<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>FURIOS Online &#187; Campus</title>
	<atom:link href="http://www.furios-campus.de/themen/campus/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.furios-campus.de</link>
	<description>Studentisches Campusmagazin an der FU Berlin</description>
	<lastBuildDate>Sat, 04 Feb 2012 17:39:19 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.1</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Monat versus Kontostand</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2012/01/04/monat-versus-kontostand/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2012/01/04/monat-versus-kontostand/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 08:54:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rani.nguyen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[FURIOS 07]]></category>
		<category><![CDATA[Heft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6732</guid>
		<description><![CDATA[150 Euro auf dem Konto, fünf Tage bis Monatsende und eine Frage: Wie viel wird danach wohl noch übrig sein? Kirstin MacLeod hat sich selbst einmal auf die Finger geschaut.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>150 Euro auf dem Konto, fünf Tage bis Monatsende und eine Frage: Wie viel wird danach wohl noch übrig sein? <em>Kirstin MacLeod</em> hat sich selbst einmal auf die Finger geschaut.</strong></p>
<p><strong><a rel="attachment wp-att-6733" href="http://www.furios-campus.de/2012/01/04/monat-versus-kontostand/kalender2/"><img class="aligncenter size-large wp-image-6733" title="Kalender2" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2012/01/Kalender2-470x295.jpg" alt="" width="470" height="295" /></a></strong></p>
<p>17. Montag</p>
<p>Ein Monster namens Mensa-es verschlingt gierig meine Scheine und hinterlässt im Portemonnaie nur gähnende Leere. Normalerweise würde ich an einem Montag ohne Bedenken den Zehner zücken, doch heute müssen fünf Euro reichen. Der Sparfuchs in mir ist erwacht und überschlägt. Meine Bilanz bisher: 60 Cent für ein ofenfrisches Brötchen am Morgen. Futter für den Schweinehund. In der Mensa Kaffee für 60 Cent und weitere vier Euro auf der Mensakarte. „Kein Cent mehr!“ lautet meine Devise für heute und tatsächlich: Ich bleibe hart — aber uach allein, während meine Freunde am abend ein Bier trinken gehen. (5,60)</p>
<p>18. Dienstag</p>
<p>Es geht auch ohne Bäcker! Geschmacksarme Cornflakes stärken mich für den zweiten  Spartag. Uni, du machst mich arm! 30 Euro im Kopierladen, 60 Euro für Lehrbücher. Ist mir Bildung so viel wert? Gierig beäuge ich die Nudeltheke, aber das Mensa-Monster füttere ich heute nicht mit meinen Scheinen. Ein Blick in die Brotdose und meine Laune sinkt gen Keller — jammi, labbriger Toast. Ich brauche eine Auszeit und werde schwach: Kinoabend. Auf Isolation habe ich keinen Bock mehr. Mit 10 Euro bin ich dabei. (100,00)</p>
<p>19. Mittwoch (0,00)</p>
<p>20. Donnerstag (9,10)</p>
<p>21. Freitag</p>
<p>Und schon wieder ist der Kühlschrank leer. Ich setzt mir ein Limit von 20 Euro und sage „ja“ zu „gut und günstig“. Vor den horrenden Alkohol-Preisen schrecke ich zurück. Alles außer billigem Dosenbier sprengt mein Budget. Stattdessen schnorre ich mich durch die Gegend — mein Schmarotzerdasein funktioniert. Ein letztes Mal wird gerechnet: Von den 150 Euro sind ganze 15,30 übrig. Geht ja noch. Aber dann: 10 Euro Eintritt im Club, das ist doch pervers. Meine Stimmung ist im Minus — mein Alkoholpegel sicher auch.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2012/01/04/monat-versus-kontostand/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stille Panik</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/12/21/stille-panik/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/12/21/stille-panik/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 21:36:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rani.nguyen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[FURIOS 07]]></category>
		<category><![CDATA[Heft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6599</guid>
		<description><![CDATA[Die Belastung nimmt zu. Diesen Eindruck gewinnen immer mehr Studierende in Deutschland, wenn sie an ihren Studienalltag denken. Für viele wird der Druck zu groß – sie brauchen psychologische Hilfe. Von Florian Schmidt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Belastung nimmt zu. Diesen Eindruck gewinnen immer mehr Studierende in Deutschland, wenn sie an ihren Studienalltag denken. Für viele wird der Druck zu groß – sie brauchen psychologische Hilfe. Von<em> Florian Schmidt. </em></strong></p>
<p><a rel="attachment wp-att-6710" href="http://www.furios-campus.de/2011/12/21/stille-panik/stress/"><img class="aligncenter size-large wp-image-6710" title="stress" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/12/stress-470x476.jpg" alt="" width="470" height="476" /></a></p>
<p>Illustration: Kelsey Bass</p>
<p>Stephanie schwitzt. Langsam rollen die Schweißperlen ihre Wangen hinab. Ihr Gesicht ist blass. Wäre es ein heißer Sommertag, sie würde als einer unter vielen dehydrierten Menschen kaum auffallen. Doch es ist nicht Sommer und es ist auch nicht heiß. Auf ihrem Weg zur Uni stößt sie beim Atmen eine Dampfwolke aus – das Thermometer zeigt an diesem dunklen Morgen im November lediglich zwei Grad über Null. Heiß ist Stephanie tatsächlich nicht, ihre Schweißausbrüche sind keine Körperreaktion auf zu große Hitze. Sie sind ein Anzeichen für ein Gefühl, das sie in letzter Zeit immer wieder beschleicht, wenn sie daran denkt, gleich in der Uni zu sitzen: Angst.</p>
<p>Stephanie studiert im dritten Semester Anglistik und Geschichte an der Freien Universität. Das beklemmende Gefühl ist für sie nicht neu, sie kennt auch die Ursache: Druck, Stress und zu hohe Belastung. Schon im zweiten Semester hatte sie immer wieder Phasen, in denen ihr die Lernanforderungen über den Kopf wuchsen und sie den Tränen nahe war. Oft hat sie sich damals gefragt, wie sie sich ihre Zeit geschickter einteilen und sich besser auf den Stoff konzentrieren könnte – nur um diese Fragen schließlich doch wieder zu verdrängen. Sie weiß inzwischen, dass das falsch war. Was sie noch vor wenigen Monaten nicht wahrhaben wollte, schlägt sich nun in schweren psychischen Problemen nieder: Jeder Gedanke an die Uni, die Hörsäle, Referate und Prüfungen ruft jene Angst hervor, die ihr auch heute wieder ins Gesicht geschrieben steht. Die Angst davor, durch die Prüfungen zu fallen, die Angst, unter dem Druck des Studiums zusammenzubrechen – die Angst vor dem Versagen.</p>
<p>So wie Stephanie geht es immer mehr Studenten in Deutschland. Seit der Einführung des Bachelor– und Mastersystems hat die Zahl der Hochschulbesucher mit psychischen Problemen stark zugenommen. Das bestätigt Hans-Werner Rückert, der Leiter der Studienberatung der Freien Universität, in deren Aufgabenfeld auch die psychologische Beratung von Studenten fällt. „Seit der Umstellung auf das neue System ist die Nachfrage nach unseren Beratungsangeboten um 20 Prozent gestiegen“, sagt er. Wer die Studienverlaufspläne vor und nach der Umstellung vergleiche, kenne die Gründe: „Die Verkürzung der Studienzeit verlangt von den Studierenden einerseits ein viel höheres Lernpensum. Andererseits ist der Bachelor oft so straff durchorganisiert, dass viele junge Leute die Freiräume vermissen, die sie speziell zu Beginn der neuen Lebensphase sehr brauchen.“ Denn zu den Anforderungen des Studiums kommen für einen Großteil der Erstsemester die Herausforderungen eines komplett neuen Lebens hinzu: Selbstständiges Wohnen, Arbeiten und das Zurechtfinden in einer fremden Stadt sind nur einige Ursachen, die für weiteren Druck sorgen.</p>
<p>Für nicht wenige wird das schnell zu viel. Zwar baute das Eingewöhnen in einen neuen Lebensabschnitt auch schon vor Bachelor und Master bei den jungen Leuten Stress auf, doch gab es dafür damals ein Patentrezept, das heute nicht mehr gilt, weiß Rückert: „Früher war die Standard-Message für jeden, dem die Arbeit über den Kopf wuchs: Entspann dich, vergiss das erste Semester.“ So gehe heute kaum ein Studienanfänger mehr an sein Studium heran, meint er. Der Grund: „Die Studierenden bekommen von Anfang an vermittelt, wie leistungsorientiert der dreijährige Bachelor ausgelegt ist. Das treibt viele in die Verzweiflung.“</p>
<p>Deshalb besuchen Studenten wie Stephanie umso öfter Beratungseinrichtungen. Die meisten kommen wegen zu hoher Lernbelastung zur Beratung, dahinter landet die Gruppe derer, die mit Motivations– und Orientierungsproblemen kämpfen. „Also die, die über einen Studienfachwechsel nachdenken“, erklärt Rückert. Andere kommen wegen Depressionen und wieder andere interessieren sich erst unmittelbar vor den Klausuren für ein Beratungsgespräch – die klassische Prüfungsangst.</p>
<p>Eins haben aber alle Anlässe gemein: Es handelt sich um psychische Probleme, die als solche erkannt und behandelt werden müssen. Klar sei, laut Rückert: „Psychische Probleme können mit einer solchen Wucht auf die Studierfähigkeit durchschlagen, dass die Betroffenen feststellen: Nichts geht mehr. Damit das nicht passiert, versuchen wir zu helfen.“</p>
<p>Auf dieses Angebot will jetzt auch Stephanie zurückkommen. Längst hat sie ihre Ängste erkannt und gemerkt, dass sie alleine nicht mit ihnen fertig wird. Deshalb hat sie sich über die Beratungsangebote informiert und einen Termin mit einem Psychologen vereinbart. Sie hofft sehr, bald wieder einen geregelten Alltag ohne Angst führen zu können. Ob das gelingt, bleibt offen. In einem Punkt aber ist sich Stephanie inzwischen sicher: Die Probleme in ihrem Kopf sind ganz normale Probleme. Und die lassen sich lösen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/12/21/stille-panik/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>In der Parallelwelt</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/12/21/in-der-parallelwelt/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/12/21/in-der-parallelwelt/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 23:24:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rani.nguyen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[FURIOS 07]]></category>
		<category><![CDATA[Heft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6587</guid>
		<description><![CDATA[Escort-Service gilt als exklusivste Dienstleistung des Horizontalgewerbes. Schnelles Geld und Glamourfaktor machen ihn auch für Berliner Studierende zum lukrativen Nebenjob. Hendrik Pauli hat eine von ihnen getroffen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Escort-Service gilt als exklusivste Dienstleistung des Horizontalgewerbes. Schnelles Geld und Glamourfaktor machen ihn auch für Berliner Studierende zum lukrativen Nebenjob.<em> Hendrik Pauli</em> hat eine von ihnen getroffen.</strong></p>
<p><strong><em><a rel="attachment wp-att-6651" href="http://www.furios-campus.de/2011/12/21/in-der-parallelwelt/escort/"><img class="aligncenter size-large wp-image-6651" title="Escort" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/12/Escort-470x299.jpg" alt="" width="470" height="299" /></a></em></strong></p>
<p>Foto: Cora-Mae Gregorschewski</p>
<p>Ihr Urteil fällt nicht gerade schmeichelhaft aus: „Realitätsferne Weltverbesserer“, so nennt sie ihre ehemaligen Kommilitonen. Die junge Frau trinkt einen Schluck Apfelschorle und schiebt das Glas zur Seite. Sie ist gerade dabei, ihr altes Leben abzuräumen und Platz zu schaffen für ein neues. Seit kurzem hat sie ihren Master in der Tasche. Die letzten fünf Jahre lang ist Carmen – so nennt sie sich – zwischen Uniwelt und einer glamourösen Schattenwelt gependelt. Ihre Kommilitonen kennen die Schattenwelt nicht; sie kennen die Realität nicht – nicht die ganze.</p>
<p>Carmen ist Absolventin des Otto-Suhr-Instituts, angehende Journalistin und seit kurzem Escortdame im  Ruhestand. Gegen Geld bot sie Männern, die es sich leisten wollten, ihre Gesellschaft an – und dem, der es mochte, auch Sex. „Die Herren“ nennt sie diese Männer. Der Branchenjargon kommt ihr noch leicht über die Lippen. Ihren letzten Kunden hatte sie vor einer Woche.</p>
<p>Nun sitzt die zierliche 25-jährige mit den leicht verwuschelten, dunkelbraunen Haaren in einem Charlottenburger Lokal und erzählt einem Unimagazin ihre Geschichte. Halb aus Neugier, halb aus Langeweile. Noch vier Tage, dann geht ihr Flieger nach Katar. Das Golfemirat ist ihre neue Heimat. Dort wird sie in einer Redaktion arbeiten. Berlin ist abgehakt. Gerade ist sie dabei, ihre Wohnung zu renovieren. Ein paar getrocknete Farbkleckse kleben an ihren Fingernägeln. Nichts stört sie in diesem Moment weniger.</p>
<p>Jahrelang war ihr Leben eine perfekte Inszenierung. Nie ging es dabei nur um eine sexuelle Dienstleistung. „Eine Vertraute auf Zeit, die ihre kleinen Geheimnisse teilt, das wollten die Männer. Dafür haben sie gezahlt.“ Es  gefällt ihr, mit ein paar Mythen über das Gewerbe aufzuräumen. „80 Prozent des Jobs besteht aus Party machen.“ In München, wo sie anfangs studierte, stürzte sie sich ins Nachtleben. Sie feierte im P1, dem Treffpunkt der Münchner Nachwuchs-Schickeria, arbeitete dort auch eine Zeitlang an der Bar. Irgendwann reichte das nicht mehr für das Leben, das ihr vorschwebte. „Zu viel Arbeit, zu wenig Geld, zu wenig Zeit für mich.“ Eine Freundin, die schon als Escortdame arbeitete, erzählte ihr von dem etwas anderen Studentenjob.</p>
<p>Ein halbes Jahr rang sie mit sich und ihren moralischen Bedenken. „Beim ersten Kunden war ich unglaublich nervös. Aber ich hatte eine gute Mentorin. Die ließ mich erst mal nur zuschauen.“ Anfangs arbeitete Carmen ausschließlich als Party-Begleitung. Das ließen sich die Kunden schon mal zehntausend Euro pro Woche kosten. Dafür musste ihr Auftritt perfekt sein. „Die Agentur hat ständig auf Aussehen und Gewicht geachtet, die Haarfarbe bestimmt, wir mussten immer verfügbar sein.“ In den Sommermonaten war die Nachfrage am größten. Während dieser Zeit war sie bis auf wenige Wochen immer unterwegs: „Am Mittelmeer, in irgendwelchen Villen, auf Yachten.“ Die meiste Zeit davon im Party-Modus. „Die Leistung bestand darin, nicht betrunken zu werden und die Kontrolle über sich zu bewahren.“ Sie begleitete ihre Kunden zu Formel-1-Rennen nach Dubai und in die Glitzertempel von Las Vegas. Nach einer wilden Nacht ließ sie sich dort ein bleibendes Andenken auf den Arm tätowieren. Von drei Monaten bezahltem Jetsetten konnte sie sich dann den Rest des Jahres ein Leben leisten, von dem ein Großteil ihrer Kommilitonen selbst nach dem Studienabschluss nur träumen kann.</p>
<p>Tatsächlich sind viele angehende Akademikerinnen – auch Akademiker – offen dafür, ihren Lebensunterhalt durch erotische Dienstleistungen zu finanzieren. Das fand das Studienkolleg zu Berlin jüngst ineiner Umfrage unter Berliner Studierenden heraus. Jeder Dritte kann sich demnach vorstellen, Sexarbeit wie Strippen, Escortservice oder Prostitution nachzugehen. Viele würden es aus wirtschaftlicher Not tun. Mehr als 30 Prozent sind verschuldet, etwa die Hälfte bekommt keine Unterstützung von Zuhause. Und es gibt die, die mit ihrem vorhandenen Einkommen bescheiden, aber auskömmlich leben könnten, die jedoch angezogen werden von der Mischung aus schnellem Geld und sexuellem Abenteuer.</p>
<p>Der Preis dafür ist ein Leben in einer Parallelwelt. Escortdamen sind Einzelgängerinnen. Auch Carmen beschränkte ihre sozialen Kontakte auf das Nötigste: „An der Uni hat man vielleicht eine gute Freundin, die eingeweiht ist. Meine Schwester wusste es, ansonsten nur eine Handvoll enge Freunde.“ Hochschulpolitik, Bildungsstreik, Umbau der OSI-Lehre: Dass sie, die examinierte Politologin, davon kaum Notiz genommen hat, empfindet sie nicht als Makel. „Man ist nur auf sich fixiert, ständig damit beschäftigt, seine Termine zu koordinieren.“ Das Risiko, sich zu verplappern oder erkannt zu werden, war allgegenwärtig. Schließlich fanden auch die scheinbar spröden Akademiker den Weg zu ihr. Sie lächelt süffisant: „Mehr als man vermutet.“ Einmal musste sie ein Treffen absagen, als sich herausstellte, dass einer ihrer Dozenten sie gebucht hatte.</p>
<p>All das liegt nun hinter ihr. Nun kann sie ihre Geschichte erzählen. Man merkt, wie viel Freude ihr das bereitet. Sie erzählt von dem bekannten Berliner Sänger und Schauspieler, der sich mit einem absurden Pseudonym vorstellte. Oder von dem Spitzenpolitiker, der sich erst an seinem letzten Fernsehauftritt ergötzen musste, bevor er sich ihr zuwenden konnte. Überhaupt die Politiker: Viele von ihnen sind treue Escort-Kunden. „Vor allem die, die man als Moralapostel kennt.“ Ab und zu muss sie sich beim Erzählen auf die Zunge beißen. Namen sind tabu. Berufsethos, auch im Ruhestand. Nur einmal hat sie das Gebot der Verschwiegenheit gebrochen, als ein Kunde, ein Adeliger aus Süddeutschland, während eines Treffens einen Kinderporno laufen ließ. In Absprache mit ihrer Agentur hat sie den Mann angezeigt. Dieses Erlebnis hätte sie zwischenzeitlich an dem Job zweifeln lassen, sagt sie.</p>
<p>Ansonsten wurde es ihr höchstens mal unangenehm, wenn Kunden gleich ein Dutzend Frauen bestellten und Spalier stehen ließen. „Wir kamen uns vor wie die Hühner auf der Stange.“ Ein paar wurden ausgewählt, der Rest konnte wieder gehen. Sie durfte immer bleiben. Den Grund für ihren Erfolg beschreibt sie so: „Viele Mädels gehen während dem Sex gedanklich ihre Erledigungen durch. Ich habe mich immer ganz auf die Situation eingelassen.“ Das Geschäft war in diesen Momenten Nebensache. „Ich wollte ja auch meinen Spaß.“ Das wirklich Intime waren die Gespräche. „Anstrengend. Vor allem wenn die Herren einen über den Durst getrunken hatten.“ Dann musste sie Ehefrau, Therapeutin und bester Kumpel gleichzeitig sein. „Viele Menschen stecken in kuriosen Situationen. Manchmal fühlte ich mich schon überfordert.“</p>
<p>Was ihr der Job unterm Strich finanziell gebracht hat, kann sie nur schätzen: „Umgerechnet bestimmt ein kleines Eigenheim.“ Einiges davon hat sie investiert, um ihren Horizont zu erweitern, in Reisen, in Sprachkurse. Natürlich sei sie menschlich unglaublich gereift, sagt sie. Mit Männern sei sie nachsichtiger geworden. „In jedem Mann steckt ein Freier.“ Und: „Männer ändern sich nicht Frauen zuliebe.“ Die Erkenntnis ist eine Sache, die Praxis eine andere. Mit einer eigenen Beziehung hat es während der ganzen Zeit nur einmal klappt: „Aus einem Kundentermin hat sich mal was Ernstes entwickelt.“ Nach einem Jahr war Schluss. Zwischen Schattenwelt und Uni war kein Platz für Liebe.</p>
<p>In Katar erwartet Carmen nun ein neues Leben. „Erst mal für fünf Jahre, danach mal schauen. Ich bin nicht gerne sesshaft.“ Sie will sich möglichst viel offenhalten, beruflich und privat: „Ich bleibe wild.“ Nur die Illusion von Intimität will sie nicht mehr verkaufen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/12/21/in-der-parallelwelt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„Was soll das für eine symbolische Aktion sein?“</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/12/18/%e2%80%9ewas-soll-das-fur-eine-symbolische-aktion-sein%e2%80%9c/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/12/18/%e2%80%9ewas-soll-das-fur-eine-symbolische-aktion-sein%e2%80%9c/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 16:56:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maeggi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildungsstreik]]></category>
		<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6592</guid>
