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	<title>FURIOS Online &#187; FURIOS 01</title>
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	<description>Studentisches Campusmagazin an der FU Berlin</description>
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		<title>Der AStA der anderen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 22:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[FURIOS 01]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[asta]]></category>
		<category><![CDATA[stupa]]></category>

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		<description><![CDATA[Der AStA ist ein großer Unbekannter an der FU. Kaum einer kennt seine Mitglieder und Ziele. Das ist paradox: Denn der Allgemeine Studierendenausschuss soll die Interessen der Studenten vertreten. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der AStA ist ein großer Unbekannter an der FU. Kaum einer kennt seine Mitglieder und Ziele. Das ist paradox: Denn der Allgemeine Studierendenausschuss soll die Interessen der Studenten vertreten. Auf der Suche nach einem FU-Phantom.<span id="more-86"></span></strong></p>
<p><strong><img class="alignnone size-large wp-image-89" title="AStA-Stern zum selber basteln" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2008/12/asta-470x285.jpg" alt="AStA-Stern zum selber basteln" width="470" height="285" /></strong></p>
<p><em>von Laurence Thio</em></p>
<p>Das Kommando kommt von links: Fünf Studenten klopfen an die Fenster des Henry-Ford-Baus, versuchen ein Banner aufzuhängen. Polizisten werfen die Studenten zu Boden und führen sie ab. Empörtes Gejohle: »Ihr seid nur gut bezahlte Hooligans!«</p>
<p>Ein verhangener Novembermorgen, die Studentenvertretung veranstaltet eine Demo zur Immatrikulationsfeier mit Horst Köhler. Es ist eine der wenigen Gelegenheiten den AStA der Freien Universität kennen zu lernen. Der AStA ist die Regierung der Studenten und wird jährlich vom Studierendenparlament (Stupa) gewählt. Vergleichbar ist das mit Bundesregierung und Parlament – nur auf Universitätsebene. Die AStA-Koalition stützt sich auf eine absolute Mehrheit. Darunter sind die Listen der »Unabhängigen Antifaschistischen Linken«, »Langzeitstudis gegen Studiengebühren« und ein Großteil der Fachschaftsinitiativen (FSI). Die Wahlbeteiligung lag zuletzt bei 11,7 Prozent.</p>
<p>Zurück zum AStA-Protest: Ein Redner prangert den neoliberalen Umbau der FU an. Die »Imma-Feier« wird kritisiert. In diesem Jahr konnten nur Erstsemester teilnehmen, die ihre Daten einschickten. Ungefähr 60 Studenten haben sich vor dem Henry-Ford-Bau versammelt. Sie tragen dunkle Kapuzenpullover, gefärbte Haare, Dreadlocks und Piercings. Die Demo gleicht einem folkloristischen Ritual aus »Volxküche«, Flyern und antiquierten »Deutschland muss sterben«-Gesängen.</p>
<h2>AStA – Ein roter Streichelzoo?</h2>
<p>»AStA?«, fragt Anna, Mathestudentin, wenige Stunden später in der Silberlaube. »Ich weiß nicht, was das ist. Ich glaube es hat mit Studenten zu tun.« Geschichtsstudent Max glaubt, der AStA mache gute Sachen, »ist aber durch seine kämpferische Art abschreckend«. Politikstudent Lukas reagiert belustigt: »Das ist doch dieser rote Streichelzoo mit den linken Spinnern, oder?«</p>
