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Deutschlands neue Stipendiaten

Das Deutschlandstipendium wurde im vergangenen Sommer bundesweit eingeführt. Ab diesem Semester haben auch FU-Studierende die Chance, gefördert zu werden. Von einem Prestigeprojekt und seinen Startschwierigkeiten berichten Rani Nguyen und Markus Mayr.

Bis zu 0,45 Prozent der Studierenden können gefördert werden. Berlin ist davon noch weit entfernt.

Seit Anfang des Jahres hat Deutschland ein neues Stipendienprogramm. Ab diesem Semester sollen auch FU-Studierende davon profitieren. Derzeit wertet die Uni die 425 Bewerbungen aus. Im Unterschied zum BAföG kommt das Geld für das Deutschlandstipendium aber nicht nur vom Bund, sondern zur Hälfte von Unternehmen, die die Hochschulen selbst als Spender gewinnen müssen. Im industrieschwachen Berlin ist genau das aber gar nicht so einfach. Die Bayer AG und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, beides DAX-Unternehmen, sind schon im Boot. Ansonsten läuft die Akquise schleppend. Gesetzlich können an jeder Hochschule bis zu 0,45 Prozent aller Studierenden gefördert werden, das entspräche 153 Stipendien an der FU. Tatsächlich werden es jedoch gerade einmal 32 sein. An der HU sieht es ähnlich aus, dort erhielten in diesem Jahr 33 Stipendiaten Geld – bei 124 möglichen Stipendien. Um die klammen Spendenkassen aufzubessern, machen FU und HU nun gemeinsam Jagd auf zahlungskräftige Großunternehmen. 300 Euro monatlich gibt es für jeden Stipendiaten auf die Kralle – und das unabhängig von BAföG oder Elterneinkommen. Neben Topnoten sollen besonders sozialer Einsatz abseits des Campus und gesellschaftlicher Hintergrund bei der Förderung berücksichtigt werden.

So zählt Lena (22) von der HS Coburg zu den ersten Stipendiaten des Landes. Ihr kam besonders ihr ehrenamtliches Engagement zugute, in ihrer Freizeit packt sie Lebensmitteltüten bei der Hofer Tafel. Für die BAföG-Empfängerin bedeutet das Stipendium eine finanzielle Entlastung. Jetzt könne sie sich auch einfach mal ein Mensaessen gönnen, ohne im Hinterkopf nachzurechnen, sagt die Studentin der Sozialen Arbeit.

Vor allem ist das Deutschlandstipendium aber eine Begabtenförderung. Da kann das persönliche Profil noch so viel Ehrenamt und bewegten Hintergrund aufzeigen – sind die Leistungen nicht angemessen, gibt es auch kein Geld. BWL-Student Andreas (22), Notenschnitt 1,2, ist einer von 22 Mitgliedern des Elitenetzwerks der TU München, der ohne Motivationsschreiben und Auswahlgespräch an eines der 30 zu vergebenden Stipendien kam – nur aufgrund von Leistung und Empfehlung des Netzwerks. Werden etwa vor allem Studierende aus wirtschaftsaffinen Bereichen unterstützt? Die Einflussnahme der Unternehmen auf den zu fördernden Fachbereich ist zumindest gesetzlich geregelt. Bei zwei von drei Stipendien dürfen die Geldgeber mitreden, das verbleibende Drittel wird davon unabhängig vergeben.

Das Prestige heischende Projekt von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist zugleich ein Geld verschlingendes. Allein für das Marketing gab das Bildungsministerium im ersten Halbjahr 2,7 Mio. Euro aus, nur 1,4 Mio. Euro an Bundesgeldern kamen bei den Studierenden an. Zusätzlich belasten Verwaltungs- und Personalkosten, die nicht vom Bund abgedeckt werden, die ohnehin schon maroden Hochschulkassen. Mit Hilfe der etablierten Struktur des BAföG könnte das Geld direkt an die Studierenden fließen – ganz ohne Extrakosten für Spendenakquise und Marketing. Bereits heute schon profitiert jeder vierte Studierende vom BAföG, da wäre ein weiterer Ausbau ein zusätzlicher Schritt in Richtung Chancengleichheit. Beim BAföG bestimmt nämlich nicht die Wirtschaft, wer das Potenzial besitzt, Deutschlands Zukunft zu gestalten.

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