		<description><![CDATA[Vor kurzem gab FU-Präsident Peter-André Alt seinen Entschluss bekannt, die Anzeigen gegen Studierende, die im November das Seminarzentrum besetzt hatten, zurückzuziehen. Im Gespräch mit FURIOS erläutert er seinen Sinneswandel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Vor kurzem gab FU-Präsident Peter-André Alt seinen Entschluss bekannt, die Anzeigen gegen Studierende, die im November das Seminarzentrum besetzt hatten, zurückzuziehen. Im Gespräch mit FURIOS erläutert er seinen Sinneswandel.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong></strong><strong><a rel="attachment wp-att-6596" href="http://www.furios-campus.de/2011/12/18/%e2%80%9ewas-soll-das-fur-eine-symbolische-aktion-sein%e2%80%9c/alt_peter-andre_bild/"><img class="size-large wp-image-6596   aligncenter" title="Alt_Peter-Andre_Bild" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/12/Alt_Peter-Andre_Bild-e1324068880998-470x444.jpg" alt="" width="470" height="444" /></a></strong></p>
<p style="text-align: center;"><em>Foto: Bernd Wannenmacher/Freie Universität Berlin</em></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Herr Alt, warum haben Sie die Besetzer überhaupt angezeigt? War das nötig?</strong></p>
<p>Sie müssen folgenden Mechanismus sehen: Die Polizei wird nur aktiv, wenn wir einen Strafantrag stellen, sonst kommt sie nicht. Es ist nicht so, dass man in zwei Schritten erst die Polizei ruft und dann eine Anzeige stellt. Das eine ist mit dem anderen kausal verbunden. Darüber habe ich mich auch mit den Besetzern von 2009 auseinandergesetzt, von denen im November einige dabei waren. Daher war dieser Zusammenhang zumindest bekannt.</p>
<p><strong>Von Besetzerseite wurde bestritten, dass es sich um dieselben Leute wie beim letzten Mal gehandelt habe.</strong></p>
<p>Das sehe ich anders. Einige kenne ich persönlich. Sie saßen sogar hier am Tisch, als ich die Strafanträge 2010 zurückgezogen und sie einer ausführlichen Rechtsbelehrung unterzogen habe <em>(lacht)</em>. Das Präsidium hat sich entschieden, die Polizei zu rufen, weil wir von Anfang an deutlich machen wollten, dass wir bereit sind, Raum für kritische Diskussionen bereitzustellen, aber eine Besetzung nicht zulassen können. Wir haben im Nachhinein dennoch die Strafanträge zurückgezogen, weil wir ein grundsätzliches Entgegenkommen zeigen wollen. Es war richtig, dass wir Grenzen gesetzt und deutlich gemacht haben, dass bei unserer Raumsituation an der Freien Universität nicht ohne Not Räume besetzt und blockiert werden dürfen, um sie dem Lehrbetrieb zu entziehen. Vor allem dann nicht, wenn geeignete Alternativräume für Diskussionen und Versammlungen zur Verfügung gestellt werden. Das Präsidium hatte den Eindruck, dass die Botschaft angekommen ist, und deswegen konnten die Anträge zurückgezogen werden.</p>
<p><strong>Haben Sie das wieder an irgendwelche Bedingungen geknüpft?</strong></p>
<p>Nein. Nach Gesprächen innerhalb der Universität bekam ich den Eindruck, dass ein Grundverständnis dafür existiert, dass mit einer Besetzung von Räumen ein Akt des Hausfriedensbruchs begangen wird. Ich möchte noch einmal betonen, dass wir wirklich sehr liberal sind mit der Vergabe von Räumen. Es wurde immer wieder argumentiert, es gehe um politische Diskussionen. Dabei gehen wir so weit wie kaum eine andere Universität! Was meinen Sie, was ich an Protestbriefen aus konservativen Kreisen bekommen habe, weil wir Sahra Wagenknecht hier haben sprechen lassen. Ich bin der Meinung, dass die Universität im öffentlichen Leben steht und für bestimmte Themen ein Forum geben darf und muss, wenn auch nicht für alles. Wir sind in der Hinsicht sehr offen. Deswegen ist es völlig unangebracht, uns den Vorwurf zu machen, wir würden der Diskussion nicht den nötigen Raum geben.</p>
<p><strong>Aber es ist doch trotzdem unwahrscheinlich, dass das der letzte Besetzungsversuch gewesen sein wird. Was machen Sie denn dann?</strong></p>
<p>Ich bin grundsätzlich optimistisch, und setze nun auf die Einsicht und Dialogbereitschaft der Kommilitonen und Kommilitoninnen. Unsere Diskussion letzte Woche im Akademischen Senat zeigte auch, dass die Angelegenheit selbst unter den Betroffenen unaufgeregt betrachtet wird. Die Themen, die berührt worden sind, sind wichtig, aber im Grunde genommen war die Besetzung ein Akt, der wenig zielgerichtet war. Ich muss ganz offen sagen, wenn noch nicht mal inhaltliche Ziele formuliert und an uns adressiert werden, dann ist für mich nicht nachvollziehbar, was für eine symbolische Aktion das sein soll.</p>
<p><strong>Die Studierenden haben schon Forderungen formuliert, nur nicht direkt an Sie gerichtet. Halten Sie es für sinnvoll, bedingungsloses Grundeinkommen und weniger verschulte Bachelorstudiengänge in einen Forderungskatalog zu packen?</strong></p>
<p>Das sehe ich durchaus verbunden. Ich bin immer der Meinung, dass man eine hochschulpolitische Diskussion nicht von der Erörterung der Rahmenbedingungen einer Gesellschaft ablösen kann. Und bei der Frage, wie Bildung finanziert wird, geht es natürlich auch um Prioritätensetzung. Aber ich bin der Ansicht, dass man nur da etwas bewirken kann, wo man auch seine Kompetenzen hat: Da muss man dann in die Details einsteigen. Forderungen zu stellen ist das eine. Aber Sie erreichen in unserer Gesellschaft nichts und niemanden mit Forderungen, die zu pauschal sind und gleich in die globale Ebene führen. Konkret zu sagen, das würden wir gerne ändern oder das wollen wir durch dieses und jenes ersetzen: Das ist konstruktiver und hat mehr Wirkung. Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass die Zugangsbeschränkung zum Master überdacht und dass der 50-Prozent-Deckel aufgehoben werden sollte. Das hab ich immer gesagt.</p>
<p><strong>Im Interview für unser aktuelles Heft sagte Elmar Altvater, OSI-Professor im Ruhestand, eine Besetzung sei die Rückeroberung von Räumen, die einem genommen wurden. Eine Unibesetzung wäre dann nicht gegen die FU selbst, sondern gegen ein System gerichtet, das den Studierenden die Bildung weggenommen hat. Auf so eine Sicht ist das Hausrecht ja nun nicht gut anwendbar.</strong></p>
<p>Wer das Hausrecht innehat, der muss darauf achten, dass es eine faire Verteilung von Räumen gibt, und dass diejenigen, die in den Räumen arbeiten wollen, da auch arbeiten können. Insofern finde ich die Vermengung von symbolischer und realer Politik problematisch. Die symbolische Politik halte ich für ein Signal, mit dem man am Ende eines gescheiterten Prozesses arbeiten sollte. Ich sehe nicht, dass so eine Situation an der Freien Universität gegeben ist.</p>
<p><em>Das Gespräch führte Margarethe Gallersdörfer.</em></p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Zur Person</span></h4>
<p><em>Peter-André Alt, 51, ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Seit Juni 2010 ist er Präsident der Freien Universität Berlin. Im Zurücknehmen von Anzeigen hat er Erfahrung: Als eine seiner ersten Amtshandlungen zog er die Strafanzeigen zurück, die sein Vorgänger Dieter Lenzen gegen einige Studierende gestellt hatte. Sie hatten während des Bildungsstreiks 2009 Räume in der FU besetzt.</em></p>
<h4>Mehr zum Thema:</h4>
<p><a href="http://www.furios-campus.de/2011/11/17/prasidium-lasst-besetzten-seminarraum-raumen/">Präsidium lässt besetzten Seminarraum räumen</a></p>
<p><a href="http://http://www.furios-campus.de/2011/11/30/in-ungnade-gefallen/">In Ungnade gefallen: Kommentar von Max Krause</a></p>
<p><a href="http://www.furios-campus.de/2011/12/05/post-vom-prasidenten/">Post vom Präsidenten: Kommentar von Hendrik Pauli</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/12/18/%e2%80%9ewas-soll-das-fur-eine-symbolische-aktion-sein%e2%80%9c/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>»Wir leben in einem Paradox«</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/12/16/wir-leben-in-einem-paradox/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/12/16/wir-leben-in-einem-paradox/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 11:38:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rani.nguyen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[FURIOS 07]]></category>
		<category><![CDATA[Heft]]></category>
		<category><![CDATA[Titelthema: Geld]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6582</guid>
		<description><![CDATA[Elmar Altvater im Gespräch mit Margarethe Gallersdörfer und Matthias Bolsinger über Krise, Widerstand und Alternativen zum Kapitalismus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<div>
<p id="internal-source-marker_0.2722197212278843" dir="ltr"><strong>Elmar Altvater im Gespräch mit <em>Margarethe Gallersdörfer </em>und<em> Matthias Bolsinger </em>über Krise, Widerstand und Alternativen zum Kapitalismus.</strong></p>
<p dir="ltr"><em><strong><a rel="attachment wp-att-6660" href="http://www.furios-campus.de/2011/12/16/wir-leben-in-einem-paradox/altvater/"><img class="aligncenter size-large wp-image-6660" title="Altvater" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/12/Altvater-470x275.jpg" alt="" width="470" height="275" /></a></strong></em></p>
<p dir="ltr">Foto: Cora-Mae Gregorschewski</p>
<p dir="ltr"><strong>Professor Dr. Elmar Altvater hatte 33 Jahre lang den Lehrstuhl für Politische Ökonomie am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft inne und ist ein viel zitierter Kapitalismuskritiker. Unmittelbar vor unserem Interview sprach er gemeinsam mit Sahra Wagenknecht, Stellvertretende Vorsitzende der Partei Die Linke, vor Studierenden der “Occupy FU”-Bewegung.</strong></p>
</div>
<p dir="ltr"><strong>Guten Tag, Herr Altvater! Reden wir über Geld.</strong></p>
<p dir="ltr">Ja, bitte! Haben Sie welches? (lacht) Über Geld reden übrigens nur diejenigen, die keines haben. Ich jedenfalls rede dauernd über Geld.</p>
<p dir="ltr"><strong>Sie wuchsen in der Ära Adenauer auf – welchen Stellenwert hatte Geld im Vergleich zu heute?</strong></p>
<p dir="ltr">Geld war immer knapp – aber das hat es ja so an sich, sonst wäre es ja kein Geld. Ich habe schon in meiner Schulzeit gearbeitet, auf dem Bau und bei einer kleinen Lokalzeitung. Mein Vater war Bergmann, meine Mutter Hausfrau. Während meines Studiums der Ökonomie und Soziologie hat mich zunächst meine Großmutter unterstützt und dann die Stiftung Mitbestimmung, Vorläufer der Hans-Böckler-Stiftung, die Stiftung der Gewerkschaften, weil ich als Student gewerkschaftlich und im damaligen Sozialistischen Deutschen Studentenbund engagiert war. Zuvor war ich, schon seit meiner Schulzeit, Mitglied in der SPD. Das war in meinem konservativen Umfeld nicht einfach, aber es war eine bewusste Entscheidung. Nach der sogenannten Unvereinbarkeitserklärung der SPD 1961, durch die man sich entweder für die SPD– oder die SDS-Mitgliedschaft entscheiden musste, trat ich aus der SPD aus und blieb im SDS.</p>
<p dir="ltr"><strong>1971 wurden Sie mit nur 32 Jahren Professor für politische Ökonomie am Otto-Suhr-Institut. Seitdem hat sich dort viel getan.</strong></p>
<p dir="ltr">Ich habe mich bemüht, dem Ruf der dortigen Studenten nach marxistischer Lehre am OSI gerecht zu werden. Einige andere kamen dann noch nach, aber der marxistische Ansatz war am OSI hauptsächlich unter den Assistenten verbreitet. Bei den Berufungen waren Uni-Leitung und Senat einvernehmlich rigide. Für Marxisten war der Westberliner Boden heiß. So wäre es zu Beginn der siebziger Jahre beinahe zu einer Spaltung des OSI gekommen, weil die andere Fraktion den Marxismus nicht wollte. Ich muss auch zugeben, dass damals von der Linken auch viel Blödsinn kam. Am OSI waren wir da wahrscheinlich noch die intelligentesten und konziliantesten Leute. Wir haben immer gesagt: Was wir allenfalls erreichen können, und das ist auch gut so, ist ein Pluralismus der Wissenschaften, und da gehört eben auch der Marxismus dazu. Später kam dann noch der Feminismus.</p>
<p dir="ltr"><strong>Zum Schluss standen Sie dann einsam da. Haben Sie es verpasst, Nachwuchs heranzuziehen?</strong></p>
<p dir="ltr">Einsam nicht, aber ich stand am Ende einer Generation. Die »marxistische Kohorte«, wie man ironisch sagen könnte, lief 30, 40 Jahre durch den Laden und suchte danach das Weite. Anders ausgedrückt: Diese, meine Generation befindet sich nun im Ruhestand. Wir verpassten es, Netzwerke zu bilden. Auf meine Stelle konnte ich keinen passenden Nachfolger bringen, das war aber auch nicht mein Stil; über die Berufungen sollen die entscheiden, die mit den  neuen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten müssen. Dennoch bedaure ich, dass einige gute Leute keine Chance hatten.</p>
<p dir="ltr"><strong>Sind Sie enttäuscht von der Entwicklung des Instituts?</strong></p>
<p dir="ltr">Ich hatte keine großen Erwartungen, insofern kann ich nicht enttäuscht sein. Aber dass vom OSI heute, in Zeiten der Finanzkrise, keine politischen Erklärungen kommen — da ist ja Schweigen im Walde. Die mangelnde Präsenz in öffentlichen Debatten ist irgendwie enttäuschend, ja beschämend. doch vielleicht ist das Ausdruck  von „Exzellenz“.</p>
<p dir="ltr"><strong>Um finanzielle Krisen und Exzellenz geht es gewissermaßen auch bei „Occupy FU“. Sie kommen ja gerade von einem Teach-In mit Sahra Wagenknecht. Kann man „Occupy“ und Bildungsstreik überhaupt in einen Topf werfen?</strong></p>
<p dir="ltr">Nur bedingt. Die Occupy-Bewegung gibt es, jedoch unter anderem Namen, schon seit etwa zehn Jahren. In Lateinamerika besetzten die sozialen Bewegungen Territorien. Indios in Bolivien etwa besetzten Minen, um sie wieder aus der Hand der Transnatioanlen Konzerne in Besitz der Gemeinschaften zu nehmen. Schon seit 2001 wurden in Argentinien Betriebe besetzt, um Arbeitsplätze zu erhalten. Diese Bewegung heute geht in eine andere Richtung, jedoch mit demselben Hintergrund; sich das, was einem weggenommen wurde, wiederzuholen. Auch die Bildungsstreik-Bewegung will sich Räume zurückerkämpfen.</p>
<p dir="ltr"><strong>Was halten Sie von der durch das FU-Präsidium durchgeführten Räumung des Seminarzentrums am 16. November?</strong></p>
<p dir="ltr">Das war kleinkariert! Ist das etwa notwendig, um dieses unsägliche Exzellenzattribut zu behalten? In den Köpfen einiger Leute hat sich scheinbar festgesetzt, dass Exzellenz Ordnung bedeutet. Eine Störung der Ordnung kommt demnach einem hinterhältigen Anschlag auf diesen Status gleich. Auch Universitätspräsidenten sind offenbar vor Blödsinn nicht gefeit.</p>
<p dir="ltr"><strong>Ihre Biographie ist nicht nur eng mit dem OSI, sondern auch mit verschiedenen Parteien verbunden. Nach ihrer SPD-Mitgliedschaft wurden Sie Gründungsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen – wie stehen Sie zu der Entwicklung der Partei?</strong></p>
<p dir="ltr">(lacht): Enttäuscht bin ich in dem Fall eher über mich selbst. Ich hatte die Veränderungsdynamik von Parteien nicht berücksichtigt. In allen Parteien haben die Realos das bessere Gespür dafür, was machbar ist. Damit verändern sie gesellschaftlich natürlich nichts, sie verbessern nur ihre Machtpositionen und Karrierechancen. Mein Austritt hat aber weniger damit zu tun, dass die Partei bürgerlicher wurde, damit hätte ich leben können. Ich hätte versucht, diesen Prozess von innen zu bekämpfen. Vielmehr wendete ich mich ab, weil die Partei kriegerische Aktivitäten in Jugoslawien, im Kosovo und in Afghanistan mittrug.</p>
<p dir="ltr"><strong>Jetzt sind Sie Mitglied der Linken. Wieso haben Sie nach SPD und Grünen immer noch nicht genug? Oder war die Linke einfach die letzte Alternative?</strong></p>
<p dir="ltr">(lacht) Das ist wohl wahr. Das neue Programm jedenfalls finde ich gelungen, auch als Mitglied der Programmkommission. Ob die Linke sich nicht wie die Grünen dennoch verändern werden, dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Aber als Politikwissenschaftler weiß ich, dass Entscheidungen in einer bürgerlichen Demokratie in politischen Institutionen getroffen werden. Natürlich gehört zum System auch die sogenannte Zivilgesellschaft, deswegen engagiere ich mich beispielsweise bei attac. Man muss auf beiden Hochzeiten – Politik und Zivilgesellschaft – tanzen.</p>
<p dir="ltr"><strong>Warum stellt die Linke für die Menschen keine glaubhafte Alternative dar?</strong></p>
<p dir="ltr">Wir leben in einem Paradox. Wir haben viele Bewegungen, die etwas ändern wollen. Wenn es an die Urnen geht, wird aber konservativ gewählt. Die Menschen suchen Sicherheit, und die Konservativen scheinen mehr Sicherheit zu bieten. Der Linken wird das nicht zugetraut.</p>
<p dir="ltr"><strong>Änderungsbedarf gibt es ja reichlich. Die Welt steckt in der Krise.</strong></p>
<p dir="ltr">Eine Jahrhundertkrise, wenn nicht sogar die schwerste Krise der kapitalistischen Geschichte überhaupt! Sie ist nicht nur eine Krise der Finanzindustrie, sondern auch der Realwirtschaft. Auf der einen Seite wird weiter Wachstum gefordert – Stichwort Wachstumsbeschleunigung. Auf der anderen Seite stößt dieses Wachstum auf stoffliche Grenzen. Diesen Zusammenhang muss man begreifen, denn von ihm sind die Krisenlösungen abhängig.</p>
<p dir="ltr"><strong>Momentan kennen die Deutschen die Krise ja vor allem aus den Nachrichten. Wann schlägt sie bei uns ein?</strong></p>
<p dir="ltr">Sie ist schon da, man merkt es nur nicht in aller Deutlichkeit. Deutschland ist schließlich Teil der europäischen Währungsunion, der Weltwirtschaft. Dass auch Deutschland irgendwann Probleme mit seinen Staatsanleihen bekommt, ist nicht unwahrscheinlich. Scheiden Länder aus dem Euroraum aus, hat das Auswirkungen auf die Handelsbilanz, Deutschland verliert Absatzmärkte.</p>
<p dir="ltr"><strong>Kann die Politik überhaupt noch gegensteuern? Hat sie noch das Primat über die Wirtschaft?</strong></p>
<p dir="ltr">Die Politik muss es versuchen. Schuldner müssten entlastet werden, Gläubigerforderungen müssten beschnitten werden. Da kann man natürlich auch viel falsch machen. Momentan jedenfalls hat die Politik das Primat nicht. Die Finanzmärkte gefährden die Demokratie. In Italien wird sich wohl recht schnell herausstellen, dass eine Regierung aus Technokraten auch keine Lösung ist.</p>
<p dir="ltr"><strong>Vor und in der Eurokrise werden Banken gerettet, um das System zu stabilisieren. Gibt es Systemrelevanz? Oder ist sie eine Ideologie?</strong></p>
<p dir="ltr">Eine Ideologie ist es nicht. Die Frage ist: Welches System ist gemeint? Für das der Investmentbanken sind gewisse Banken natürlich relevant. Hätte man es nur mit kleinen Sparkassen zu tun, die ohnehin keine Ratingagenturen brauchen, wären sie nicht systemrelevant. Das Geld, das die Investmentbanken verdienen, ist nicht Produkt wertschaffender Arbeit, das ist das Problem. Für die Realwirtschaft sind sie absolut nicht wichtig.</p>
<p dir="ltr"><strong>Es scheint Ihnen schwerzufallen, uns Kapitalismuskindern eine konkrete Alternative zum kapitalistischen System zu beschreiben.</strong></p>
<p dir="ltr">Das ist kein Zufall. Wir brauchen eben verallgemeinerbare Utopien, über die wir diskutieren können. Der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, hat keine Zukunft. Jede Wette, dass er sich in den nächsten 20 Jahren ändern wird – und zwar nicht zum Besseren. Autoritäre Lösungen sind in der Mache, der Kapitalismus könnte indes weiterbestehen. Die Frage lautet: Können wir den so gestalten, dass er einigermaßen erhaltenswert, ich will nicht sagen: erstrebenswert wird?</p>
<p dir="ltr"><strong>Francis Fukuyama rief schon vor über 20 Jahren das Ende der Geschichte aus. Der Philosoph Slavoj Žižek meint, die Mehrheit der Menschheit seien „Fukuyamaisten“ und glaubten nicht an eine Veränderung des Status quo.</strong></p>
