in der Tarifauseinandersetzung. Bisher gab es keine neuen Angebote der Berliner Universitäten. Ab Februar beginnen die Prüfungsphasen an den verschiedenen Einrichtungen.

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