Beim Twittagessen | FURIOS Online
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Beim Twittagessen

Langsam kriegt er Zähne: Der Literaturblog des Master-Studiengangs „Angewandte Literaturwissenschaft“ wird ein Jahr alt. Ein Gespräch mit Franziska, Lina und Dennis, Gründer und Textchefs von „litaffin“.

Das Interview führten Carolin Benack und Eliese Berresheim.

Literaturbegeisterte Blogger an der FU: Dennis, Lina und Franziska. Foto: Cora-Mae Gregorschewski.

Ein Jahr ist es jetzt her, dass „litaffin“ online gegangen ist. Wie ist es dazu gekommen?

Franziska: Im Wintersemester 2009 hatten wir ein Seminar bei Nikola Richter, Autorin und Blogmacherin und sehr bewandert in der Onlinewelt, zu den Themen Internet, Social Media und Kultur im Netz. Dort haben wir das Blog konzipiert. Die Idee war, über unsere Leidenschaft zu schreiben, also die Literatur und was unser Studium mit sich bringt, nämlich den Literaturbetrieb, Autoren, Veranstaltungen, Menschen und Bücher.

Wer schreibt denn für euch?

F: Es gibt immer so einen Kern von vier, fünf Leuten, die schon seit drei Semestern dabei sind.

Lina: Wir drei sind nacheinander Textchef, im monatlichen Wechsel betreuen wir die Texte. Wir achten darauf, dass nicht zwei Texte gleichzeitig online gehen, dass alles ein bisschen aufeinander abgestimmt ist. Wir planen unsere Redaktionssitzungen auch immer groß, aber meistens wird es ganz anders. (lacht)

F: Es ist ein recht offenes System. Prinzipiell kann jeder mitmachen, der Bock hat.

Trotzdem schreiben ja vorrangig Leute aus eurem Studiengang für „litaffin“. Wie sieht denn das Studium der Angewandten Literaturwissenschaft überhaupt aus?

Dennis: Wir sind ein literaturwissenschaftlicher Studiengang, das ist eindeutig. Aber bei uns sind die Dozenten nicht Literaturprofessoren oder Wissenschaftliche Mitarbeiter. Es sind hauptsächlich Leute aus der Praxis, die irgendwann mal einen philologischen Studiengang gemacht haben und jetzt in Verlagen, Veranstaltungsinstitutionen oder ähnlichem arbeiten. Und die bringen uns bei, wie wir mit unserem theoretischen Studium praktisch Geld verdienen können. Oder auch kein Geld verdienen und trotzdem Spaß haben können.

Ihr habt also dieses furchtbare Problem, dass Freiberufler ankommen und sagen: „Macht das bloß nicht, damit kann man kein Geld verdienen!“

D: Eher: „Wenn ihr wirklich Geld verdienen wollt, solltet ihr was anderes studieren.“

L: Wir haben so eine Vortragsreihe ganz am Anfang des Studiums, wo wir eine Bandbreite an Menschen sehen, die im Literaturbetrieb arbeiten und alle nicht viel Geld verdienen. Die waren aber alle so begeistert von dem was sie tun, dass es für mich eher eine Motivation war.

Um zurück zu „litaffin“ zu kommen: Ihr seid ja schon eher ein Onlinemagazin als ein Blog. Warum habt ihr euch nicht dafür entschieden, ein Printmedium daraus zu machen?

F: Nee, dafür bietet das Internet einfach zu viele Möglichkeiten. Es gibt unglaublich viele Literaturinteressierte, die im Internet unterwegs sind: Verlagsleute, Journalisten, Menschen, die irgendwas mit Büchern zu tun haben. Gerade auf Twitter oder Facebook.

L: Auch passt es irgendwie. Wir waren schnell recht erfolgreich, hatten schnell ziemlich viele Freunde auf Facebook und Twitter. Wir wurden auch von Perlentaucher mal besichtigt und waren im Freitag.

Was sind denn eure inhaltlichen Schwerpunkte?

F: Große Schwerpunkte sind der Literaturbetrieb und Büchermenschen allgemein. Wir berichten aber auch über Veranstaltungen in Berlin und schreiben Rezensionen. Die Wahl ist eher themengebunden, wie zum Beispiel die Reihe „Lieblingsbücher“. Im Sommer hatten wir eine Aktion, wo wir Bücher aus unabhängigen Verlagen vorgestellt haben, die man sonst kaum wahrnimmt.

L: Und wir twittern jeden Tag. Das machen wir ziemlich viel. Und dadurch haben wir auch viele Leser gewonnen.

Ihr seid so ein bisschen die Social-Media-Profis, oder?

F: Als wir bei Frau Richter vor anderthalb Jahren angefangen haben, war die erste Frage, die sie stellte: „Was lest ihr eigentlich für Blogs?“ Dann sagten alle: „Hm, wenn ein Freund von mir im Ausland ist. Oder Spiegel-Online lese ich vielleicht noch und ansonsten Internet, na ja…“ Durch das Selbermachen hat sich das komplett umgekehrt. Wir kennen jetzt diverse Literaturblogs und -seiten. Auf der Leipziger Buchmesse haben wir auch andere Twitterer getroffen, uns ausgetauscht. Es ist schon eine Welt für sich, die auch was total Nettes und Herzliches hat.

Was habt ihr auf der Leipziger Buchmesse gemacht?

F: Unser Studiengang hatte dort einen Stand. Aber für uns war das eher Privatvergnügen, wir waren zum Beispiel beim Twittagessen. Man trifft sich mit anderen Twitterern, eben zum Mittagessen. Da haben wir allen unsere litaffin-Buttons in die Hand gedrückt und sind dadurch mit Leuten ins Gespräch gekommen.

Was wird mit „litaffin“ passieren, wenn ihr euer Studium beendet?

D: Im Moment ist es so, dass wir es durchaus nebenher noch machen können.
F: Aber es wird wohl von Generation zu Generation weitergegeben werden.
D: Das ist halt schade für uns, weil wir dann raus sind. Aber es soll ja ein Blog des Studiengangs bleiben.

Zum Schluss noch ein paar Meinungsfragen an unsere Literaturexperten: Was haltet ihr von E-Readern? Sind E-Books die Zukunft des Buches? Was bedeutet das für den Literaturbetrieb?

F: Wir haben uns viel mit E-Books beschäftigt, als der Trend losging. Es ist schon irgendwie geil, so ein IPad in der Hand zu halten, aber trotzdem möchte man damit nicht im Bett oder in der Badewanne lesen.
L: Aber dass man darin 300 Bücher packen kann und das mitnehmen kann… Also ich würde gedruckte Bücher niemals eintauschen, aber…
D: Ich denke, es sind zwei völlig verschiedene Medien, die sich nicht gegenseitig verdrängen.
F: Es ist auch Genre-abhängig. Vielleicht werden ja auch wissenschaftliche Texte mehr digitalisiert werden.
L: Zeitungen könnten allerdings untergehen. Das ist nicht unwahrscheinlich. Die haben einfach kein praktisches Format. Früher dachte man auch, dass Pferdekutscher ein erträglicher Beruf wäre.

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