<p>Unwissen und Skepsis schlägt der Studentenvertretung auf dem Campus entgegen. Auf seiner Internetpräsenz schreibt der AStA, er regle »die laufenden Geschäfte der Studentenschaft«. Dafür hat er 13 verschiedene Referate, unter anderem Kultur-, AusländerInnen-, Frauen-, und Sozialreferat. Der AStA bietet kostenlose Beratungen zu Bafög, Fachwechsel und Rechtsfragen an. Jährlich verfügt er über ein Budget von ungefähr 700 000 Euro, jeder Student zahlt 15 Euro pro Jahr über den Semesterbeitrag. Wo das Geld genau bleibt, weiß jedoch keiner so recht. Nicht einmal alle AStA-Referenten. Die Öffentlichkeitsarbeit des Studierendenausschuss ist karg, die Website wird selten aktualisiert. Namen, geschweige denn Fotos, der Referenten sind nicht einsehbar. Der AStA ist ein Phantom. Das Hausmagazin »Out of Dahlem« erscheint unregelmäßig, Presseanfragen – auch die von FURIOS – wurden teilweise ignoriert oder abgelehnt. Zwei AStA-Referenten dementierten nach Interviews ihre Aussagen. Auf die Frage: »Wer seid ihr?« konnte und wollte der AStA offenbar nicht antworten.</p>
<p>»Wir fordern eine konsequente Umsetzung von demokratischen Standards«, sagt Johannes Gamer von der Juso-Hochschulgruppe. Die Opposition aus Jusos, Liberaler Hochschulgruppe, Grüner Hochschulgruppe und der Linken bemängelt seit Jahren fehlende Transparenz. »Der AStA ist dem Stupa Rechenschaft schuldig, doch wir können uns keinen Einblick verschaffen«, sagt Carsten Hoffmann von den Grünen. Besonders gilt das für die Finanzen: Ein Haushaltsausschuss, der kontrollieren könnte, existiert.  Aber »der hat noch nie getagt«, gibt ein AStA-Mitglied zu, das ungenannt bleiben möchte. Eva Friesinger, Mitarbeiterin im AStA-Finanzreferat, stellt klar: »Der Berliner Rechnungshof, die Universität und ein externer Haushaltsprüfer kontrollieren unseren Haushalt regelmäßig. Der Haushaltsplan wird zudem jedes Jahr dem Stupa zur Beschlussfassung vorgelegt.«</p>
<h2>Der 5-Minuten Haushalt</h2>
<p>Da sitzen sie, im Block und in den ersten Reihen: die AStA-Verbündeten. Mitte November findet die 27. Stupa-Sitzung statt. Im hinteren Drittel des Raums sitzen die Jusos, ganz hinten haben sich die Liberalen verschanzt. Wer ist gegen den Haushaltsplan? Die  Opposition hebt die Arme, doch gegen die Dreiviertelmehrheit der AStA-Koalition ist sie machtlos. Die Abstimmung braucht lediglich fünf Minuten. Beifällige Tischklopferei folgt. Die längste Zeit wird über ein Verbot von Thor-Steinar-Kleidung in studentischen Räumen an der FU diskutiert. Wer denn an der FU mit Naziklamotten herumläuft? Bisher wurde ein Handwerker in der AStA-Villa entdeckt.</p>
<p>Gamer von den Jusos fasst seine Kritik zusammen: »Der Haushaltsausschuss ist mit Mitgliedern der Koalition besetzt  – kein einziges Oppositionsmitglied ist dabei«. Hinzu kommt ein »allgemeiner Deckungsvermerk«, durch diesen können alle Posten im Haushalt nachträglich miteinander vertauscht werden. »Unter einer Prüfung stelle ich mir etwas anderes vor.« Es gibt die wildesten Spekulationen darüber, wohin die Gelder fließen. Eine Mutmaßung ist, dass linke antifaschistische Projekte in Kreuzberg finanziert werden. Flüge von Referenten in den Irak zum Aufbau eines Studentenparlaments sowie Telefonrechnungen von 4 000 Euro nähren weitere Verdächtigungen. Nadja von der FSI Bio-Chemie, kritisiert den Umgang mit dem Stupa: »Die Koalition stöhnt bei unseren Anträgen laut oder lacht uns sogar aus.« Georg Frankl von der Linken ergänzt: »Wir werden mit unglaublicher Arroganz abgefertigt.«</p>
<h2>Hochschulpolitik ist Elitenpolitik?</h2>
