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„Für viele war das absurd“

Jan-Philipp Knoop wollte Angela Merkel den CDU-Vorsitz streitig machen. Noch vor Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer gab der FU-Student seine Kandidatur bekannt. Ein Interview von Marcel Jossifov.

Knoop im Café „Eckstein“ in Berlin Schöneberg. (Foto: Lucian Bumeder)

Jan-Philipp Knoop ist 26 Jahre alt, wohnt in Schöneberg und studiert Jura an der Freien Universität Berlin. Noch bevor Merkel nach der verlorenen Hessenwahl ihren Verzicht auf den CDU-Vorsitz erklärt hatte, gab er seine Gegenkandidatur bekannt. Im Moment hat er kein CDU-Parteiamt inne.


Viele Zeitungen bezeichneten dich nur als den „Schöneberger Studenten“ – hat dich überhaupt jemand ernstgenommen?

Nicht als zukünftigen Parteichef, aber als Zeichen der parteiinternen Opposition. Einige Delegierte haben mir sogar versichert, mich zu nominieren, wenn sich sonst kein*e Gegenkandidat*in findet. Natürlich war meine Kandidatur etwas schrill und ein bisschen absurd, aber das war mir egal. Ich kann reden, ich darf reden und ich habe als Parteimitglied entsprechende Rechte. Nur mein Ortsverband war von der Kandidatur gar nicht begeistert. Da kamen dann Sprüche wie „Den kennen wir nur aus der Zeitung“, obwohl ich regelmäßig zu den Veranstaltungen gegangen bin. Bei Diskussionen hagelte es negative Zurufe wegen meiner Kandidatur.

Als du deine Kandidatur für den CDU-Vorsitz bekanntgegeben hast, hatte Angela Merkel noch nicht auf das Amt verzichtet. Weshalb hast du dich für die Kandidatur entschieden?

Genau darum ging es. Das war ja auch noch vor der Kandidatur von Friedrich Merz. Die Konservativen in der Union hatten es bis dahin nicht geschafft, eine Bewegung gegen die Kanzlerin auf die Beine zu stellen. Und das, obwohl der Asylstreit gerade in vollem Gange war. Daher habe ich mich entschlossen, ein Zeichen zu setzen. Natürlich im vollen Bewusstsein, dass das für viele absurd oder obskur ist.

Die Kandidatur hat dich plötzlich ins Rampenlicht gebracht, zumindest ein bisschen. Wie hast du die Wochen nach der Kandidatur erlebt?

Es gab viel Gegenwind. Unterstützung aus meinem Ortsverband gab es gar keine. Ein CDU-Abgeordneter hat mich auf Facebook geradezu beleidigt, ein anderer rief mich an und wollte, dass ich das CDU-Logo von meiner Facebook-Seite entferne und stattdessen „Ein Mitglied der Union“ schreibe. Das habe ich nicht getan. Auch Zuspruch gab es vor allem online, zum Beispiel habe ich viele Mails von Leuten aus Baden-Württemberg erhalten. Von einem Delegierten nominiert wurde ich letztendlich aber doch nicht.

Also bist du umsonst zum Bundesparteitag nach Hamburg gefahren?

Nein, ich war überhaupt nicht in Hamburg. Nachdem Merz seine Kandidatur bekanntgegeben hatte, wollten sich die Konservativen geschlossen hinter ihn stellen. Trotzdem hinzufahren hätte wohl eher ein negatives Bild von mir für die Zukunft erzeugt. Als einfaches Mitglied wäre ich auch gar nicht reingekommen. Im Falle der Nominierung wäre ich aber natürlich noch schnell nach Hamburg gefahren.

Vor dem Bundesparteitag war die Stimmung in der Union so hitzig wie lange nicht. Wie sieht es jetzt aus?

Es brodelt schon, aber nicht in der CDU Berlin. Da steht man eher Kramp-Karrenbauer nahe. Verbände in NRW oder Baden-Württemberg hingegen sehen das anders. Einige Mitglieder dort sind stinksauer. Für mich persönlich war Jens Spahn das rundeste Gesamtpaket. Er ist jung und modern – davon gibt es nicht viele in der Union. Ich glaube da braucht man sich auch keinen Illusionen hingeben: Jens Spahn wird spätestens in den nächsten 10-15 Jahren Parteivorsitzender sein. Der SPD geht es da aber ähnlich. Die haben ja auch nur einen einzigen Kevin Kühnert als jungen Politiker. Überhaupt gibt es nur wenig Junge in der Politik. Das war auf jeden Fall auch ein Grund für meine Kandidatur.

Ein Kommentar

  • Wenn ein 26-jähriger Student tatsächlich Jens Spahn als Hoffnung für die Zukunft feiert, dann kann man nur traurig werden.
    Ein Politiker, der nichts andere im Sinn hat, als psychisch Kranke, Geflüchtete oder ungewollt Schwangere so viel wie möglich zu schikanieren, ihnen das Leben noch schwerer zu machen als ohnehin schon – und der sich dennoch als „christlich“ darstellt, so einen Politiker möchte ich mir nicht als Zukunft des Landes vorstellen.
    Noch dazu wenn man bedenkt, dass Spahn eng befreundet ist mit dem US-Botschafter, der aus dem unmittelbaren Umfeld von Donald Trump kommt. Eine solche Allianz eines deutschen Rechtskonservativen mit den Nationalchauvinisten aus den USA kann nur Unheil bringen.
    Dass Spahn als „modern“ gilt, liegt doch nur daran, dass er schwul ist und die Ehe für alle befürwortet – sonst gibt es an seinen Ansichten nichts, was man als „modern“ bezeichnen könnte. Und Homonationalismus ist und bleibt weiterhin Nationalismus.
    Kurzum: Gut, dass Jan-Philipp Knoop in der Partei offenbar keine große Rolle spielt. Zumindest ein Fan weniger, der Spahn den Weg ebnet. Bleibt zu hoffen, dass ihm das Jura-Studium mit der Zeit unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und vor allem den Respekt vor Minderheiten etwas näher bringt. Dann erkennt er vielleicht, für welche finsteren Ideen Jens Spahn wirklich steht.

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