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Und schon wieder keine Frau …

Die FU hat einen neuen Präsidenten. Keine Präsidentin. Das liegt vor allem an den Professoren. Ein Zwischenruf über eine vertane Chance von Gast-Autor Florian Schmidt.

Foto: Pixabay

Berlins Innensenator Andreas Geisel von der SPD hatte es vorgemacht: Als es jüngst galt den Posten des Polizeipräsidenten neu zu besetzen, hat er sich bewusst für eine Frau entschieden. Noch dazu für eine von außen, für Barbara Slowik, die nicht einmal Polizistin ist, sondern aus dem Innenministerium kam. Ein starkes Signal, ist sie doch die erste Frau in der Geschichte der Berliner Polizei, die das Amt ausfüllt. Geisel hatte erkannt, wie wichtig die Geschlechterfrage auch im 13. Bundeskanzlerinnen-Jahr noch ist – und seine Chance genutzt.

Über die Professoren an der FU lässt sich das nicht sagen, sie haben die ihre vertan. Schon wieder haben sie mit Günther Ziegler einen Mann an die Spitze des Präsidiums gebracht, er ist der achte von acht in der noch jungen Historie der Uni. Zugegeben, der Auswahlprozess war ein anderer, es handelte sich um eine Wahl, nicht um den Beschluss eines Politikers im stillen Kämmerlein. Dennoch ist die Entscheidung eine Enttäuschung. Nicht weil Ziegler einen schlechten Präsidenten abgeben wird, denn das wird er sicherlich nicht. Sondern weil die FU so einmal mehr manifestiert, was an Dreivierteln der deutschen Unis nach wie vor Standard ist – und was heutzutage nicht mehr sein darf: Dass die akademische Welt nicht bloß zahlenmäßig von Männern dominiert, sondern nach wie vor von ihnen angeführt wird.

Das Peinliche: Seit ihrer Gründung schreibt sich die FU Fortschrittlichkeit auf die Fahne. Sie präsentiert sich als Ort für Freigeister, für tabufreies Denken; ihre Architektur ist – respektive war beim Bau – modern, ihre Studenten gelten seit jeher als progressiv-links. Umso weniger passt zu diesem Image, dass das Gesicht der FU seit jeher und nun erneut das eines Mannes ist, während überall sonst weibliche Führungskräfte aufholen, ja gar Deutschlands älteste Partei, die SPD, mit Andrea Nahles erstmals eine Chefin hat. Sicherlich, in der zweiten Reihe, unter den FU-Vizepräsidenten, sind zwei Frauen, auch hat die FU mit Andrea Bör eine Kanzlerin. Sie stehen aber alle im Hintergrund, FU-Aushängeschild wird nach Peter-André Alt nun wieder ein Mann.

Noch peinlicher: Die ehrwürdige, deutlich ältere HU ist mit ihrer Präsidentin Sabine Kunst seit zwei Jahren schon viel weiter. Hier hatten sich die Professoren, die letztlich die Wahl entscheiden, auf eine externe Kandidatin verständigt. Geräuschlos ohne Gegenkandidaten wählte das Uni-Konzil Brandenburgs ehemalige Wissenschaftsministerin an die Hochschulspitze. Die FU-Professoren hingegen, insbesondere jene der Liste „Vereinte Mitte“, blieben unkreativ. Sie wollten lieber Kontinuität, jemanden aus den eigenen Reihen, und entschieden sich schließlich für Ziegler, der als Mathematik-Shootingstar zwar alles andere als eine schlechte Wahl ist – aber eben keine Frau.

Natürlich ist es vertretbar, Zieglers Gegenkandidatin Tanja Brühl eine Abfuhr zu erteilen, weil sie aus Hessen stammt, die FU und ihre Gepflogenheiten nicht kennt und genau jene gewünschte Kontinuität nicht verkörpert. Und sicherlich sollte keinesfalls das Geschlecht allein, eine Quote gar, von vornherein ausschlaggebend in einer Wahl sein. Was man 2018 aber sehr wohl von den FU-Professoren verlangen kann, ist, die Suche nach einer geeigneten Frau wenigstens zu erwägen. Das aber scheint nicht im Ansatz geschehen zu sein. Und das ist schade.

Florian Schmidt war von 2012 bis 2013 Chefredakteur von FURIOS. Inzwischen ist er erster Vorsitzender des Freundeskreis FURIOS e.V. und damit Herausgeber des FURIOS-Magazins. Auf seinen Wunsch hin wurde im Text  auf Gendersternchen verzichtet. Florian Schmidt schreibt für BILD und B.Z. zu Wirtschaftsthemen und Berliner Landespolitik.

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