<p>Verstehen lässt sich die Studentenvertretung vielleicht nur, wenn man drei Dinge berücksichtigt: Erstens, der AStA ist in sich gespalten. Die meisten Mitglieder stammen politisch aus dem linken Spektrum, doch die Unterschiede und Widersprüche sind groß. Zweitens, der AStA ist basisdemokratisch organisiert: Mitglieder der Fachschaftsinitiativen (FSIs) und der Studentenvertretung sind gleichberechtigt. Der AStA sieht sich nicht als Vertretung der Studenten, er lehnt das Repräsentationsprinzip ab. Deshalb gibt es nur formell einen Vorsitzenden und keine Namen auf der Website. Philipp Karstaed von der Liberalen sieht auch eine »Angst vor Kritik an Einzelpersonen.« Wenn alle verantwortlich sind, ist es letztlich niemand. Ein dritter Punkt, der erklärt, weshalb der AStA fernab der meisten Studenten ist, liegt in der Vergangenheit:<br />
Es ist das Jahr 2005. Der FU-AStA sitzt auf der Anklagebank. Sein Vergehen: Er hat sich allgemeinpolitisch geäußert. Auf seiner Website wurde ein Link zu einer Demo gegen die Agenda 2010 entdeckt. Laut Gesetz darf die Studentenvertretung sich nur hochschulbezogen äußern. Der AStA wird zu 15 000 Euro Strafe verurteilt. Verstößt er ein weiteres Mal dagegen, können Ordnungsgelder bis zu 250 000 Euro geltend gemacht werden. »Seitdem sind sie paranoid. Begeben sich immer stärker in die Isolation!«, erklärt Stefan. Der Studierendenausschuss wurde zum Phantom. Stefan ist AStA-Insider. Damit das so bleiben kann, hat Stefan in Wirklichkeit einen anderen Namen. Das Urteil hat sie schwer getroffen, dem Selbstverständnis nach war der »AStA immer ein Gremium, das allgemein Politik macht.« Es gäbe viele in der Studentenvertretung, die Hochschulpolitik als Elitenpolitik sähen: Politik für die oberen zehn Prozent der Gesellschaft. »Das wird abgelehnt und folglich auch nur in geringem Maße betrieben«, berichtet Stefan. Momentan sitzt der Studierendenausschuss durch die breite Unterstützung der Fachschaftsinitiativen fest im Sattel. Ewig wird es so nicht weitergehen, die Zeit läuft gegen den AStA. Das Bewusstsein dafür scheint der Gruppe noch zu fehlen. Es gibt Studenten im AStA und in den FSIs, die Widersprüche, Intransparenz und Verstöße gegen die eigenen Ideale sehen. Doch sie halten still, weil es im Prinzip um eine gute Sache geht. Stefan diagnostiziert: »Früher oder später wird es durch pragmatischere Bachelor/Master-Studenten in den FSIs einen Mentalitätswechsel geben – und dann bricht möglicherweise die Koalition!« Wer dann Phantomschmerzen hat, wird sich zeigen.</p>
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		<title>Nicht nur das, was man denkt</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 22:00:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[FURIOS 01]]></category>
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		<category><![CDATA[christen]]></category>
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		<description><![CDATA[Die einen versuchen es mit Gitarre und quietschbunten Plakaten. Andere sprechen über Jesus, Sex und ’68. An kaum einer Universität haben es Christen so schwer, auf sich aufmerksam zu machen. Eine Suche.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die einen versuchen es mit Gitarre und quietschbunten Plakaten. Andere sprechen über Jesus, Sex und ’68. An kaum einer Universität haben es Christen so schwer, auf sich aufmerksam zu machen. Eine Suche.<span id="more-42"></span></strong></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-65" title="PopArt" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2009/05/kreuzschuss.gif" alt="kreuzschuss" width="420" height="315" /></p>
