Präsidium lässt besetzten Seminarraum räumen

Am Mitt­woch gegen 23.30 Uhr räumte die Poli­zei das Semi­nar­zen­trum in der Rost– und Sil­ber­laube. Bildungsstreik-Aktive hat­ten ihn nach der Voll­ver­samm­lung am Nach­mit­tag besetzt, um sich einen offe­nen Dis­kus­si­ons­raum zu schaf­fen. Von Mar­ga­re­the Gallersdörfer

Zum Schluss zog das Prä­si­dium es durch: Um 0.30 Uhr befan­den sich keine Stu­die­ren­den mehr in der Sil­ber­laube. Bis kurz nach 23 Uhr war auf den Flu­ren des Semi­nar­zen­trums noch spe­ku­liert wor­den, ob die Ankün­di­gun­gen wohl ernst gemeint seien. Gegen 20 Uhr waren zwei Ver­te­ter der Uni­ver­si­täts­lei­tung im Semi­nar­zen­trum erschie­nen. Nach­dem sie sich nach eini­gen Dis­kus­sio­nen den Regeln des Ple­nums füg­ten und sich auf die Rede­liste set­zen lie­ßen, baten sie darum, die Räum­lich­kei­ten der Sil­ber­laube, ent­spre­chend der Öff­nungs­zei­ten, bis 22 Uhr zu ver­las­sen. Sollte dies nicht gesche­hen, werde das Prä­si­dium „von sei­nem Haus­recht Gebrauch machen“.

Laut ihrer Aus­sage teile das Prä­si­dium einige der For­de­run­gen durch­aus. Sie plä­dier­ten jedoch für Rück­sicht auf die Raum­not an der FU und boten den Stu­die­ren­den an, ihnen einen ande­ren Raum zur Vefü­gung zu stel­len, den sie inner­halb der Öff­nungs­zei­ten für Dis­kus­sio­nen nut­zen könn­ten. Die Stu­die­ren­den lehn­ten das ab und for­der­ten unter ande­rem rund um die Uhr freien Zugang zur Sil­ber­laube und zu den Toi­let­ten im Unter­ge­schoss. Kri­ti­siert wurde das Vor­ge­hen, sich einer­seits teil­weise soli­da­risch zu erklä­ren und ande­rer­seits mit dem Haus­recht zu dro­hen. Sie wehr­ten sich außer­dem dage­gen, „den Schwar­zen Peter zuge­scho­ben“ zu bekom­men: Die Raum­not sei einer der Gründe, warum sie pro­tes­tier­ten. Zudem frag­ten sie, was es mit den Gerüch­ten auf sich habe, dass sich Zivil­po­li­zis­ten auf dem Cam­pus befän­den. Der Ver­tre­ter des Prä­si­di­ums gab an, davon nichts zu wissen.

Auch spä­ter, als er in Beglei­tung von Zivil­po­li­zis­ten wie­der­kam, sah er sich nicht imstande, dar­über Aus­kunft zu geben, ob diese schon vor­her dage­we­sen seien. Die Poli­zis­ten mach­ten Anstal­ten, das Wort zu ergrei­fen, um die Stu­die­ren­den über die Kon­se­quen­zen ihres Han­delns auf­zu­klä­ren; das Wort „Straf­an­zeige“ fiel. Das Ple­num beschloss, die Poli­zei nicht anzu­hö­ren, da man sich nicht ein­schüch­tern las­sen wolle und statt­des­sen selbst einen Work­shop „Rechts­be­ra­tung“ anzubieten.

Als gegen 23 Uhr Sire­nen erklan­gen, war die Zahl der Stu­die­ren­den im Semi­nar­zen­trum schät­zung­weise von 40 auf 80 ange­wach­sen. Einige ver­lie­ßen die Räum­lich­kei­ten auf Auf­for­de­rung der Poli­zei frei­wil­lig, ca. 50 Pro­tes­tie­rende lie­ßen sich durch das Men­sa­foyer von den Beam­ten hin­aus­tra­gen. Laut Berich­ten von Betei­lig­ten haben die Poli­zei­be­am­ten dabei ver­sucht, ihren eige­nen Rücken zu scho­nen. Sobald sie außer Sicht­weite der Sitz­strei­ken­den waren, hät­ten sie gefragt, ob man jetzt nicht auch lau­fen könne, die Show sei ja nun vor­bei. „Scheiße, schon wie­der nicht geklappt!“, habe ein Poli­zist gesagt, als sie sich wei­gerte, berich­tete eine Stu­den­tin amüsiert.

Vor dem Semi­nar­zen­trum kam es zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen der Poli­zei und Stu­die­ren­den, die ziem­lich rabiat vom Ein­gang weg­ge­drängt wur­den. Gegen 0.15 Uhr war der Ein­satz, an dem 140 Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten betei­ligt waren, been­det. Alle Stu­die­ren­den, die das Semi­nar­zen­trum nicht frei­wil­lig ver­las­sen hat­ten, wur­den wegen Haus­frie­dens­bruch angezeigt.

17. November 2011, Campus

2 Kommentare

  1. Wer gegen die­sen Skan­dal pro­tes­tie­ren will kann hier eine Peti­tion fuer den Rueck­tritt von Alt unter­zeich­nen: http://openpetition.de/petition/online/ruecktritt-des-fu-praesidenten

    Comment von protest — 21. November 2011, 15:23

  2. […] am ver­gan­ge­nen Mitt­woch zogen etwa 200 Stu­die­rende ins Semi­nar­zen­trum. Noch in der­sel­ben Nacht wurde geräumt, 56 Stu­die­rende sehen sich mit einer Straf­an­zeige wegen Hausfriedensbruchs […]

    Pingback von FURIOS Online – Versuch einer Besetzung — 21. November 2011, 18:51