PLAKATKRITIK: Basisdemokratischer Ganovenbund

geschichte

Subjektiv und schonungslos: Die Plakatkritik der FURIOS.

Diesmal: “ FSI (Kunst-)Geschichte - Liste Koser Nostra

Seltsam, wen die (Kunst-)Historiker für sich kämpfen lassen: einen tobenden Kindskopf im Knackistreifenshirt, der die linke Faust zum Kampf erhebt. Und dann schaut man ein zweites Mal hin und erkennt: Das ist Calvin! Calvin, der kleine Rotzlöffel aus dem Comic-Strip „Calvin und Hobbes“. Aber was macht er da?

In seiner bunten Comicwelt schmeißt er mit Essen um sich, donnert gegen die Wirtschaft und vergrault mittels Klugscheißerei und anderen Aufsässigkeiten seine Nächsten. Politisch betrachtet ist Calvin wohl ein Anarchist. Organisiert ist er lediglich für eine Sache: die Frauendiskriminierung. Aber die, das muss man ihm lassen, verfolgt er mit Nachdruck. Versammlungen seines selbst gegründeten Vereins „G.R.O.S.S.“ („Get Rid Of Slimy girlS“) verpasst er nie. Jetzt ist er, in der Rolle des linken Grölers, das Plakatmaskottchen der Historiker. Eine interessante Wahl.

Aber für was schreit Calvin eigentlich? Soll er den Slogan übertönen? Basisdemokratisch und parteiunabhängig – da zeigen sich die Historiker nicht gerade erfrischend anders. Schlimmer noch: ohne jeden Hauch krimineller Energie. Das enttäuscht. Man darf doch erwarten, dass die FSI was auf den selbstgewählten Namen hält. „Koser Nostra“ ist ja mehr als ein maues Wortspiel (die Historiker sitzen in der Koserstraße), immerhin eine Hommage an die „Kosher Nostra“, den jüdischen Verbrecherverein im New York des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Politisch irritierende Selbsteinschätzung zweifellos, etwas hybrisch obendrein. Und basisdemokratisch? Da hätte der Namenspate höchstens dreckig gelacht. Doch aller Schizophrenie zum Trotz bleibt die Verheißung großer Taten, kühler Brillanz und mondänen Glamours. Sex, Drogen und Jazz wären das Mindeste. Doch was kriegen wir stattdessen? Einen Rotzlöffel. Und der wirkt plötzlich, gemessen an diesen Erwartungen, ganz schön spießig.

Claudia Schumacher

1 Kommentar

  1. [...] 20, 2009 · Keine Kommentare Kritiken zu den Plakaten der großen Parteien haben aktuell mal wieder Hochkonjunktur. Kein Wunder: In Chemnitz wird Anfang Juni der Stadtrat gewählt, am gleichen [...]

    Pingback von Plakat-Kritik: Zwei Bälle für die FDP « Studieren in Chemnitz – Das Blog — 28. Mai 2009, 17:09