<p dir="ltr">Es gibt Alternativen, für die man eintreten muss. Die Occupy-Bewegung tut das, es wird nachgedacht. Wo Not ist, wir wissen es, wächst das Rettende auch. Das Ende der Geschichte ist eine düstere Ideologie. Und die Universität muss ein Raum für Kritik bleiben. Sie ist also, ob geplant oder nicht, immer auch ein Laboratorium der Alternativen. In einer Gesellschaft von „Fukuyamaisten“ mit dem berühmten TINA-Wort („there is no alternative“) in der Handtasche will ich nicht leben und Sie wahrscheinlich auch nicht.</p>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/12/16/wir-leben-in-einem-paradox/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/12/11/%e2%80%9edienst-ist-dienst-und-schnaps-ist-schnaps%e2%80%9c/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/12/11/%e2%80%9edienst-ist-dienst-und-schnaps-ist-schnaps%e2%80%9c/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 15:11:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rani.nguyen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6492</guid>
		<description><![CDATA[Die jüngste Jura-Professorin Deutschlands über ihre Motivation, das Verhältnis zu ihren Studierenden und ihre Zukunftspläne. Ein Interview von Rani Nguyen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die jüngste Jura-Professorin Deutschlands über ihre Motivation, das Verhältnis zu ihren Studierenden und ihre Zukunftspläne. Ein Interview von<em> Rani Nguyen.</em></strong></p>
<p><a rel="attachment wp-att-6506" href="http://www.furios-campus.de/2011/12/11/%e2%80%9edienst-ist-dienst-und-schnaps-ist-schnaps%e2%80%9c/l_rudkowski2/"><img class="aligncenter size-large wp-image-6506" title="L_Rudkowski2" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/12/L_Rudkowski2-470x268.jpg" alt="" width="470" height="268" /></a></p>
<p><strong>Prof. Dr. Lena Rudkowski, 25, lehrt seit dem Sommersemester 2011 an der Freien Universität. Sie ist Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht, Arbeits– und Versicherungsrecht. Nach einem Studium der Rechtswissenschaft an der FU legte sie 2008 und 2010 ihre Staatsexamen ab. In der Zwischenzeit absolvierte sie ihr Referendariat in Berlin und London. 2010 promovierte sie schließlich zum Streik in der Daseinsvorsorge. </strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Frau Rudkowski, Sie sind Deutschlands jüngste Jura-Professorin. Wie haben Sie es so schnell die Karriereleiter hinauf geschafft?<strong><br />
Rudkowski:</strong> Vorerst bin ich ja nur Junior-Professorin. Ich habe nach zwölf Jahren Abitur gemacht und das erste juristische Staatsexamen nach sechs Semestern abgelegt.<strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Wie schafft man das Examen in so einer kurzen Zeit?<strong><br />
Rudkowski:</strong> Man muss beispielsweise auf ein Auslandssemester verzichten. Aber es ist nicht so, dass man Tag und Nacht studiert, Freizeit hatte ich trotzdem noch und auch sonst habe ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.<strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Warum wollten Sie überhaupt so schnell fertig werden?<strong><br />
Rudkowski:</strong> Meine Motivation kam eigentlich von meiner Angst, die allen Studierenden vor dem Staatsexamen immer eingebläut wird. Ich wollte mich aber nicht die ganze Zeit davor fürchten. Deshalb dachte ich mir, meinen Freischuss dafür einzusetzen, mir vorher schon mal anzuschauen, was denn wirklich auf mich zukommt. Und es hat auf Anhieb geklappt.</p>
<p><strong>Furios: </strong>Akademisch haben Sie fast alles erreicht. Gibt es auch etwas, was Sie nicht können?<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Ja, Verfassungsrecht und Grundrecht beispielsweise. Oder den Kopierer richtig bedienen.</p>
<p><strong>Furios: </strong>Hatten Sie eigentlich schon früh den Wunsch, in der Lehre und Forschung zu bleiben?<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Das hat sich so ergeben. Ich hatte schon vor Abschluss  des Studiums eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin und als ich mit den Prüfungen fertig war, war die Stelle für die Junior-Professur gerade ausgeschrieben.</p>
<p><strong>Furios: </strong>Was sagen Ihre Freunde und Familie dazu, eine solch junge Professorin unter sich zu haben?<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Als Beamtin bin ich eher das schwarze Schaf, gerade meine großen Brüder finden das amüsant und ziehen mich gerne damit auf. Auch meine Freunde spotteten anfangs etwas und fragten, ob Sie mich denn noch duzen dürften.</p>
<p><strong>Furios: </strong>Viele Ihrer Studierenden sind älter als Sie. Fühlen Sie sich manchmal nicht ernstgenommen?<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Bis jetzt hatte ich keine Schwierigkeiten. Manche Studierenden schauen ein bisschen komisch, wenn sie sehen, was da ankommt. Die meisten sind aber eher erstaunt und neugierig und kommen nach der Veranstaltung, um nachzufragen und ihre Neugier zu stillen.</p>
<p><strong>Furios: </strong>Ein Student bietet Ihnen das „Du“ an. Was sagen Sie?<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Das ist in der Tat bereits vorgekommen.  Ich hatte auch einen netten Herrn zur Studienberatung bei mir, der danach meine Nummer haben wollte. Das geht aber nicht, denn Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps! Auch Ausnahmen gehen nicht, am Ende bin ich ja der Prof.</p>
<p><strong>Furios: </strong>Geht noch nicht einmal ein Drink?<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Mein Dekan geht gerne mal mit Studierenden was trinken und macht demnächst sogar eine Karaoke-Party, aber der kann sich das auch leisten. Gerade in meinem Alter und verbunden mit meiner Position mutet so etwas komisch an. Ich habe auch schon Studierende beim Weggehen getroffen. Man nickt sich dann halt zu, aber das war’s. Über was soll man denn auch reden? Über die letzte Klausur?</p>
<p><strong>Furios: </strong>Wie reagieren Sie auf Freundschaftsanfragen auf Facebook von Ihren Studierenden?<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Das kann mir nicht passieren, aus Prinzip habe ich nämlich gar kein Facebook-Profil. Ich treffe meine Freunde lieber im realen Leben. Viele meiner Freunde besitzen nämlich auch keinen Account bei Facebook.<strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Sie unterrichten vier Stunden pro Woche. Was machen Sie die restliche Zeit?<strong><br />
Rudkowski:</strong> Hier am Fachbereich Rechtswissenschaften muss man nebenbei habilitieren, auch wenn Junior-Professuren den Weg in die ordentliche Professur eigentlich dadurch abkürzen sollten, dass auf eine Habilitation verzichtet würde.<strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Kommt das daher, dass die Rechtswissenschaft ein bisschen konservativ ist?<strong><br />
Rudkowski:</strong> Ja, hier sind alle sehr konservativ, aber sicher nicht ganz so konservativ wie Juristen normalerweise. Denn sonst hätten sie auch keine 25-Jährige zur Professorin berufen.<strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Ihre Doktorarbeit wurde bei C.H. Beck veröffentlicht und kann bei Amazon bestellt werden. Verdient man damit Geld?<strong><br />
Rudkowski:</strong> Nein, um Gottes Willen. Ich erhalten davon keine Einnahmen. Fragen Sie mich nicht, wo das Geld hingeht. Man muss sogar drauflegen, wenn man eine Dissertation herausbringt. Mit 2000 Euro dürfen Sie schon rechnen.<strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Was sind ihre Pläne für die Zukunft?<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Da ich habilitiere, ist mein Ziel schon, eine ordentliche Professur zu erhalten. Mal sehen, wie lange die Habilitation  dauert. Meine Junior-Professur ist bis 2014 befristet, mit der Option zu verlängern. Maximal hätte ich inklusive Verlängerung sechs Jahre Zeit dafür. Oftmals schaffen das aber Junior-Professoren in dieser Zeit nicht.<strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Warum nicht?<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Ich denke, dass das am Arbeitspensum liegt. Sonst hat man als habilitierender wissenschaftlicher Mitarbeiter beispielsweise keine Verwaltungsaufgaben und sitzt geschützt am Lehrstuhl. Allerdings sind die Professoren und Verwaltungsleute hier am Fachbereich mittlerweile sehr bemüht um ihre Junior-Professoren und achten darauf, dass sie auch zur Habilitation gelangen. <strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Zu welchem Thema habilitieren Sie?<strong><br />
Rudkowski:</strong> Zur Kontrolle von Finanzdienstleistungsunternehmen.<strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Das ist ja sehr aktuell!<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Genau, zurzeit wird in diesem Bereich ein Gesetz nach dem anderen verabschiedet. Da stellt sich die Frage, inwieweit diese Regelungswut überhaupt etwas bringt. <strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Was wenn es mit der wissenschaftlichen Karriere doch nichts wird?<br />
<strong>Rudkowski:</strong> Dann würde ich Richterin werden. Da kann man nämlich frei entscheiden und machen, was man denkt. Diese Freiheit kann nur noch der Job als Professorin toppen.<strong></strong></p>
<p><strong>Furios: </strong>Frau Rudkowski, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Habilitation.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/12/11/%e2%80%9edienst-ist-dienst-und-schnaps-ist-schnaps%e2%80%9c/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Diktatur der Finanzmärkte</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/11/30/die-diktatur-der-finanzmarkte/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/11/30/die-diktatur-der-finanzmarkte/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 20:14:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rani.nguyen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6415</guid>
		<description><![CDATA[Wie viel Demokratie erlauben die Finanzmärkte? Mit dieser Frage beschäftigten sich Sahra Wagenknecht und Elmar Altvater am Donnerstag vor der Mensa. Rani Nguyen zeichnet die Diskussion nach.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie viel Demokratie erlauben die Finanzmärkte? Mit dieser Frage beschäftigten sich die stellvertretende Vorsitzende der LINKEN Sahra Wagenknecht und Elmar Altvater, Professor für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut im Ruhestand, am Donnerstag vor der Mensa. Rani Nguyen zeichnet die Diskussion nach.</strong></p>
<p><strong><em><a rel="attachment wp-att-6419" href="http://www.furios-campus.de/2011/11/30/die-diktatur-der-finanzmarkte/dsc_1126/"><img class="alignnone size-large wp-image-6419" title="Elmar Altvater" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/11/DSC_1126-470x312.jpg" alt="" width="470" height="312" /></a><br />
</em></strong></p>
<p>Foto: Cora-Mae Gregorschewski</p>
<p>Eines ist sicher: Das Unwort des Jahres heißt „Euro-Krise“. Wie das Schlamassel gelöst werden soll, darüber sind sich die Lager uneinig. Viele Bürger wollen mitreden und fordern mehr Demokratie. Das zeigen die weltweiten Occupy-Bewegungen, die sich seit dem 15. Oktober, ausgehend von der New Yorker Wall Street, auf den ganzen Globus ausgeweitet haben. Die Occupy-Bewegung der FU lud am Donnerstag Sahra Wagenknecht und Elmar Altvater zum dritten Teach-In ein, um über die Eurokrise und die Auswege aus dieser zu reden.</p>
<p>Vor der Mensa kritisierte Altvater den Zustand der Demokratie. „Die Finanzmärkte sind überhaupt nicht demokratisch“, sagte der Alt-68er, der auch wissenschaftlicher Beirat des globalisierungskritischen Netzwerks attac ist. Stattdessen herrsche eine „Dollarstimmzetteldemokratie“, bei der nicht jeder Mann und jede Frau für eine Stimme stehe, sondern mit Geld mehr Stimmen gekauft werden könnten. Finanzinnovationen wie Ratingagenturen seien es, die den Ton angeben und die Demokratie  untergraben haben. Moody’s &amp; Co. müssten reguliert werden, so Altvater.</p>
<p>Ratingagenturen beurteilen die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten und entscheiden damit maßgeblich, zu welchen Zinssätzen sich die Staaten frisches Geld bei Banken besorgen können. Je niedriger das Rating, desto mehr Zinsen müssen Staaten für ihre Anleihen bieten, um sie für Käufer  attraktiv zu machen. Erst kürzlich skizzierte eine Ratingpanne in Frankreich den Einfluss der Ratingagenturen. Dort stufte Standard &amp; Poor’s aus Versehen die Bonitätsnote Frankreichs herab. Infolge dessen stieg die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen kurzzeitig um 0,3 Prozent.</p>
<p>„Europa wird von den Banken regiert“, prangerte Wagenknecht an. Das sei der Grund für die Schuldenkrise, der bereits sechs Regierungen zum Opfer gefallen sind. Wagenknecht warf mit Zahlen nur so um sich und erklärte, wie Deutschlands Schuldenberg von 65 Prozent des BIPs im Jahre 2008 auf 85 Prozent im Jahre 2010 gestiegen sei. Die Verantwortlichen kennt sie auch: „Die Banken, die sich 2008 verzockt hatten und gerettet werden mussten.“ 250 Milliarden Euro hat Deutschland für die Bankenrettung damals hingeblättert. Mit nur zehn Prozent dieses Betrages, so Wagenknecht  euphorisch, wären überfüllte Hörsäle in den Unis passé.</p>
<p>Doch immer noch diktieren die Banken als Verursacher der Krise den Staaten ihr Handeln. „Das ist perfide und undemokratisch“, sagte sie. Das am Boden sitzende Publikum applaudierte und grölte zustimmend. Bisher seien Staaten auf die Kredite von privaten Banken angewiesen, die die Zinsen gewinnorientiert festlegen und sich ihr Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB) zu günstigen 1,25 Prozent Zinsen holen können.</p>
<p>Aber was ist die Lösung? Staaten müssten die Möglichkeit haben, sich Kredite direkt bei der EZB zu holen und damit den Einfluss von Rating-Agenturen und Investment-Bankern zu umgehen, so Wagenknecht. Außerdem sei eine Umverteilung mit Hilfe eines europaweiten Schuldenschnitts nötig. Die Reichen würden so verpflichtet, einen größeren Teil der Schulden zu tragen. Zudem müsste es vermehrt öffentliche und weniger private Banken geben.  Erreichen könne man all dies jedoch nicht durch schöne Reden. Nur der Druck der Menschen, die bis jetzt die Zeche zahlten, könne etwas bewegen, rief Wagenknecht.</p>
<p>Es scheint schlecht bestellt um das herrschende Wirtschaftssystem, wenn man dem Podium  glaubt. „Wie schaut denn die Zukunft des Kapitalismus aus?“, fragte ein Student. Darüber wollte Wagenknecht jedoch gar nicht erst reden, es ginge ihr vielmehr um eine Zukunft jenseits des Kapitalismus.  Für diese Diskussion blieb allerdings keine Zeit mehr. Nach einem kurzen Blick auf ihr iPhone verabschiedete sich die Kapitalismuskritikerin zur nächsten Veranstaltung.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/11/30/die-diktatur-der-finanzmarkte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Präsidium lässt besetzten Seminarraum räumen</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/11/17/prasidium-lasst-besetzten-seminarraum-raumen/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/11/17/prasidium-lasst-besetzten-seminarraum-raumen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 12:31:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>interfilip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6358</guid>
		<description><![CDATA[Am Mittwoch gegen 23.30 Uhr räumte die Polizei das Seminarzentrum in der Rost- und Silberlaube. Bildungsstreik-Aktive hatten ihn nach der Vollversammlung am Nachmittag besetzt, um sich einen offenen Diskussionsraum zu schaffen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am Mittwoch gegen 23.30 Uhr räumte die Polizei das Seminarzentrum in der Rost– und Silberlaube. Bildungsstreik-Aktive hatten ihn nach der Vollversammlung am Nachmittag besetzt, um sich einen offenen Diskussionsraum zu schaffen. </strong><em>mga.</em></p>
<p>Zum Schluss zog das Präsidium es durch: Um 0.30 Uhr befanden sich keine Studierenden mehr in der Silberlaube. Bis kurz nach 23 Uhr war auf den Fluren des Seminarzentrums noch spekuliert worden, ob die Ankündigungen wohl ernst gemeint seien. Gegen 20 Uhr waren zwei Verteter der Universitätsleitung im Seminarzentrum erschienen. Nachdem sie sich nach einigen Diskussionen den Regeln des Plenums fügten und sich auf die Redeliste setzen ließen, baten sie darum, die Räumlichkeiten der Silberlaube, entsprechend der Öffnungszeiten, bis 22 Uhr zu verlassen. Sollte dies nicht geschehen, werde das Präsidium „von seinem Hausrecht Gebrauch machen“.</p>
<p>Laut ihrer Aussage teile das Präsidium einige der Forderungen durchaus. Sie plädierten jedoch für Rücksicht auf die Raumnot an der FU und boten den Studierenden an, ihnen einen anderen Raum zur Vefügung zu stellen, den sie innerhalb der Öffnungszeiten für Diskussionen nutzen könnten. Die Studierenden lehnten das ab und forderten unter anderem rund um die Uhr freien Zugang zur Silberlaube und zu den Toiletten im Untergeschoss. Kritisiert wurde das Vorgehen, sich einerseits teilweise solidarisch zu erklären und andererseits mit dem Hausrecht zu drohen. Sie wehrten sich außerdem dagegen, „den Schwarzen Peter zugeschoben“ zu bekommen: Die Raumnot sei einer der Gründe, warum sie protestierten. Zudem fragten sie, was es mit den Gerüchten auf sich habe, dass sich Zivilpolizisten auf dem Campus befänden. Der Vertreter des Präsidiums gab an, davon nichts zu wissen.</p>
<p>Auch später, als er in Begleitung von Zivilpolizisten wiederkam, sah er sich nicht imstande, darüber Auskunft zu geben, ob diese schon vorher dagewesen seien. Die Polizisten machten Anstalten, das Wort zu ergreifen, um die Studierenden über die Konsequenzen ihres Handelns aufzuklären; das Wort „Strafanzeige“ fiel. Das Plenum beschloss, die Polizei nicht anzuhören, da man sich nicht einschüchtern lassen wolle und stattdessen selbst einen Workshop „Rechtsberatung“ anzubieten.</p>
<p>Als gegen 23 Uhr Sirenen erklangen, war die Zahl der Studierenden im Seminarzentrum schätzungweise von 40 auf 80 angewachsen. Einige verließen die Räumlichkeiten auf Aufforderung der Polizei freiwillig, ca. 50 Protestierende ließen sich durch das Mensafoyer von den Beamten hinaustragen. Laut Berichten von Beteiligten haben die Polizeibeamten dabei versucht, ihren eigenen Rücken zu schonen. Sobald sie außer Sichtweite der Sitzstreikenden waren, hätten sie gefragt, ob man jetzt nicht auch laufen könne, die Show sei ja nun vorbei. „Scheiße, schon wieder nicht geklappt!“, habe ein Polizist gesagt, als sie sich weigerte, berichtete eine Studentin amüsiert.</p>
<p>Vor dem Seminarzentrum kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Studierenden, die ziemlich rabiat vom Eingang weggedrängt wurden. Gegen 0.15 Uhr war der Einsatz, an dem 140 Polizistinnen und Polizisten beteiligt waren, beendet. Alle Studierenden, die das Seminarzentrum nicht freiwillig verlassen hatten, wurden wegen Hausfriedensbruch angezeigt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/11/17/prasidium-lasst-besetzten-seminarraum-raumen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Videokunst hinter bröckelnden Mauern</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/08/26/videokunst-hinter-brockelnden-mauern/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/08/26/videokunst-hinter-brockelnden-mauern/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 12:56:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cata</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[Fotostrecke]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6250</guid>
		<description><![CDATA[In der Hittorfstraße 5 verbirgt sich ein verfallenes Gemäuer, dem man nicht ansieht, dass es in seinem Inneren moderne Kunst beherbergt. Wolf Kahlen ist der Vater der „Ruine der Künste Berlin“ und traf die FURIOS zu einer Führung.