<p><em>von Anna Klöpper und Tin Fischer</em></p>
<p>Christliche Rhetorik kann die Freie Universität. Wenn Präsident Lenzen ihre Geschichte erzählt, meint er eigentlich die Weihnachtsgeschichte. So wie Gott als schwaches Kind in einer Futterkrippe auf die Welt gekommen sein soll, soll die FU von Studenten auf einem einfachen Tischchen gegründet worden sein, um die Wissenschaft von der Diktatur im Osten zu befreien.</p>
<p>Trotzdem tut sich kaum eine Universität mit der Religion so schwer wie die FU. Vor einem Jahr hatte das Präsidium offiziell zu einem Semestergottesdienst eingeladen. Prompt reagierten einige Professoren mit Protest. Eine zweite Einladung gab es nicht. Dabei ist ein solcher Gottesdienst an anderen Universitäten nur normal. Warum die Verklemmtheit?</p>
<h2>Wo ist Gott, Herr Bongardt?</h2>
<p>Wir beginnen unsere Recherche bei Herrn Bongardt, Professor für Ethik an der FU und fragen gleich mal grundsätzlich: Wo ist Gott an der Freien Universität? Der differenziert: »Die FU hat von ihrer Gründungsgeschichte her klare Signale gesetzt, dass sie eine Universität ist, in der zwar die Theologie oder die Religionswissenschaft als Reflexion über Religion ihren Platz hat. Was jedoch keinen Platz hat, ist eine direkte Aktivität von Religionen.« Was an Universitäten im angelsächsischen Raum keine Seltenheit ist, findet man hierzulande nicht. Einen Raum fürs Gebet, das gibt es an der FU nicht. »Und das«, betont Bongardt, »sollte auch so bleiben.«</p>
<p>Er hat den Einfluss zu spüren bekommen, den die Kirche nichtsdestotrotz an deutschen Universitäten hat. Während Hochschulen in Frankreich oder im angelsächsischen Raum Theologie als Studienfach unabhängig von der Kirche anbieten, haben in Deutschland die Kirchen ein Mitspracherecht bei der Besetzung von Professuren. Ohne ein nihil obstat (»es steht nichts entgegen«) durch die katholische Kirche kann kein katholischer Theologe an einer Uni lehren. Lebenswandel, Forschung und Lehre des Professors müssen aus kirchlicher Sicht stimmen.</p>
<p>Michael Bongardt ist eigentlich katholischer Theologe. Nur: So nennen darf er sich nicht mehr. Der ehemalige Priester hat 2003 geheiratet. Sein Recht, als Theologe zu lehren, hat er damit aus Sicht der katholischen Kirche eingebüßt. Also musste an der FU nach einem neuen Aufgabenfeld für den Professor gesucht werden. Das Institut für Ethik wurde gegründet. Bongardt bildet heute Ethiklehrer an der FU aus.</p>
<p>Eine Frage haben wir noch, bevor es weitergeht zur Studentenmission SMD: Haben wir eigentlich Gründe, an Gott zu glauben, Herr Bongardt? »Zwingende Gründe gibt es nicht«, sagt er zum Abschied. »Aber der Glauben an Gott denkt vom Menschen oft größer als der Humanismus.«</p>
<h2>Die Mission im Namen</h2>
<p>»Wer gläubig ist, muss dumm sein«, habe ihr mal jemand gesagt, erzählt uns Rebekka von der FU-Gruppe des SMD. Da sei ihr dann auch nichts mehr zu eingefallen. »Ein wichtiges Anliegen der SMD ist«, erklärt sie, »dass der Glaube nicht anfängt zu wanken, sobald man nachdenkt. Dass es einen beispielsweise in der Naturwissenschaft einfach faszinieren kann, wie Gott es gemacht hat.«</p>
