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Vorstellungsgespräch mit Polizeieinsatz

Der Akademische Senat empfängt und nominiert die Bewerber*innen für die FU-Präsidentschaftswahl im Mai. Die TVStud-Streikenden stellen sich den geladenen Gästen auch einmal vor. Von Julian von Bülow.

Viel Unruhe im Audimax des Henry-Ford-Baus der FU, der aufgrund des erwartet hohen Presseaufkommens außerplanmäßig den Akademischen Senat beherbergte. Foto: Julian von Bülow

Viel Unruhe im Audimax des Henry-Ford-Baus der FU, der aufgrund des erwartet hohen Presseaufkommens außerplanmäßig den Akademischen Senat beherbergte. Foto: Julian von Bülow

Nachdem im Dezember 2017 offenbar wurde, dass FU-Präsident Peter-André Alt nicht für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stehen würde (der Abriss seiner beiden Amtszeiten zum Nachlesen in FURIOS) und am 19. Januar die Bewerbungsfrist für etwaige Nachfolger*innen ablief, wurden am 14. Februar die Kandidat*innen vom Akademischen Senat nominiert.

Nach Tagesspiegel-Informationen hatten sich elf Personen für das Präsident*innen-Amt an der FU beworben, drei davon hatte der Akademische Senat nun zur Vorstellung eingeladen: Die Frankfurter Friedensforscherin Tanja Brühl, den FU-Mathematiker Günter Ziegler und den Historiker Jan Palmowski. Nominiert wurden letztlich nur die ersten beiden.

Türen auf für die ungeladenen Gäste

Parallel zur Anhörung versammelten sich ca. 150 Studierende und zogen als TVStud-Protestzug unüberhörbar zum Henry-Ford-Bau. Wie schon in Jahren zuvor geschehen, hatte das Präsidium Polizeischutz bestellt, um Student*innen am Betreten der Räumlichkeiten zu hindern. Wenige Minuten später standen die Streikenden dann doch vor den Türen des Audimax, kurze Zeit später durften sie auch den Saal betreten und Platz nehmen.

Während die Streikenden abermals eine deutliche Lohnerhöhung, sowie die dynamischen Kopplung an die sonstigen Tarifverträge forderten, überraschte FU-Kanzlerin Andrea Bör als sie bekannt gab, die Universitäten hätten bereits ein neues Angebot an die streikenden studentischen Hilfskräfte ausgearbeitet. Details wollte sie nicht nennen, man solle nun an den Verhandlungstisch zurückkehren.

 

Präsente, aber ungebetene Gäste: Die TVStud-Kampagne. Fotos: Felix Lorber, Julian von Bülow

 

Die Bewerber*innen

Den Beginn der Bewerber*innen-Vorstellungen machte Tanja Brühl – derzeitige Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der Goethe-Universität Frankfurt. Sie wolle „Innovation, auch soziale“ und nannte beispielhaft Freisemester für die Lehrweiterentwicklung für Dozent*innen, mit denen man in Frankfurt gute Erfahrungen gemacht habe.

Jan Palmowski, Prorektor der Universität Warwick (England), rückte die Digitalisierung der Universität in den Vordergrund, hatte dabei jedoch selbst immer wieder mit der Beamer-Fernbedienung zu kämpfen. Das Technikversagen wie auch die Streikeinlage schienen den Historiker zu verunsichern, eine konsistente Vorstellung gelang ihm kaum. Letztlich blieb ihm die Nominierung durch die AS-Mitglieder versagt.

Der unter den Professor*innen als Favorit gehandelte FU-Mathematiker Günter Ziegler stellte Dialog und Ausgleich zwischen allen Universitätsangehörigen in den Mittelpunkt seiner Präsentation und bat um Nachsicht: „Zu konservativ, zu progressiv, zu weich, zu hart“ – er wolle nicht vorschnell in Schubladen gesteckt werden.

Exzellente Fragen?

Zentrales Element aller Präsentationen war das nahtlose Anknüpfen an die Exzellenzbestrebungen des scheidenden Präsidenten Alt im Berliner Verbundantrag, um das sich so auch das Gros der Fragen der Professor*innenschaft drehte. Des Weiteren wurden Mittelvergabe, Lehrkräfteausbildung und die Zusammenarbeit mit Personalvertretungen und Charité thematisiert.

Zwar haben regulär nur Mitglieder des AS bei dessen Sitzungen Rederecht, doch die studentischen Vertreter*innen griffen Fragen von den, in den hinteren Reihen anwesenden, (streikenden) Studierenden per Handy auf. Zu Positionierungen im aktuellen TVStud-Arbeitskampf und Polizeieinsätzen auf dem Campus wurden alle Bewerber*innen gleichermaßen aufgefordert. Brühl verwies explizit darauf, dass man Besetzungen bisher in Diskussionen und ohne Polizei habe lösen können. Die laufenden Tarifverhandlungen wollte niemand kommentieren.

Gegen Ende der fünftstündigen Sitzung präsentierte sich außerdem Klaus Hoffmann-Holland als Bewerber für das Amt der*des ersten Vizepräsident*in (VP1), das mit der ständigen Vertretung der*des Präsident*in verbunden ist. Die bisherige Amtsinhaberin Monika Schäfer-Korting scheidet wie Alt im Mai aus. Hoffmann-Holland, der bisher bereits als Vizepräsident für Studium und Lehre Teil des Präsidiums war, erntete wie Brühl und Ziegler von mindestens einem Drittel der AS-Mitglieder Zuspruch und ist somit für die Wahl am 2. Mai nominiert.

Neben dem akademischen Senat nominiert auch das Kuratorium der FU Präsidentschaftskandidat*innen in einer eigenen Sitzung. Diese findet am 19. März statt.

UPDATE: Das Kuratorium hat wie auch der Akademische Senat Tanja Brühl und Günter Ziegler als Präsidentschaftskandidat*innen nominiert. Jan Palmowski hatte seine Kandidatur im Vorfeld zurückgezogen. Am 2. Mai steht für den Erweiterten Akademischen Senat somit die Wahl zwischen Brühl und Ziegler an. Für das Amt der*des ersten Vizepräsident*in (VP1) wurde wie auch im AS Klaus Hoffmann-Holland nominiert.

Ein Kommentar

  • Der AStA hat eine Anfrage für die kommende AS-Sitzung bzgl der Legitimation von Polizeieinsätzen gegen Mitglieder der Hochschule bei einer öffentlichen AS-Sitzung gestellt. Falls euch die Antworten interessieren – die nächste Sitzung ist am 18.April!

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