„Es kann nicht sein, dass künftige Lehrer*innen Angst haben” | FURIOS Online
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„Es kann nicht sein, dass künftige Lehrer*innen Angst haben”

In einem offenen Brief wenden sich Studierende der FU gegen ein Portal der AfD, auf dem Schüler*innen Lehrkräfte melden können, die die Partei kritisieren. Anabel Rother Godoy sprach mit der Autorin. 

Amira Aßmann will sich nicht einschüchtern lassen. Sie trifft FURIOS zum Interview.
Foto: Anabel Rother Godoy

Amira Aßmann studiert an der FU Lehramt im Master, mit Schwerpunkt auf Deutsch und Latein. Bald geht es für sie an die Schulen, wodurch sie das Thema persönlich betrifft. Ihr offener Brief wurde auf der Plattform von BildetBerlin! veröffentlicht, wo sich Lehrer*innen gegen das Meldeportal engagieren. 

Was hat dich dazu bewegt dich bei BildetBerlin! zu engagieren und den offenen Brief zu schreiben? 

Die Nachricht über das AfD-Meldeportal gegen Lehrkräfte hat mich sehr schockiert. Mich trifft das auch persönlich, weil mein Vater ein Eingewanderter ist. Aber viel mehr besorgt mich, dass die rechten Kräfte in dieser Partei eine solch laute Stimme bekommen. Deswegen ist es wichtig, dass gerade Studierende und Leute aus allen Berufen jetzt ebenfalls für das einstehen, an das sie glauben und hier nicht leise bleiben. 

Wie ist der Brief entstanden? 

Dieser Brief ist auf der Plattform BildetBerlin! veröffentlicht worden. Verfasst hatte ihn zuerst das Kollegium einer Berliner Grundschule. Mir war aber klar, dass der Brief nicht nur für Menschen wichtig ist, die bereits an Schulen arbeiten, sondern auch für Studierende, die Lehrkräfte werden wollen. Daher habe ich ihn dann alleine umgeschrieben und an unsere Situation angepasst. 

Also dann sozusagen für die zukünftige Generation? 

Richtig. Dennoch ist es erstaunlich schwierig, Unterschriften zu bekommen. Viele Studierende haben Vorbehalte, zu unterschreiben, weil sie Angst haben, dass die AfD ihre Namen bekommt. Ich habe deswegen mit dem Asta (Allgemeiner Studierendenausschuss, Anm. d. Red.) besprochen, dass man auch mit einem Pseudonym unterschreiben kann. Darüber hinaus gibt es, Gott sei Dank, auch noch den Datenschutz. Man kann also von der AfD fordern, die über sich selbst gespeicherten Daten zu löschen. Gerade diese Angst unter Studierenden ist ein Grund für mich, sich zu engagieren. Es kann nicht sein, dass künftige Lehrer*innen in ihrem Studium Angst haben. 

Was hast du empfunden als du das erste Mal von der Plattform gehört hast? 

Wie gesagt, ich war schlichtweg schockiert. Aber auch ein bisschen verängstigt. Die Aktion zielt darauf ab, mich einzuschränken, in dem, was ich im Unterricht sagen kann. Ich finde es ausgesprochen schwierig, dass eine Partei übernehmen will, was eigentlich über Amtswege laufen sollte.
Aber die Kontroverse hat mir auch Hoffnung gegeben. Neben mir gibt es noch viele andere Aktionen von Studierenden. Auf der Seite change.org hat eine Petition zu dem Thema jetzt sogar über 100.000 Unterschriften bekommen. Das sind vermutlich mehr Leute, als sich jemals auf der Plattform der AfD beteiligt haben.  

Was bedeutet deine Beteiligung an der Initiative für deinen persönlichen beruflichen Werdegang? 

Das bringt auf jeden Fall eine Einschränkung mit sich. Ich gucke zum Beispiel gezielter, in welcher Stadt ich unterrichten möchte, an was für Schulen ich gehe und mit wem ich zusammenarbeiten werde. Aber auch mit wem ich zukünftig solche Aktionen an den Schulen durchbringen könnte.  

Welcher Punkt aus deinem Brief ist dir am wichtigsten? 

„Wir gestehen, dass wir nach der Ausbildung in unserem Unterricht für Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit werben wollen.“ Dieser Punkt ist vor allem sehr zweischneidig, weil die AfD sagen kann, „genau das wollen wir ja auch!“ Gerade weil das eine komplizierte Diskussion ist, muss das auch unbedingt in den Unterricht. Wir müssen unsere Schülerinnen und Schüler vorbereiten. 
Zum Beispiel geht es in meinem Fach Deutsch viel um Textarbeit und da gehört die Analyse politischer Reden auf jeden Fall dazu. Gerade, wenn es um die Meinungsfreiheit geht, ist es wichtig rhetorische Mittel zu untersuchen und da gibt es bei der AfD eben Redensarten, die sehr tief ins rechte Spektrum hinein gehen. Gerade hinter dem Verweis auf eigene Meinungsfreiheit steht etwa häufig nur der Versuch die Meinungen anderer auszuschließen und zu diskreditieren.  

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