<p>Rebekka gehört zu den studentisch organisierten Christen an der FU, die sich auf die Gemeinden der evangelischen und katholischen Kirche, die überkonfessionelle SMD sowie eine ad hoc organisierte Bibelgruppe verteilen. Letztere macht vor allem mit Gitarre und quietschbunten Plakaten auf sich aufmerksam.</p>
<p>»Wir würden an der Uni gerne präsenter sein. Aber da kommt uns die Univerwaltung nicht entgegen«, erklärt Rebekkas Kollege Falko – »religiöse, terroristische oder sexistische Inhalte« würden von der FU nicht geduldet, sagte uns Studentenpfarrer Thomas Treutler einmal halb ironisch. Was hätte denn die FU von euch, fragen wir die SMD-Studenten. Bei Rebekka haben Antworten immer eine schlichte Eleganz: »Mehr Freiheit.«</p>
<p>Die SMD, die es seit bald 60 Jahren in ganz Deutschland gibt, hat die Mission zwar im Namen und neue Mitglieder sind natürlich ein Thema. Nur, wenn man Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, muss man auch darauf achten, wie die Strategien bei Außenstehenden ankommen, meint Rebekka. Lächerlich machen wolle man sich nun eben auch nicht.</p>
<p>Zumindest haben die Gruppen und Gemeinden ein reges Veranstaltungsprogramm. Im Caledonian-Café in der Silberlaube kommt der Referent des Diskussionsabends zum Thema »Sex« zwar viel zu spät, die Stimmung kann das aber trotzdem nicht trüben. Fast glaubt man, in eine vorweihnachtliche WG-Party geraten zu sein – nur dass die Gäste die Flasche Wodka im Kühlschrank noch nicht entdeckt haben. Von Vertrauen und Hingabe ist die Rede. An Gott, wie auch an einen geliebten Menschen. Ist Sex wirklich nur eine Sache der stimmigen Biochemie – oder vielleicht doch »Ausdruck einer Sehnsucht, die über sich selbst hinausweist, zu einem Ort der bedingungslosen Liebe, zu Gott«, wie der Doktorand Matthias Clausen seinen Zuhörern nahelegt.</p>
<p>Die lümmeln sich in den Sofas und nippen an ihren Plastikbechern. Und schnell ist man wieder bei ganz praktischen Themen: Erasmus, Studienorganisation, Master. Schließlich ist da mehr als nur der Gedankenanstoß, den die jungen Christen in den Studienalltag einbringen wollen. »Ich bin oft etwas befremdet«, sagte uns Bettina, »wie die Leute an der Uni miteinander umgehen. Glauben heißt beispielsweise auch, dass man versucht, dass man ein offenes Ohr für Leute um einen herum hat.«</p>
<h2>Die neue Verstörungsquelle?</h2>
<p>Dann stolperten wir über die Vermutung, dass das Christentum als neue »Verstörungsquelle« wahrgenommen werde. Verstörungsquelle? Wieder? Warum? Und gilt das auch für die FU, haben wir uns gefragt.</p>
<p>Eva Quistorp ist laut Wikipedia »Aktivistin der Friedens-, Frauen– und Umweltbewegung« und ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments. Heute ist sie zu Gast bei der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG). Die »revolutionären 68er« und die ESG sind das Thema. Quistorp weiß darüber drei Stunden lang lebhaft zu erzählen. Von ihrem Studentenpfarrer an der FU, bei dem man bereits Mitte der 60er Jahre Adorno und Horkheimer als Raubdruck gelesen habe, noch bevor sie an der Universität thematisiert worden seien. Dass damals schon mal die Bemerkung gefallen sei, die ESG sei radikaler als der SDS. »Wir hatten Zugang zur Kirche, waren wortgewandt und konnten im Streit vermitteln«, erzählt sie. »Wir waren radikal, ohne ideologisch zu sein.« Vom Theologen Gollwitzer ist die Rede, der die Studierenden zu verstehen versucht, aber auch immer wieder zur Vernunft gerufen habe. Und schließlich erzählt sie von jenem Christen, der seinerzeit die Studenten verzückte: Dem »Rudi«, dem Dutschke, dieser vielleicht christlichen Mischung aus unbeugsamer Zuversicht und einer nach außen manchmal unglaublichen Humorlosigkeit.</p>
