BERICHT: Wie man einen Witz versaut

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Bild: Martin Sonneborn (mitte) mit PARTEI-Spitzenkandidat Roland Zschächner (links).

DIE PARTEI-Hochschulgruppe präsentiert sich lustig. Doch unter der Fassade wird knallhart Politik gemacht. Besuch einer Wahlveranstaltung.

Von Désirée Verheyen und Laurence Thio

Der Witz ist alt, doch das Lachen will und will nicht aufhören. Martin Sonneborn probiert es mit einem Spruch, den er gern bringt: „Mit mir wird an der neuen Mauer kein Schießbefehl zu machen sein.“ Die Satire der PARTEI-Hochschulgruppe an der Freien Universität Berlin macht Spaß. Aber: Der Witz geht auf Kosten der Wähler.

Drei Kisten Bier stehen im Seminarraum in der Silberlaube, um die 50 Studenten sind gekommen. Viele scheinen einander zu kennen. Frühschoppen mit Sonneborn und dem Spitzenkandidaten Roland Zschächner: „Elite-Studenten fragen, Partei-Politiker antworten“.

Ein Promi für die PARTEI

Als einzige Liste ist es der Hochschulgruppe gelungen, einen Prominenten für ihren Wahlkampf einzuspannen: Martin Sonneborn (43) ist der ehemalige Chefredakteur des Satire-Magazins Titanic und die PARTEI ist sein Projekt. Sie ist erstmals 2004 aufgetaucht und persiflierte Politiker, Wahlkampf und natürlich die übrigen Parteien. Der Satiriker weiß auch fünf Jahre später, wie man einen Witz erzählt und „Baut die Mauer wieder auf!“ gehört zu seinem Standard-Repertoire. Die Arbeit der PARTEI-Hochschulgruppe kennt Sonneborn hingegen kaum: „Ich habe auf dem Weg hierhin die Plakate gesehen und denke, die machen gute Arbeit.“

Der AStA-Witz

Auf der Website der Hochschulgruppe steht: Die PARTEI sei ein „selbstständiger und unabhängiger Verband“. Als Ziele nennt die Gruppe „Rechtsstaat“, „Elitenbeförderung“ und „Tierschutz“. Alles nur Spaß! Spitzenkandidat Zschächner wirft in seinem Grußwort allerlei Forderungen in den Raum, unter anderem will er auch „einen parteinahen und transparenten AStA, der sich auf allen Ebenen für die Studierenden einsetzt.“ Gelächter – vielleicht war das Zschächners bester Witz an diesem Tag. Denn: Die PARTEI-Hochschulgruppe ist im AStA! Der Spitzenkandidat Roland Zschächner ist Referent für Internationalismus und Antirepression. Er ist langjähriges AStA- und Stupa-Mitglied. Zuvor kandidierte er auf verschiedenen anderen Listen, zuletzt auf „Roland’s Raucherliste“. Zschächner war an der umstrittenen Irak-Reise des Studierendenausschuss beteiligt. Die PARTEI-Hochschulgruppe erwähnt ihre AStA-Treue mit keinem Wort auf der Veranstaltung. Auf Nachfrage sagt Zschächner: „Ich bin AStA-Referent. Die Macht ruft“, so könne er der PARTEI dienlich sein.

PARTEI eine Tarnliste?

Für Johannes Gamer, Vorsitzender der Jusos an der FU, ist die Sache klar: „Die Hochschulgruppe der PARTEI unterscheidet sich rein gar nicht von anderen AStA-tragenden Listen.“ Viele Hochschulpolitiker der Jusos, Grünen, und Liberale bezeichnen sie als „Tarnliste“. Das ist eine Liste, die meist nur zu den Stupa-Wahlen aktiv wird und Sachziele vortäuscht. Burschenschaften tun es, der AStA tut es auch. Dreiste Wählertäuschung scheint an der FU ein probates Mittel zum Stimmenfang zu sein. Zschächner zum Vorwurf Tarnliste zu sein: „Das ist eine Lüge! Wir sind eine Liste von der PARTEI!” Dennoch: Auf der Website finden sich keine Namen des Vorstands, das Personal wechselt, hat schon für andere Tarnlisten kandidiert. Der Wähler denkt bei der PARTEI an ein Satire-Projekt, dass das bestehende System lächerlich macht, Politik nicht ernst nimmt. Die PARTEI-Hochschulgruppe macht witzige Wahlveranstaltungen mit Martin Sonneborn, aber ist sonst auf AStA-Linie und trägt mitunter Verantwortung für die Politik des Studierendenausschuss.

Lenzen abschlachten?

Den anwesenden Studenten ist das in diesem Augenblick herzlich egal: Fragerunde! Ein Student meldet sich und fragt: „Wenn ihr für Tierschutz seid, dann können wir Dieter Lenzen nicht abschlachten, oder?“ Die Frage erntet Lacher, Roland Zschächner wiegelt ab: Der Uni-Präsident könne unter Tierschutz und Quarantäne gestellt werden. Es folgen Fragen zu Mauerbau und Elitenförderung. Alles wird gekonnt satirisch von Sonneborn beantwortet. Den besten Witz hat dennoch die PARTEI-Hochschulgruppe geliefert: Sich selbst.

Externe Links:
- DIE PARTEI: Wahlkampf-Auftakt mit der PARTEI Hochschulgruppe
- FUwatch: Martin Sonneborn an der FU

2 Kommentare

  1. [...] weiteren Bericht über die Veranstaltung gibt es beim Kampfblatt der liberalen Hochschulgruppe (LHG FU): [...]

    Pingback von Wahlkampf-Auftakt mit der PARTEI Hochschulgruppe « die partei hochschulgruppe fu-berlin — 14. Januar 2009, 12:40

  2. [...] @ 9:49 Nach dem grandiosen Auftakt des Superwahljahres 2009 an der FU Berlin gibt es nach dem politischen Frühschoppen an der FU nun eine weitere Veranstaltung mit Martin Sonneborn in [...]

    Pingback von Martin Sonneborn kommt! …und bringt sein Partei-Buch mit « die partei hochschulgruppe fu-berlin — 18. Februar 2009, 23:09