Literatur im Schein des Feuers | FURIOS Online
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Literatur im Schein des Feuers

Bei der Lesereihe „Im Kaminzimmer der Normalität“ können Studierende ihre literarischen Werke einem Publikum präsentieren. Hanna Sellheim hat sich vom Talent der Autor*innen ein wenig einschüchtern lassen.

Lesung im Kaminzimmer der Normalität, 06.02.2018 _Foto STW BERLIN(1)

Eine Lesung mit Wohnzimmerathmosphäre. Foto: Studierendenwerk Berlin

Im Hinterzimmer des Café „c.t.“ in der HU scharen sich Ohrensessel um einen Kamin. In dieser heimeligen Umgebung lesen an diesem Abend fünf studentische Autorinnen ihre Texte vor und tauschen sich hinterher mit dem Publikum darüber aus. Die Lesereihe „Im Kaminzimmer der Normalität“ des Studierendenwerks bietet Studierenden seit diesem Wintersemester die Möglichkeit, ihre Texte öffentlich zu lesen. Der Name ist vom Veranstaltungsort inspiriert, dem „c.t.“, erklären die Organisator*innen Frank Thinnes und Antje Grötzsch. „Er soll darauf hinweisen, dass wir bei der Lesung die Grenzen der Normalität austesten, darüber hinaus gehen wollen“, erklärt Grötzsch. Bei jeder Lesung ist ein Thema vorgegeben, diesmal handeln die Texte vom Abschied und Zurücklassen.

Vom Tod zum Blatt Papier

Peregrina Walter liest zum ersten Mal vor Publikum. Sie hat Lust bekommen, ihre Texte, die sie sonst eher für sich schreibt, mit anderen zu teilen. „Damit sie nicht nur in der Schublade verstauben“, sagt sie. Gleich als erste ist sie dran, liest eine Geschichte vom Sterben und dem Wissen über den eigenen Tod. Ihre anfänglichen Zweifel waren unbegründet. Ihre Prosa ist schwungvoll, der Text zwar melancholisch, aber nie düster, sodass er schließlich mehr zu einer Ode an die Lebensfreude denn zu einem mahnenden „memento mori“ wird.

Auch die anderen Autorinnen nähern sich dem Thema jede auf ihre eigene Weise: Aylin Olgun erzählt vom Nationalsozialismus, von Widerstand und Jüd*innen, die Abschied nehmen müssen, um im Ausland Sicherheit zu finden. Daraus soll später einmal ein Buch werden. Christina Fockens virtuos erzählte Kurzgeschichte handelt von zwei Schwestern, die sich von ihrem Vater verabschieden und dabei ein Wiedersehen mit ihrer eigenen Vergangenheit erleben. Anika Salinger liest kurze Fragmente vor, unter denen vor allem eine geschickt rückwärts erzählte Kurzgeschichte über ein Telefonat und eine traurige Nachricht beeindruckt. Schließlich liest Lea Schmitt ein Stück Prosa, in dem sie eindrucksvoll das weiße Blatt Papier zu einer Metapher für das Leben werden lässt. So unterschiedlich in ihrer Schwerpunktsetzung, so verschieden auch stilistisch – einige Texte bleiben schnörkellos und eindringlich in ihrer Sprache, andere erzählen referenzreicher, benutzen überraschende Vergleiche. Eines ist ihnen aber gemeinsam: Sie alle zeugen von großem Talent.

Mut zur eigenen Kreativität

Man könnte meinen, in Berlin, wo ungefähr jeden Abend Poetry Slams und Lesebühnen stattfinden, sei noch ein Format dieser Art obsolet. Trotzdem funktioniert das Konzept des „Kaminzimmers“: Thinnes und Grötzsch erhalten stets zahlreiche Anmeldungen, müssen ab und zu sogar Studierenden absagen. Sie sind überzeugt, dass die Autor*innen es schätzen, ihre Texte in der Öffentlichkeit testen zu können und gleichzeitig Freiraum für ihre Kreativität geboten zu bekommen.

Dieser Rahmen war auch für Peregrina ein Grund, bei der Lesung mitzumachen: „Ich dachte, das wäre eine tolle Möglichkeit mit dem Vorlesen zu beginnen – nicht zu groß und nicht zu klein, offizieller als ein Poetry Slam und doch irgendwie gemütlich.“ Die Lesung soll den Autor*innen auch die Möglichkeit geben, sich untereinander zu vernetzen, Kontakte herzustellen zwischen Hobby-Schreiber*innen und jenen, die bereits professionell literarisch arbeiten. Peregrina will mit den anderen in Kontakt bleiben, weiter schreiben und ab jetzt auch häufiger in der Öffentlichkeit lesen.

Am 8. Mai geht es weiter mit den Lesungen, diesmal draußen auf der „Sonnenterrasse der Normalität“ vor dem Café „c.t.“ in der HU.

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