<p>Was ist von diesem Erbe geblieben? Man habe eine soziale Verpflichtung, ohne sich gleich als politisch zu begreifen, meint jemand. Dorian, Moderator des Abends, betont aber auch, dass man mit dem ESG-Banner gegen Schäubles Datensammeln demonstriert habe, dass der Hahn im Logo rot sei, gegen Unterdrückung und Unrecht krähe und der Tee aus fairem Handel stamme.</p>
<h2>Kritik an der Kritik</h2>
<p>Sorgt heute die Theologie für die nötige Irritation im Wissenschaftsbetrieb? Am Institut für evangelische Theologie gibt uns Dr. Wüstenberg eine Antwort. Der ist da etwas vorsichtiger, sieht die Theologie aber durchaus als »Stachel« im interdisziplinären Dialog der Wissenschaften – im positiven Sinn: »Als Möglichkeit, eine andere Perspektive anzubieten und Kritik an der Kritik zu üben«. Gilt das besonders an einer links-liberal geprägten Universität wie der FU? »Ich hoffe, dass man wahrnimmt, dass man sich etwas abschneidet, wenn man die evangelische Religion im zutiefst protestantisch geprägten Berlin einfach ausblendet.«</p>
<p>Fest steht: Sein Mini-Institut für evangelische Theologie wird geschlossen. Aus ökonomischer Sicht durchaus nachvollziehbar. Das protestantische Erbe Berlins wird an der HU, an der größten evangelisch-theologischen Fakultät Deutschlands, bestens gepflegt. Trotzdem, sagt Wüstenberg: »An einer freien Universität kann es ja nicht nur um die Frage einer Freiheit von, sondern muss es auch um die Frage einer Freiheit zur Religion gehen.«</p>
<h2>Christentum selbstbewusst</h2>
<p>Zum Schluss unserer Reise lernen wir noch Ben kennen. Auch er studierte an einer »Freien Universität«, der Liberty University in Virginia. Ironischerweise ist unser Namensvetter zugleich unsere Antithese: Die evangelikale »Liberty« wurde vom großen Prediger Jerry Falwell gegründet, stürmt jährlich die Top-10 der konservativsten Universitäten der USA und ist ein sicherer Hafen für Kreationisten. Können wir etwas von ihr lernen? Die extrem gute Betreuung der Studenten auch in spirituellen Belangen habe ihn umgehauen, erzählt uns Ben. »Dr. Falwell forderte uns auf, ›Champions for Christ‹ und die besten der Welt in unseren Gebieten zu sein.« Das hat uns dann doch nachdenklich gemacht. Wann hat einem jemand an der FU so viel Selbstbewusstsein mit auf den Weg gegeben?</p>
<p><em>Bild: PopArt in der Silberlaube: Mit ClipArt das Christentum verbreiten. Doch der Schein trügt: Jenseits quietschbunter Word-Plakate haben die Christen ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm.</em></p>
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		<title>Böser Zahn</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 22:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ewige Ehemalige]]></category>
		<category><![CDATA[FURIOS 01]]></category>
		<category><![CDATA[68er]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Eberhard Zahn]]></category>
		<category><![CDATA[NofU]]></category>

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		<description><![CDATA[Hans Eberhard Zahn hatte sich der Studentenbewegung in den Weg gestellt. Die 68er haben ihn gehasst. Wir haben ihn besucht. 

