„Ein Strohmann-Argument“ | FURIOS Online
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„Ein Strohmann-Argument“

Jonathan Stahl von der FSI*OSI hat sich mit Felix Lorber zum Nach-Wahl-Interview getroffen. Ein Gespräch über Transparenz in der Hochschulpolitik und desinteressierte Kommiliton*innen.

Zum ersten Mal für die FSI*OSI im Stupa vertreten: Jonathan Stahl. Seine Liste dagegen ist Dauerbrenner*in. Foto: Felix Lorber

Zum ersten Mal für die FSI*OSI im Stupa vertreten: Jonathan Stahl. Seine Liste dagegen ist Dauerbrenner*in. Foto: Felix Lorber

FURIOS: Jonathan, Du bist das erste Mal für die FSI*OSI ins Studierendenparlament (Stupa) eingezogen. Warum tust Du Dir die Arbeit an?

Jona: Ich halte es für wichtig, den Ort, an dem wir einen Großteil unseres momentanen Lebens verbringen, mitzugestalten. Das ist meine generelle Motivation für Hochschulpolitik, dort Einfluss zu nehmen, wo es möglich ist.

F: Die FSI*OSI ist als zweitstärkste Liste in das neue Stupa eingezogen, ihr seid dabei auch in diesem Jahr die Fachschaftsinitiative (FSI) mit den meisten Stimmen. Was bedeutet es für eine FSI, ob sie im Stupa vertreten ist?

J: Also der prinzipielle Hintergrund der FSIn ist ja, dass sie nicht institutionalisiert sind. Somit steht es ihnen frei, sich in Gremien zu beteiligen oder auch nicht.

Es gibt immer wieder Diskussionen darüber, was Gremienarbeit eigentlich bringt und wie wertvoll sie letztlich ist, denn man unterwirft sich den insgesamt unfairen Strukturen, die die Hochschulpolitik den Studis bietet.

Ich persönlich finde es jedoch wichtig, in den verschiedenen Gremien vertreten zu sein und mitzuarbeiten, da diese letztlich die offizielle Bühne sind und ich glaube, dass man so auch eine gewisse Art Schadensbegrenzung betreiben kann.

F: Wie seit Jahren gab es auch in diesem wieder eine sehr niedrige Wahlbeteiligung bei den Stupa-Wahlen. Sind die Studierenden zu unpolitisch? 

J: Hier kommen sicher mehrere Sachen zusammen. Also einerseits ist es wohl tatsächlich so, dass ein großer Teil der Studis einfach zu wenig politisch ist. Das Wort „unpolitisch“ ist für mich eigentlich per se ein Widerspruch, denn „unpolitisch zu sein“, im herkömmlichen Sinne, bedeutet auch schon eine politische Haltung zu beziehen.

Ob man sich jedoch für Hochschulpolitik begeistern kann, ist ja noch einmal eine ganz andere Frage.

Dazu kommt dann auch, dass es teilweise wahrscheinlich schon so etwas wie einen Mangel an Informationen einerseits und Output andererseits gibt. Ich denke aber, es liegt auch in der Verantwortung jeder*s Einzelnen, sich im eigenen Umfeld politisch zu informieren und zu positionieren.

F: In letzter Zeit häuft sich Kritik an den studentischen Gremien, intransparent zu sein. Auch ein FURIOS-Kommentar kritisierte kürzlich, es falle schwer, sich über Hochschulpolitik fundiert zu informieren, Interessierte hätten es schwer. Wie siehst Du das?

J: Für meine Liste gesprochen, kann ich sagen, die FSI*OSI ist eine komplett offene FSI, man kann jederzeit dazukommen, alle sind eingeladen, an Plenen teilzunehmen und sich zu informieren. Und wenn neue Leute dabei sind, achten wir auch darauf, eventuell Unbekanntes wie Abkürzungen oder Prozesse sofort zu erklären.

Ich habe, ehrlich gesagt, aber auch nicht den Eindruck, als würde es tatsächlich so viele Leute so brennend interessieren. Es gibt ja Möglichkeiten, sich zu informieren, zum Beispiel auch Schaubilder, wie die Uni politisch aufgebaut ist, wie die Mechanismen funktionieren.

F: Weiterhin wird den Gremien eine undurchsichtige Verwaltung studentischer Gelder vorgeworfen.

Die Gelder der Studierenden verwaltet ja der Allgemeiner Studierendenausschuss (Asta). Ohne die konkreten Vorwürfe zu kennen, kann ich nur meinen eigenen Eindruck schildern. Und gemessen an dem, was ich bisher mitbekommen habe, muss ich sagen, dass wirklich gewissenhaft und einsehbar im Asta gearbeitet wird. Der Transparenz-Vorwurf wirkt auch oft als eine Art „Strohmann-Argument“. Manche verstehen die Komplexität der Prozesse nicht sofort und sagen dann, „das ist intransparent“. Aber die Prozesse sind sehr wohl transparent, man muss einfach an die richtigen Stellen gehen.

F: Mit Blick auf die Zusammensetzung des neuen Stupas, was erwartest Du für das nächste Jahr im Parlament? Wo sind die Fronten?

J: Mein Eindruck in der ersten Sitzung war tatsächlich, dass das Gros der Leute primär an sachorientierten Diskussionen interessiert war. Ich halte es in einem Studierendenparlament auch nicht zwangsläufig für nötig, dass es da so eine klare Spaltung in Koalition und Opposition gibt. Mir wäre lieber, dass man von Antrag zu Antrag schaut und sich mit diesen einzeln auseinandersetzt. Es ist ja am Ende des Tages immer noch Hochschulpolitik und nicht der Bundestag.

F: Danke für das Gespräch!

 

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