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Dahlem – einst weltweites Zentrum der Erdbeerforschung?

Um den Wissenschaftsstandort Dahlem ranken sich zahlreiche Legenden. Doch wieviel davon ist wahr? Julian Sadeghi hat sich bei einer Führung der Max-Planck-Gesellschaft auf Spurensuche begeben.

Hinter den imposanten Dahlemer Nobelvillen stecken nicht selten kuriose Geschichten. Foto: Pixabay

Weiß getünchte Villen und akkurat gestutzter Rasen – tagtäglich laufen Hunderte Studierende auf dem Weg zwischen den Fachbereichen der FU an den Gebäuden der Max-Planck-Gesellschaft vorbei und schenken ihnen nur wenig Beachtung. Dabei waren sie im Laufe der Jahrzehnte viel mehr als nur Schauplatz wichtiger Grundlagenforschung und Wohn- und Wirkungsstätte vieler Nobelpreisträger. Den bewegenden Geschichten rund um die Häuser und ihre früheren Bewohner kann man beim Stadtrundgang „Fake und Fakten zum Dahlem-Campus“ auf den Grund gehen. Dabei müssen die Teilnehmer entscheiden, ob die ihnen vorgelesenen Geschichten wahr sind oder doch ins Reich der Legenden gehören. Und das ist gar nicht so leicht.

Dahlemer Kuriositätenkabinett

Zugegeben: Dass Dahlem einst der weltweite Hotspot für Wissenschaftler im Bereich der Erdbeerforschung war, ist nicht überliefert. Wahr ist aber, dass die Biologin und Widerstandskämpferin Elisabeth Schiemann am Kaiser-Wilhelm-Institut für Kulturpflanzenforschung einen Schwerpunkt ihrer Forschung auf Erdbeeren legte.

Die Idee eines eigenen Instituts zur Erforschung von Wünschelruten-Erdstrahlenforschung in Dahlem klingt absurd? Tatsächlich zog die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft als Vorläufer des Max-Planck-Instituts die Gründung einer solchen Forschungseinrichtung im Jahr 1932 tatsächlich in Erwägung. Auch wenn es nie dazu kam, zeugt diese Überlegung vom damaligen Forschungsideal der Kaiser-Wilhelm-Institute, sich auch mit vermeintlich abwegigen Ideen zu beschäftigen und herauszufinden, ob und wie sie sich wissenschaftlich begründen lassen.

Forschen, Scheitern, Sterben

So wie in Dahlem viele Wissenschaftler endlich ungestört und gut ausgestattet forschen konnten und dadurch ihr Glück fanden, fand das Leben Clara Immerwahrs ein tragisches Ende. Die Ehefrau des Chemikers und Nobelpreisträgers Fritz Haber erschoss sich am 2. Mai 1915 mit der Dienstwaffe ihres Mannes im Garten der Haber-Villa. Ihr Mann gilt als „Vater des Gaskriegs“. Auf Grundlage seiner Forschung starben am 22. April 1915 1500 französische Soldaten an der Westfront bei einem Giftgasangriff. Es ist nicht mehr belegbar, dass sich Immerwahr als Reaktion auf dieses Ereignis das Leben nahm, doch unwahrscheinlich ist es nicht. Heute erinnert ein kleiner Gedenkstein auf dem Gelände zwischen der Van‘t-Hoff-Straße und der Faradaystraße an sie.

Jener Fritz Haber betrieb außerdem immensen Forschungsaufwand, um Gold aus dem Meerwasser zu lösen. Man vermutete pro Tonne Meerwasser bis zu zehn Milligramm Gold. Das Deutsche Reich war nach dem ersten Weltkrieg hoch verschuldet. Haber war sich sicher: Sollte es ihm gelingen, das Gold aus dem Wasser zu extrahieren, wären Deutschlands Reparationszahlungen kein Problem mehr gewesen. Er gründete geheime Forschungsgruppen und kooperierte mit der deutschen Metallindustrie – und musste am Ende doch zugeben, dass ihm ein Rechenfehler unterlaufen war.

Wer selbst einmal in die Historie des Wissenschaftsstandorts Dahlem eintauchen möchte, kann das jeden ersten Sonntag im Monat tun.

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