Von Björn Stephan

Zweimal saust das hölzerne Hämmerlein des Vorsitzenden nieder. Die letzten Gespräche verstummen in dem bis zum Bersten gefüllten Senatssitzungssaal des Henry-Ford-Baus. Die bedrohliche Spannung aber schwebt weiter über den penibel frisierten Häuptern der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hans Eberhard Zahn hatte sich der Studentenbewegung in den Weg gestellt. </strong><strong>Die 68er haben ihn gehasst. Wir haben ihn besucht. <span id="more-33"></span><br />
</strong></p>
<p><em>Von Björn Stephan</em></p>
<p><img class="size-medium wp-image-35 alignleft" title="Böser Zahn" src="http://www.furios-campus.de/wp-content/uploads/2009/05/20081110_mg_0775-200x300.jpg" alt="Böser Zahn" width="200" height="300" /></p>
<p>Zweimal saust das hölzerne Hämmerlein des Vorsitzenden nieder. Die letzten Gespräche verstummen in dem bis zum Bersten gefüllten Senatssitzungssaal des Henry-Ford-Baus. Die bedrohliche Spannung aber schwebt weiter über den penibel frisierten Häuptern der Kuratoriumsmitglieder. Nach ebenso langen wie kontroversen Diskussionen kommt es endlich zur Abstimmung. Die ersten Manschetten-umknöpften Hände recken sich zur Stimmabgabe in die Höhe, als plötzlich ein Sturm fauler Eier und Farbbeutel aus den Reihen der studentischen Zuschauer auf die Ordinarien niederbricht. Peinlich besorgt um die Reinlichkeit ihrer Anzüge suchen die Angegriffenen Schutz unter den Tischen und Stühlen. Nur einer versucht sich einen Weg durch die Geschosse der linken Aktivisten zu bahnen. Der Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeiter steigt auf einen Tisch und greift sich das Mikrofon: »Genossen, wenn ihr die Revolution machen wollt, müsst ihr besser zielen lernen! Werft hier hin«, ruft er auf seine Brust deutend. »Ich werde es wie einen Orden tragen!«</p>
<p>Geradezu beispielhaft wirkt diese Szenerie für die Assoziationen, die die Chiffre »68« in unseren Köpfen weckt: Aufbegehren, Tumulte und Proteste. Einzig der beißende Zynismus des Widerständlers fällt aus dem Rahmen. Dabei ist er charakteristisch für Hans Eberhard Zahn, der von sich selbst behauptet: »Ich war bei den Linken so verhasst, weil ich ihre Angriffe nie mit knirschenden Zähnen, sondern stets mit Ironie beantwortet habe. Die konnten ja nie über sich selbst lachen.« Wer ist dieser Mann, der als einer der Lieblingsfeinde der 68er an der FU galt?</p>
<p>Auf Spurensuche in seiner Schöneberger Wohnung. Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. Staubmoleküle tanzen im schräg einfallenden Sonnenlicht. Die antiquiert wirkenden Möbel atmen die Luft der sechziger Jahre. Ganz anders der Hausherr. Man begegnet einem rüstigen, aufgeschlossenen Herrn, mittlerweile 80, der mit großer Gelassenheit auf seine Vergangenheit zurückblickt. Das ergraute Haar ist noch immer sorgfältig nach hinten gekämmt, wie auf einer Fotografie von 1960. Nur die altersmilden Züge gleichen nicht mehr dem kantig-verhärmten Gesicht, das einen dort noch unverwandt anstarrt, gezeichnet von sieben Jahren Stasi-Haft.</p>
<p>Rückblick: Wir schreiben das Jahr 1953. Der Psychologiestudent Zahn verweilt zu Besuch in Ost-Berlin und wird von der Stasi verhaftet. »Agententätigkeit« lautet der Vorwurf. Das Urteil: Sieben Jahre Haft für den 25-jährigen.</p>
<p>Ein Jahr nach seiner Entlassung nahm Zahn sein Studium wieder auf. Die FU glich nur noch in Ansätzen seinen Erinnerungen. »Als ich die Uni notgedrungen verlassen musste, herrschte ein anti-totalitärer Konsens. De facto gab es weder linksradikale noch rechtsradikale Studenten«, erinnert er sich. Nun aber entwickelte sich ein politischer Diskurs, drängende Reformen wurden angemahnt. Sozialisten und Kommunisten übernahmen die Meinungsführerschaft auf dem Campus.</p>
