Extrem laut und unglaublich Bla | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Extrem laut und unglaublich Bla

Max Krause studiert eigentlich Mathematik. Für FURIOS wagt er sich in Räume, die er bisher nur vom Hörensagen kannte. Eindrücke aus einem Literaturseminar.

Wo bin ich hier gelandet?

Wo bin ich hier gelandet? Illustration: Christoph Spiegel

So also sieht ein Literaturwissenschaftsseminar von innen aus. Meine Vorstellungen bestätigen sich auf den ersten Blick: Schon der Dozent wirkt mit seinem aus dem Strickpullover stehenden Hemdkragen und den zerzausten Haaren wie die Karikatur eines Literaten; die Teilnehmer sind Studierende von dem Typ, der sich gern gegenseitig als Hipster beschimpft. Das Seminar eröffnet ein besonders eloquenter Kommilitone mit einem Referat. Genüsslich erzählt er von Foucaults Text, dem Stoff der Woche. Natürlich darf auch ein Verweis auf Werke anderer Philosophen nicht fehlen.

Zum Schluss wird noch ein Fight-Club-Zitat gereicht, um klar zu machen, dass für den Vortragenden Hoch- und Popkultur kein Widerspruch sind. Am Ende des Vortrages weiß ich zwar wenig über den Text, dafür aber umso mehr über das Geltungsbedürfnis des Referenten. Dann beginnt das, was sich unter Geisteswissenschaftlern wohl gemeinhin »Diskussion« schimpft: ein Feuerwerk aus Worthülsen und Satzkonstruktionen, deren Sinn sich mir nicht erschließt.

Da sollen „sedimentierte Alltagsideologien aufgebrochen“ werden, es wird behauptet, die Wahrheit habe die Aufgabe, sich selbst zu verschleiern, und überhaupt: Als Strukturmotiv einer Archäologie der Wissenschaften könne der Wahrheitsbegriff nicht weggedacht werden. Genau! Als eine Studentin irgendwann die Frage stellt: „Diskurseffekt – was heißt das überhaupt?“, bin ich ihr zutiefst dankbar; eine Antwort bleibt die Runde aber leider schuldig. Überhaupt scheint man hier weniger an Antworten als vielmehr am Klang der eigenen Stimme interessiert zu sein. Als die Stunde zu Ende geht, bin ich froh, aus diesem trüben Sumpf der Worte wieder in die klare Welt der Zahlen zurückkehren zu dürfen. Die Literaten überlasse ich lieber sich selbst – damit sind sie beschäftigt genug.

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Verbindung gekappt

Nationalistisch, sexistisch, rassistisch – so stellen sich viele eine Studentenverbindung vor. Unser Autor Lev Gordon war Mitglied in einem der umstrittenen Männerbünde. Die Geschichte eines Aussteigers  » weiterlesen