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Können wir unseren Palmen noch trauen?

Ronja Hegemann bringt es auf die Palme: Viele Pflanzen sind chronische Lügner. Stolz nennen sie sich Palme, obwohl sie zu einer ganz anderen Pflanzengattung gehören!

Ein verdächtiges Gewächs. Foto: Ronja Hegemann

Leise tropft Wasser von den Blattspitzen der Madagaskar-Palme herunter, deren Name sofort Urlaubsgefühle aufkommen lässt. Eine wirklich schöne Pflanze, die mich in meinen Gedanken ganz weit weg bringt – an einen fernen Sandstrand, wo ich mich in der warmen Sonne ausstrecke. Was für ein schönes Gefühl! Doch ein für unmöglich gehaltener Fakt rüttelt mich aus meinen Träumen zurück in den kalten Berliner Winter: Die Madagaskarpalme ist eigentlich überhaupt keine Palme – sondern ein Scheibenblumengewächs!

Unter (falschen) Palmen

Ein was? “Scheibenblumengewächse sind eine völlig andere Pflanzenfamilie”, erklärt mir Beate Senska mit Blick auf ihren Notizzettel. Sie ist Diplombiologin und Dozentin der Freien Universität. An ihrem selbstgewählten Arbeitsplatz, dem Tropenhaus des Botanischen Gartens, gibt es so einige der über 2600 Arten von Palmen der Welt. Doch manchmal trügt der Schein – und eine angebliche Palme ist gar keine. Mit ihrer Führung „Palmen nur dem Namen nach“ im Botanischen Garten will sie nun endlich alle Unklarheiten aus der Welt schaffen – und ich bin mittendrin. Als selbsternannte Palmen-Detektivin von FURIOS bin auch ich dem Schwindel auf der Spur. Die Madagaskarpalme ist bereits entlarvt, meine warmen Urlaubsgedanken zerbrochen. „Auf zur Panamahut-Palme!“, jubelt Frau Senska und schon geht es weiter. Zielstrebig steuert sie auf eine zierliche Pflanze mit fächerförmigen Blättern zu.

“Sehen wir Menschen büschelige Kronen mit gespaltenen Blättern, haben wir nur noch Palmen im Kopf.”

Auch dieses Gewächs ist Teil des Komplotts. Immerhin könne man aus deren Blättern aber sehr funktionale Hüte herstellen. Das ist doch zumindest etwas! Obwohl mir gerade eher nach einer warmen Plüschmütze wäre – vielleicht lässt sich da ja etwas machen. Nun aber alle Hüte beiseite, denn es bleibt die universelle Frage, woher die Pflanzen ihren falschen Namen haben! Beate Senska weiß die Antwort: Meist liegt das an der Optik der Gewächse. Kaum sehen wir Menschen gerade gewachsene Stämme und büschelige Kronen mit gespaltenen Blättern, haben wir nur noch Palmen im Kopf. Dabei steckt hinter einer echten Palme doch noch einiges mehr, weiß die Biologin. Zum Beispiel ein wirres Konstrukt aus Wurzeln, der „Wurzelkuchen“, auf dem die Pflanze wächst – von dem könnten die Fälschungen sich ruhig mal ein Stück abschneiden! Nur wie eine Palme auszusehen reicht also noch lange nicht, um als solche bezeichnet zu werden.

Palmen nur dem Namen nach

In manchem Fall ist nämlich nicht die Optik ausschlaggebend für den irreführenden Namen. Da wäre zum Beispiel die Stechpalme, die ihren Namen durch die religiöse Funktion eines Palmwedels erhielt. Oder die Büropalme, die in dunklen Büroräumen überleben kann. Ihre Lieblingsgeschichte ist jedoch die der Drachenpalme, die weder Drache noch Palmeist – und ihren Namen durch das rot gefärbte Harz trägt, ihr „Drachenblut“.

Nach all den irreführenden Namen kommt endlich die Erleichterung: echte Palmen. Und zwar keine wie auf den ganzen Fotos von Paradies-Stränden, sondern ganz klein und unscheinbar. Soviel also zur „typischen Palme“. Die Falschbenennungen sind übrigens „kein typisch deutsches Phänomen“, denn auf allen Teilen der Welt hat sich der Name einfach durchgesetzt. Wie auch bei dem Palmfarn, auf den Senska mit leuchtenden Augen zeigt: „Die Engländer sagen dazu auch palm fern“.

Doch das hat nichts zu sagen, wir müssen den echten Palmen endlich eine Stimme geben! Da kann man direkt bei der eigenen Zimmerpalme Zuhause anfangen. Um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich echt ist, muss man sich ganz einfach die drei wichtigen Merkmale ins Gedächtnis rufen: nadelförmiger Blätterwuchs, Früchte und Wurzelkuchen. Nur dann kann man der eigenen Palme nämlich wirklich trauen!

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