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„Hinter den Dingen“: Neuer Wissenschafts-Podcast vorgestellt

„Akustische Reisen in die Wissenschaftsgeschichte der Vormoderne” versprechen die Macher*innen. Leon Holly wurde in der ersten Folge mit der Kunst der Glasherstellung vertraut gemacht.

Die Podcast-Vorstellung im Roten Salon. Foto: Leon Holly

Eine öffentliche Podcast-Vorstellung ist ein merkwürdiges Event. Nach einer kurzen Einleitung sitzen alle eine Dreiviertelstunde lang mit Kopfhörern still und lauschen, während die Blicke im Raum umherwandern. So zumindest bei der Präsentation des neuen Wissenschaftspodcasts „Hinter den Dingen“ im Roten Salon der Volksbühne, zu der sich am 1. Oktober rund 100 Neugierige eingefunden haben. Kristiane Hasselmann, Jan Fusek, Armin Hempel und Katrin Wächter vom FU-Sonderforschungsbereich „Episteme in Bewegung“ nehmen sich darin als Ausgangspunkt geschichtsträchtige Objekte jeglicher Art, die im Raum Berlin zu besichtigen sind, und erklären deren historischen Kontext.

Tea-Time in Brandenburg                                             

Die Farbe des Lichtes im Saal passt zum Titel der ersten dreiviertelstündigen Folge: „Die Verheißung der rubinroten Teekanne“. Sie führt die Hörer*innen zurück in die Frühneuzeit, ins ausgehende 17. Jahrhundert. Am Hofe des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg forscht der Alchemist Johann Kunckel an der Herstellung des wertvollen Goldrubinglases. Dazu bekommt er vom Fürsten eigens die Pfaueninsel in der Havel bereitgestellt, wo er, abgeschottet von der Außenwelt, nach einem Geheimrezept wertvolle Gegenstände aus Glas produziert – darunter auch jene besagte Teekanne, die man heute noch im Stadtmuseum Berlin in den Blick nehmen kann.

(Al-)Chemie

Interessant ist die erste Folge des Podcasts allemal. Man wird in jene Zeit zurückversetzt, in der sich das Alchemistentum allmählich der rationalen Chemie wich, wie man sie heute kennt. Zuvor „forschten“ gutbezahlte Scharlatane im Geheimen daran, wie die Umwandlung von unedlen Metallen zu Gold und Silber gelingen könnte oder wie der Stein der Weisen herzustellen sei. Ende des 17. Jahrhunderts begannen die Wissenschaftler*innen mit der exakten Dokumentation ihrer Vorgehensweise bei Experimenten, publizierten diese öffentlich und setzten die eigenen Versuche dem kritischen Blick der Expertengemeinschaft aus.

Kunckel personifiziert diesen vorsichtigen Übergang zur modernen Wissenschaft. Er entlarvte einen Schwindler, der dem Kurfürsten von Brandenburg seine Dienste zur Herstellung von Gold und Silber anbot, und erhielt daraufhin selbst eine Anstellung am Hof. Doch einer seiner Mitarbeiter auf der Pfaueninsel setzte sich mit dem geheimen Rezept zur Herstellung von Goldrubinglas ab und verkaufte es an anderen Höfen weiter. Unabhängige Grundlagenforschung an Universitäten war zur damaligen Zeit zu kostspielig, weshalb sie nur privat durch Wohlhabende in Anspruch genommen werden konnte. Kunckel war geneigt sein Wissen über die Rezepturen zu teilen und hätte damit große Anerkennung erlangt, doch sein Kurfürst hielt die Experimente für zu rar und profitabel, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Stilfrage

Man hört dem Podcast-Feature die Mühe an, die in seiner Produktion steckt. Surround-Soundeffekte erwecken die historische Thematik hörspielartig zum Leben, ergänzt durch szenisch vorgetragene Originaltexte, wie z.B. Briefe. Der anekdotische Stil entschleunigt den 46-minütigen Podcast gehörig. Hätte man schlicht die Fakten vermitteln wollen, hätte wohl auch eine Viertelstunde genügt. Hin und wieder versuchen sich die Sprecher*innen an humorösen Einlagen, die noch etwas zu forciert klingen. Ob der Stil gefällt sollte jede*r selbst herausfinden – schlauer wird man allemal.

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