FURIOS Undercover – ASH | FURIOS Online
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Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

FURIOS Undercover – ASH

Paula Schöber hat sich unter die künftigen hilfsbereiten Sozialarbeiter*innen der Alice-Salomon-Hochschule gemischt. Ob die ihrem Ruf gerecht werden? FURIOS deckt auf!

Foto: ASH Berlin, Illustr.: Manon Scharstein, Montage: Anselm Denfeld

9 Uhr morgens, s. t. Was für eine asoziale Zeit für eine Vorlesung. Heißt für mich: um 6 Uhr aufstehen. Denn heute mache ich mich ausnahmsweise auf ans andere Ende der Stadt. Es geht nicht ins schicke Dahlem, sondern mit der wunderbar menschenleeren U5 ins nicht so schicke Hellersdorf. Ich will mich für einen Tag unter die Tugendbolde der Alice-Salomon-Hochschule mischen, der Hochschule für Sozialpädagogik in Berlin.

Gähnende Leere im Audimax

Dass an einer Hochschule mit etwas mehr als 3000 Studierenden keine 500 Menschen in der Vorlesung sitzen, war mir ja bewusst. Aber dass mich dann nur 25 Augenpaare verwirrt mustern, als ich mich unbemerkt ins Audimax schleichen will? Obwohl ich heute ausnahmsweise mal nicht mein geliebtes FU-Shirt trage, kann ich mich nur halbwegs undercover unter die künftige Jugendamt-Elite mischen. Als ich mich unterschwellig umhöre, erfahre ich, dass die Leere weder dem guten Wetter geschuldet ist noch der Tatsache, dass die Vorlesung mitten im Semester liegt. Vielleicht sind „Systemtheorien Sozialer Arbeit“ auch einfach nicht besonders sexy.

Auf meinem Weg zu einem Zweit-Semester-Seminar rechne ich gar nicht mehr damit, dort mehr als zehn Menschen anzutreffen. Nach und nach schlurfen dann aber immer mehr müde Weltverbesserer*innen mit reusable-sustainable coffee cups und selfmade Tupper-Couscous in den stickigen Raum, und irgendwann drängen sich um mich herum sogar doppelt so viele Kommiliton*innen wie vormals im Audimax. Mit der Raumplanung scheinen es die Pädagog*innen nicht so zu haben.

Viel Lärm um eine Wand

Nach nur zwei Semestern an der anonymen FU machen mich hilfsbereite Menschen, die mir den Weg zur Mensa wundervoll pädagogisch vermitteln, erstmal misstrauisch. Aber irgendwie ist die friedliche Stimmung schön. Auch schön, dass ich in der winzigen Mensa noch einen Platz finde, drei aufgeschlossene Fünft-Semester nehmen mich an ihrem Tisch auf. Wie sie denn zur „Fassadendebatte“ stünden, frage ich unschuldig über meinen Gurkensalat hinweg. Innerlich bereite ich mich schon auf unkontrollierte Wutausbrüche, polemisches Geschrei und zerschmetternde Teller vor. Aber es folgt – nichts. Nur Augenrollen und genervtes Schnauben; hier scheint sich jeder viel mehr über die Aufregung über das strittige Eugen-Gomringer-Gedicht an der Südfassade aufzuregen als über das Gedicht selbst.

Der Asta der ASH stufte das spanische „avenidas“ 2016 als frauenfeindlich ein und forderte, es von der Fassade entfernen zu lassen, was in der deutschen Medienlandschaft eine hitzige Debatte über Sexismus und Sprachfreiheit auslöste. FU-seits würden sich vermutlich Asta-Freunde und -Feinde längst die Köpfe einschlagen, die einen das Gedicht bei Nacht und Nebel übermalen, die anderen flammende Zornbriefe schreiben und der apolitische Rest mal wieder völlig verwirrt dazwischen stehen. An der ASH ist das Ganze für die meisten bloß viel lästiger Lärm um Nichts.

Gabelgestocher statt Schwingen der Feminismus-Keule

Kein Tellerschmettern also. Würde auch irgendwie nicht zu dem friedlichen Bild passen, das ich jetzt von der ASH habe. Es war zwar ganz nett, sich einmal in einer so kleinen Hochschule und einem damit sehr persönlichen Umfeld zu bewegen, in dem sich unter Studierenden und Dozierenden größtenteils geduzt wird und mensch von einer Lehrveranstaltung zur nächsten nie mehr als fünf Minuten braucht. Trotzdem bin ich heilfroh, am nächsten Morgen wieder im anonymen Gedränge in Dahlem-Dorf untergehen zu können. Und selbst wenn ich mit ASH-Shirt und -Fancap auftauchen würde: es wäre allen egal. Gottseidank.

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