Von Catharina Tews]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In der Hittorfstraße 5 verbirgt sich ein verfallenes Gemäuer, dem man nicht ansieht, dass es in seinem Inneren moderne Kunst beherbergt. Wolf Kahlen ist der Vater der „Ruine der Künste Berlin“ und traf die FURIOS zu einer Führung.</strong></p>
<p><strong>Von Catharina Tews</strong></p>
<div id="attachment_6252" class="wp-caption alignnone" style="width: 480px"><a rel="attachment wp-att-6252" href="http://www.furios-campus.de/2011/08/26/videokunst-hinter-brockelnden-mauern/wk5/"><img class="size-large wp-image-6252" title="Wolf Kahlen/ Ruine der Künste Berlin" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/08/wk5-470x313.jpg" alt="" width="470" height="313" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Catharina Tews</p></div>
<p>Im urigen Garten der zerschossenen Villa sitzt ein Mann, dessen schneeweißer Backenbart schulterlang gewachsen ist. Es wirkt so, als hätte er ein Leben lang hier gesessen. Der Mann ist Wolf Kahlen, 71 Jahre alt und Gründer der „Ruine der Künste Berlin e.V.“ <strong> </strong></p>
<p>„Damals haben die Zeitungen geschrieben, dass ein Kadettenkapitän dieses Haus mit seinem Leben vor den Russen verteidigt habe“, erzählt Wolf Kahlen. Tatsächlich war es ein normales Wohnhaus, das im Frühling 1945 von den Russen zerstört wurde. Danach stand es leer, bis der Medienkünstler Wolf Kahlen zu Beginn der 80er Jahre mit den Renovierungsarbeiten im Inneren der Ruine begann. Er nennt es ein „Joint Venture mit den Russen“ – sie hätten die Fassade kreiert, er das Innenleben.</p>
<p><strong>RUINE DER KÜNSTE BERLI  steht am Eingang</strong></p>
<p>Um die vielen Einschusslöcher herum bröckelt der graue Putz von der Fassade und legt roten Backstein frei. Kleine Birkenbäume wachsen aus dem Giebel und ein großer Kriech-Wachholder breitet sich gemütlich vor dem Gemäuer aus. „RUINE DER KÜNSTE BERLI“ steht am Eingang in metallenen Lettern – das ‚N‘ sei schon vor einiger Zeit abgefallen. Vor dem Gebäude befindet sich ein meterhohes gläsernes Buch, in dem ein echtes Buch eingeschlossen ist. Anfangs haben die Nachbarn noch gefragt: „Und wann machen Sie die Fassade?“, doch bald wurde klar, dass Kahlen das verfallene Äußere des Gebäudes erhalten würde. „Die Ruine sollte in ihrem Herzen moderne Kunst tragen und so als Sinnbild für das Gestern und Heute, die Vergänglichkeit und Beständigkeit stehen.“ Vier Jahre lang sanierte und finanzierte er den kompletten Innenraum des Gebäudes, u.a. durch seine Dozentur als Architekt an der Technischen Universität. Vier Jahre, in denen er immer wieder mit städtischen Auflagen zum Umbau der Ruine kämpfen musste.</p>
<p><strong>Es gibt immer einen Weg</strong></p>
<p>Problematisch war die marode Fassade. „Es gibt immer einen Weg, das zu erreichen, was man will“, sagt Kahlen und lächelt verschmitzt. Er beauftragte einen Fotografen, die Einschusslöcher abzulichten, zu vergrößern und an den gleichen Stellen im Inneren der Villa anzubringen. „Als die Bauleute die Fotos lobten und erst im Nachhinein ihren Ursprung erfuhren, konnten sie nicht mehr ihr Gesicht verlieren und ließen mich machen.“ Auch die Freie Universität hätte Anspruch auf die Ruine anmelden können: „Als die Leute in den 80ern hier wegzogen, hat die FU erst einmal alle Gebäude bezogen, um die Pläne von der Rost– und Silberlaube verwirklichen zu können. Die Ruine musste dem Konzept aber glücklicherweise nicht mehr weichen“, erzählt Kahlen und streicht mit den Fingern über seinen weißen Backenbart.</p>
<p><strong>140 Ausstellungen in 25 Jahren</strong></p>
<p>1985 gründete Kahlen mit sieben weiteren Künstlern den gemeinnützigen Verein „Ruine der Künste Berlin e.V.“ und hat seitdem über 140 Ausstellungen organisiert. Heute umfasst der Verein 30 ständige Mitglieder. Es ist eine unentgeltliche Experimentierwerkstatt für Künstler aller Sparten. Ihr Manifest zur Avantgarde-Kunst soll Klarheit bringen: „Die Ruine der Künste Berlin ist ein privater Ort, für materielle und immaterielle Kunst.“ Kahlen spricht von individueller Kunstvermittlung, vom Brechen mit den Tabus, wie dem Umgang mit dem Tod, und von seiner Ablehnung der Kommerzialisierung von Kunst. „In situ“ — Ortsbezogenheit ist ihm wichtig: „Der Künstler zieht hier ein und erschafft seine Kunst in unseren Räumen, so dass sie am Ende maßgeschneidert ist, wie ein nasses T-Shirt auf dem Körper.“ Außerdem widmeten sich mehrere Künstler ortsloser Kunst im Internet.</p>

<div class="ngg-imagebrowser" id="ngg-imagebrowser-20-6250">

	<h3>1</h3>

	<div class="pic">
<a href="http://www.furios-campus.de/wp-content/gallery/ruine-der-kunste-berlin/wk12.jpg" title="" class="shutterset_ruine-der-kunste-berlin">
	<img alt="1" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/gallery/ruine-der-kunste-berlin/wk12.jpg"/>
</a>
</div>
	<div class="ngg-imagebrowser-nav"> 
		<div class="back">
			<a class="ngg-browser-prev" id="ngg-prev-198" href="http://www.furios-campus.de/2011/08/26/videokunst-hinter-brockelnden-mauern/?pid=198">◄ Zurück</a>
		</div>
		<div class="next">
			<a class="ngg-browser-next" id="ngg-next-185" href="http://www.furios-campus.de/2011/08/26/videokunst-hinter-brockelnden-mauern/?pid=185">Vor ►</a>
		</div>
		<div class="counter">Bild 1 von 15</div>
		<div class="ngg-imagebrowser-desc"><p></p></div>
	</div>	

</div>	


<p><strong>Ein Karaoke-Video aus der Kulturrevolution</strong></p>
<p>Vorbei an einer Hollywoodschaukel und einem kleinen Kräutergarten steigt Wolf Kahlen die Treppe zu seiner Ausstellung hinauf: „Wolf Kahlen 14 Video-Skulpturen“. Das Licht der flimmernden alten Fernsehapparate spiegelt sich auf den diagonal verlegten Dielen. Sie deuten in Richtung Süden. Jalousien dunkeln den Raum ab. Ein schräg aufgehängter Fernseher zeigt ein schiefes Propagandavideo aus Zeiten der maoistischen Kulturrevolution; die Karaoke-Version. „Mao unten“, so der Name der Videoinstallation, hängt auch auf der diesjährigen Biennale in Venedig – im asiatischen Pavillon zeigt man 18 seiner Filme. Die Klänge mischen sich mit dem von Sägegeräuschen aus seinem Film „Reden, Sägen, Milch eingießen“. Auf einem Mac kann man das filmische Lebenswerk des Medienkünstlers seit den 60er Jahren aufrufen. Während ein alter „Rembrandt“-Fernseher, das zweite Fernsehmodell der DDR, eine Schattendarstellung zum echten Rembrandt zeigt, sieht man auf einem anderen eine Performance zur Videoüberwachung. Eine kleine Holzskulptur im Nebenraum versteckt eine Kamera in einem Astloch und an der Fensterfront werden umgedrehte Bildröhren von buntem Licht erhellt.</p>
<p><strong>Die Dinge kommen zu dir, wenn du sie brauchst</strong></p>
<p>Müsste man Wolf Kahlen charakterisieren, hätte man schon Probleme, zu unterscheiden, ob er nun an erster Stelle Künstler oder Philosoph ist. Seine Erfahrungen mit der asiatischen Kultur und die Konvertierung zum Buddhismus sind deutlich spürbar. Der Mann mit dem Backenbart und den spitzen Zähnen wirkt zufrieden. „Was ist denn so schlimm an der Vergänglichkeit? Nach der Geburt stimmen wir uns aufs Leben ein und im Leben auf den Tod. Wir müssen die besonderen Momente als selten und endlich begreifen und darin ihre Kostbarkeit sehen“, sagt der 71-Jähre mit ruhiger Stimme.</p>
<p><strong>Daniel Brühl feierte seinen Dreißigsten</strong></p>
<p>Doch die Zeiten haben sich geändert. Früher haben Künstler wie Wolfgang Laib, Jochen Gerz, Kounellis und La Monte Young, noch bevor sie in die großen Berliner Galerien kamen, bei ihm ausgestellt. Heute, als Rentner, kann er solche Ausstellungen nicht mehr finanzieren. „Ab November werden wir vermutlich nur noch am Wochenende öffnen oder ganz schließen müssen, da uns das Geld zum Heizen fehlt.“ Manchmal vermieten sie das Gelände für Filmpartys, Hochzeiten und Geburtstage. „Letztes Jahr hat der Schauspieler Daniel Brühl seinen dreißigsten Geburtstag bei uns gefeiert“, sagt Kahlen. Aber die Besucherzahlen stagnieren nach wie vor und auch die Studenten bleiben fern. „Früher hatten wir gehofft, dass uns die Studenten die Bude einrennen oder sich als freiwillige Aufsicht melden würden, doch es kam anders. Ein Philosoph hat einmal gesagt: ›Die Dinge kommen zu dir, wenn du sie brauchst‹ – darauf hoffe ich nach wie vor.“<strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>Ruine der Künste Berlin e.V.</em></strong></p>
<p><strong><em>Website: <a href="http://home.snafu.de/ruine-kuenste.berlin/adresse.htm</em></strong>" title="http://home.snafu.de/ruine-kuenste.berlin/adresse.htm</em></strong>" class="autohyperlink">home.snafu.de/ruine-kuenste.berlin/adresse.htm</em></strong></a></p>
<p><strong><em>„Wolf Kahlen 14 Video-Skulpturen“ bis 31. Oktober</em></strong></p>
<p><strong><em>Eintritt frei </em></strong></p>
<p><strong><em>Öffnungszeiten nach Vereinbarung:</em></strong></p>
<p><strong><em>Tel.: 030/ 83 13 70 8</em></strong></p>
<p><strong><em>Mail: <a class="autohyperlink" href="mailto:ruine-kuenste.berlin@snafu.de</em></strong>" title="mailto:ruine-kuenste.berlin@snafu.de</em></strong>">ruine-kuenste.berlin@snafu.de</em></strong></a></p>
<p><strong><em>Hittorfstraße 5/ 14195 Berlin</em></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/08/26/videokunst-hinter-brockelnden-mauern/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Im tiefen Tal der Butterberge</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/07/14/im-tiefen-tal-der-butterberge/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/07/14/im-tiefen-tal-der-butterberge/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 14 Jul 2011 12:14:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hendrik.pauli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6192</guid>
		<description><![CDATA[Ende Juni fanden die ersten Hochschultage zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit an der FU statt. Die Podiumsdiskussion zu klimagerechter Ernährung hatte ihren ganz eigenen Charme. Von Catharina Tews.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ende Juni fanden die ersten Hochschultage zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit an der FU statt. Die Podiumsdiskussion zu klimagerechter Ernährung hatte ihren ganz eigenen Charme. Von </strong><strong><em>Catharina Tews</em>.</strong></p>
<p><em><a href="http://www.furios-campus.de/?attachment_id=6201"><img class="alignnone size-large wp-image-6201" title="sustain-it-water" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/07/sustain-it-water-470x467.jpg" alt="" width="470" height="391" /></a></em></p>
<p style="text-align: center;"><em>Illustration: Cora-Mae Gregorschewski</em></p>
<p>Eine Frau mit rötlichen Haaren hatte Biokresse in einen alten Turnschuh gepflanzt, einige Schülerinnen bastelten Portemonnaies aus Tetrapaks und ein Imker baute in der Silberlaube emsig Bienenkästen auf. Es waren „Sustain-it-Tage“ an der FU.</p>
<p>Die kleine Studentenrunde saß hippiresk auf der grauen Auslegeware vor dem Hörsaal 1B. Hier würde jetzt über klimagerechte Ernährung im 21. Jahrhundert debattiert werden, ein Thema, das uns alle angeht. Patrick Luzina und der Felix Basznak von der Grünen Hochschulgruppe waren die Initiatoren dieser Veranstaltung. Sie hatten Wam Kat, einen holländischen Politaktivisten, Koch und Biogärtner und  Eva Quistorp, Mitbegründerin der Grünen, in die Runde geladen.</p>
<h4>Feminismus und Ökologie</h4>
<p>Dass es in dieser Gesprächsrunde weder um das 21. Jahrhundert, noch um klimagerechte Ernährung gehen würde, sollte sich bald zeigen. Nachdem sich die beiden Referenten erst einmal auf den neuesten Stand ihrer Privatangelegenheiten gebracht hatten, ließ Wam Kat verlauten: „Wer vegetarisch isst, der setzt sich auch gegen die Atomlobby ein.“ Die Begründung blieb leider aus, dafür folgte eine Demo-Anekdote auf die andere. Eva Quistorp blätterte unterdessen gedankenverloren in ihrem selbst verfassten, 30 Jahre alten Buch „Feminismus und Ökologie“. Ihr Gaumen hätte noch nie Fleisch geschmeckt, verkündete sie stolz und widmete sich wieder ihrer Lektüre. Dann sprach sie plötzlich ganz aufgeregt über ihren Boykott von Billigflugreisen, McDonalds und Coca Cola und versuchte eine Flanke zu den „afrikanischen Kindern mit Hungerbäuchen“, die sie auf ihren Reisen als Europa-Abgeordnete ja schließlich leibhaftig gesehen hatte. Zehn Minuten später, nachdem sie eindringlich vor der zerstörerischen Wirkung von Mobiltelefonen und Facebook-Freundschaften auf familiäre Beziehungen gewarnt hatte, kam sie zu dem Schluss, dass Ernährungsthemen auch immer Frauen– und Genderthemen seien. Aha.</p>
<p>Wam Kat stimmte anschließend eine Lobeshymne auf den Veganismus an und rief zum Eigenanbau sämtlicher Nahrungsmittel auf. Wer ein Häuschen oder Bauwagen im Wald nahe einem 1000-Seelen-Dorf in Westdeutschland besitzt, kann dieser Philosophie vielleicht zustimmen. Der Student, der auf der Fensterbank seines 16 qm-WG-Zimmers spaßeshalber Tomaten zieht, runzelt wohl eher die Stirn.</p>
<p>Der eine oder andere Zuhörer mag sich gefragt haben, ob er seine Zeit nicht lieber in eine genaue Internetrecherche, als in diese 68er-Kaffeeklatsch-Runde investiert hätte. Auch die Initiatoren von der Grünen Hochschulgruppe hätten wohl besser daran getan, vorher einmal ein Buch zu klimagerechter Ernährung zur Hand zu nehmen oder die Diskussion thematisch zu strukturieren.</p>
<h4>Bio-Kochkurs statt Handy</h4>
<p>Einige der Studenten warfen aber dennoch wichtige Fragen auf: Ist Bio wirklich bezahlbar? Sind riesige Sojakulturen nicht genauso umweltschädlich wie Massentierhaltung? Muss ich wegen der CO<sub>2</sub>–Emissionen auf Bananen verzichten, wenn ich kein Ökoheuchler sein will? Fachkundige Antworten blieben aus. Eva Quistorp begann einen Erklärungsversuch, der vorsah, dass alle Hartz-IV-Familien doch auf ihre Handys verzichten und stattdessen lieber kochen lernen sollten. Diese äußerst fragwürdige Antwort wurde von Felix Basznak relativiert, der zu bedenken gab, dass biologisch leben auch immer eine Frage des Status und der Lebenswirklichkeit sei.</p>
<p>Eine Diskussionsteilnehmerin merkte an, dass die Tatsache vegan oder vegetarisch zu leben nicht automatisch auch klimagerecht bedeutet. Dann verließ sie die Runde. Trotzdem, ein kluger Hinweis, den man sich von den Referenten erhofft hätte.</p>
<p>Eva Quistorp fühlte sich stattdessen unentwegt an übrig gebliebene „Butterberge“ und „Milchseen“ aus ihrer Kindheit erinnert und sprach sich so gegen die hiesige Wegwerfkultur aus. Ein Mann Mitte vierzig, in bunten Shorts und mit Fliegerbrille machte den eigenwilligen Einwurf, einfach eine Fantasiewährung für Lebensmittel einzuführen. Das verschlug wenigstens Frau Quistorp für einen Moment die Sprache.      </p>
<p><strong> </strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/07/14/im-tiefen-tal-der-butterberge/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Drittmittel killed the Eigeninitiative</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/07/10/drittmittel-killed-the-eigeninitiative/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/07/10/drittmittel-killed-the-eigeninitiative/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 10 Jul 2011 12:03:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>interfilip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6095</guid>
		<description><![CDATA[Drittmittel musste einwerben, dann biste was. Nur schade, wenn dabei eine erfolgreiche studentische Initiative abgedrängt wird. Von Filip Tuma.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="color: #000000;">Drittmittel musste einwerben, dann biste was. Nur schade, wenn dabei eine erfolgreiche studentische Initiative abgedrängt wird. <em>Von Filip Tuma.</em></span></strong></p>
<div id="attachment_6126" class="wp-caption alignnone" style="width: 479px"><a rel="attachment wp-att-6126" href="http://www.furios-campus.de/2011/07/10/drittmittel-killed-the-eigeninitiative/cash-hanger/"><span style="color: #000000;"><img class="size-large wp-image-6126" title="cash-hanger" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/07/cash-hanger-469x264.jpg" alt="" width="469" height="264" /></span></a><p class="wp-caption-text">Illustration: Filip Tuma</p></div>
<p><span style="color: #000000;">„Wir sind immer noch alle Nerds.“<em> </em>Die Informatik-Studenten des Spline-Projekts bewahren sich ihren Humor, obwohl ihre Zukunft gerade auf wackligen Beinen steht. Vor elf Jahren wurde Spline von Studenten als eigenverantwortliches Projekt gegründet. Das griffige Kürzel steht für <em>Studentisches Projekt Linux Netzwerk</em>. Hier können angehende Informatiker die Theorie in die Praxis umsetzen: einen eigenen Server-Park betreiben und gemeinsam freie Software-Projekte verfolgen. Zahlreiche Dienste hat die Gruppe eingerichtet, die unter anderem von Dozenten des Fachbereichs<em> </em>genutzt werden, wie zum Beispiel Mailinglisten und Foren für Seminar-Unterlagen, oder eine Plattform für studentisch organisierte Vorlesungen. Auch dieses Campusmagazin hat auf den Spline-Servern ein Zuhause gefunden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Wenn man sich am Institut umhört, findet eigentlich jeder Spline gut. Studentisches Engagement ist schließlich ein wichtiges Merkmal einer lebendigen Campuskultur. Geld kostet es die FU nicht, Material und Hardware sammeln die Studenten aus Spenden und Altbeständen zusammen, auch aus eigener Tasche wird mal eine Festplatte draufgelegt. Das Einzige, was die Uni stellen muss, ist ein Arbeitsraum und etwas Platz für die Server.</span></p>
<p>Das Spline-Projekt hat nun einen großen Dämpfer erfahren. Wie die Fachbereichs-Verwaltung mitteilte, muss der Spline-Arbeitsraum im Informatik-Hauptgebäude in der Takustraße in Kürze geräumt werden: Vier Mitarbeiter eines Forschungsprojekts, das aus Drittmitteln finanziert wird, müssen untergebracht werden. Und im Fachbereich herrscht chronische Raumnot. Die Splinees haben sofort die Save-Spline-Initiative formiert. Sie haben Verhandlungen mit der Verwaltung aufgenommen. Keinen festen Arbeitsraum zu haben, würde das Fortbestehen des Projekts in Frage stellen. Bei der öffentlich zugänglichen Spline-Besprechung am Mittwoch Abend wurde entsprechend intensiv debattiert, welche Schritte zu unternehmen seien.</p>
<p><span style="color: #000000;">„Es kann sein, dass Spline ein Jahr lang keinen Raum haben wird, bevor sich eine neue Möglichkeit auftut“, sagt Studiendekan Lutz Prechelt. Die Ressourcen seien knapp. Und die arbeitsrechtliche Verpflichtung, jedem Mitarbeiter mindestens acht Quadratmeter zuzuweisen, müsse ohnehin schon oft gedehnt werden. Den Konflikt sieht er insofern nicht so sehr in der Abwägung zwischen Drittmittel-Projekten und studentischen Initiativen, sondern zwischen den Splinees und den restlichen Studenten. </span>„Wir haben hier 1000 Studenten, aber nur 100 Plätze, wo sie ihren Hintern draufsetzen können“ sagt Prechelt. Es habe Abwägungen gegeben, welcher Raum am wenigsten ausgelastet sei. Dabei habe der Spline-Raum weniger gut abgeschnitten als andere studentische Arbeitsräume, die intensiver genutzt würden. Insofern sei der Spline-Raum als Luxus einzustufen.</p>
<p>Es drängt sich die Frage auf, ob eigenverantwortliche Studentenprojekte an der Freien Universität im Allgemeinen als Luxus betrachtet werden, der dem Sparzwang geopfert werden kann. Studentenprojekte wie Spline sind zwar schwer statistisch zu bewerten, weshalb sie für Uni-Rankings kaum Relevanz haben. Ihre tatsächliche Bedeutung für den Campus sollte aber nicht unterschätzt werden, da sie helfen die Anonymität einer Massenuniversität zu durchbrechen und den Studenten einen Rahmen geben, ihre Fähigkeiten einzubringen. Ein Anspruch von Exzellenz scheint schwer zu vereinbaren mit einer Campus-Politik, die das studentische Engagement hemmt. Laut Prechelt sei das letzte Wort in der Spline-Frage allerdings noch nicht gesprochen. Man bemühe sich, für die neuen Mitarbeiter einen anderen Raum zu finden.</p>
<p><span style="color: #000000;">Auch die Splinees suchen vorerst nicht die direkte Konfrontation, sondern zeigen sich gesprächsbereit. Ebenso wie die Verwaltung haben sie sich auf die Suche nach ungenutzten Räumen begeben und sind möglicherweise schon fündig geworden. Zum Umzug erklären sie sich grundsätzlich bereit, auch wenn der jetzige Standort direkt neben der Cafeteria unleugbare Vorteile bietet. Sollten aber alle Verhandlungen zu nichts führen, behalten sie sich vor, den Protest auszudehnen. Potenzielle Unterstützer stehen schon in den Startlöchern. Die Uni-Verwaltung dürfte dann bald genug die Botschaft vernehmen: Wir sind alle Nerds.</span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/07/10/drittmittel-killed-the-eigeninitiative/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Willkommen im Kinderparadies</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/07/04/willkommen-im-kinderparadies/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/07/04/willkommen-im-kinderparadies/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 04 Jul 2011 12:15:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hendrik.pauli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=6053</guid>
		<description><![CDATA[Im Mai diesen Jahres wurde die Freie Universität zum zweiten Mal für ihre Familienfreundlichkeit ausgezeichnet. Valerie Schönian hat der Kita der Freien Universität aus diesem Anlass einen Besuch abgestattet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Mai diesen Jahres wurde die Freie Universität zum zweiten Mal für ihre Familienfreundlichkeit ausgezeichnet. <em>Valerie Schönian</em> hat der Kita der Freien Universität aus diesem Anlass einen Besuch abgestattet.</strong></p>
<p><a rel="attachment wp-att-6057" href="http://www.furios-campus.de/2011/07/04/willkommen-im-kinderparadies/img_0985-bea/"><img class="alignnone size-large wp-image-6057" title="Kita_Spielplatz" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/07/IMG_0985-bea-470x352.jpg" alt="" width="470" height="352" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><em>Akademikernachwuchs in Aktion: Schaukeln, Watte pusten, Ameisen zählen. Foto: Cora-Mae Gregorschewski.</em></p>
<p>Ein Bachelor-Studium bedeutet Stress. Jeder Student ist zwischen Vorlesung, Seminar und Nebenjob froh, hin und wieder etwas Zeit für sich zu finden. Für fünf bis sechs Prozent der FU-Studierenden kommt zu dem Unialltag allerdings noch etwas hinzu: ein Kind. Um sie zu unterstützen, gibt ihnen die Freie Universität die Möglichkeit, ihre Kinder betreuen zu lassen.</p>
