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Weniger politische Theorie am OSI

In der neuen Studienordnung soll es am Otto-Suhr-Institut weniger politische Ideengeschichte geben. Unter Studierenden formiert sich Widerstand. Antonia Böker berichtet über die Auseinandersetzung.

Voll wie ein gutes Seminar – ein seltener Anblick in der Sitzung des Institutsrats. / Foto: Felix Lorber

Rund 60 Studierende fanden sich vor knapp zwei Wochen in der ansonsten eher leeren Institutsratssitzung des Otto-Suhr-Instituts (OSI) ein, nachdem dessen Fachschaftsinitiative (FSI*OSI) zum Protest gegen die geplante Studienreform aufgerufen hatte. Für studentische Empörung sorgten besonders die geplante verminderte Rolle der Politischen Ideengeschichte und eine mangelnde Diskussion der Pläne im Vorfeld. Diesen Freitag, den 7. Dezember, wird dem Präsidium der FU ein Vorschlag zur Prüfung vorgelegt.

Plan für die Ideengeschichte

Politische Ideengeschichte soll in der neuen Studienordnung eine kleinere Rolle spielen und nicht mehr in einer gesonderten Vorlesung gelehrt werden. Stattdessen soll sie nun mehr in anderen Angeboten im Bereich der politischen Theorie aufgehen und in eine einzige Vorlesung zu politischer Theorie integriert werden. Insgesamt werde dadurch ihr Anteil aber kleiner, gesteht auch Bernd Ladwig, Geschäftsführender Direktor des OSI und Professor für politische Theorie und Philosophie ein. Dies sei jedoch notwendig, um eine Studienordnung zu schaffen, die auch studierbar ist. Bisher wird die Ideengeschichte in der Lehre durch die außerplanmäßige Professur Klaus Roths und eine Vielzahl von Lehraufträgen gestützt. Da die Professur nicht im Strukturplan verankert ist, entfällt sie und die dafür bereitgestellten Mittel ab dem Wintersemester 2019/20.    

Unzufriedenheit unter Studierenden

Die Organisator*innen der FSI*OSI geben sich damit nicht zufrieden. Die Verantwortung dafür, wie es um die Ideengeschichte steht, sehen sie bei den Professor*innen. Das Wegfallen der Kapazitäten hätten diese zumindest „fahrlässig zugelassen“. Fehlende Mittel seien Zeichen eines fehlenden Willens über Jahre hinweg, erklärte Jahne Nicolaisen von der FSI*OSI. Anstatt sich immer wieder auf Sachzwänge zu beziehen müssten strukturelle Probleme angegangen werden, so die Linie der FSI. Gemeint sind damit grundlegende Prinzipien der Lehrplanung und -finanzierung, die für sie die eigentliche Ursache der jetzigen Problematik sind. Vertreter*innen der FSI veröffentlichten dahingehend am Wochenende einen offenen Brief, der die Einrichtung einer Vollprofessur für politische Ideengeschichte fordert.

Auch seitens der nicht in der FSI organisierten Studierenden gibt es Bedenken, was den Entwurf anbelangt. Die anwesenden Studierenden – viele in frühen Semestern – betonten die Wichtigkeit eines umfangreichen ideengeschichtlichen Angebots. Eine kritische Auseinandersetzung mit Normen und Werten sei angesichts der gesellschaftlichen Lage ausgesprochen wichtig. Besonders Studierende auf Lehramt forderten eine breite Lehre politischer Theorie, um an den Schulen über Begriffe wie Demokratie und Freiheit sprechen zu können.

Freude über hohe studentische Beteiligung

Weite Teile der Diskussion blieben ohne Einigung. Ein großes Problem waren die grundlegend unterschiedlichen Perspektiven. Während Studierende allgemein eine bessere Lehre forderten, verwiesen Professor*innen wiederholt auf bürokratische Zwänge.

„Einige Ihrer Argumente sind einfach falsch“, so Professorin Tanja Börzel. Studierende sollten sich besser informieren. Jahne Nicolaisen aus der FSI bezeichnete dahingehend die Reaktionen auf studentische Nachfragen auch als „mitunter schroff.“ Einigkeit herrschte dagegen über das allgemein höhere Interesse an der Sitzung des Institutsrats. Ladwig freute sich über die „gute Beteiligung“, und „wünsche sich mehr volle Institutsräte“. Nicolaisen war ebenfalls „positiv überrascht“ und rief in Erinnerung, dass Studierende ihre Einflussmöglichkeiten durch beständige Präsenz niemals unterschätzen sollten.


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