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Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

FURIOS fantasiert: Berlin first!

Ein neues Gesetz verwandelt Berlins Stadtbild. An Stelle von Menschenmassen, bevölkern Familien und umherschlendernde Rentner*innen die Straßen. Wie es dazu kam, erfahrt ihr von Leonhard Rosenauer.

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In Berliner Parks kann endlich wieder entspannt werden. Foto: pixabay

In unserer Ferienserie „FURIOS fantasiert“ geben wir unseren Autor*innen Raum zum Träumen.

Nachdem eine Mehrheit im Berliner Senat am ersten April für die Gesetzesänderung gestimmt hat, kann sich niemand so richtig vorstellen, wie es weitergehen soll. Bis zuletzt wehrten sich Hotelier- und Einzelhandelsverbände, beinahe die gesamte Berliner Tourismusindustrie und ihre Profiteure lautstark. Es hilft nichts: Auf einer Pressekonferenz verkündet Michael Müller ein Einreiseverbot für Tourist*innen jeglicher Art. Auf Nachfrage einer Journalistin erklärt er: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich”.

Das Berghain lockt mit Gutscheinen

Während der Frühling einkehrt, leeren sich die Straßen und öffentlichen Plätze der Stadt. Der Verkehr beruhigt sich und die öffentlichen Verkehrsmittel bieten mit einem Schlag Sitzgelegenheiten für jede*n Passagier*in. Insbesondere die M10 und U8 werden befreit von Uringeruch und partywütigen Stadtbesucher*innen. Nach nur zwei Wochen und dem Beseitigen von Erbrochenem durch die Stadtreinigung, gleicht auch die Warschauer Straße einem Kurort. Familien und Rentner*innen spazieren entlang der Spree und genießen die ersten Sonnenstrahlen und die Ruhe im Viertel.

Abends einen Sitzplatz in einer Bar zu ergattern wird zur Selbstverständlichkeit. Bis Ende des Monats ist vergessen, wie es war, schwitzend mit Winterjacke in der Hand zwischen Theke und Kicker auf dem Boden einer Bar zu sitzen, die dank positiver TripAdvisor-Bewertungen zur Sardinenbüchse verkommen ist. Auch lange Schlangen vor den Berliner Clubs gehören der Vergangenheit an. Sogar das Berghain bietet erstmals Gutscheine und Gewinnspiele um Besucher*innen anzulocken. Das Matrix hingegen schließt direkt die Pforten, was Anwohner*innen, mit einem zahlreich besuchten Straßenfest zelebrieren.

Widerstand der Bierbike-Vermieter*innen

Zur gleichen Zeit versuchen andere die Stadt für immer zurückzuerobern. Berlinweit beginnen Aktivist*innen Airbnb-Wohnungen zu besetzen. „Weggegangen Platz gefangen“, verkünden aus Fenstern und von Balkonen hängende Banner. Der neue Heimatminister Seehofer (CSU) plädiert unterdessen für Solidarität mit den Besetzer*innen, auch ihn habe der Ansturm Preußischer Tourist*innen ins Bayerische Altmühltal immer sehr geschmerzt. Der Wert seines Ferienhauses sei deswegen sogar kurzzeitig in einen sechsstelligen Bereich gerutscht.

Doch während sich Tempelhofer Feld und Mauerpark in gemütliche Sonntagsdomizile verwandeln, kommt erster Widerstand auf. Berliner Bierbike-Vermieter*innen und Coworking-Space-Besitzer*innen gehen gemeinsam auf die Straße: Dreißig Junggesellenabschiede hätte man absagen müssen, klagt eine der Demonstrantinnen, die würden jetzt natürlich alle in Hamburg auf der Reeperbahn feiern.

In der Tat wendet sich der Hamburger Oberbürgermeister wenige Tage später in einem offenen Brief an den Berliner Senat. Er bittet um Rücknahme des Gesetzes, Hamburgs Kapazitäten seien erschöpft, der Ansturm einfach zu groß. Noch bevor der Senat Stellung beziehen kann, prescht Heimatminister Seehofer wieder nach vorn. Auf einer öffentlichen Kundgebung plädiert er für die Beibehaltung des Gesetzes. Berlin habe in seinen Augen seit dem ersten April eine wundervolle Entwicklung durchgemacht, wirke aufgeräumter, sauberer und ruhiger. „Es ist ein bisschen wie München!“, schwärmt er.

Einstimmig beschließt der Senat daraufhin den Einreisestopp wieder abzuschaffen. Man habe sich da in etwas verrannt, wird bekanntgegeben. Der erste Mai, so die Hoffnung, werde schon wieder alles richten.

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