<p>1,2 Kilometer von der Silberlaube entfernt verbirgt sich die Kindertagesstätte des Studentenwerks hinter einer unscheinbaren Häuserfassade im Grünen. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Nachmittags spazieren junge und ältere Studierende allein hinein und mit Kind auf dem Arm wieder heraus. Eine von ihnen ist Tanja Tagoe, die den dreijährigen Emmanuel abholt. Sie promoviert dieses Jahr im Fach Linguistik an der FU – ihr Kleiner hindert sie daran nicht: „Promovieren mit Kind ist auf jeden Fall machbar. Man hat zwar weniger Zeit, doch die teilt man sich besser ein.“ Die Kita mit ihren flexiblen Öffnungszeiten ist ihr dabei eine große Unterstützung. Von 07.30 Uhr bis 18.30 Uhr können die Kinder betreut werden. Es gibt sogar Ausnahmeregelungen für Notfälle.  Der kleine Emmanuel ist genauso zufrieden wie seine Mama. Ihm gefällt es in der Kita. Kein Wunder –  auf drei Etagen erstreckt sich ein kunterbuntes Kinderparadies, vom verspiegelten Spielekabinett bis hin zum abwechslungsreichen Abenteuerspielplatz.</p>
<h4>„Die beste Kita der Welt“</h4>
<p>Stefanie Klausig ist eine von 30 ErzieherInnen in der Krippe des Kindergartens. Sie arbeitet seit August letzten Jahres hier. „Das ist die beste Kita der Welt“, sagt sie. „Die Arbeit und das Qualitätsmanagement befinden sich hier immer auf dem neuesten Stand.“ Die Mitarbeiter betreuen derzeit 160 Kinder von FU-Angehörigen. Bei der Tagesplanung halten sie sich an das Berliner Bildungsprogramm. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Erzieher neben Watte pusten und Ameisen beobachten auch sogenannte „Sprachtagebücher“ führen, in welchen die Sprachentwicklung der Kinder dokumentiert wird.</p>
<p>Von dem Bildungskonzept hat sich auch Pascal Triebsch überzeugen lassen. Er studiert im ersten Semester Mathematik und hatte sich gemeinsam mit seiner Frau im Voraus mehrere Kindergärten angesehen. „Die anderen Kindergärten haben sich nur um die Betreuung gekümmert“, sagt er. Deshalb bringen sie den 17-monatigen Leon jetzt hierher.  Auch für seine Eltern bietet die Kita Vorteile: „Um 8 Uhr bringe ich Leon in den Kindergarten und um 8.15 Uhr beginnt die Vorlesung.“ Die Nähe macht es möglich.</p>
<h4>Kinderecke in der Bibliothek</h4>
<p>Ziel der Universität ist es, allen FU-Angehörigen zu ermöglichen, Beruf oder Studium mit Familie zu vereinbaren. Dazugehören Dinge wie vereinfachte Studienorganisation durch erweiterte E-Learning-Angebote oder bevorzugte Seminarplatzvergabe für Eltern. Alle Vorhaben zur Ausweitung der Familienfreundlichkeit sind in der Vereinbarung zur Bestätigung des Zertifikats zum „Audit familiengerechte Hochschule“ festgehalten. Für dessen Umsetzung wurde 2007 das Familienbüro als zentrale Anlaufstelle eingerichtet. Als Nächstes plant das Büro unter anderem eine familiengerechte Infrastruktur wie Kinderecken in der Bibliothek und die Einrichtung eines Eltern-Kind-Zimmers in der Silberlaube.</p>
<p>„Ein ehemaliger Physikdozent sagte mir einmal, dass ich mich entscheiden müsse“, erzählt Pascal Triebsch, „Studium oder Kind.“ Durch die Unterstützung der FU musste er das nicht.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/07/04/willkommen-im-kinderparadies/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>BlaBlaBla neben Brecht und Büchner</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/06/04/blablabla-neben-brecht-und-buchner/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/06/04/blablabla-neben-brecht-und-buchner/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 04 Jun 2011 13:15:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hendrik.pauli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=5936</guid>
		<description><![CDATA[Der Buchbestand der Universitätsbibliothek hat einige Kuriositäten zu bieten. Eine Ausstellung zeigt die schönsten davon. Von Charlotte Johann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Buchbestand der Universitätsbibliothek hat einige Kuriositäten zu bieten. Eine Ausstellung zeigt die schönsten davon. Von <em>Charlotte Johann</em>.</strong></p>
<p><strong><a rel="attachment wp-att-5938" href="http://www.furios-campus.de/2011/06/04/blablabla-neben-brecht-und-buchner/collage-comic-ausstellung/"><img class="alignnone size-large wp-image-5938" title="collage-comic-ausstellung" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/06/collage-comic-ausstellung-470x311.jpg" alt="" width="470" height="311" /></a></strong></p>
<p style="text-align: center;"><em>Illustration: Cora-Mae Gregorschewski</em></p>
<p>„Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste“, schrieb Heinrich Heine einmal im goldenen Zeitalter des Humanismus. Unklar ist, ob er damit die Größe oder die Bedeutung der Bücherwelt meinte. Von der Größe können die Bibliothekare und Bibliothekarinnen der Freien Universität  ein Lied singen.</p>
<p>Über 8,5 Millionen Bücher beherbergen die Bibliotheken der FU. Doch wie eine Ausstellung der Universitätsbibliothek (UB) nun zeigt, ist es mit ihrem geistigen Gehalt nicht immer so weit her. In den Magazinen finden sich neben den Werken der Großen und Wichtigen auch Titel wie „Denise – Romane aus deiner Welt“, „Hallo Computer, ich suche einen Freund“ oder schlicht „BlaBlaBla“. Wie kommt solche Trivialliteratur in den ehrbaren Hallen einer deutschen Eliteuniversität?</p>
<p>Im Jahr 1952 wurde die UB durch eine Vereinbarung mit der Berliner Verleger– und Buchhändlervereinigung  verpflichtet, ein Exemplar jedes in Berlin erschienen Buches zu archivieren. „Zwischen 1965 und 1990 erfüllte die UB diese Aufgabe für West-Berlin“, erklärt Heike Thomas Mitinitiatorin der Ausstellung. 1995 übernahm dann die Berliner Stadt– und Landesbibliothek die Archivierung der Pflichtexemplare. Alles jedoch, was Berliner Verlagswesen bis zu diesem Zeitpunkt hervorbrachte, landete in den Dahlemer Magazinen und befindet sich dort noch immer.</p>
<h4>Comics und Buchkunst</h4>
<p>Neben den vielen unscheinbaren Buchdeckeln finden sich immer wieder wahre Schätze und Kuriositäten: Spiderman-Comics, Werke des Karikaturisten Gerhard Seyfried oder des Satirikers Ephraim Kishon; daneben Comics über das Leben im Berlin der Sechzigerjahre („CheSchahShit – die Sechziger Jahre zwischen Cocktail und Molotow“) und Buchkunst, die mehr auf das Ästhetische als auf den Inhalt ausgerichtet ist. Die Denise-Romane hätten sie gleich Kistenweise ausgegraben, so Heike Thomas.</p>
<p>Ihrer Kollegin Martina Gesch fielen die seltsamen Titel beim Katalogisieren auf. Sie kam auf die Idee, daraus eine Ausstellungen zu machen. Gemeinsam mit Thomas sammelten sie über Monate alles, was ihr ins Auge stach, durchforsteten die Kataloge gezielt nach Verlagen und Autoren und machten Kollegen auf die kuriosen Relikte des Berliner Buchmarktes aufmerksam. „Es war einfach ein großer Spaß“, sagt Heike Thomas und schmunzelt dabei über das ganze Gesicht.</p>
<p>Wem also im Lesesaal der intellektuelle Atem ausgeht, der kann sich einfach einen Landarzt-Roman aus dem Magazin bestellen, und braucht dafür nicht mehr Geld am Kiosk auszugeben. Die Ausstellung ist im ersten Stock der Universitätsbibliothek noch bis nächste Woche zu sehen. Dann sollen die Kuriositäten sollen etwas Anderem weichen. Etwas Ernsthafterem.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/06/04/blablabla-neben-brecht-und-buchner/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„OSI-Dozenten haben versagt“</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/05/26/%e2%80%9eosi-dozenten-haben-versagt%e2%80%9c/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/05/26/%e2%80%9eosi-dozenten-haben-versagt%e2%80%9c/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 May 2011 20:18:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hendrik.pauli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=5846</guid>
		<description><![CDATA[Der Privatdozent Götz Aly hat zwei Studierende des Otto-Suhr-Instituts beim Plagiieren ertappt. In seiner wöchentlichen Kolumne in der Berliner Zeitung schreibt er nun über seine „kleinen Guttenbergs“. Mit FURIOS spricht er über den laschen Lehrbetrieb am OSI.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Privatdozent Götz Aly hat zwei Studierende des Otto-Suhr-Instituts beim Plagiieren ertappt. In seiner wöchentlichen Kolumne in der Berliner Zeitung schreibt er nun über seine „kleinen Guttenbergs“. Mit FURIOS spricht er über den laschen Lehrbetrieb am OSI.</strong></p>
<p><a rel="attachment wp-att-5847" href="http://www.furios-campus.de/2011/05/26/%e2%80%9eosi-dozenten-haben-versagt%e2%80%9c/aly_florentinerin/"><img class="alignnone size-large wp-image-5847" title="Aly_Florentinerin" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/05/Aly_Florentinerin-470x320.jpg" alt="" width="470" height="320" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><em>Nicht nur kleine Guttenbergs: Götz Aly in seinem Büro mit seiner „Florentinerin“. Foto: Cora-Mae Gregorschewski.</em></p>
<p><strong>Herr Aly, wie groß war die Resonanz auf Ihre Kolumnen?</strong></p>
<p>Ich habe ungewöhnlich viel Zuspruch erhalten. Eine Mutter berichtet zum Beispiel: „Gut, dass Sie darüber schreiben. Meine Tochter beschwert sich immer darüber, dass Plagiieren schon in der Oberstufe sehr weit verbreitet ist und von den Lehrern mit guten Noten honoriert wird, während sie sich auf ehrliche Weise abmüht.“  Zwei Professoren haben mir mitgeteilt, dass sie sich dem Problem studentischer Plagiate künftig stellen wollen. Studierende schreiben, dass das Plagiieren durchaus gängig ist.</p>
<p><strong>Sie wollten die Sache zunächst eigenhändig regeln, haben sich von einer Plagiatorin deren sämtliche Hausarbeiten vorlegen lassen. Wie hat das OSI darauf reagiert?</strong></p>
<p>Nicht besonders freundlich. Ich glaube, man fühlt sich dort auf die Füße getreten. Studiendekan Ingo Peters hat mir mitgeteilt, dass er mein Vorgehen für „anmaßend“ hält.</p>
<p><strong>Hat die Ablehnung des OSI, Sie zum außerplanmäßigen Professor zu ernennen, eine Rolle für die Entstehung der Kolumnen gespielt?</strong></p>
<p>Dass ich überhaupt darüber schreibe, hängt mit dem Fall Guttenberg zusammen. Unter dem Eindruck dieser Affäre bin ich auf die Idee gekommen, immer mal wieder Stichproben zu machen. Das hat nichts mit dem OSI zu tun. Vor zwei Jahren hätte ich solche Stichproben wahrscheinlich nicht gemacht.</p>
<p><strong>Sie waren dem OSI lange verbunden, haben selbst dort studiert. Man erhebt doch nicht gern öffentliche Anschuldigungen gegen sein altes Institut.</strong></p>
<p>Es mag erleichternd hinzukommen, dass mich das OSI im Grunde als Vogelfreien behandelt und mich in einem absurden mehrjährigen Verfahren extremer Willkür ausgesetzt hat. Leider können sich Institutionen nicht schämen. Die Beweggründe für die Kolumnen liegen aber in der Massivität des Plagiierens, die ich so nicht vermutet hatte.</p>
<p><strong>Sie sprechen von Massivität, aber in der ersten Kolumne schreiben Sie, dass die Hausarbeiten im Großen und Ganzen gut waren.</strong></p>
<p>Ich habe nur Stichproben vorgenommen. Aber bei 24 Arbeiten auf diese Weise zwei Plagiate zu finden, ist doch schon eine Menge. Ebenso interessant sind die Selbstplagiate. Damit meine ich, dass  ein Studierender dieselbe Arbeit mit verändertem Titel, modifizierter Einleitung und neu formuliertem Schluss in mehreren Seminaren einreicht. Ich glaube, derartiger Betrug findet am OSI öfter statt, und ich vermute unter den vorgelegten Seminararbeiten auch zwei Selbstplagiate. Es ist jedoch aussichtlos, solches Fehlverhalten nachzuweisen, solange sich der Dozent keinen Überblick über den gesamten Studienverlauf seiner Studierenden verschaffen kann.</p>
<p><strong>Sie schreiben, dass es an der Zeit sei, das „verantwortungslose Nichtstun, das hinter dem hochtrabenden Begriff <em>Hochschulautonomie</em> versteckt wird“, zu beenden. Was meinen Sie damit? </strong></p>
<p>Die überführte Studentin hat ihre sämtlichen, insgesamt sechs, Hausarbeiten am OSI plagiiert. Alle wurden mit 1,3 bis 2,3 bewertet. Die Studentin sagte mir, dass sie immer wieder mit dem Plagiieren hatte aufhören wollen. Aber durch die leicht errungenen Erfolge ist es zur Sucht geworden.  Sie hat damit ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zerstört. In ihrem Fall haben sechs Hochschullehrer versagt. Es gibt – vermutlich nicht nur am OSI –  eine „Kultur des Wegsehens“. Das ist für alle Beteiligten bequem, jedoch verantwortungslos und pflichtvergessen.</p>
<p><strong>Ist die Hochschulautonomie Schuld an der laxen Bewertungspraxis des OSI?</strong></p>
<p>Ja. Die Hochschullehrer wissen, dass Ihre Notengebung von keiner Instanz kontrolliert wird, anders als es zum Beispiel bei Abiturarbeiten üblich ist. Das alles rangiert fälschlicherweise unter dem Begriff Hochschulautonomie. Die universitären Selbstverwaltungsmechanismen tragen nichts zu einer vernünftigen Selbstkontrolle bei. Bezeichnend hierfür ist ja der Brief von Studiendekan Peters an mich. Er missbilligt, und zwar im Namen des gesamten Dekanats, meine Initiative, mir einen Überblick über den Studienverlauf meiner „kleinen Guttenbergs“ zu verschaffen. Mir scheint, als wolle er die Betrüger bestrafen und das institutionelle Versagen, die Nachlässigkeit der verantwortlichen Hochschullehrer, lieber unter den Teppich kehren.</p>
<p><strong>Wir müssen zugeben, dass ihre Handhabung für uns auch ein Geschmäckle hat.</strong></p>
<p>Das finde ich nicht. Ich erachte es als meine Pflicht, so etwas zu überprüfen. Interessant ist auch, dass es beide Studierenden es abgelehnt haben, mir eine neue, selbstgeschriebene Arbeit vorzulegen. Das zeigt doch, wie sehr ihnen das Plagiieren schon zur selbstzerstörerischen Praxis geworden war. Niemand hatte bislang versucht, sie von dieser Bahn abzubringen. Wenn man das aber tun will, dann muss man ernsthafte Gespräche mit den Studenten führen, und zwar anhand klarer Fakten. Beide Studierende hatten mir etwas von einer einmaligen Tat vorgeflunkert. Aber beide hatten, wie ich anhand von Nachprüfungen feststellen konnte, eine Plagiatorenkarriere hinter sich. Man muss darüber reden, wie es dazu kommen konnte.</p>
<p><strong>Inwiefern ist ein solches Verhalten ein Phänomen der heutigen Studentengeneration?</strong></p>
<p>Fälschungen hat es zu allen Zeiten gegeben. Aber Plagiieren ist heute sehr viel einfacher als früher. Das Internet erleichtert das Kopieren ungemein. Im Fall des einen Studenten haben zwei OSI-Dozenten versagt. Sie haben Hausarbeiten im Campusmangement mit „gut“ testiert, die der Student niemals geschrieben hatte, und diese vornehm als „besondere Hausarbeit“ umschrieben.</p>
<p><strong>Also sind die Adressaten Ihrer Kritik in erster Linie die Dozenten, nicht die Studierenden?</strong></p>
<p>Ich habe erlebt, dass Dozenten willkürlich Noten festgesetzt haben, nach dem Motto: Den müssen wir irgendwie durchkriegen. Hauptsache weg! Wer die OSI-Notengebung kennt, weiß, dass man mit einer 3,7 eigentlich durchgefallen ist. Ich bin als Schriftsteller freier Unternehmer; ich habe lange in Zeitungsredaktionen gearbeitet und war dort an vielen Personalentscheidungen beteiligt. Darum ist mein innerer Maßstab für eine gute Note immer: Würde ich diesen Prüfling einstellen? Bei 80 Prozent sage ich mir innerlich: Nein! Dieser hohe Prozentsatz ist meines Erachtens Folge eines laschen, unpersönlichen Lehrbetriebs.</p>
<p><strong>Was muss sich ändern?</strong></p>
<p>Es muss eine individuelle Verantwortung der Lehrenden für ihre Studenten geben. Das Hauptproblem ist die Anonymität. Wenn ich die Seminararbeiten durchlese, habe ich zu keiner Arbeit ein klares Gesicht vor mir. Meine Kinder haben zum Beispiel relativ verschulte Studiengänge absolviert. Sie hatten alle drei ein direktes Verhältnis zu Ihren Lehrern. Sie sind noch heute stolz darauf, bei dem und dem studiert zu haben. Diese Professoren haben die Eltern anlässlich akademischer Feiern mit Handschlag begrüßt. Das hat zu ihrem Studienerfolg beigetragen. Zu fälschenden und lernschwachen Schülern gehören immer lehrschwache und ignorante Lehrer.</p>
<p><strong>Sehen Sie diese Probleme besonders am OSI, wo das Ideal vom „freien selbstbestimmten Studium“ propagiert wird?</strong></p>
<p>Das kann ich nicht beurteilen. Allerdings handelt es sich nicht um Probleme  der Massenuniversität oder des Bachelor-Master-Systems – das ich grundsätzlich gut finde. Es geht um verantwortungsbewusste Lehre. Deswegen befürworte ich das amerikanische Modell der Mentoren-Programme. Es muss eine enge Lehrer-Schüler-Bindung geben. Dann wird die Zahl der Plagiate automatisch abnehmen.</p>
<p><strong>Wo bleibt die individuelle Schuld der Betrüger?</strong></p>
<p>Studierende, die wissentlich betrügen, tragen auch die Verantwortung. Allerdings werden sie durch die Strukturen dazu ermuntert.  Die Schuld ausschließlich oder in erster Linie bei den Studierenden zu suchen, erscheint mir verfehlt.</p>
<p><strong>Wie wollen Sie mit den beiden ertappten Studierenden weiter verfahren?</strong></p>
<p>Beide sollen mir Berichte über ihre jeweilige Studiensituation schreiben, dann sehen wir weiter. Für die Studentin will ich eine Art Patenschaft übernehmen. Ich halte sie für fähig und intelligent. Sie ist wie in einem Suchtprozess auf die schiefe Bahn geraten. Ich werde ihr anbieten, dass sie mir ihre künftigen Hausarbeiten vorlegt, damit sie aus ihrer Plagiatssucht herauskommt. Sie muss wieder das Selbstvertrauen finden, ihre Arbeiten selber zu schreiben – wie sie es in der Schule konnte, wie sie es übrigens auch in ihrem Nebenfach kann.</p>
<p><strong>Können Sie sich dafür verbürgen, in Ihrem Leben alle Fußnoten korrekt gesetzt zu haben</strong>?</p>
<p>Meine älteren Arbeiten beschäftigen sich meist mit Themen, die vor mir noch nie jemand behandelt hatte und mein Stolz bestand darin, die anderen auf ihre Lücken, ihre Unkenntnis der Quellenlage aufmerksam zu machen. Im Fall meines neuen Buches, das einen großen Zeitraum umfasst, gerät man eher in der Versuchung. Aber ich bin guter Dinge, dass niemand in mir einen kleinen oder mittelgroßen Guttenberg entdecken wird. Ich kenne jedoch eine Reihe von Autoren, zum Teil angesehene Leute, die bei mir abgeschrieben haben.</p>
<p><em>Das Gespräch führten Marcus-Andreas Goossens und Hendrik Pauli.</em></p>
<h4><span style="text-decoration: underline;">Zur Person</span></h4>
<p><em>Götz Aly, 64, ist einer der profiliertesten deutschen Historiker der Gegenwart. Er studierte von 1968 bis 1971 am Otto-Suhr-Institut. In den Siebzigerjahren leitete er ein Kinder– und Jugendheim in Spandau, um – nach eigener Aussage – „das Proletariat zu revolutionieren“. Seitdem pendelt Aly zwischen Journalismus und Wissenschaft. Von 1980 bis 1982 und von 1990 bis 1992 war er Redakteur bei der taz, von 1997 bis 2001 bei der Berliner Zeitung. Er forscht unabhängig vom Universitätsbetrieb, vor allem zum Nationalsozialismus und zum Holocaust. 2005 veröffentlichte Aly sein kontroverses Buch „Hitlers Volksstaat“, 2008 die biographisch geprägte Streitschrift „Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück“. Im August erscheint sein neues Buch „Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800–1933“.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/05/26/%e2%80%9eosi-dozenten-haben-versagt%e2%80%9c/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Campuskriminalität</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/05/19/campuskriminalitat/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/05/19/campuskriminalitat/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 May 2011 07:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>interfilip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=5621</guid>
		<description><![CDATA[FU-Eigentum  fiel in den vergangenen Jahren mehrfach Diebstählen zum Opfer. Hierbei scheint es sich um organisierte Kriminalität zu handeln. Von Rebecca Ciesielski.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>FU-Eigentum  fiel in den vergangenen Jahren mehrfach Diebstählen zum Opfer. Hierbei scheint es sich um organisierte Kriminalität zu handeln. <em>Von Rebecca Ciesielski.</em></strong></p>
<p><strong><em><a rel="attachment wp-att-5622" href="http://www.furios-campus.de/2011/05/19/campuskriminalitat/einbrecher-1-farbig/"><img class="alignnone size-large wp-image-5622" title="einbrecher-1-farbig" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/05/einbrecher-1-farbig-470x311.jpg" alt="Cora-mae Gregorschewski" width="470" height="311" /></a></em></strong></p>
<p>Montagabend 21.30 Uhr. Drei vermummte Gestalten springen aus einem schwarzen Kleintransporter. Einer blickt sich hektisch um, einer knackt das Schloss, einer wartet im Wagen. Dann geht alles ganz schnell. Wo sich die Beute befindet ist bekannt. Kurz darauf  verschwindet der Wagen wieder in der Dunkelheit.</p>
<p>Am Abend des 2. Mai versuchten drei Männer im Alter von 27, 30 und 31 Jahren „drei Notebooks mit Zubehör“, wie es in einer Pressemitteilung der Polizei von Berlin Steglitz-Zehlendorf heißt, aus den Büroräumen der FU zu entwenden. Sie kamen jedoch nicht weit. Nach wenigen Metern wurde Ihr Fluchtfahrzeug auf der Habelschwerdter Allee von der Polizei gestellt und die drei Insassen durch das Einbruchskommissariat festgenommen. Eine Zivilstreife hatte die Täter zuvor beobachtet. Der Einbruch wurde offenbar längerfristig geplant, es wurden ausschließlich MacBooks samt Zubehör gestohlen, welche einen hohen Wiederverkaufswert besitzen.</p>
<p>Fälle schweren Diebstahls sind an der Freien Universität nicht unbekannt. Nach einem größeren Einbruch im Mai 2006, bei dem hauptsächlich Bargeld entwendet wurde, verstärkte man an den größeren Instituten den nächtlichen Wachschutz. Auch die Medikamente in der Veterinärmedizinischen Fakultät werden nun bewacht. Viele sind teuer, manche verschreibungspflichtig. Im Frühjahr 2010 drangen Unbekannte  am Osterwochenende in den Keller des archäologischen Instituts ein und stahlen wahllos Rechner im Wert von 12.000 Euro. „Meistens wird an Feier– oder Brückentagen eingebrochen, wenn niemand im Haus ist“ sagt Jens Pilz, IT-Mitarbeiter am Fachbereich Geschichts– und Kulturwissenschaften. An Feiertagen wie Ostern sind vor allem die Büros der kleineren Institute zumeist unbesetzt und wenig bewacht.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/05/19/campuskriminalitat/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Umweltenbummlerin</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/03/16/die-umweltenbummlerin/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/03/16/die-umweltenbummlerin/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 09:39:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>interfilip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=5042</guid>
