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Wollen wir Freunde sein?

Die Universität soll ein Ort sein, an dem Freundschaften fürs Leben geschlossen werden. Anabel Rother Godoy fragt sich wie, wenn alle nur über den Campus zur U-Bahn hetzen. 

Ich entsinne mich zurück an eine lang vergangene Zeit: mein erstes Semester. Damals war meine Vorstellung vom Uni-Leben vermutlich stark von Film und Fernsehen geprägt. Ich stellte mir vor, wie ich gleichgesinnte Menschen treffen würde, mit denen man den aufregenden und etwas einschüchternden Uni-Alltag entdeckt und täglich in der Mensa über kritische Seminare diskutiert. Es kam aber anders.

Jeder kennt es: Zu Semesterbeginn gibt es ein Wirrwarr von Kommiliton*innen, denen man zunächst in jeder Vorlesung begegnet, aber die dann erst zwei Semester später zufällig wieder auftauchen. Dazu noch die Lage der FU im Rentnerparadies Dahlem und ein Campus mit den Ausmaßen eines Stadtbezirks, machen das soziale Unterfangen, Bekanntschaften zu schließen, fast zu einem Ding der Unmöglichkeit.

Keine Zeit für Kaffee

Das Semesterziel im Hinterkopf, mich mehr sozial in die Uni einzubinden, habe ich jetzt eine Sitznachbarin im Seminar gefunden, mit der ich mich gut verstehe. Gerne würde ich mit ihr danach mal einen Kaffee trinken gehen. Das einzige Problem: mein allwöchentlicher Hindernislauf zum Sinologischen Institut am anderen Ende des Campus. Auch in meinen restlichen Seminaren wiederholt sich ein ähnliches Bild.

Jeden Abend ist eine massenhafte Flucht zur U-Bahn-Station zu beobachten. Überall scheint eine ständige Hektik unter den Kommiliton*innen zu herrschen, den Tag an der Uni so schnell wie möglich fertig zu bringen, um endlich wegzukommen. Weg aus der Trostlosigkeit, zurück in das Berlin, dass die meisten Studierenden aus dem Rest der Bundesrepublik hergelockt hat.

Und mir geht es, zugegeben, nicht anders. Auch ich packe meine Sachen schon zehn Minuten vor Schluss und nehme, inmitten der stummen Masse an Studierenden, den schnellsten Weg zur Bahn. Dort sind immer wieder bekannte Gesichter zu sehen, die sich zunächst nicht mehr in die richtige Vorlesung einordnen lassen. Bald ist dann auch der Moment überschritten, an dem eine Bekanntschaft über ein kühles Zunicken auf der Straße hinausgeht. Mir kommen Zweifel, ob selbst die von vielen herbeigesehnte studentische Bar daran etwas ändern könnte.

Gibt es so etwas wie Gemeinschaft noch?

Sollte die Uni nicht ein Ort sein, um lebenslange Freundschaften zu schließen und unvergessliche Zeiten zu erleben? Jahrelang hörte ich mir die endlosen Uni-Anekdoten meiner Eltern an. Die politischen Aktionen, die Streiche, die legendären Abende. Ihre Uni-Freundschaften hielten an, weil das Studium nicht einfach eine Zeit war, in der sie alle zufällig am gleichen Ort lernten, sondern weil dort wirklich eine Gemeinschaft entstand.

Soll uns das wirklich verwehrt bleiben, nur weil wir alle in einem schrecklich weiten Campus aneinander vorbei studieren und so sehr mit unserem eigenen Großstadt-Alltag beschäftigt sind?

Im Gegensatz zur Generation unserer Eltern, scheinen die meisten von uns das Uni-Leben alleine zu bestreiten. Viele Plätze zum gemeinsam sitzen und entspannen bleiben leer. Die Mensa lädt höchstens dazu ein, das neue Veggie-Gericht im Rekordtempo zu verschlingen, um schnell zur nächsten Veranstaltung zu hetzen. „Die Uni der Zukunft“: maximales Lernen, minimaler Spaß. Und am Ende schaffen alle die Regelstudienzeit.

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