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Hast du mal kurz Zeit?

Aufdringliche Zeitungsabo-Verkäufer*innen auf dem Campus sorgen oftmals für Unbehagen. Franziskus Montermann* hält sie für eine Zumutung.

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Nur noch zehn Minuten bis das Seminar beginnt. Das sollte eigentlich reichen, um es vom U-Bahnhof Dahlem Dorf bis in mein Institut zu schaffen. Dank der zahlreichen Fundraiser*innen und Zeitungsabo-Verkäufer*innen kann so eine kurze Strecke aber auch zur Odyssee werden. Kaum verlasse ich das kleine Bahnhäuschen, drückt mir ein übermotivierter und vom Provisionsvertrag angepeitschter Verkäufer eine Süddeutsche Zeitung in die Hand. Nette Geste könnte man meinen. Allerdings habe ich in dem Moment, in welchem ich die Zeitung mit meinen Fingerspitzen berühre, wohl einen Vertrag abgeschlossen, der es dem Face-to-Face Sales-Experten erlaubt, mich in ein Gespräch zu verwickeln.

Ohne ausreichend Koffein in der Blutbahn ist es schier unmöglich den vielen rhetorischen Fragen des Verkäufers zu entweichen. Gekonnt wird mir der Abopreis auf 60 Cent pro Tag heruntergerechnet. Wenn man das dann noch in der WG teilt, ein Schnäppchen! Als ich trotz der großartigen Vorteile nach einem rund fünfminütigen Gespräch darauf verzichte, ein kostenloses Probeabonnement abzuschließen, entgegnet mir der Verkäufer patzig: „Willst du mich verarschen?!“

Moralisch fragwürdige Praktik

Um derartigen Begegnungen zu entgehen, senken viele Studierende den Kopf oder blicken in eine andere Richtung sobald ein*e Verkäufer*in sich auch nur in Rufweite befindet. Und das zurecht, denn Direktvertrieb, egal ob für Staubsauger, Kosmetika oder Zeitungsabonnements enthält eine moralisch fragwürdige Komponente und bringt Kund*innen oftmals in unangenehme Situationen. Auf potentielle Käufer*innen wird hier in einer unverhofften Situation Druck ausgeübt. Kein Wunder, denn häufig werden Händler*innen akribisch auf diese Gespräche vorbereitet und erlernen rhetorische Tricks um so gegenüber den Gesprächspartner*innen einen Vorteil zu gewinnen. Hinzu kommt, dass den Käufer*innen in diesen Situationen oftmals jegliche Vergleichsmöglichkeiten bezüglich anderer Angebote fehlen und somit eine ungleiche Informationsverteilung vorliegt.

Eine Frage des Umgangs

Neben den Verkäufer*innen tummeln sich oft auch Fundraiser*innen und andere Promoter*innen auf dem Campus. Viele sammeln Spenden für einen guten Zweck und begründen sachlich und informativ, warum ein, zwei Euro im Monat für Greenpeace vielleicht doch keine schlechte Sache sind. Doch auch hier geht manch eine*r etwas schneller, mit gesenktem Blick und schlechtem Gewissen vorbei, was für die Spendensammler*innen gleichsam frustrierend sein kann.

Wie also umgehen mit unerwünschten Offerten? Eins ist klar, wer ein freundliches „Nein, Danke!“ entgegenbringt braucht kein schlechtes Gewissen haben. Händler*innen, die das ignorieren, aufdringlich werden oder gar entgleisen, haben dazu weder auf dem Campus noch sonst irgendwo ein Recht und sollten geahndet werden.

*Der Autor bevorzugt es, diesen Artikel unter einem Pseudonym zu veröffentlichen.

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