		<description><![CDATA[Das deutsche Hochschulsystem macht ihr zu schaffen – zu viel Lehre bei zu wenig Zeit. Miranda Schreurs über gute Ratschläge, neue Herausforderungen und Berliner Leitungswasser. Das Gespräch führten Anchalee Rüland und Michael Wingens.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das deutsche Hochschulsystem macht ihr zu schaffen – zu viel Lehre bei zu wenig Zeit. Miranda Schreurs über gute Ratschläge, neue Herausforderungen und Berliner Leitungswasser. Das Gespräch führten Anchalee Rüland und Michael Wingens.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_5043" class="wp-caption alignnone" style="width: 480px"><strong><a rel="attachment wp-att-5043" href="http://www.furios-campus.de/2011/03/16/die-umweltenbummlerin/miranda-dsc_7248-1/"><img class="size-large wp-image-5043" title="miranda-DSC_7248.1" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/03/miranda-DSC_7248.1-470x312.jpg" alt="" width="470" height="312" /></a></strong><p class="wp-caption-text">Foto: Cora-mae Gregorschewski</p></div>
<p><strong><em>Frau Schreurs, ihr Lebenslauf liest sich wie eine Weltreise – USA, Japan, Niederlande und eine Odyssee kürzerer Zwischenstopps in Südasien. Wieso sind Sie gerade in Berlin hängen geblieben?</em></strong></p>
<p>Wegen des Wetters (lacht). Nein im Ernst. Ich denke, Berlin ist zur Zeit einer der spannendsten Plätze für meinen Forschungsbereich, also Umweltpolitik. Der wissenschaftliche Diskurs ist in Deutschland sehr lebendig. Das macht Berlin zu einem spannenden Ort für mich. Außerdem ist das Forschungszentrum für Umweltpolitik international sehr gefragt, sodass sich hier viele renommierte Experten sammeln.</p>
<p><strong><em>Sie haben in den unterschiedlichsten Ländern gelebt und gelehrt. Welche Erfahrungen machten Sie mit den verschiedenen Hochschulsystemen? </em></strong></p>
<p>Die Unterschiede sind auf jeden Fall groß. Das Schwierigste am deutschen System ist der Umfang der Lehre und die Größe der Seminare. Die Zeit reicht nicht, um die Studenten kennen zu lernen und individuell mit ihnen zu arbeiten. Hier unterrichte ich fast drei Mal so viel wie in den USA. Wenn man dort ein Forschungszentrum leitet wie dieses hier, wird man, was das Lehrpensum angeht, entlastet. Das kennt man hier nicht. In Japan haben die Professoren sogar noch weniger Studenten: nur 40 bis 50 im Semester. Hier betreue ich 400 bis 500. Ich habe gar nicht die Zeit, eine gute Professorin zu sein, weil die Anforderungen an die Dozenten so hoch sind.</p>
<p>Auch die deutschen Studenten sind anders, als ich es aus den USA gewohnt bin. Sie wollen sehr genau wissen, was als nächstes passiert. Eine meiner ersten Lehrerfahrungen hat mir jedoch gezeigt, dass es wichtiger ist, flexibel auf das Weltgeschehen zu reagieren, als starren Lehrplänen zu folgen. Zur Zeit des Mauerfalls merkte ich, dass mein Lehrplan zum Ende des Semesters überhaupt keinen Sinn mehr machte.</p>
<p><strong><em>Seit 2008 sind sie Mitglied des Netzwerks der Europäischen Umwelt– und Nachhaltigkeitsräte. Dieses Jahr wurden Sie Vorsitzende des Netzwerkes. Was genau ist die Aufgabe der Räte?</em></strong></p>
<p>Es handelt sich um ein Netzwerk von Umwelträten in ganz Europa, das sich damit beschäftigt, Informationen über Umweltprobleme und Umweltpolitiken auszutauschen. Wir fragen uns, was getan werden kann, um Regierungen besser darauf vorzubereiten, mit Umweltthemen umzugehen.</p>
<p><strong><em>Die Europäische Union und insbesondere Deutschland neigen dazu, sich als Paradebeispiele für gelungenen Umweltschutz zu präsentieren. Würden Sie dieser Einschätzung zustimmen? </em></strong></p>
<p>Ich denke, dass diese Einschätzung in vielen Bereichen angemessen ist. Deutschland ist eines der Länder die sagen, dass die Frage nicht Ökonomie oder Ökologie lauten sollte, sondern eher, wie man diese beiden Bereiche miteinander verbinden kann. Es hat gezeigt, dass eine große Industrienation zugleich Vorreiter im Bereich der erneuerbaren Energie werden kann. Doch das bedeutet nicht, dass Deutschland in jedem Bereich führend ist. Schaut man sich um, sieht man zum Beispiel viele Leute, die, anstatt Leitungswasser, Wasser aus der Flasche trinken. — <strong><em>Wir nicht! — </em></strong>Okay, dann seid ihr die Ausnahme (lacht).</p>
<p><strong><em>Die deutschen Medien verurteilen oft und gerne die USA und China, diese würden weitreichende Umweltabkommen blockieren. Ist das angemessen?</em></strong></p>
<p>Die Landesregierungen der einzelnen US-Staaten waren nicht sonderlich gut darin, Gesetze gegen den Klimawandel oder für Biodiversität zu verabschieden. Somit haben sich die USA auf internationaler Ebene ein ziemlich schlechtes Image zugelegt.</p>
<p>Auf lokaler Ebene tut sich hingegen einiges – Kalifornien ist beispielsweise Deutschland sehr ähnlich. Es gibt viele Projekte im Bereich des Umweltschutzes und der Umwelteffizienz, führende ökologische Technologien, eine „grüne“ Bevölkerung, sie fahren Fahrrad oder surfen. Aber im Gegensatz zu den USA, drängt die EU auf mehr.</p>
<p>China hingegen zeigt ein gemischtes Bild. Negativ betrachtet, kann man die enorme Umweltverschmutzung aufzeigen, die schlechte Wasserqualität oder die Anzahl der Menschen, die aufgrund von Luftverschmutzung sterben – überall gibt es Probleme. Wechselt man hingegen die Sichtweise, dann ist China weltführend in der Windrad-Produktion, stellt 77% aller solarbetriebenen Heizanlagen her und hat festgelegt, dass in Zukunft es im Bereich der erneuerbaren Energie und der grünen Technologie weltführend werden möchte.</p>
<p><strong><em>Sie sind Bürgerin der Vereinigten Staaten, beraten jedoch die deutsche Bundesregierung im Sachverständigenrat für Umweltfragen. Falls Sie die Möglichkeiten hätten, der Regierung der USA einen Ratschlag zu erteilen, wie würde der aussehen?</em></strong></p>
<p>Eine interessante Frage. Ehrlich gesagt, berate ich die US-Regierungen auch von Zeit zu Zeit (lacht). Ich würde sagen, dass die USA auf den Feldern des Kampfes gegen den Klimawandel und der Biodiversität eine führende Rolle einnehmen müssen. Führend bedeutet, starke föderale Richtlinien festzusetzen, um die richtige Botschaft an andere Länder zu senden.</p>
<p><em><strong>Als Sie Ihre Arbeit an der Freien Universität begannen, gaben Sie dem Tagesspiegel ein Interview in dem Sie sagten, die FU Berlin sei Ihr „place to be“.  Ist das auch heute noch der Fall?</strong></em></p>
<p>Ja, absolut. Ich mag es hier sehr. Die Studentinnen und Studenten tragen so einen Funken in sich. Sie sind interessiert, sie stellen Fragen, sie protestieren und fordern heraus – das zeigt mir, dass sie sich kümmern, dass sie engagiert sind und sie Dinge verbessern wollen. Ich halte die Studentenschaft hier in vielen Fällen für sehr gut, auch wenn sie nicht gerne lesen. Sie sind vielsprachig, international und sie sind engagiert auch außerhalb der Universität – alles in allem eine Studentenschaft, mit der man sehr gut zusammenarbeiten kann.</p>
<p><em><strong>Frau Professor Schreurs, wir danken Ihnen für das Gespräch.</strong></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/03/16/die-umweltenbummlerin/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>»Reaktionärer Kirchgänger-Country«</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/03/02/seit-dem-weggang-dieter-lenzens-ist-ein-gerinerges-mas-an-polarisierung-zu-spuren/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/03/02/seit-dem-weggang-dieter-lenzens-ist-ein-gerinerges-mas-an-polarisierung-zu-spuren/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 10:19:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>interfilip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=5008</guid>
		<description><![CDATA[Bernd Ladwig, Professor für Moderne Politische Theorie am Otto-Suhr-Institut, im Gespräch über Vegetarismus, das politische Klima an der FU und seine Vorliebe für Country-Musik. Das Gespräch führten Nils Altland und Hendrik Pauli.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bernd Ladwig, Professor für Moderne Politische Theorie am Otto-Suhr-Institut, im Gespräch über Vegetarismus, das politische Klima an der FU und seine Vorliebe für Country-Musik. Das Gespräch führten Nils Altland und Hendrik Pauli.</strong></p>
<div id="attachment_5009" class="wp-caption alignnone" style="width: 479px"><a rel="attachment wp-att-5009" href="http://www.furios-campus.de/2011/03/02/seit-dem-weggang-dieter-lenzens-ist-ein-gerinerges-mas-an-polarisierung-zu-spuren/dsc_0961-s1/"><img class="size-large wp-image-5009" title="DSC_0961-s1" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/03/DSC_0961-s1-469x310.jpg" alt="" width="469" height="310" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Cora-mae Gregorschewski</p></div>
<p><em>Herr Prof. Ladwig, Sie haben sich lange mit ethischen Fragen des Tierrechts beschäftigt, und arbeiten im Moment an einer Monographie zum Thema „Menschenrechte und Tierrechte“. Zuletzt haben Jonathan Safran Foers „Tiere Essen“ und der Dioxin-Skandal die Debatte um Vegetarismus wieder entfacht.  Essen Sie eigentlich Fleisch?</em></p>
<p>Nein. Auch keinen Fisch.</p>
<p><em>Wie sind Sie zu dieser Entscheidung gekommen?</em></p>
<p>Wir Menschen teilen fundamentale Interessen mit Tieren, zum Beispiel das Bedürfnis nach Geselligkeit, den Bewegungsdrang oder auch das Interesse, nicht vorzeitig zu sterben. Das Argument, Fleisch sei nun einmal ein Genuss, ist zu schwach, weil unsere Freude am Fleischverzehr ein reines Luxusinteresse ist, während für Tiere buchstäblich alles auf dem Spiel steht. Diese intellektuelle Begründung für den Vegetarismus ist eigentlich leicht nachzuvollziehen. Ich selber habe dafür allerdings einige Zeit gebraucht. Zunächst habe ich mich dafür entschieden, nur Fleisch aus artgerechter Tierhaltung zu essen. Als ich dann während meiner Zeit in Magdeburg ein Seminar zum Thema Tierrechte gegeben habe, erschien mir das inkonsequent. Seitdem bin ich Vegetarier.</p>
<p><em>Leben sie auch vegan?</em></p>
<p>Nein. Zwar finde ich zentrale Argumente für den Veganismus überzeugend, allerdings ist eine vegane Ernährung mit einigem Verzicht und recht großem  sozialen und informationellen  Aufwand verbunden. So weit bin ich jedenfalls derzeit noch nicht. Allerdings ist mir klar, dass man mir deshalb eine gewisse Inkonsequenz vorwerfen könnte.</p>
<p><em>Lassen Sie uns über Hochschulpolitik reden. Im Studierendenparlament gibt es eine neue Liste mit dem provokanten Namen „Gegen die Veggie-Mensa“ Für deren Vertreter ist Fleischkonsum eine Form der Selbstbestimmung, genauso wie Rauchen oder Trinken. Sie haben auf Anhieb zwei Mandate errungen.</em></p>
<p>Das hätte ich jetzt nicht gedacht, aber hier liegt ein Fehler vor: Wenn ich rauche oder trinke, schade ich primär mir selbst. Fleisch zu essen bedeutet dagegen eine Fremdschädigung tierischen Lebens. Dass der Protest gegen das vegetarische Essen so groß ist, war mir nicht bewusst. Einige Änderungen in den Mensen halte ich jedenfalls für absolut geboten, wie etwa eine Verbannung von Fleisch aus industrieller Massentierhaltung. Prinzipiell habe ich allerdings Verständnis für eine Auflehnung gegen übereifrige Verbote. Das Rauchverbot in Bayern zum Beispiel geht zu weit. Es ist wichtig, Toleranz als Grundhaltung zu wahren – aber eben nicht auf Kosten der moralischen Rechte anderer Lebewesen.</p>
<p><em>Aufmerksamkeit für studentische Politik zu erzeugen ist ohnehin schwer. Die Wahlbeteiligung bei den StuPa-Wahlen war sehr gering, seit dem Bildungsstreik 2009 hat sich bei den studentischen Protestbewegungen nicht mehr viel getan. Was halten Sie von der politischen Kultur an der FU? </em></p>
<p>Ich kann mich nur zu dem äußern, was am Otto-Suhr-Institut läuft, an anderen Fachbereichen kenne ich mich nicht aus. Mit Sicherheit aber ist seit dem Weggang Dieter Lenzens ein geringeres Maß an Polarisierung zu spüren. Sein Nachfolger Peter-André Alt scheint die Gemüter nicht mehr so zu erhitzen. Außerdem, das ist jetzt allerdings ein Gemeinplatz, lässt sich ein erhöhtes Maß an Pragmatismus unter den Studierenden feststellen. Viele meinen, sie müssten ihr Studium möglichst straff absolvieren. Und diese Stimmung wird sicherlich durch neue Strukturen und Studiengänge begünstigt.</p>
<p><em>Sie haben in den späten Achtzigerjahren ihr Studium am Otto-Suhr-Institut begonnen. Was tat sich damals hier?</em></p>
<p>Das OSI war seitens der politisch aktiven Studierenden immer links oder jedenfalls linksliberal dominiert. Einige der Listen, die heute im StuPa sitzen, gab es zu meiner Zeit auch schon. Allerdings existierte eine größere autonome Szene, die das Stimmungsbild maßgeblich beeinflusste und die heute nahezu verschwunden ist. Die personelle Ausstattung des Instituts war sehr viel besser als heute. Trotzdem gab es teilweise recht heftige Proteste. 1988 haben wir das OSI über mehrere Monate hinweg komplett besetzt. Die Dozenten konnten nicht in ihre Büros, der Lehrbetrieb fiel aus, Abschlussprüfungen wurden blockiert. In den folgenden Jahren, vor allem nach dem Fall der Mauer, erfolgten dann Einschnitte, die das OSI und die FU viel härter trafen, als wir uns das zuvor hatten vorstellen können.  Die FU fand sich plötzlich in einen Konkurrenzkampf mit der Humboldt-Universität verstrickt. Lange Zeit war wohl wirklich nicht klar, ob es im geeinten Berlin drei große Universitäten geben würde.</p>
<p><em>Eine persönliche Frage: In einer Vorlesungen haben Sie sich einmal als großer Verehrer der amerikanischen Country-Legende Johnny Cash geoutet. Darum würden Sie sich auch kleidungstechnisch am „Man in Black“ orientieren. Was fasziniert Sie an dieser Person?</em></p>
<p>Cashs Musik erschien mir lange Zeit als Inbegriff der Peinlichkeit, als reaktionärer Kirchgänger-Country. Ich habe auch erst spät angefangen mich für Cash zu interessieren, mit seinen American Recordings. Da habe ich erst gemerkt, was für ein großartiger, kraftvoller Musiker er war. Und dabei war er schon ein von Krankheit gezeichneter alter Mann. Cash ist eine spannende Persönlichkeit. Für mich verkörpert er die Ambivalenz der ganzen USA. Er war ein glühender Patriot, der sich lange Zeit scheute, Kriegseinsätze öffentlich zu kritisieren, weil er den kleinen Soldaten nicht in den Rücken fallen wollte. Gleichzeitig hat er sich für die Verlierer der Gesellschaft eingesetzt, für Indianer oder Strafgefangene zum Beispiel.</p>
<p><em>Wenn man Ihnen zuhört, fällt auf, dass Sie in Ihrem Sprachduktus Herfried Münkler, Ihrem Doktorvater, ähneln.</em></p>
<p>Das überrascht mich jetzt etwas. Mein rhetorisches Vorbild war eher Rudi Dutschke. Der sprach immer druckreif. Ich dachte außerdem, dass ich in meinem Habitus viel von Axel Honneth übernommen hätte, und der wiederum viel von seinem Lehrer Jürgen Habermas. Aber den Vergleich mit Münklers rhetorischen Fähigkeiten fasse ich jetzt mal als Kompliment auf. Ich hoffe nur, dass ich meine Eitelkeit etwas besser verstecke.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/03/02/seit-dem-weggang-dieter-lenzens-ist-ein-gerinerges-mas-an-polarisierung-zu-spuren/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„Sie verlassen den Ponyhof“</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/02/26/%e2%80%9esie-verlassen-den-ponyhof%e2%80%9c/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/02/26/%e2%80%9esie-verlassen-den-ponyhof%e2%80%9c/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Feb 2011 16:22:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hendrik.pauli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=4997</guid>
		<description><![CDATA[Am 16. Februar fand an der Technischen Universität die zweite Berliner Nacht der Unternehmen statt. Eliese Berresheim war da und hat sich umgeschaut.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am 16. Februar fand an der Technischen Universität die zweite Berliner Nacht der Unternehmen statt. <em>Eliese Berresheim</em> war da und hat sich umgeschaut.</strong></p>
<p> <a rel="attachment wp-att-4998" href="http://www.furios-campus.de/2011/02/26/%e2%80%9esie-verlassen-den-ponyhof%e2%80%9c/tu-fabrik-furios/"><img title="TU-Fabrik-Furios" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/02/TU-Fabrik-Furios-469x352.jpg" alt="" width="469" height="352" /></a></p>
<p>Auf den ersten Blick hat der imposante Lichthof im Hauptgebäude der TU wenig mit einem „Ponyhof“ gemein. Säulen und geschwungene Bögen umsäumen den gläsernen Hof. Vor dieser prunkhaften Kulisse präsentierten sich auch auf der zweiten Berliner Nacht der Unternehmen wieder zahlreiche Betriebe – vom Familiengeschäft bis zum globalen Wirtschaftsriesen war für jeden etwas dabei. Ihr Ziel: Studenten und Absolventen bei ihrer Job– und Praktikumssuche Orientierung und Inspiration zu geben, bevor sie den „Ponyhof“ – sprich die Universität – verlassen.</p>
<p>„Dieses Jahr sind etwa 40 Unternehmen und Institutionen aus der Branche ‚Ingenieurwesen’ anwesend“, erzählt Felix vom Infostand. „Letztes Jahr waren es die Finanzen“. <a rel="attachment wp-att-4998" href="http://www.furios-campus.de/2011/02/26/%e2%80%9esie-verlassen-den-ponyhof%e2%80%9c/tu-fabrik-furios/"></a>Felix studiert Elektrotechnik an der TU und half bereits im Vorjahr bei der Organisation. Zu seinen Aufgaben gehörte vor allem die vorbei strömenden Studenten auf die Veranstaltung aufmerksam zu machen. Denn nicht den Betrieben, sondern vor allem den Studenten bot die Nacht der Unternehmen eine gute Gelegenheit sich bekannt zu machen und auszutauschen. Der Neugierde waren keine Grenzen gesetzt, im Gegenteil: Interessierte Studenten konnten Fragen stellen, sich beraten lassen und Anfragen für Praktika machen.</p>
<p>Neben dem zentralen Ausstellungsbereich im Lichthof hatten Studenten anschließend die Möglichkeit, mit Bussen zu den verschiedenen Unternehmen zu fahren und dort an einer Führung teilzunehmen. „Letztes Jahr konnte man zum Beispiel an einer Führung durch die Vattenfallbetriebe teilnehmen“, berichtet Felix. Außer Studenten waren auch einige Vattenfallkunden dabei. „Ich habe auch an so einer Betriebsführung teilgenommen. Das war nicht nur spannend und interessant, sondern echt hilfreich, weil man sich dort viel Zeit genommen hat, um Fragen zu beantworten.“</p>
<p>Doch nicht überall stieß die Veranstaltung auf so viel Interesse. Yasin und Marc studieren Economics und Wirtschafts– und Ingenieurwesen an der TU. Der Ausstellung konnten sie auf den ersten Blick wenig abgewinnen – andere Dinge hatten Priorität: „Wir schreiben gleich unsere Statistik-Klausur, die ist ganz schön schwer. Die letzten Wochen haben wir nur mit Lernen verbracht.“ Prinzipiell finden sie die Idee aber gut. „Wenn ich Absolvent wäre, dann würde ich mich dort auch mal umsehen“, meint Yasin. In der Tat sind Absolventen die bevorzugte Zielgruppe der Unternehmen, wie eine Mitarbeiterin am Stand der Berliner Wasserbetriebe bestätigte. „Aber auch angehende Absolventen sind interessant für uns.“, fügt sich hinzu. „Wenn Studenten sich beispielsweise für ein Praktikum bei uns bewerben, kommt es gut an, wenn man sich schon mal unterhalten hat.“</p>
<p>Rund 800 Studenten profitierten bis zum Ende der Nacht von dem Angebot – nicht genug meinen die Veranstalter. Im nächsten Jahr sollen es mehr werden.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/02/26/%e2%80%9esie-verlassen-den-ponyhof%e2%80%9c/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Nerd-Attack</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/02/06/nerd-attack/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/02/06/nerd-attack/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 06 Feb 2011 21:59:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>interfilip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=4835</guid>
		<description><![CDATA[Werbung ist auf dem Campus längst allgegenwärtig. Auch der Software-Riese Microsoft will ein Stück vom Kuchen und verschluckt sich dabei an der Jugendkultur. Von Katharina Hilgenberg.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Werbung ist auf dem Campus längst allgegenwärtig. Auch der Software-Riese Microsoft will ein Stück vom Kuchen und verschluckt sich dabei an der Jugendkultur. Von Katharina Hilgenberg.</strong></p>
<p><a rel="attachment wp-att-4833" href="http://www.furios-campus.de/2011/02/06/nerd-attack/nerdomat-dsc_0959-i/"><img class="alignnone size-large wp-image-4833" title="nerdomat-DSC_0959 i" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/02/nerdomat-DSC_0959-i-470x309.jpg" alt="" width="470" height="309" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><em>Foto: Cora-Mae Gregorschewski</em></p>
<p> </p>
<p>Karohemd, in der Brusttasche ein programmierbarer Taschenrechner. Der Gürtel direkt unterm Brustkorb festgezurrt, damit Papas alte Cordhose nicht rutscht und gerippte Baumwollschlüpfer mit Star Trek-Muster entblößt. Keine Frisur, dafür eine riesige Hornbrille.</p>
<p>Mathematiker, Informatiker, Physiker — gehänselt, gemobbt und ausgegrenzt wegen zu hoher Intelligenz bei fehlender Sozialkompetenz.</p>
<p>Soweit der Stereotyp, den dank der Kategorisierung der Jugendkultur durch amerikanische Teeniefilme inzwischen jeder kennt. Seitdem existiert das soziale Phänomen des Nerds. Seit diesem Jahr ist Nerdsein cool.</p>
<p>Der Rückgriff auf die neue In-Randgruppe liegt nahe, wenn Microsoft, Epizentrum des Nerdtums, ein paar nerdbrillentragende Werbehipster beauftragt, eine Kampagne für das neue Betriebssystem Windows-7 zu entwickeln.</p>
<p>Das Resultat ist die softere Version eines bekannten Ausspruches des über-Nerds und Microsoft-Gottes Bill Gates: „Sei nett zu Nerds. Wahrscheinlich arbeitest du später mal für einen“. Doch die  Kampagne „Ein Herz für Nerds“ kommt auch ohne die Chef-in-spe-Drohung aus. Stattdessen soll der  Normalo-Student dem netten Technikfreaks danken für PC-Notdienste, Basteln und Tüfteln, Formatierungstipps, für Nullen und Einsen, Java Script, für die Atombombe, ihr Essensgeld von letzter Woche… Und natürlich nicht zu vergessen für Nerdy-Brillen-Styles.</p>
<p>Der „Nerdomat“ ist das Herzstück der Kampagne, präsentiert von einem muskulösen Männermodel, das sein zeitweiliges Nerd-Dasein wohl bei American Apparel gekauft hat. Der grüne Kasten, eine Mischung aus Jukebox, Snackautomat und Videospiel steht seit Monaten in der Rost– und Silberlaube.</p>