<p>Auch Zahn, mittlerweile wissenschaftlicher Assistent, hegte keinerlei Zweifel an dem Reformbedarf der Ordinarien-Universität. Der wachsende Einfluss linksradikaler Kräfte erregte jedoch seine größte Besorgnis. Schließlich waren es »SED-hörige Westsozialisten«, die auf dem Vormarsch waren und dem totalitären Unrechtsstaat das Wort redeten, der ihm sieben Jahre seines Lebens genommen hatte. Noch heute erklärt er deshalb im Brustton der Überzeugung: »Die gemäßigten Linken waren Gegner. Aber diejenigen, die die Sache der DDR vertraten, waren Feinde.«</p>
<p>Zu letzteren zählte er vor allem die Hochschulgruppe Aktionsbündnis von Demokraten und Sozialisten (ADS), die finanziell und organisatorisch maßgeblich von der SED unterstützt wurde. Für Zahn war klar: Dieser radikalisierte Teil der Studentenschaft, der in zahlreichen Gremien der Geistes– und Sozialwissenschaften vertreten war, betrachtete die FU nur als ein Experimentierfeld, als einen ersten kleinen Schritt, bevor die sozialistische Maske nicht nur der FU, sondern der gesamten bundesrepublikanischen Gesellschaft gewaltsam übergestülpt werden sollte.</p>
<p>Ein wenig ächzend erhebt sich Zahn von seinem gepolsterten Stuhl und greift zu einem an den Rändern vergilbten Ordner. Alles ist sorgfältig archiviert. Vorsichtig zieht er ein Papier heraus, auf dem in großen Lettern die Überschrift »Freie Universität unter Hammer und Sichel« prangt.</p>
<p>Unter diesem Titel firmierte ein Kampfesblatt an der FU, das den wachsenden kommunistischen Einfluss geißelte und erhebliches Aufsehen erregte. Herausgegeben wurde es von der <em>Notgemeinschaft für eine freie Universität</em> (NofU), einer überparteilichen Vereinigung von Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studenten, unter deren Dach sich die Gegner der 68er versammelten. Zu ihren Mitbegründern im Jahre 1969 gehörte auch Zahn, der schon bald eine führende Rolle einnahm. Er war das Gesicht der NofU und permanent in der Öffentlichkeit. An ihm schieden sich die Geister. So blieb er auch vor Schikanen nicht gefeit. Mehrfach türmte sich Abfall vor seinem Büro oder das Schloss war mit Klebstoff verschmiert; einmal flog ein faules Ei durch das Fenster. Doch Zahn, der Verhöre, Schlafentzug und Isolationshaft über sich ergehen lassen musste, ließ sich nicht einschüchtern. Wesentlich schwerer jedoch wogen für ihn die Vorwürfe, er sei ein »Faschist« und »Nazi«. Der bekennende Antikommunist betont noch heute: »Ich hätte mich auch gegen Rechtsextreme zur Wehr gesetzt, wenn es sie denn gegeben hätte. Ich verabscheue politischen Extremismus jeglicher Couleur.«</p>
<p>Aber auch die NofU und Zahn verstrickten sich im ideologischen Grabenkampf. Sie fertigten Namenslisten an, die vor im ADS aktiven Studenten warnten und an Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik versandt wurden. Unzählige Male ist Zahn bereits mit kritischen Fragen dazu konfrontiert worden. Ein wenig Verärgerung schwingt in seiner Stimme mit, als er sich rechtfertigt: »Wir haben das getan, was jeder Bürger hätte tun können für den Schutz unserer freiheitlichdemokratischen Grundordnung. Ich schäme mich nicht dafür, sondern ich bin stolz darauf.« Während er so spricht, flackert die alte Kampfeslust wieder in seinen Augen auf und für einen Moment kann man sich den Mann vorstellen, der einst Tische erklomm und den Farbbeuteln trotzte.<em></em></p>
<p><em>Bild: Hans Eberhard Zahn mit </em><em>Dreizack. Foto: Tin Fischer </em></p>
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