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Das Museum verlernen

Still und andächtig durchschreiten Museumsbesucher*innen die Säle. Warum eigentlich? Bei der Initiative “About the Museum“ der Staatlichen Museen stellte sich Pauline Sachs diese Frage.

Museumstour mit kritischem Blick. Quelle: Staatliche Museen zu Berlin/ Foto: Valerie Schmidt

„Warum ist hier alles so groß?“, fragt man sich vielleicht, wenn man sich unter der riesigen Kuppel im Foyer des Bode-Museums ziemlich klein und unbedeutend fühlt. Diese Wirkung ist vom Museum absichtsvoll inszeniert, denn neben Kunstwerken stellt es vor allem eines aus: Macht. Die Machtstrukturen in der Institution Museum zu hinterfragen – darum geht es bei “About the Museum”, das in diesem Semester im Bode-Museum stattfindet. Auch wenn sich das Format „nie gegen das Museum“ richtet, hat es den Anspruch, eine kritische Haltung einzunehmen, erklärt Patrick Presch, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Staatlichen Museen, der seit der ersten Phase 2014 an der Konzeption beteiligt ist.

Im Dialog mit dem Museum

Wichtiger Bestandteil der Initiative ist das “Team Dialog”, bei dem sich Studierende aller Berliner Unis und aller Fachrichtungen regelmäßig im Museum treffen. Dort entwickeln sie in Workshops ihr eigenes Vermittlungskonzept, angeleitet von der Künsterlin Paula Müller und Yvonne Zindel, Kunstvermittlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der UdK. Dabei bieten die Workshopleiterinnen lediglich verschiedene Methoden an. Die Studierenden sind völlig frei, ob sie am Format Führung festhalten oder einen künstlerischen, spielerischen oder dialogischen Ansatz wählen. Sie können zeichnerisch das Museum entdecken oder diskriminierungskritisch den Ausstellungsaufbau und die Objektbeschriftungen unter die Lupe nehmen.

Unvergleichlich!?

Zum Auftakt der Veranstaltung führt eine Mitarbeiterin der Staatlichen Museen die Studierenden durch die aktuelle Ausstellung „Unvergleichlich“, in der afrikanische Kunstwerke, die auf der Durchreise von Dahlem ins Humboldt-Forum sind, europäischen Objekten der ständigen Sammlung gegenübergestellt werden. Diese kontroverse Ausstellung und eine Führung, die viele Fragen offen ließ, bilden die Grundlage für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Museum:

In ihrem eigenen Vermittlungskonzept stellen die Studierenden kritische Fragen: „Wieso wurden manche Stücke als Ethnologica gesammelt, andere als Kunst? Wieso findet man auf den Tafeln nichts über afrikanische Künstler*innenidentitäten? Wird die Kolonialgeschichte ausreichend aufgearbeitet? Darf geraubte Kunst in diesem Kontext ausgestellt werden? Und wer bestimmt das überhaupt?“

Man darf gespannt sein, ob das Projekt seinem kritischen Anspruch gerecht wird, und welche Ideen die Studierenden im Laufe des Semesters entwickeln. Die Resultate werden bei der Abschlussveranstaltung im Juli der Öffentlichkeit präsentiert. Dass Führungen weder langweilig sein müssen, noch Faktenwissen das einzige ist, was sie vermitteln können, steht aber jetzt schon fest.

 

Wer Lust bekommen hat, kann noch jederzeit in das Projekt einsteigen oder am 14. Juli am “Meeting” im Bode-Museum teilnehmen. Mehr Infos unter: https://www.smb.museum/bildung-vermittlung/studierende.html

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