<p>Wie jeder anständige Nerd wird auch der „Nerdomat“ vom Großteil der Studenten einfach ignoriert. Kein Wunder bei einer Maschine, die an drei von fünf Tagen außer Betrieb ist.</p>
<p>Aber damit noch nicht genug: Trifft man das Ding mal im funktionstüchtigen Zustand, dann braucht der Durchschnittsstudent zusätzlich einen Gewinncode (oder einen echten Nerd mit Hacker-Erfahrung), um an den versprochenen Werbegeschenksegen, die „nerdigen Gimmicks“, zu kommen.</p>
<p>Es folgt der Showdown am Touchscreen. Durch ein Dickicht von Windows-7 Werbung navigiert sich der Spieler zum Minigame. Die Aufgabe: Bring den Nerd über den Fluss, indem er auf Baumstämme, Flöße und  Krokodile hüpft. Abstürzen ist so gut wie unmöglich. Selbst wer noch nie auf einer LAN-Party war, braucht beim zweiten Anlauf nicht mehr als 10 Sekunden ans andere Ufer. Und das alles in der großpixeligen Optik der ersten Videospiele, dem Retrochic der Informatik.</p>
<p>Tatsächlich ist das Ganze ziemlich langweilig und anstelle von Gewinnen spuckt der Automat zur Krönung auch nur Frechheiten aus: „Tja, das war nichts. Das Leben ist kein Streichelzoo.“ Von Nerd zu Nerd kann man so einen kecken Spruch schon mal bringen dachten sich wohl die Spezialisten bei Microsoft und vergaßen: Vielleicht trifft es den Boss in Spe. Der dürfte wiederum wenig Spaß verstehen, wenn es um die Weisheiten der coolen Kids auf dem Campus geht.</p>
<p>Während Apple nerdige Technikprodukte als Szeneaccessoires an den Mann bringt, scheitert Microsoft selbst bei dem Versuch, nerdige Technikprodukte als das zu verkaufen was sie sind: Nerdige Technikprodukte.</p>
<p>Und als ironisches Sahnehäubchen läuft der Nerdomat mit Windows XP. Tja, das war nichts, Microsoft. Das Leben ist nun mal kein Computerspiel.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/02/06/nerd-attack/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vorweihnachtlicher Innovationsoptimismus</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/01/25/vorweihnachtlicher-innovationsoptimismus/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/01/25/vorweihnachtlicher-innovationsoptimismus/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 Jan 2011 22:44:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Pablo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=4370</guid>
		<description><![CDATA[Kristallkugeln oder Christbaumkugeln? Rebecca Ciesielski nutzte die Vorweihnachtszeit für einen Blick in den neuen Masterstudiengang "Zukunftsforschung". ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kristallkugeln oder Christbaumkugeln? Rebecca Ciesielski nutzte die Vorweihnachtszeit für einen Blick in den neuen Masterstudiengang »Zukunftsforschung«. </strong></p>
<p><em>Illustrationen von Cora-Mae Gregorschewski</em></p>
<p><strong><a rel="attachment wp-att-4729" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/25/vorweihnachtlicher-innovationsoptimismus/zukunftsforschung-korr/"><img class="alignnone size-large wp-image-4729" title="Zukunftsforschung-korr" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/Zukunftsforschung-korr-470x311.jpg" alt="" width="470" height="311" /></a></strong></p>
<p><strong><a rel="attachment wp-att-4371" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/25/vorweihnachtlicher-innovationsoptimismus/zukunftsforschung-allien-2/"></a><br />
</strong>Auf dem massiven, raumfüllenden Holztisch in dem kleinen Seminarraum des erziehungswissenschaftlichen Instituts in der Arnimallee liegen frische Tannenzweige, die mit überdimensionierten Christbaumkugeln dekoriert wurden.  Auf einem der Fensterbretter sind Lebkuchen, Salzstangen und sonstige Kalorienspender, die vorweihnachtliche Stimmung verbreiten, aufgeschichtet.<br />
Die hier herrschende, beschauliche Atmosphäre passt gut zum winterlich verschneiten Bild auf der anderen Fensterseite. Ein erster positiver Eindruck, den man als Durchschnittsbachelorstudentin von Durchschnittsbachelorvorlesungen eher nicht gewöhnt ist. Rund 15 Studenten haben sich an diesem Dienstagnachmittag hier eingefunden, um an der Ringvorlesung des weiterbildenden Masterstudiengangs „Zukunftsforschung“ teilzunehmen.<br />
Der Studiengang, der erst in diesem Wintersemester anlief, ist eine der jüngsten Errungenschaften der FU. Er ist im deutschsprachigen Raum bislang der einzige mit dieser inhaltlichen Ausrichtung. Ähnliche Studiengänge findet man auf der ganzen Welt nur an ungefähr 50 anderen Universitäten, zum Beispiel an der Moscow State University und der University of Hawaii.</p>
<p><strong>Für jedes Aushängeschild das passende Zitat</strong></p>
<p>Bereits 1516 veröffentlichte der englische Gelehrte Thomas Morus ein Buch mit dem Titel „Utopia“ und 1943 wurde der Begriff der „Futurologie“ von dem Politikwissenschaftler Ossip Kurt Flechtheim erstmals eingeführt, die ihre ersten konkreten Anwendungen nach 1945 fand — unter anderem zur Klärung der Frage, was mit den Kriegsverlierern Deutschland und Japan langfristig geschehen solle. Als ordentliche Wissenschaft dürfte diese Disziplin aber erst seit Ende der 60er gelten, nachdem sich übergeordnete Organisationen wie die <em>World Future Studies Federation </em>und die<em> Association of Professional Futurists </em>gegründet hatten.<br />
Über die Internetseite des „Institut Futur“ erfährt man die groben Eckdaten zu diesem neuen Studium. Als erstes fällt ein Zitat von Willy Brandt ins Auge, das programmatisch für das Fach zu sein scheint: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“. Auch der sonstige Internetauftritt lässt kaum Zweifel daran, dass dieser „weiterbildende Masterstudiengang“ nicht einfach eine Bereicherung des Fächerkanons darstellen soll, sondern auch als (künftiges) Aushängeschild der FU initiiert wurde.<br />
Dementsprechend nennen sich die angeführten Methoden „Delphi-Technik“ oder „Cross-Impact Analyse“. Die Ziele sind mindestens inter-, manchmal sogar „transdisziplinär“  und die Partner aus den unterschiedlichsten Bereichen, aus verschiedenen universitären Kontexten und natürlich aus der Praxis. Da der Studiengang den Erziehungswissenschaften angegliedert ist, hat Prof. Dr. De Haan die Institutsleitung inne. Er ist seit 2004 Vorsitzender des deutschen Nationalkomitees der UN-Dekade zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und war außerdem fünf Jahre lang Vorsitzender der „Kommission Umweltbildung“ in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften. Wie erwartet gibt es diese Professionalitätsdosis keineswegs umsonst. Der Homepage zufolge belaufen sich die Studienkosten auf 1300 Euro pro Semester.<br />
Dennoch: bei näherer Beschäftigung mit der Seite, die komplett in lindgrün gehalten ist, lässt sich nicht leugnen, dass es sich zwar tatsächlich nicht nur um ein weiteres Fach auf Augenhöhe mit prähistorischer Archäologie zu handeln scheint, aber der zunächst gehegte Verdacht bleibt unbestätigt. Auch in diesem Studiengang geht es vor Allem um Forschung und Diskurs und nicht um universitäre Außenwirkung.</p>
<p><strong>Nette Vorstellungsrunden und fragwürdige Projekte</strong></p>
<p>Die Vorlesung beginnt vorlesungsuntypisch mit einer entspannten Vorstellungsrunde. Es sind überwiegend junge Studenten, die nun kurz ihren Namen und ihren universitären, oder  seltener, ihren beruflichen Werdegang umreißen. Die meisten haben ihren Bachelor in der Tasche und schließen dieses Studium, wie jeden anderen Masterstudiengang daran an. Das Spektrum reicht von zwei ehemaligen Psychologiestudenten, über einen Humangeografiestudenten, einen Islamwissenschaftler und sonstigen Gesellschafts– und Geisteswissenschaftler bis hin zu einer ehemaligen Studentin der Ingenieurwissenschaften.<br />
Nur zwei der Masterstudenten, ein Jurist und ein ehemaliger <em>Apple</em>–Mitarbeiter, haben bereits Jahre im Berufsleben verbracht.<br />
Auch die beiden Referenten, Helga Jonuschat und Timon Wehnert vom „Institut für Zukunftsforschung und Technologiebewertung“ (IZT), stellen sich vor und erläutern einige der Arbeitsfelder des Instituts. Dessen Projekte nennen sich „DENK“, „cleanER-D“ oder „BewareE“  und beschäftigen sich mit Themen wie Mobilität, Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung. Den Referenten zufolge liegen die Institutsaufgabenfelder hauptsächlich im Bereich der angewandten Forschung und Beratung.<br />
Das zunächst geweckte Interesse, bekommt jedoch einen bitteren Beigeschmack, als wir erfahren, dass es das Institut mit der moralischen Bewertungen in eigener Sache manchmal weniger genau nimmt. Helga Jonuschat erzählt der Runde, ohne genauere Details zu nennen, von einem Projekt, das von der Bundeswehr in Auftrag gegeben wurde. Dabei ging es im Grunde um eine effizientere Tötung bei Auslandseinsätzen. Auf Nachfrage hin erfahren wir, dass sich das IZT nicht an diesem Projekt beteiligt habe. Grund dafür waren aber keineswegs aufkommenden moralischen Bedenken, sondern der Umstand, dass sich die Bundeswehr letztlich doch für einen anderen Projektpartner entschied.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-4579" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/25/vorweihnachtlicher-innovationsoptimismus/new-beginning-2/"><img class="alignnone size-large wp-image-4579" title="new-beginning-2" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/new-beginning-2-470x284.jpg" alt="" width="470" height="284" /></a></p>
<p><strong>Ein ewiger Praktikant und bereichernde Unterschiede</strong></p>
<p>Nach der Vorstellungsrunde bekommen wir die Aufgabe, uns mit Hilfe von bunt verpackten Schokowürfeln kleineren Arbeitsgruppen zuzuordnen. Ich werde gleich in das Geschehen involviert und darf zum Thema „Wie wird Technik entwickelt?“ mitdiskutieren. Sogar der Inhalt der deckenhohen Regale, die Bücher zum Thema „Visionen“ ebenso beinhalten, wie zum Thema Biotechnologie, scheint das breitgefächerte Inhaltsspektrum des Studiums widerzuspiegeln. Eine Vielfältigkeit, die auch bei den Studierenden  und deren Wortbeiträgen immer wieder erkennbar wird. Dass dieser Umstand in den meisten Fällen eine Bereicherung darstellt, wird besonders bei der Präsentation der Gruppenergebnisse deutlich. Bei dieser lassen sich die Kurzvorträge intuitiv den Fachrichtungen der Präsentierenden zuordnen. Manche Ansätze sind deutlich psychologisch, manche eher philosophisch angehaucht und eine der Präsentationen ist sogar mit <em>Apple–</em>Insider-Anekdoten gespickt. Somit erfahren wir nicht nur etwas über Bedürfniserzeugung, sondern auch darüber, dass das<em> iPad </em>bereits langfristig geplant war, man den Verbrauchern die komplizierten Touchscreengesten aber nicht ohne Vorbereitung zutraute. Deshalb wurden zunächst <em>iPhone</em> und Co. auf den Markt geworfen, bis dieser endlich bereit schien für das Schwierigkeitslevel der<em> iPad</em>–Bedienung.<br />
Erst in der letzten halben Stunde folgt dann doch noch etwas theoretischer Input zum zuvor diskutierten Thema Technikentwicklung. Trotzdem kommt nicht das Gefühl auf mit verstaubten Theorien zu hantieren. Nein, die hier erläuterten Finger– oder besser Gedankenübungen tasten direkt nach dem Gegenwartspuls. Erneuerbare Energien, Infrastrukturinnovationen, Stadtkonzepte. Gefühlte achtzig Mal fällt das Wort „Technologie“. Passend dazu ist der Vortrag mit ungebrochenem Fortschrittsoptimismus durchtränkt. Unter anderem wird das Beispiel der grünen Gentechnik angeführt, der man nicht kategorisch abgeneigt zu sein scheint. Doch ist das Argument der Eisenbahnerfindung, die von den Innovationskeptikern des 19. Jahrhunderts als gesundheitsgefährdend eingestuft wurde, tatsächlich geeignet, um auch diese Neuerung zu legitimieren? Natürlich führen Geschwindigkeiten über 30km/h nicht zum automatischen Ableben. Aber besteht bei beiden Innovationen tatsächlich die von Helga Jonuschat und Timon Wehnert beschworene Parallele? Ist es wirklich möglich mit Hilfe früherer Technologien, die erst als gefährlich eingestuft wurden und dann doch keinen Schaden angerichtet haben, jede künftige Innovation pauschal gutzuheißen? Fragen, die für mich auch nach Ende der Vorlesung ungeklärt bleiben.<br />
In der Pause komme ich noch kurz ins Gespräch. Der Jurist erzählt mir, dass es sich bei diesem Master „mehr um ein Vollzeitstudium, als um den ausgewiesenen Teilzeitstudiengang handelt“. Dieses zu studieren wäre ihm ohne die Unterstützung seines fünfköpfigen Kanzleiteams wohl nicht möglich. Trotzdem mag er das Studium sehr. Besonders freut er sich auf das Pflichtpraktikum im dritten Semester. Er ist schon richtig gespannt darauf, ein ihm unbekanntes Unternehmen mal wieder aus Praktikantensicht entdecken zu dürfen.</p>
<p>Es bleibt zu hoffen, dass die, die hier zu Beratern künftiger Entscheidungsträger ausgebildet werden, auch den Mut haben, aus moralischen Erwägungen Projekte abzulehnen. Wie bei besagtem Bundeswehrauftrag kann es zu Situationen kommen, bei denen die erstellten Analysen dazu führen können, dass Menschen oder die Umwelt Schaden nehmen. Trotzdem braucht es Experten, die sich fundiert mit Entwicklungen auseinandersetzen, die für unsere Zukunft bestimmend sind. Hätte es solche Analysen nach der Besatzung Deutschlands durch die Alliierten nicht gegeben, wäre Deutschland womöglich zum Agrarstaat degradiert worden.<br />
Aufgrund der damaligen Analysen entschied man sich letztlich doch dazu, Deutschland wirtschaftlich und politisch zu unterstützen, um es möglichst bald in die Gemeinschaft demokratischer Staaten aufnehmen zu können. Bereits diese Analysen fanden unter Anwendung von Simulationen und Delphi-Studien statt, die auch heute noch zentrale Instrumente der Zukunftsforschung darstellen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/01/25/vorweihnachtlicher-innovationsoptimismus/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>4 aus 40.000</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/4-aus-40-000/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/4-aus-40-000/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Jan 2011 22:24:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>interfilip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[FURIOS 05]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=4455</guid>
		<description><![CDATA[*40 000 Menschen drängen sich an der FU. 4 Studierende davon an 4 überquellenden Orten. Notiert von Henrice Stöbesand, Fanny Gruhl, Katharina Hilgenberg und Rebecca Ciesielski.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><strong>*40 000 Menschen drängen sich an der FU. 4 Studierende davon an 4 überquellenden Orten. Notiert von Henrice Stöbesand, Fanny Gruhl, Katharina Hilgenberg und Rebecca Ciesielski.</strong></div>
<div><strong> </strong><br />
Fotos: Cora-Mae Gregorschewski</div>
<div></div>
<div><a rel="attachment wp-att-4456" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/24/4-aus-40-000/dsc_0920-beaa/"><img class="alignnone size-large wp-image-4456" title="DSC_0920 beaa" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/DSC_0920-beaa-470x312.jpg" alt="" width="470" height="312" /></a></p>
<p>„Neulich habe ich den Professor von Nahem gesehen.“</p>
<p>In der Vorlesung: Tanja, 21, studiert Russisch und Politik auf Lehramt. Zu den FU-Professoren  hat sie ein besonderes Verhältnis.</p>
<p>——————————-</p></div>
<div></div>
<div><a rel="attachment wp-att-4459" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/24/4-aus-40-000/dsc_0914-s-psd/"><img class="alignnone size-large wp-image-4459" title="DSC_0914 s psd" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/DSC_0914-s-psd-470x312.jpg" alt="" width="470" height="312" /></a></p>
<p>„Meine Taktik? Einfach aushalten.“</p>
<p>In der U3: Elisa, 21, studiert Publizistik und Politikwissenschaften. Jeden Morgen kämpft sie sich durch das U-Bahn-Dickicht.</p>
<p>Eigentlich versuche ich, die Fahrt mit der U3 zu den Stoßzeiten zu vermeiden. Aber manchmal geht es einfach nicht anders, so wie heute. Ich wohne am Fehrberlliner Platz, laufe aber meistens zum Hohenzollerndamm. Da ist die Bahn noch leer und ich bekomme einen Sitzplatz. Purer Luxus um diese Uhrzeit und die beste Position im bevorstehenden Gedränge! Schnell noch die Jacke ausziehen, mir wird in der Bahn immer warm. Dann kommt der Ansturm. Ich fühle mich bedrängt von all den Menschen. Dauernd tritt jemand auf meinen Fuß oder schlägt mir seine Zeitung ins Gesicht – denken die Leute wirklich jetzt sei ein guter Zeitpunkt, um die auszupacken?</p>
<p>Ich steige am Thielplatz aus. Nach Dahlem-Dorf wird die Fahrt entspannter, ich ziehe meine Jacke wieder an und kann mich ein wenig regenerieren. Wenigstens bis zum nächsten Gedränge an der Treppe. Meine Taktik? Einfach aushalten, eine bessere hab‹ ich auch nach fünf Semestern hier nicht.</p>
<p>Richtig schlimm war es, als ich letztes Jahr mit gebrochenem Bein im Rollstuhl saß. Einmal haben mein Freund und ich versucht, uns mit seinem Fahrrad und meinem Rollstuhl in die volle Bahn zu quetschen. Natürlich ging das nicht gut und am Ende musste er sein Rad mit einem Sprung durch die sich schließenden Türen retten und ich saß verlassen und ein bisschen hilflos in meinem Rollstuhl am Bahnsteig. Dabei bin ich sonst eine von denen, die sich immer noch in den Wagen quetschen. All meinen Mitfahrern empfehle ich natürlich, eine Bahn abzuwarten.</p>
<p>—————————–</p></div>
<div></div>
<div><a rel="attachment wp-att-4457" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/24/4-aus-40-000/dsc_0916-s/"><img class="alignnone size-large wp-image-4457" title="DSC_0916-s" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/DSC_0916-s-470x312.jpg" alt="" width="470" height="312" /></a></div>
<div>
„Radio ist sowieso bald tot“<br />
In der Mensa: André ist 31 und studiert Philosophie und Religionswissenschaften an der FU.</p>
<p>Ich esse Nudeln mit Partyfrikadellen. Die heißen echt so! Ist aber auch nur ganz normales Hackfleisch. Ach ja: Außerdem Iebe ich in Potsdam, weil mir Berlin zu anstrengend wäre. Ich muss nicht jeden Tag auf Partys gehen und würde außerdem die Natur vermissen.</p>
<p>Vor zehn Jahren habe ich ein Studium angefangen, in Rostock. Damals war Studieren noch anders. Man hatte mehr Vorlesungen und weniger kleine Seminare. Deshalb finde ich, dass die Umstellung auf Bachelor und Master das Studium etwas entanonymisiert hat. Es ist leichter, Kommilitonen in kleineren Seminaren kennenzulernen, als in Vorlesungen, in denen zum Teil mehrere hundert Studierende sitzen. Das Studium habe ich damals nach wenigen Semestern wieder abgebrochen, als ich ein Praktikum beim BBRadio bekommen habe. Beim Radio zu arbeiten war immer mein Traum. Jetzt bin ich wieder an der Uni gelandet. Ich wollte den Konkurrenzdruck und die nervenraubenden Arbeitszeiten nicht mehr. Hier kann ich mich endlich mit den Dingen beschäftigen, die mich wirklich interessieren. Außerdem ist Radio als Massenmedium in spätestens zehn Jahren sowieso tot.</p>
<p>——————————</p></div>
<div></div>
<div><a rel="attachment wp-att-4458" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/24/4-aus-40-000/dsc_0904-bea-psd/"><img class="alignnone size-large wp-image-4458" title="DSC_0904-bea-psd" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/DSC_0904-bea-psd-470x312.jpg" alt="" width="470" height="312" /></a></div>
<div>
„Nervige Behördengänge“<br />
In der ZEDAT: Julian Daum ist 20 Jahre und kommt aus Bayern. Er studierte in Potsdam Germanistik und Geschichte. Jetzt probiert er es an der FU.</p>
<p>Ich wollte jetzt eigentlich lernen. Ich komme oft her, wenn ich Pause habe. Verzweifelte Studenten habe ich bisher nicht gesehen. War immer sehr ruhig.</p>
<p>Campus Management ist schon eine Vereinfachung. Ich finde gut, dass man alles von zu Hause aus machen kann. Das Problem ist aber, dass man bestimmte Fristen einhalten muss und wenn irgendwas nicht klappt, kann man manuell nichts machen. Weil ich meinen Studentenausweis nicht rechtzeitig gekriegt habe, konnte ich mich nicht übers Campus Management anmelden. Ich musste zu jedem Prof gehen und hatte die nervigen Behördengänge am Ende trotzdem.</p>
<p>Mir gefällt es an der FU besser als in Potsdam, das ein bisschen kleiner ist, weil hier die Lehrbedingungen sehr viel besser sind. Ich saß dort in jeder Veranstaltung in einem überfüllten Raum. Das Problem habe ich hier gar nicht mit zehn, fünfzehn Leuten in einem riesigen Seminarraum. Mir kommt die Betreuung einzelner Studenten noch sehr individuell vor.<br />
Ich komme hierhin und ziehe meine Ausbildung durch und das war’s. Vielmehr Anspruch habe ich eigentlich gar nicht.</p></div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/4-aus-40-000/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Leben der Anderen</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/das-leben-der-anderen/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/das-leben-der-anderen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Jan 2011 22:20:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>interfilip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[FURIOS 05]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=4450</guid>
		<description><![CDATA[Integrationsdebatte trifft Wirklichkeit. Im Nightingale-Projekt begegnen FU-Studenten Kindern mit Migartionshintergrund. Anne Vanselow über einen unverkrampftes Miteinander.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><strong>Integrationsdebatte trifft Wirklichkeit. Im Nightingale-Projekt begegnen FU-Studenten Kindern mit Migartionshintergrund. Anne Vanselow über einen unverkrampftes Miteinander.</strong></div>
<div id="attachment_4451" class="wp-caption alignnone" style="width: 480px"></p>
<div><a rel="attachment wp-att-4451" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/24/das-leben-der-anderen/dsc_0951-sharp/"><img class="size-large wp-image-4451" title="DSC_0951 sharp" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/DSC_0951-sharp-470x312.jpg" alt="Foto: Cora-Mae Gregorschewski" width="470" height="312" /></a></div>
</dt>
</dl>
</div>
<dd class="wp-caption-dd">Foto: Cora-Mae Gregorschewski</dd>
<p>„Ich möchte aus meinem Viertel rauskommen“, sagt Melike wie aus der Pistole geschossen. „Und du möchtest dein Deutsch verbessern“, schiebt ihre Mutter schnell nach. Melike das 11-jährige Mädchen  mit den dunklen Locken nickt kurz, dann wendet sie sich wieder wichtigerem zu. Genauer gesagt ihrer  Sitznachbarin Siska. Die ist 21 und Studentin.</p>
