FURIOS versteht: Fernwander-Studis | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

FURIOS versteht: Fernwander-Studis

Proviant, zwei T-Shirts, ein Stück Kernseife: Clara Nack versteht eine FU-Studentin, die in ihren Semesterferien lieber die nächste Wasserquelle sucht, als am Strand zu liegen.

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Irgendwo zwischen Mexiko und Kanada. Der PCT. Foto: Martin Köchling

In unserer Ferienserie „FURIOS versteht“ widmen sich unsere Autor*innen Menschen, deren Leben so ganz anders ist als das ihre und die sie schon immer einmal verstehen wollten.

„Es ist wirklich nochmal etwas ganz anderes, wenn du nicht weißt ob du dein Zelt aufstellen kannst. Der PCT ist wirklich nicht breit.“ Die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz zwischen Wurzeln und steilen Abhängen verleiht einen geschärften Blick für Kleinigkeiten am Wegesrand, die Faszination für Lebewesen, die man Zuhause oder im Hotel abstoßend gefunden hätte.

Tanja Finke spricht über ihre Erfahrungen während einer Wanderung, bei der sie im letzten Sommer 150 Kilometer des Pacific Crest Trails (PCT) zurücklegte. Der berühmte Fernwanderweg schlängelt sich in kompletter Länge über 4279 Kilometer von Mexiko, durch den US-Staat Kalifornien bis an die kanadische Grenze. „Zwei bis drei Wochen muss man sich auf dem Weg komplett selbst versorgen können, bevor man eine befahrene Straße oder einen Ort erreicht“, erzählt Tanja, die sich vor dem Beginn ihres Studiums mit ihrem Freund entschied, ihr Zelt zehn Tage in der Wildnis aufzuschlagen.

„Man ist sehr bei sich selbst“

Tanja studiert Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte an der FU, vorher arbeitete sie als Physiotherapeutin. Das Gefühl, ihren Kopf in diesem Job „jeden Tag etwas weniger zu brauchen“, hat sie jedoch dazu bewogen sich eine Auszeit zu nehmen und sich nur noch von der Natur „leer pumpen” zu lassen. Auch während des Studiums, in dem sie ihren Kopf mit jeder Menge Theorie und Hausarbeiten fordert, sind solche Wanderwege ihr Ausgleich.

Weil sich unterwegs Prioritäten verschieben und man neues über sich lernt, bezeichnet Tanja sowohl den PCT als auch den Jakobsweg, von dem sie 2009 einen Abschnitt von 700 km zurück legte, als eine Art Lebensweg, der sie auch persönlich weiter brachte.  „Man möchte auf dem Weg sein eigenes Tempo finden. Mir ging es gar nicht so sehr um das Sportliche, sondern immer mehr um das Gefühl in der Natur zu sein. Emotionen werden heftiger. Wenn du jemanden unterwegs triffst, dann kommt die Freude von ganz tief unten. Du tauscht Dinge aus, die im Alltag sonst keinen Raum gehabt hätten.”

Trailmeile 1413,3 - Cross a Jeep Road

Trailmeile 1413,3 – Cross a Jeep Road

Mit der Sonne in den Tag hineinleben

Am Anfang versuchte sie noch den Tag in der Wildnis zu verschriftlichen, schoss Unmengen an Fotos und versuchte mit dem Proviant genau zu haushalten. Nach und nach seien es aber nur noch die essentiellen Momente gewesen, die sie sich notierte, Rationen, die sie sich einteilte, während Tageszeiten in den Hintergrund traten. Das Wichtigste würde man sowieso behalten, erzählt Tanja. Man vergesse es nicht, wenn man für einen Tag zu wenig Essen geplant habe, nur um dann spontan bei einem Junggesellenabschied am Cloud River unterzukommen. „Was das große Tier war, welches unser Vorzelt mitten in der Nacht so interessant fand, wissen wir bis heute nicht“, erinnert sie sich. Man müsse sich dann einfach umdrehen und nicht mit einer Bratpfanne nach dem Einbrecher suchen.

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„Am Tag selber richtet sich die Distanz, die man zurücklegt nach den Wasserquellen“, sagt Tanja. Foto: Martin Köchling

Während auf den letzten Kilometern des Jakobswegs durch die große Masse an Pilger*innen jegliche Naturverbundenheit verloren geht, können auf dem schmalen Pacific Crest Trail Tage vergehen, ohne dass man einer Menschenseele begegnet: „Man muss sich darauf einlassen können. Wenn man sehr müde vom Stress ist, sollte man so einen Weg nicht antreten“, meint Tanja. Die 33-Jährige wollte die sechs Bachelorsemester eigentlich geradlinig durchziehen und den Master direkt anschließen, jetzt kann sie sich vorstellen zwischendurch nochmal eine Pause einzulegen. Zum Beispiel, um das Leben indigener Völker im Regenwald des Amazonas kennenzulernen.

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