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Naturschutz durch Naturgenuss

„Ökotourismus“ – das klingt nach einer merkwürdigen Wortschöpfung. Dass diese beiden Konzepte wirken aber keineswegs Kontrahenten sind, fand Nikola Tietze bei einem Gastvortrag am Lateinamerikainstitut heraus.

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Der Natur nahe kommen – der sogenannte Ökotourismus könnte der Schlüssel zum nachhaltigen Reisen sein. Foto: Nikola Tietze

Der holzvertäfelte Vorlesungssaal des Latein-Amerika-Institus füllt sich langsam. Ungefähr 30 Studierende sitzen nun im Halbkreis mit Blick auf das Podium und erwarten gespannt Prof. Dr. Ludwig Ellenberg. Der Geograph forscht und lehrt schon seit einiger Zeit zum Ökotourismus.

Ökotourismus- was ist das eigentlich? Und wie passen „Öko“ und „Tourismus“ zusammen? Während Naturschutz doch versucht, Orte vor Menschenmengen und Kommerz zu bewahren, zielt der Tourismus auf eben diese Dinge ab. Tourist*innen streben häufig nach möglichst günstiger, schneller Freizeitgestaltung und Selbstverwirklichung. Für Ellenberg ist das reine Verteufeln des Tourismus jedoch nicht die richtige Art, mit dem Problem umzugehen. Ihn abzuschaffen wäre in einer globalisierten Welt ohnehin illusorisch. Mehr als Eine Milliarde Menschen reisen jährlich um den Globus, das sind bald 10 Prozent der Weltbevölkerung. „Gereist wird immer. Gereist wird viel- Zum Vergnügen“, so der Geograph. Das Ideal nachhaltig-reisender Tourist*innen sei eine Person, die ihre Reise lange im Voraus plant, sich vor Ort unter die Lokalbevölkerung mischt, diese beobachtet und sich ihr schließlich anpasst. Natürlich ist das unrealistisch: „Den eco-turisticus humanis gibt es nicht!“, stellt der Professor klar.

Nachhaltige Naturgenießende

Dennoch gibt es einen Gegentrend zum kommerziellen Reisen:  Tourist*innen, die sich zunehmend nachhaltiger verhalten wollen. Diese Menschen wollen die Natur genießen, ohne sie zu zerstören. Sie sind das Klientel des Ökotourismus, den Ellenberg als „den schmalen Pfad zu Naturschutz durch Naturgenuss“ sieht. Dieser kennzeichnet sich beispielsweise durch kleine Projekte, die Tourist*innen zu engagierten Unterstützer*innen machen und Gemeinden vor Ort stärken. Dazu gehören beispielsweise selbst gegründete NGO’s in Ecuador und von der Lokalbevölkerung selbst gemanagte Nationalparks in Costa Rica.

Ellenberg untermalt seine Beispiele mit privaten Bildern und Anekdoten. So schwärmt er von der Gastfreundschaft in Georgien, wo dank des Tourismus, Gemeinden im hohen Kaukasus ihre Existenz sichern können. Auch die nahe gelegene Uckermark, erzählt er passioniert, kann durch Ökotourismuseinnahmen der Landflucht entgegenwirken.

Ökotourismus – nur eine Illusion?

Und doch schließt er den Vortrag ab, indem er das schöne Bild vom Ökotourismus relativiert. Er habe zu viel Positives erzählt: „Meistens ist Ökotourismus eine Lüge!“. Viele nutzen den Begriff zur Imageaufwertung. Und auch das Management der Schutzgebiete sei gar nicht so einfach: Ökotourismus ist nur möglich, wenn stabile politische Rahmenbedingungen herrschen. Er darf nicht aufgedrängt werden. Wie auch bei der Entwicklungsarbeit ist die Partizipation der Lokalbevölkerung und ihre Mitgestaltung der Projekte von Anfang an der Schlüssel zum Erfolg. Das erfordert jedoch viel Zeit. Dennoch bleibt Ellenberg optimistisch. Und fügt hinzu, dass die Entwicklungsarbeit zwar immer noch miserabel sei, aber: „Als ich in eurem Alter war, war sie noch stümperhafter und schlechter!“

Letztendlich ist Ökotourismus einerseits zwar eine große Chance aber andererseits auch nur eine Punktlösung. Am Wichtigsten sei, dass der Tourismus allgemein nachhaltiger und „weniger hastig“ wird.  Das liegt in der Hand eines jeden. Lasst uns also alle am eco-turisticus humanis ein Beispiel nehmen. Bleiben wir lieber länger an einem Ort, lernen die Kultur kennen und unterstützen die lokale Bevölkerung, anstatt dem Urlaubskonsum des Billig-Tourismus zu verfallen.

 

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