<p>Der Glaspavillon der Otto-Wels-Grundschule ist heute Begegnungsstätte. Schüler, Lehrer, Eltern und Studenten sitzen an diesem Nachmittag dicht gedrängt. Lebhaft geht es zu. Kinder Geschnatter, auf deutsch und türkisch, klirrende Kaffetassen und Stühlerücken. Ein Teil der anwesenden Frauen trägt Kopftuch — so wie Melikes Mutter. Für Siska unvorstellbar.<br />
Die Studentin und die kleine Deutsch-Türkin verbindet auf den ersten Blick wenig. Dennoch werden sich die blonde Lehramtskandidatin und die quirlige Schülerin aus Kreuzberg in den kommenden sieben Monaten häufiger sehen. Einmal pro Woche. Genug Zeit also, um zusammen andere Ecken der Stadt zu entdecken, so wie Melike es sich wünscht. Und vielleicht noch ein bisschen mehr.</p>
<p>Die beiden nehmen an einem Projekt der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität und der Otto-Wels-Grundschule teil. Dem sogenannten „Nightingale-Projekt“. Idee ist es, Berliner Studenten und Kinder aus sozialen Brennpunkten zusammenzubringen, um so die jeweils andere Lebenswelt kennenzulernen. Gelebte Integration — während einige U-Bahnstationen entfernt im Regierungsviertel die Integrationsdebatte schon wieder versiegt.<br />
Die meisten der Studenten, die an dem Projekt teilnehmen, studieren Pädagogik. Unfaire Startchancen, mangelnde Deutschkenntnisse und fehlgeschlagene Integration — sie wollen heute lernen, was ihnen morgen an deutschen Schulen blüht. In Berlin beträgt der Migrantenanteil  an den Schulen über 50 Prozent, interkulturelle Kompetenzen sind da unabdingbar. „Viele, die bei uns Pädagogik studieren, haben bisher in ihrem Leben noch nicht viel Kontakt zu Migranten gehabt“, erzählt die Projektleiterin der FU, Professor Petra Wiehler, „Durch Nightingale bekommen sie einen Einblick in das Leben von Migrantenfamilien  und lernen ihre Hintergründe kennen.“</p>
<p>Siska und Melike haben noch viel vor. Ninas Zeit als Mentor ist hingegen schon vorbei. Über ein Jahr ist es her, dass sie die 10-jährige Nalan zum ersten Mal getroffen hat:  Sie hatte dunkle Haare, erinnert sich Nina. Nichts ungewöhnliches  für ein Mädchen mit türkischem Migrationshintergrund. Aber ihre blauen Augen, die fielen auf.<br />
Nalan wohnt mit ihren Eltern und Geschwistern in der Nähe des Moritzplatzes — hier holt Nina das Mädchen an einem Sonntag im April ab. Es stürmt. Nina möchte Nalan ihre  WG zeigen. Anschließend wollen die beiden gemeinsam kochen:  Rotkohl mit Kartoffeln und Erdnuss-Soja-Soße. Zum Nachtisch vegane Kekse.  In Ninas gelb gestrichener Küche schält Nalan eifrig Kartoffeln. Sie hat Spaß an der Arbeit. Voller Tatendrang hilft sie Nina den Teig zu kneten und wundert sich:  „Ich wusste gar nicht, dass man ohne Milch backen kann“. Die Kekse schmecken ihr  trotzdem – auch ohne Milch und Eier.</p>
<p>Nicht nur Nalan hat Spaß. “Man trifft sich regelmäßig mit einem kleinen Menschen, der eine teils so andere Weltansicht hat, einfach  andere Bedürfnisse und Wünsche”, sagt die Studentin. “Da bekommt man selbst eine andere Perspektive und versteht vielleicht mehr, wieso Menschen so leben wie sie leben und so denken wie sie denken.“ In der selben Stadt aufgewachsen, prallen hier doch unterschiedliche Lebenswelten  aufeinander. Ninas Einfluss ist begrenzt. „Ich dachte, es wäre leichter, Nalan davon zu überzeugen, zu Hause mal öfter andere Dinge zu tun, als fernzusehen“, sagt sie etwas desillusioniert. Umso mehr freut es sie, die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Arbeit zu sehen — zum Beispiel beim Freundschaftsbänder-Flechten. Die Technik ist knifflig. Aber aufgeben? Das kommt für Nalan nicht in Frage. „So viel Konzentration ist nicht selbstverständlich bei einem Kind, das im Durchschnitt fünf Stunden fernschaut und kaum selber kreativ ist“, sagt  Nina, nicht ohne einen gewissen Stolz in der Stimme. Die Freude ist groß bei der kleinen Deutsch-Türkin, als die Armbänder schließlich fertig sind und um ihre schmalen Handgelenke baumeln.</p>
<div>
<div class="mceTemp">
<dl id="attachment_4452" class="wp-caption alignnone" style="width: 480px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a rel="attachment wp-att-4452" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/24/das-leben-der-anderen/dsc_0980-bea-psd/"><img class="size-large wp-image-4452" title="DSC_0980 bea psd" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/DSC_0980-bea-psd-470x335.jpg" alt="" width="470" height="335" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Cora-Mae Gregorschewski</p></div>
<p>Nalans und Melikes Eltern sind engagiert. So wie all die anderen Eltern, die sich in der Mensa der Otto-Wels-Grundschule versammelt haben. Die Integration ihrer Kinder ist ihnen wichtig. „Viele unserer Eltern sind sehr bemüht und sehen das Projekt als eine Art Fortsetzung der Förderung ihrer Kinder an”, erzählt Brunhilde Focke, Konrektorin der Grundschule. Aber nicht allen Kindern geht es so. Gerade die Schüler, die diese Unterstützung zu Hause nicht bekommen, erreicht das Projekt nicht.</p>
<p>Das ist die Kehrseite der Medaille. Aber daran denken Melike und Siska in diesem Moment nicht.  Am Ende des Nachmittags schmieden die Kreuzberger Grundschülerin und die Dahlemer Studentin Pläne für ihr erstes gemeinsames Treffen: Ins Theater wollen sie gehen oder ins Kino — eigentlich ganz egal.</p>
<p><em>Das Nightingale-Projekt kommt ursprünglich aus Schweden. Es wurde 1997 von der Universität Malmö und verschiedenen Schulen ins Leben gerufen. Der Name hat Symbolcharakter, denn es heißt, die Nachtigall sänge am Schönsten, wenn er sich rundum sicher fühlt. Vor vier  Jahren hat sich der Berliner Ableger mit dem Nameszusatz  „Hand in Hand“ gegründet. Er erhält Fördermittel aus dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung und von der Berliner Senatsverwaltung. Die  werden unter anderem genutzt, um den Teilnehmern die Kosten für ihre Ausflüge zu erstatten.</em></p>
<p><em> </em><em>Bei Interesse meldet euch bei: <a class="autohyperlink" href="mailto:alexandra.blankenburg@fu-berlin.de</em>" title="mailto:alexandra.blankenburg@fu-berlin.de</em>">alexandra.blankenburg@fu-berlin.de</em></a></p>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/das-leben-der-anderen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Don’t Gender me, Baby!</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/dont-gender-me-baby/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/dont-gender-me-baby/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Jan 2011 22:14:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>interfilip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[FURIOS 05]]></category>
		<category><![CDATA[Heft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=4445</guid>
		<description><![CDATA[An der FU forscht eine Tunte. Dr. Volker Woltersdorff alias Lore Logorrhöe im Gespräch über gelebte Provokation, Faschingspartys und so ernsthafte Dinge wie Namensschilder an Bürotüren. Das Gespräch führte Carolin Benack.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>An der FU forscht eine Tunte. Dr. Volker Woltersdorff alias Lore Logorrhöe im Gespräch über gelebte Provokation, Faschingspartys und so ernsthafte Dinge wie Namensschilder an Bürotüren. Das Gespräch führte Carolin Benack. </strong></p>
<div id="attachment_4446" class="wp-caption alignnone" style="width: 480px"><a rel="attachment wp-att-4446" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/24/dont-gender-me-baby/dsc_0971-bea-puppe-end-full/"><img class="size-large wp-image-4446" title="dsc_0971-bea-puppe-end-full" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/dsc_0971-bea-puppe-end-full-470x322.jpg" alt="" width="470" height="322" /></a><p class="wp-caption-text">Foto von Cora-Mae Gregorschewski.</p></div>
<p><em>Ein bisschen überraschend ist es schon, als Volker Woltersdorff alias Lore Logorrhöe in Motorradkluft, mit Glatze und lachenden Augen auf uns zu kommt. Keine Spur von Perücke, falschen Wimpern und hohen Absätzen. „Hi, ihr kommt von der FURIOS, richtig? Ich bin Volker.“ Wir folgen ihm in sein weiß gestrichenes Büro und setzen uns auf drei freie Stühle. </em></p>
<p><strong>Volker, wie kommt man darauf, sich Frauenkleider anzuziehen und Lore Loghorröe zu nennen?</strong></p>
<p>In den ›70er und ›80er Jahren gab es die Tradition in der Schwulenszene, Tuntenpseudonyme zu tragen. Damit hat man seine Kritik an den herrschenden Geschlechterrollen und dem Sich-Einfügen in eine rein männliche Identität ausgedrückt. Zum Einen fand ich diese Tradition sehr schön, sodass ich daran anknüpfen wollte. Und zum Anderen hat sich das aus meinem queeren Umfeld ergeben. Da bekam man sehr schnell einen Tuntennamen. Also habe ich offensiv reagiert und mir selbst einen zugelegt. Logorrhöe wird von der Psychologie als eine krankhafte Geschwätzigkeit definiert. Ich hoffe, dass ich meinem Namen in diesem Interview nicht zu viel Ehre bereite. (lacht)</p>
<p><strong>Was hat es damit auf sich?<br />
 </strong><br />
 Mir wurde früher in der schwulen Politszene gern vorgeworfen, dass ich ohne Punkt und Komma rede. Dieses Pseudonym war quasi eine ironische Nach-Vorne-Verteidigung. Gerade im universitären Kontext ist das ein Name, der den Status von akademischer Rede…nun ja, vorsichtig hinterfragt.</p>
<p><strong>Kannst du dich an das erste Mal erinnern, als du im Fummel unter Leute gegangen bist?</strong></p>
<p>Das war auf einer schwul-lesbischen Faschingsparty in München, kurz nach meinem Coming-Out. Allerdings fällt mir gerade ein, dass ich mich auch schon früher, so mit zwölf, als Prinzessin verkleidet habe.</p>
<p><strong>Wie haben deine Eltern denn darauf reagiert?</strong></p>
<p>Meine Mutter hat das unterstützt. Das war, glaube ich, sogar ihre Idee. Ich weiß nicht genau, was sie mir damit mitteilen wollte. (lacht)</p>
<p><strong>Und wie war das, als du später auch im Alltag Fummel getragen hast?</strong></p>
<p>Da war sie sehr geschockt. (lacht) Vielleicht hat sie sich auch Vorwürfe gemacht. Mein Bruder fand das Ganze recht spannend, der konnte von allen damit am besten umgehen. Meine Eltern hatten daran aber schon sehr zu knabbern.</p>
<p><strong>Gerade siehst du aber so gar nicht nach Tunte aus.</strong></p>
<p>Nein, die meiste Zeit laufe ich nicht mehr als Tunte herum.</p>
<p><strong>Warum nicht?</strong></p>
<p>Es ist einfach anstrengend. Denn als Tunte kreiere ich Unsicherheit bei meinem Gegenüber, weil es mich nicht einordnen kann. Wenn man das tagtäglich macht, ist das sehr kraftraubend. Außerdem bin ich ja nicht nur Lore Logorrhöe, ich habe ja auch meine Identität als schwuler Mann und möchte auch so gesehen werden.</p>
<p><strong>Ist das im universitären Bereich nicht weniger kompliziert?</strong></p>
<p>Die Menschen hier halten sich für zivilisiert und gebildet. Sie haben den Anspruch offen gegenüber Neuem zu sein. Deshalb ist es für mich leichter, hier Tunte zu sein, als in der bayrischen Provinz, in der ich aufgewachsen bin. Aber das hat auch Grenzen. Es gibt noch keine Tunte, die als Tunte einen Lehrstuhl inne hat und Vorlesungen im Fummel hält. Ich glaube auch, dass das ein starkes Hemmnis für die Karriere wäre.</p>
<p><strong>Du gibst selbst auch Seminare. Hast du das denn schon im Fummel gemacht?</strong></p>
<p>Zu einigen Sitzungen bin ich im Fummel gekommen, ja.</p>
<p><strong>Und wie haben die Studierenden darauf reagiert?</strong></p>
<p>(schmunzelt) Etwas überfordert. Ich bin zu einer Sitzung zu Judith Butlers Gender Trouble und der Passage, in der sie sich über Drag auslässt, im Fummel gegangen. Ich wollte vorschlagen, das an meiner eigenen gender performance zu diskutieren. Aber da gab es große Zurückhaltung.</p>
<p><strong>Du selbst forschst im Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ vor allem zu queeren Identitäten und Inszenierungen. Spürst du dieses Unbehagen auch in Bezug auf deine Forschung?<br />
 </strong><br />
 An manchen Stellen würde ich mir mehr Auseinandersetzung wünschen. Es gibt bestimmte Strategien, solche Themen abzuwehren oder zu ignorieren. Das ist einer der Gründe, die mich müde gemacht haben, im universitären Raum mit Fummel zu intervenieren. Ich dachte es würde reichen ein bestimmtes Wahrnehmungsbild zu stören, um die Menschen dazu zu bringen, über Geschlechterrollen zu diskutieren. Das war aber nicht so einfach, wie ich es mir erhofft hatte.</p>
<p><strong>Wie sehen diese Strategien aus?<br />
 </strong><br />
 Es ist sehr schwierig an deutschen Universitäten mit solchen Themen Karriere zu machen. Außerdem gibt es keine institutionalen queer studies, und auch die gender studies sind meiner Meinung nach unterrepräsentiert. In den wenigen Instituten, die es gibt, wird die Zweigeschlechtlichkeit und die Etablierung von queer theory nur teilweise in Frage gestellt. Insgesamt gibt es also keinen gesicherten institutionellen Ort, um diese Themen an einer Universität zu erforschen und zu lehren.</p>
<p><strong>Draußen an deinem Türschild steht dein Pseudonym nicht geschrieben. Wieso?<br />
 </strong><br />
 Ich gebe es immer wieder an und trotzdem wird es ignoriert. In gewisser Weise ärgert mich das. Ich möchte jetzt auch nicht, dass es mir als Wichtigtuerei ausgelegt wird, dass ich mir einen barocken Namenszusatz leiste. Aber ich hätte es als schöne Geste empfunden, das an die Tür zu schreiben.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-4447" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/24/dont-gender-me-baby/volkerlore/"><img class="alignnone size-large wp-image-4447" title="volkerlore" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/volkerlore-470x407.jpg" alt="" width="470" height="407" /></a></p>
<p><strong>Ist das nicht ziemlich borniert?<br />
 </strong><br />
 Nein, darüber wird eher ausgedrückt, dass dieses Tuntenpseudonym etwas Witziges ist. Dass es, wenn es um den harten Alltag geht, um ernsthafte Dinge wie Namensschilder an Bürotüren, vernachlässigt werden kann. Bei anderen Namenszusätzen, wie zum Beispiel einem Adelstitel, gibt es eine größere Bereitschaft, das als ernsthaft anzuerkennen.</p>
<p><strong>Zum Schluss: Was sollte sich an der FU dahingehend noch verändern?<br />
 </strong><br />
 Einmal wäre das natürlich eine stärkere Verankerung von queer studies. Und was den Umgang mit Geschlechterdiversität betrifft, wäre mein Wunsch, dass es auf Formularen die Möglichkeit gibt, sich nicht auf eins von beiden Geschlechtern festzulegen. Und vielleicht, dass man auch endlich ein Tuntenpseudonym angeben kann.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/dont-gender-me-baby/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Hypokratische Verhältnisse</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/hypokratische-verhaltnisse/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/hypokratische-verhaltnisse/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Jan 2011 16:13:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carolin.benack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[Furioser Kommentar]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=4376</guid>
		<description><![CDATA[Weniger als die Hälfte der Studienanfänger fühlt sich an der FU gut betreut. Dies berichtet die Berliner Zeitung unter Berufung auf eine aktuelle Studie, die unter 3000 Dahlemer Studenten durchgeführt wurde. Ein wenig überraschender Befund, findet Nils Altland.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Weniger als die Hälfte der Studienanfänger fühlt sich an der FU gut betreut. Dies berichtet die Berliner Zeitung unter Berufung auf eine aktuelle Studie, die unter 3000 Dahlemer Studenten durchgeführt wurde. Ein wenig überraschender Befund, findet Nils Altland.</strong></p>
<p><strong></strong><br />
<a rel="attachment wp-att-4377" href="http://www.furios-campus.de/2011/01/24/hypokratische-verhaltnisse/montagskommentar-7/"><img class="alignnone size-medium wp-image-4377" title="montagskommentar" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2011/01/montagskommentar-300x183.jpg" alt="" width="450" height="275" /></a></p>
<p>Wer einmal an der Freien Universität in einem der überfüllten Hörsäle Platz genommen hat, der weiß: Diese Studie bestätigt lediglich, was für Studenten an der Freien Universität längst Alltag geworden ist — volle Veranstaltungen und überforderte Dozenten. Von individueller Betreuung ist da nur zu träumen, die Illusion vom Professoren einmal mit Namen angesprochen zu werden, wie es etwa in den Niederlanden gang und gäbe ist, längst in den Wind geschossen.</p>
<p>Vielleicht liegt es ja an den hohen Erwartungen, die Studienanfänger haben, nachdem sie frisch aus der Schule an die Uni kommen? Aber dann gleich individuelle Betreuung verlangen, wo sie in Berlin noch nicht einmal Studiengebühren zahlen müssen? Dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, beweist das kaum bessere Abschneiden im Bereich Betreuung der gebührenpflichtigen Unis, wie ein Blick auf das Zeit Hochschul-Ranking verrät.</p>
<h4>Ertrunken in der Hausarbeitenflut</h4>
<p>Die Hochschulen – der nackte Finger zeigt auf die FU – befinden sich in einem Teufelskreis, soviel ist klar. Denn die Studie macht auf ein weiteres Problemfeld aufmerksam: Enormer Prüfungsdruck bei einer Betreuung tendierend gegen null. Im verschulten Bachelorsystem sind je nach Studienordnung drei bis vier umfangreiche Klausuren und mehrere Hausarbeiten zu Semesterende ganz normal. Und auch im Semester wird geprüft. Wie sonst, wenn nicht mit geballtem Klausurenfeuer, sollen die vielen Leistungen in den ohnehin schon knapp bemessenen sechs Semestern kontrolliert werden, erwidert darauf das Lehrpersonal. Die Zeit der faulen Studenten ist lange vorbei! Die Zeit eines angemessenen Betreuungsschlüssels noch nicht gekommen.</p>
<p>So fällt das Klausurenschreiben ungleich schwerer, wenn – wie es nicht selten der Fall ist – kein begleitendes Tutorium angeboten wird. Es ist inzwischen Usus auf die Note einer pünktlich abgegeben Hausarbeit noch zu warten, während die nächste schon wieder in der Produktion ist – hypokratische Verhältnisse.</p>
<p>Die Arbeit schlummert unter einem hohen Stapel auf irgendeinem Schreibtisch, während die Dozentin in Sofia oder Ilmenau an ihrer Dissertation sitzt, weil ihr befristeter Vertrag längst abgelaufen ist. Das ist alles andere als förderlich für die Kommunikation mit der Studierendenschaft. Und auch die gute alte Sprechstunde ist längst auf der Strecke geblieben. Keine guten Voraussetzungen für eine durchdachte und langfristig angelegte Stundenplanung.</p>
<h4>Hoffnungsschimmer?</h4>
<p>Doch es gibt auch Grund zu Hoffen: Laut der Studie sind zwei Drittel der Studenten zumindest mit dem Aufbau, Struktur und Umfang des Lehrangebots an der Freien Universität zufrieden – individuelle Interessen kommen jedoch auch hier zu kurz, nach Meinung von 62 Prozent der Befragten. Zeit über den Tellerrand des eigenen Fachs hinauszusehen bleibt da selten.</p>
<p>Auch fast zwei Jahre nach dem ersten Bildungsstreik sieht die Situation noch alles andere als rosig aus. Und viele haben sich damit abgefunden.Tatsächlich aber hat die Lehre an der Exzellenz-Universität immer noch nicht den Stellenwert eingenommen, den sie eigentlich verdient.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2011/01/24/hypokratische-verhaltnisse/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Fuck Off!</title>
		<link>http://www.furios-campus.de/2010/11/30/fuck-off/</link>
		<comments>http://www.furios-campus.de/2010/11/30/fuck-off/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 30 Nov 2010 00:01:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>interfilip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.furios-campus.de/?p=3605</guid>
		<description><![CDATA[Fuck Off! Von Simon Grunert]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fuck Off! <em>Von Simon Grunert</em></strong></p>
<p><strong><em><a rel="attachment wp-att-3615" href="http://www.furios-campus.de/2010/11/30/fuck-off/stinki-2/"><img class="alignnone size-full wp-image-3615" title="stinki" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2010/11/stinki1.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a></em></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Was uns dieser erzürnte OSI-Student mit der kruden Geste sagen will, ist offensichtlich: Google, du Datenkrake, hau bloß ab! Kein weiteres Vordringen in meine Privatsphäre – my Uni is my Castle! Der Sturm der Entrüstung ob der marodierenden Google-Autos erweckte den Anschein, als fühlte die Mehrheit der Deutschen wie unser wütender Politikwissenschaftler. Dabei nutzten nur drei Prozent aller deutschen Haushalte die Möglichkeit, Einspruch zu erheben und ihre Fassade verpixeln zu lassen. Daher überrascht es nicht, wenn Google meldet, dass Street View in Deutschland von allen Nationen die meisten Klicks bekommt. Letzte Woche dann die Nachricht von den Pro-Street-View-Guerillas, die verpixelte Fassaden mit Eiern beworfen haben. Wenn Google-Nerds zu Eierwerfern werden, kann irgendwas nicht stimmen. Ein Riss geht durch Deutschland, die Fronten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Es ist Zeit Farbe zu bekennen: Ich bin ein Street View-Fan. Google ist cool, weil …</p>
<p>… Fliegen teuer ist und Studenten arm sind. Der virtuelle Spaziergang durch Haight-Ashbury oder zum Eiffelturm direkt vom Schreibtisch aus ist deutlich erschwinglicher.</p>
<p>… man nie weiß, was einem an der nächsten Ecke begegnet. Man stolpert durch ein wahres Kuriositätenkabinett. Unfälle, urinierende Menschen und Taucher in der Vorstadt sind nur einige der Dinge, die die Zeit zwischen den Vorlesungen verkürzen.</p>
<p>… Privatsphäre eh neu überdacht werden muss. Auf Facebook geben die Leute freiwillig längst viel mehr preis, als Google nun sichtbar macht. Die Hysterie über keusche Fassadenbilder ist maßlos überzogen.</p>
<p>Auch Ästhetik spielt eine Rolle: Verpixelte Häuser sind hässlich, ruinieren das ganze Straßenbild. Dass ich selbst hinter unkenntlich gemachten Mauern residiere, stimmt mich traurig. Steckt dahinter der Schrebergärtner, der seinen ungemähten Rasen vor fremden Blicken schützen will? Ich erhebe Einspruch gegen den Einspruch! Entpixelt mich!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.furios-campus.de/2010/11/30/fuck-off/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

<!-- This site's performance optimized by W3 Total Cache. Dramatically improve the speed and reliability of your blog!

Learn more about our WordPress Plugins: http://www.w3-edge.com/wordpress-plugins/

Page Caching using disk (user agent is rejected)
Database Caching 19/35 queries in 0.028 seconds using disk

Served from: userpage.spline.inf.fu-berlin.de @ 2012-02-05 02:42:01 -->
