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Dear Mom, do I want a Grenzerfahrung?

Zum Thema „Gebiete“ füllt die Kooperation „ParisXBerlin 2018“ mit einer atmosphärischen Ausstellung den Kunstraum des Studierendenwerks. Pauline Sachs und Lea Schmitt berichten über Grenzerfahrungen.

Ein Parkhaus im Kunstrausch. Foto: Lea Schmitt

Pinke Lichtspots, kaltfeuchte Luft und dunkle Weite in der Tiefgarage des Studierendenwerks. Es ist nicht das erste Mal, dass der Kunstraum seine Türen für studentische Projekte öffnet. Vor einiger Zeit fand im Parkhaus in der Potsdamer Straße bereits die Ausstellung „Pics or it did not happen!“ statt. Heute erfüllt  den Raum ein anderes Licht – und Ton: Bei der einmaligen Performance wird man von einem außergewöhnlichen Audioguide durch die 2000 Quadratmeter begleitet. Eine warme Stimme, die meditativ Blicke und Gedanken leitet, Fragen stellt und Atemanweisungen ins Ohr raunt – jede*r einzelne lauscht für sich allein und doch bewegen sich alle im gleichen Tempo.

Neue Gebiete erforschen

Die Veranstaltung ist der Abschluss des Workshops „ParisXBerlin“. Die seit 2016 bestehende Kooperation der Studierendenwerke ermöglichte jeweils vier Studierenden aus den beiden Hauptstädten eine Woche intensiver Zusammenarbeit. Dabei stand nicht nur die künstlerische Auseinandersetzung mit Gebieten im Vordergrund, sondern auch das Erschließen des Ausstellungsraums als „neues Gebiet“. Die Zusammenarbeit bedeutete die Integration eigener Ideen in ein gemeinsames Konzept.

Für den UdK-Studenten David Amberg war es neu, „kollaborativ und unter solchem Zeitdruck zu arbeiten“. Auch Pauline Beck, die an der École nationale supéieure des beaux-arts studiert, wagte sich in ungewohnte Praktiken vor: Eigentlich beschäftigt sie sich mit Skulpturen, für das Projekt hat sie sich aber auch in Video- und Toninstallationen ausprobiert.

Grenzen überschreiten

Während am lauen Sommerabend oben im Freien ein fröhlicher deutsch-französischer Kulturaustausch stattfindet, lassen sich die Besucher*innen unten von Sirenenklängen bezaubern und tauchen in das Kunstwerk ein. Vor dem Hintergrund des Titels „Gebiete“, der immer auch ihre Grenzen einschließt, regt ein Chor zum Nachdenken an. „Doors have locks, citizens have guns, and countries have borders“ sprechen die französischen Sänger*innen eindringlich, als sie aus der Dunkelheit treten.

Kunst und Meditation mit Audioguide. Foto: Lea Schmitt

Loslassen, Losgehen, Übergehen

Neben der intensiven Atmosphäre erscheint gerade die inhaltliche Diffusität reizvoll: Politische Dimensionen von Grenzen werden zwar angerissen, gleichzeitig ist der Besuch stark auf das individuelle Erleben und die (Selbst-)Erfahrung der Besucher*innen anlegt. Dabei ist es beinahe unmöglich, die Unschärfe zwischen Privatem und Politischem nicht als exemplarisch für unsere Zeit zu deuten. Einerseits mit scharf gezogenen Grenzen konfrontiert, andererseits mit einer Stimme im Ohr, die uns in Sicherheit wiegt, müssen wir uns von dem Wunsch der einen Deutung lösen.

Auch Frank Thinnes, Bereichsleiter Kultur des Studierendenwerks und Gründer des Projekts, muss loslassen. Völlig ungewiss, wie das Ergebnis aussehen wird, hat er „Vertrauen in das kreative Potenzial der Studierenden“ und plant schon zukünftige Kooperationen mit Riga und Breslau.

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